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Der Israelit · 1935-01-24 · Heft 4 (24.1.1935) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 4 (24.1.1935)
Date
1935-01-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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24. Januar 1935 Der Israelit Nr. 4 Seite 7 machen dürfen, obwohl er nur auf Grund solcher Kenntnis von dessen , ^finsterem;! Fanatismus"- hätte; reden dürfen. Allein es gab zu seiher Zeit schon genug in deutscher Sprache 'abgefaßte Werke — wir verweisen nur auf das hervorragendste und umfassendste, den Kommentar zum Pentateuch von; Samson'Raphael "Hirsch,.—, aus denen eine eingehende Kenntnis des Judentums, wie ■, es sich aus dem Talmud und dem nachbiblisöhen Schrifttum darbietet,/Zu schöpfen ist auch für denjenigen, der die hebräische und aramäische Sprache nicht beherrscht. Solche Bücher kann aber Treitschke nicht gelesen h'aben, wie es doch wohl für ihn als gewissenhaften Historiker Pflicht gewesen wäre. Wie : hätte ^er sonst''es wagen können, in hämischer Weise zu schreiben: „ ... er (der preußische Staat) fordere, nur, daß sie (die Juden.]"sich durch ehrliche Arbeit ernähren und die schwierige Kunst des Waschens .und Kämmens nicht ganz versäumensollten." Der hier angedeuteten tiefen' Unkultur ist. der l'almudjude 'gar-..nicht fähig, weil sein Religionsgesetz ihm picht gestattet, auch nur einen Bissen Brot ohne vorangegangenes Händewaschen zum Münde zu führen. Der vielgeschmähte Talmud geht in seinen Anforderungen an Körperreinheit viel weiter als irgend ein noch so sorgfältig ausgearbeiteter Kodex reinlicher Lebensführung, denn er verlangt Händewas'chen auchnach jeder natürr liehen Verrichtung." Daß diese echtjüdische Dialektik keinerlei Rücksicht nimmt auf die Tatsache, daß die abfälligen Urteile Treitschkes über das Judentum durch zahllose Ergebnisse de-r Judenforschung längst bestätigt worden sind, kann nicht wundernehmen. Uns interessiert nur, daß diese . sattsam, bekannte Taktik des Totschweigens hier angewandt wird, um der gesamten Judengegnerschaft den schweren Vorwurf leichtfertiger-Unwissenheit zu machen. Von geradezu humoristischer Naivität ist aber die Zumutung, der Nichtjude solle seine Kenntnis des Judentumes aus dem Buche eines jüdischen Rabbiners schöpfen; und. man;solle seine Augen und seine Geruchsnerven vor der tausendjährigen Erfahrung der jüdischen Wasser- und Seifenscheu gutgläubig verschließen! Zum Schlüsse kokettiert der Jude Kalifeins wieder mit der angeblich im Weltkriege . bewiesenen Heldenhaftigkeit der „deutschen" Juden und stellt mit Bedauern fest, daß auch sie nicht vermocht habe, „in unseren Tagen" den Juden die Gleichberechtigkeit zu erhalten. Im ganzen: Diese „Buchbesprechung" ist von einer durch die gebotene Vorsicht nur - mangelhaft bemäntelten Frechheit, da sie. auf'kaltem Wege alle Auffassungen des Nationalsozialismus über die Judenfrage als hohl und unbegründet hinzustellen versucht. Mit ihrem Gemisch von Unverschämtheit und Feigheit, ist sie zugleich eine ungewollte Bestätigung für die Richtigkeit des Bildes, das sich die gründliche deutsche Judenforschung, vom währen jüdischen Wesen gemacht hat." Daß. wir,' gleich allen politischen Zeitungen Deutschlands, V e r o r d n u n g e.n. g e g e n; „N i e h ta r i e r und gelegentlich auch-. j u d e rn g? e g;n e - rische Auslassungen; ,n a t i o n a 1 s,o z i alis.t-is ckfer Blätter und R e dn_e r , im i Wort-"' laute und oft o'hrn e Komme nt.a r. veröffentlichen, wird uns keiner verübeln, der die Pflicht derk.jüdischen -Presse kennt ' und 'anerkennt,, jibr«- Leser über; die wirkliche Lage ' zir orientieren, sie xim''Klaren' über die Grenzen ihrer Rechte zu halten und auch über das, was man ihnen mit Recht1 oder Unrecht vorwirft. Wir haben uns gegen die antideutsche Auslandspropaganda während der letzten zwei Jahre im übrigen oft und kräftig genug zur Wehr, gesetzt, um über den seltsamen Vorwurf der Förderung von „Greuelmärchen'' durch