Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1935)
- Date
- 1935-01-24
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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24. Januar 4935 Der Israelit Nr. 4- Seite 11 Beim; Alten,so sinkt und verflacht die Rolle des Hebräischen Im-Aufbau des Landes, den es begleiten und beherrschen sollte. Abschließend gibt Grünbäum em Bild von dem natürlichen Wachstum der Einwanderung, die sich steigert durch die immer größere Xopitalisteimmigration, das Wachstum der Universität in; Jerusalem und des Technikums in Haifa, "die nun erreichte Zuteilung von Studentenzertifikaten auch an Jeschiwot und das Erstarken der Wirtschaft. So schätzt rGrünbaum —r bei gleichbleibendem Schedul im-Frühjahr und Herbst 1935 die Zahl der Einwanderer im Jahre 1935 auf 50.000 bis 60.000. Hierbei gibt Grünbaum seiner Genugtuung über die reibungslose Zusammenarbeit mit der Agudas Jisroel in Jerusalem Ausdruck, die von der Agency auch jetzt mehrere hundert Zertifikate erhalten und gemeinsam mit ihren Landesorganisationen in Zusammenarbeit mit den Palästinaämtern verteilt. Die Agency begrüßt die Bildung gesetzestreuer Hachscharot seitens der Agudas Jisroel und sucht ihre berechtigten Ansprüche auf Einlaß nach Erez Jisroel zu befriedigen. Diesen Vortrag ergänzend, schildert Herr Barlas seine Eindrücke von seiner letzten Europareise;» Es herrscht geradezu ein Hunger auf Alijah. Alle jüdischen Kreise der Gola ohne Unterschied empfinden die Alijah als aktuell auch für sich. In Warschau liegen mehr als 10.000, in Wien nur für den Stadtkreis "Wien 1000 geprüfte Anträge vor, und insgesamt stehen buchstäblich mehr als 100.000 Juden in aller Welt zur Alijah bereit, hinter sich weitere Tausende, die ihnen gern folgen würden. Allein die Transportfrage hat sich schon als ein schweres Problem erwiesen, das jetzt auch von den Schiffahrtsgesellschaften erkannt wird: Demnächst stellt der Lloyd Triestino ein drittes, die polnische Linie ein zweites Schiff neben „Polonia" in Dienst. Künftig wird auch die Einwanderung zu Lande erfaßt und organisiert werden müssen. Mitgeteilt wird noch, daß die Regierung neuerdings mehr ,,Kleinkapitalisten"-Zertifikate gibt, ebenso Zertifikate für Besitzer von 500 Lst. im Falle der bereits vollzogenen Pachtung von Nationalfond-Boden, für Bräute von Einwanderern und für alte, besonders verdiente, angesehene Führer zionistischer Arbeit in der Gola, all diese Visen ohne Anrechnung auf den Schedul. Amerika. Das amerikanische Judentum feiert Maimonides. New York, 15. Jan. Unter dem Vorsitz des Leiters der New Yorker Talmud-Hochschule „Jeschiwath Rabbi Jizchak Elchanan", Rabbiner Dr. David Revel, fand eine Beratung orthodoxer Führer des jüdischen Amerika statt. Es wurde beschlossen, den 800. Geburtstag des Hambam gebührend zu feiern und dieser Feier, die der Persönlichkeit des Maimonides angemessene religiöse Note zu verleihen. Zur Vorbereitung der Feier wurde eine Kommission aller orthodoxen Organisationen gebildet. Die Feiern werden im ganzen Lande stattfinden. Die Absolventen der „Jeschiwath Rabbi Jizchak Elchanan", die in ganz Amerika als Rabbiner tätig sind, haben beschlossen, ihre Predigten am kommenden ersten Pessachtag —- Maimonides wurde am Vorabend des Pessach geboren — den Lehren und dem Geist des Rambam zu widmen. „Palästinatag" in Amerika. Washington, 20. Jan. Unter außerordentlich starker Beteiligung wurde am 20. Januar in Washington der erste amerikanische .;Palästinatag" eröffnet, eine gewaltige Kundgebung fler amerikanischen Judenheit für den Gedanken des Aufbaus der jüdischen Heimstätte in Palästina, zu der eine gr,o,ße Zahl jüdischer Organisationen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten insgesamt etwa 2000 Delegierte entsandt hatten. Präsident R-oosevelt, Staatssekretär {Außenminister) H u 11 und andere Mitglieder der amerikanischen Bundesregierung hatten Grußbotsphaften an. die Tagung gerichtet, in ^enen sie ihre Sympathie für die Bestrebungen zum Aufbau Palästinas äussprechen und dem Aufbauwerk Erfolg wünschte^. Auf der Tagung wurde bekanntgegeben, daß die Juden Amerikas im Laufe der letzten 15 Jähre 100 Millionen Dollar in Form von privaten Investitionen und Beteiligung an öffantliehän Einrichtungen und Unternehmungen nach Palästina gebracht nahen und somit außer ihrer starken ideellen. Verbundenheit mit dem Werk jüdischer Erneuerung, in Palästina auch wirtschaftliche Interessen, an der weiteren ungestörten und gedeihlichen Entwicklung des Landes haben. Der „Palästinatag" soll nunmehr zu einer ständigen Einrichtung in Amerika werden und alljährlich als Manifestation der Entschlossenheit des amerikanischen Judentums, mit aller Kraft an der Vollendung des jüdischen Palästina-Aufbaus mitzuarbeiten, wiederholt werden. „Denn er ist ein Mensch gewesen, und das heißt ein Kämpfer sein." Nun ruht er aus. Seine Freunde aber und die ganze gesetzestreue Judenheit Deutschlands schulden ihm Dank über das Grab hinaus für all das, was er an redlichem Wollen und opfervoller Tat für sie eingesetzt hat. Obzwar die Stunde der Beerdigung nicht bekannt gegeben worden war, hatten sich am Donnerstag doch zahlreiche Verehrer des Verstorbenen auf dem Friedhof in Weißensee eingefunden. Im Trauerhause würdigte Rabbiner Dr. Link die besonderen Verdienste des Entschlafenen um die religiösen Belange des thoratreuen Judentums. Auf dem Friedhof in Weißensee sprachen Rabbiner Dr. Heinrich Cohn sowie Herr Fritz Cohn, sowohl im Namen der Familie als auch für die konservativen Kreise der Berliner Judenheit ehrende Worte des Gedenkens. -nrasw Personalien. Moritz A. Loeb V''3£T* Berlin, 17. Jan. Unerwartet ist mitten aus ungeschwächter lebendiger Aufgeschlossenheit für alle jüdischen Gesamtheitsanliegen heraus, im 73. Lebensjahre, Moritz A. Loeb, der langjährige Führer der Berliner Gemeindeorthodoxie, in ein besseres Leben abberufen worden. Einem kleinen hessischen Landstädtchen entstammend, hatte M. A. Loeb, früh verwaist, in der Frankfurter Religionsgesellschaft eine zweite Heimat gefunden, die S. R. Hirsch-Realschule, dank seinen hervorragenden Geistes- und Willens-Qualitäten, mit glänzendem Erfolge absolviert und dann, im Geschäftsleben tätig, durch eifriges Selbststudium sich ein bedeutendes Wissen, insbesondere auf volkswirtschaftlichem und versicherungswissenschaftlichem Gebiete angeeignet. Weltanschaulich ganz in den religiösen Prinzipien seiher Jugenderziehung verwurzelt, zeitlebens ein glühender Verehrer Rabbiner Hirschs b?m und im praktischen Leben allezeit bemüht, dem Thoragesetz unter mannigfachen Opfern die Treue zu wahren, widmete er, in