Wiedergabe offizieller Reden erhaben zu sein; Die wissenschaftliche Besprechung eines wissenschaftlichen Werkes ■>. wie; Treitschkes Geschichte endlich steht niit dem.;pqÜti:schen Kampfe der Gegenwart inkeinem Zusammenhang; ,diesei Besprechung, wäre vör? führ und .zehn Jahren genau ebensovrausgefällen wie' heute. . . '.r ' Die Juden an der deutschen Saar. B e r 1 i n, 21. Jan, Es ist erklärlich, daß der glückliche Ausgang der Abstimmung an der Saar die offiziellen Vertretungen der deutschen Judenheit veranlaßt, ihr Augenmerk den Juden im Saargebiet zuzuwenden und auch hier eine Rückgliederung zu vollziehen. Nach der Er: klärung der „Reichsvertretung der deutschen Juden", die wir bereits in der jüngsten Nummer gebracht haben,' erläßt nunmehr auch der Preußische L a;n d'esVerb and jüdischer Gemeinden einen Aufruf an die Syhagogengemeinden im Saargebiet zum Eintritt in den Landesverband. Einen ähnlichen Aufruf zur Wiedergewinnung der jüdischen Frontsoldaten in den Saargemeinden erläßt sowohl die Zentrale des Reichsb und es jüdischer Frontsoldaten wie auch der Landesverband Südwestdeutschlands des RjF. in Frankfurt a. M. Im letzteren heißt es u. a.i „Gerade unser Landesverband fühlt sich verpflichtet, in. dieser Stunde feierlich seiner freudigen Genugtuung über das Abstimmungsergebnis Ausdruck zu verleihen, weil die Ortsgruppen an der Saar zu ihm gehören*" Inzwischen hat die Bundesleitung der Ortsgruppe Saarbrücken des RjF. sowohl nach Berlin wie nach Frankfurt a. M. mitgeteilt, daß der RjF.- an der Saar von nun ab, unbehindert alle Anordnungen der Bundesleitung und des Landesverbandes vollziehen könne und werde'. Zu den Hoffnungen und freudigen Gefühlen von jüdischer Seite kontrastieren einige Angriffe in der gegnerischen Presse. So hat, nach einem Bericht der Fränkischen Tageszeitung, Gauleiter Julius S t reicher, auf einer Saarkundgebung in Nürnberg behauptet, Matz Braun, der das Leid in das Saarland und damit ins deutsche Volk brachte, gehöre jener Rasse an und jenem Volke, das durch den Mund Walter Rathenaus vor Jahrzehnten sagen ließ, 300 Männer, die sich gegenseitig kennen und durch das Blut verbunden sind, regieren die Geschicke der Welt. „Ihr Nürnberger, Deutsche, yergeßt nie; ein Jude war es, der an der Spitze des Terrors stand, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbanken und der jüdischen Weltbörse glaubte, dem deutschen Volke das Unglück bringen zu können, daß hunderttausend Deutsche für immer dem deutschen. --Volke _ ■-! - ■ ' genommen werden. Jawohl, wollen wir. .nie vergessen: Ein Jude stand an der Spitze 'der Schande,- die wir erlebten. -Und -wo41e"h: wir darüber hinaus sehen über diesen Sieg, hinein in die,Zukunft! Was wollen wir wünschen? Wir wollen wünschen, daß einmal ein Tag komme, wo die ganze ^Veit zur Abstimmung schreitet, wo der Menschheit, die Frage vorgelegt wird: Willst du noch weiterhin mit solchen Ghristus-- mördern gemeinsame Sache machen, willst du weiterhin mit ihnen zusammenleben, willst du weiterhindulden, daß das ewige Volk der Juden dich bedrücke und aussauge bis aufs Blut? Jawohl, schauen wir hinaus über diesen Feiertag, hinein in die: Zukunft: es muß der Tag der Erlösung kommen, der Tag der Befreiung aus der Fessel, die der Jude der> Menschheit;; umlegte.' ^\ ~ Wir glauben an einen Weltfrieden, der Weltfrieden-wird aber erst dann kommen, wenn die Macht des Weitfeindes gebrochen ist, der Weltfedhd ist der ewige Jude, und wir Nürnberger, wir Franken, sind stolz darauf, daß wir Stand gehalten haben auf dem Wegy den wir 14 Jahre.lang marschiert sind v!V . Wir oder 'unsere Kinder werden es noch einmal erleben, was wir vor vielen Jahren schon prophezeiten und immer wieder prophezeien werden: der Tag der Erlösung vom ewigen Juden, er kommt." In ähnlichem Sinne sind die Aeußerungen in dem Streicher'schen Blatte „Der Stürmer" gehalten. Wir wollen.jjdabeinur. kurz; registrieren, was alle Welt weiß, daß M a-;x-B.r a'üiri: k e i n J u d e ist und mit;J,ud e ni U:m,;-j üdi