der Frankfurter Zeit schon, dem öffentlichen jüdischen Leben eine anregende und befruchtende Tätigkeit. Die Gründung des „Vereins zur Versicherung gegen Stellenlos i<gkeit Schomre Schabbos" im Jahre 1898, des Verbandes der Sabbatfreunde", der Israelitischen Stellenvermittlungszentrale, der „Darlehenskasse der Sabbat f r e u n d e ", später der noch heute segensreich wirkenden „Jüdischen Frauenvereinigung" war sein. Werk; der Ueberführung des „Israelit" nach Frankfurt im Jahre 1905 und seiner geschäftlichen Reorganisation hat er eine ebenso mühereiche, wie uneigennützige Arbeit gewidmet und dem Blatte dann fünf Jahre lang eine zeitraubende administrative Fürsorge rein um der Sache willen, zugewandt. An der Erweiterung der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" im Jahre 1907 hat er als Ausschußmitglied aktiven Anteil genommen, in den schweren Kämpfen der Orthodoxie mit den unheilvollen Zentralisationsbestrebungen des Deutsch- Israelitischen Gemeindebundes und, den Gebetbuchreformen des Badischen Oberrats an führender Stelle wacker seinen Mann gestanden und bei der Vorbereitung der Gründung der Agudas Jisroel-Weltorganisation eifrig mitgewirkt. Mit seiner Uebersiedlung nach Berlin wandten sich, von Anfang 1912' an, die Interessen des unermüdlich Planenden und Schaffenden mehr und mehr der großen Berliner Jüdischen Gemeinde zu. Der Wirkungskreis der unabhängigen Orthodoxie auf dem Boden der Berliner „Adaß Israel" schien ihm zu eng, und er träumte davon, all die Tausende von Provinzjuden, die jahraus, jahrein in das Sammelbecken der Großgemeinde strömten, für das Idealjudenlum S. R. Hirschs '"st — das ihm nach wie vor Ideal blieb — auf anderen Wegen retten zu können, als der Meister selbst sie gelehrt. Erst in den letzten Jahren hat er sich, obgleich das Alter sich wenig bei ihm geltend machte, - allmählich von der öffentlichen Tätigkeit in Berlin zurückgezogen, die ihm viel Ehre und Anerkennung, aber nicht minder ein gerütteltes Maß von Feindschaft, Verkennung, Enttäuschung und Verdruß brachte. Aber er ruhte und rastete nicht; noch in den letzten Monaten hat er sein ganzes Temperament in den Dienst einer neuen Aufgabe gestellt, zu deren Lösung er die verschiedenen Gruppen der gesetzestreuen Judenheit Deutschlands in gemeinsamer Arbeit sammeln wollte. Sein plötzlicher Heimgang raubt auch diesen ' Bestrebungen ihren, fast möchte man sagen, jugendlichsten Befürworter. Mit einer Tochter des unvergeßlichen Numismati- : kers und Erez Isroel-Freundes Leopold Hamburger i V'ST in Frankfurt a. M. in glücklicher Ehe verheiratet, hast Moritz A. Loeb in seinem Familienleben und in dem treu gehüteten Sabbat Ersatz gefunden für. manchen äußeren Glanz, den ihm -das Leben versagte — zu kämpfen hatte er immer, aber das entspracH recht eigentlich seiner kraftvollen, streitbaren Natur — man darf das Dichterwort auf ihn anwenden: Berlin, 15. Jan. Am 10. Januar verstarb in Berlin der Lehrer Karl Singermann. Mit ihm ist eine markante jüdische Lehrerpersönlichkeit dahingegangen. Er war mit einem reichen jüdischen Wissen ausgestattet und lebte seinen zahlreichen Schülern in all den Gemeinden, in denen er gewirkt, ein vorbildliches Dasein der Gläubigkeit und G'ttesfurcht vor. Auch jedem allgemeinen Unterricht verlieh er durch seine jüdische Herzenswärme den