s c h e r Rasse, oder -g a r ütü d i s o h e r Ans c h au u n g. nie etwas zu tun hatte. Die.knapp 5000,Juden an der Saar.;jsetzen..sich zum größten Teil aus friedlichen Bürgern, Kaufleute&,: Akademikern ' und Kleinhändlern zusammen, die seit undenklichen Zeiten , in den Städten wohnen und durch und durch deutsch eingestellt sind. Ein ganz kleiner Teil besteht aus später Eingewanderten, zumeist östlicher Herkunft, die politisch nie hervorgetreten sind und, soweit sie aus Deutschland kamen, sich sogar bewußt reserviert hielten. Ueber die angebliche Aeußerung Rathenaus zu sprechen, erübrigt sich, denn diese Mär ist oft und eindringlich genug widerlegt worden. Jüdische Photographien. Berlin, 17, Jan. In der Zeitschrift „Der Photograph" vom 4. Januar befindet sich ein Inserat, in dem es heißt: „Achtung! Zu rassischen Studien werden folgende nur scharfe Bilder gesucht: 1. Juden am Strand und beim Tanz; 2. Juden und Arier (Mischpaare und Mischlinge); 3. Farbige und Andersrassige mit arischen Mädchen und umgekehrt. Sommerliche und Strandaufnahmen bevorzugt. Auswahlsendungen, möglichst mit Preisangabe unter S. E. 357 an den „Photographen" erbeten." Die ,;C.-V.-Zeitung" bemerkt hierzu, daß also mit einer neuen Bildermappe „Juden sehen Dich an" zu rechnen sei. Wir glauben umgekehrt, daß hier Juden wieder einmal scharf angesehen werden, und wir raten, daraus die Lehre zu ziehen, — sollte es noch nicht genügend geschehen sein, — all das zu vermeiden, was jene Inserenten an uns sehen und zeigen möchten. Die Vertretung nichtarischer Rechtsanwälte, Berlin, 20. Jan. In der „Deutschen Justiz" wird eine Ausführungsverordnung des Reichsjustizmiriisters über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und sonstige ' Angelegenheiten der Rechtsanwälte vom 16. Januar veröffentlicht. In dieser Verordnung werden Bestimmungen über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und die Bestellung von Stellvertretern u. a. auf Grund der Novelle zur Rechtsanwaltsordnung für die den Justizbehörden obliegende Bearbeitung von Angelegenheiten der Rechtsanwälte getroffen. In dem Abschnitt über die Behandlung des Zulassungsgesvrchs eines Anwalts wird dem Oberlandesgerichtspräsidenten die Prüfung des Gesuchs zugewiesen. Er veranlaßt insbesondere die erforderlichen Ermittlungen darüber, ob der Antragsteller arischer oder nichtarischer Abstammung" ist. In Bezug . auf die Bestellung von Stellvertretern für einen. .-Rechtsanwalt wird bestimmt, daß einem nichtarischen Rechtsanwalt kein Vertreter arischer Abstammung zu bestellen ist, der der NSDAP, oitfer einer ihrer Gliederungen angehört. Neue Anordnungen über Rassenfragen als Lehrfächv . .. .......... B e rli n 21. . (Jan. Der Reichserziehungsminister hat angeordnet, daßdie Behandlung von Rassefragen, Erblehre und Erbgesundheitspflege in den Schulgemeinden nur von geeigneten Kräften durchgeführt werden dürfe. Vor der Behandlung derartiger Stoffe habe sich der Schulleiter mit .dem als örtlichen Beauftragten des rassenpolitischen Amtes?der NSDAP, zuständigen Amtsleiter; des nationalsozialistischen Lehrerbundes in Verbindung zu setzen, damit eine Uebereinstimmung im Sinne der Aufklärungsarbeit gesichert sei. Der Reiehserziehungsminister hat, wie die Nationalsozialistische Parteikorrespondenz mitteilt, neue Richtlinien für das Studium der Rechtswissenschaft erlassen. Nach dieser neuen Studienordnung ist vorgesehen, daß der Student in den ersten beiden Semestern sich mit den völkischen Grundlagen der Wissenschaft vertraut machen soll. Vorlesungen über Rasse und Sippe, Volkskunde und Vorgeschichte und über die politische Entwicklung des deutschen Volkes, besonders in den letzten hundert Jahren, gehören danach an den Anfang jedes geisteswissenschaftlichen Studiums. , Fleischverbilligungsaktion der Breslauer;_>■ Gemeinde. Breslau, 18. Jan. Der Vorstand der Breslaüer Synagogengemeinde hat beschlossen, einen Betrag zur Fleischverbilligung

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