Hauch des G'ttlichen. Er war ein Freund der Jugend und ein geachteter Berater der Gereiften und Erwachsenen. Viele verdanken ihm Bildung und Charakter, n'asan. Buttenhausen (Württbg.), 20. Jan. Ein Leben im Dienste G'ttes, geadelt von vornehmer Gesinnung und ergreifender Bescheidenheit, durchglüht für min und nmv das nur eine Aufgabe kannte, ein durch und durch jüdisches Haus zu führen, das insbesondere in seinem nnw geradezu vorbildlich war und nur einen Wunsch, alle Kinder mwn im zu wissen, ging zu Ende, als nach 33jähriger Ehe Frau Hanna Berling e r rry im Alter von 59 Jahren von ihrem Gatten und ihren 8 Kindern am nDWn nzv abberufen wurde. Ergreifend gestaltete sich die bei der Herr Oberlehrer Berlinger, der schwergeprüfte Gatte, wie auch der älteste Sohn, Herr Dr. Jacob Berlinger, Mainz p'Txa waren. Letzterer bereitete der Mutter noch auf schwerem Krankenlager die Erfüllung ihres sehnlichsten Wunsches, als er von der Thoralehranstalt na'!?' in Frankfurt für nmin> *im erkannt wurde. Auch Herr Dr. Schlesin g e r, Buchau überbrachte letzte Grüße. Möge diese seltene Frau für uns alle ein ivx* fbn sein, n-awn Amsterdam, 15. Jan. Im Alter von 66 Jahren verstarb in Utrecht der Professor für Römisches Recht an der dortigen Universität und Staatsanwalt am Hohen Militärgericht im Haag, Dr. J, Hamburger. Der Verstorbene war hervorragend im Rechts¬ und Wirtschaftsleben tätig. Er war eine der bekanntesten Figuren der holländischen Judenheit. Mehrere Jahre lang war er Vorsteher der Jüdischen Gemeinde in Utrecht, seit 1930 Mitglied des Zentralkomitees der holländisch-jüdischen Gemeinden. Als streng orthodoxer Jude war er Mitglied der Agudas Jisroel. Er war Kurator der holländischen Rabbiner- und Lehrerhochschule in Amsterdam. Von der Jeschiwah in Montreux erhielt er den Morenu-Titel. Von Königin Wilhelmine war er zum Offizier des Ordens Oranien- Nassau ernannt worden. Fl"3S3n Vermischtes. Ein Festtag in Mainz. Mainz, 22. Jan. Die Israelitische Religionsgesellschaft zu Mainz feierte am Sonntag ein Fest, wie. es eben nur die Mainzer mit ihrer traditionellen Gastfreundschaft und ihrem rheinischen, heiteren Temperamente zuwege bringen. Die von Rabb. Dr. Markus Lehmann ^"si-1860 gegründete jüdische Schule, eine Volksschule mit fakultativen Kursen für höhere Bildung, sieht auf ihr 75jähriges Bestehen zurück. Grund genug, in einer Zeit, die wie keine andere die prophetische Schau unserer Führer im vorigen Jahrhundert bei ihren Schulgründungen vollauf bestätigt und gerechtfertigt hat, zu feiern, und Frankfurt durfte mitfeiern und war auch am Feste gut und würdig vertreten. Die Veranstaltung gliederte sich in drei Teile: Akademische Feier, Kindervorführungen und gemütlicher. Abend, so d.aß der Tag von der Morgenfrühe bis lange nach Mitternacht die nach vielen hunderten . zählenden Teilnehmer in steigendem Maße in Fest- : Stimmung zusammenhielt. Die akademische Feier. Schon lange vor Beginn füllte vormittag eine festgestimmte Menge den großen Saal im Kettlerhof bis auf den letzten Platz. Es ertonten feierliche Harinoniumklänge (Frl. S t e r n b. e r g) und Herr Öberkäntor Lomnitz sang ein stimmungsvolles Matowü. Darauf richtete vom Vorstände der. Mainzer I. R. Q. Herr Hugo C a h n in einprägsamen Worten den Willkömmensgruß an die Festversammlüng, die Mainzer und