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Der Israelit · 1935-01-24 · Heft 4 (24.1.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 4 (24.1.1935)
Date
1935-01-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 Nr. 4 D Israelit 24. Januar 1935 sehen Gemeinde, in der Viele für die Wahl Chaim Solomons zum Vize-Bürgermeister eintreten, in Verbindung gesetzt zu haben. Zur Zeit finden dauernd Unterredungen der jüdischen Mitglieder des Stadtrats mit den führenden jüdischen Instanzen zu dem Zwecke statt, eine Lösung der Krise zu suchen, da man befürchtet, daß die droi Mitglieder des Stadtrats, die Anhänger S o 1 o - m o n s sind, andernfalls an den Beratungen dar Stadtverwaltung nicht teilnehmen würden. Oberkommissar Macdonald über die Auswandererfürsorge. Genf, 22. Januar. In einer Presse-Besprechung gab der Oberkommissar für Auswandererfürsorge, James G. MacDonald, seiner Genugtuung über die französische Initiative in der Frage der Auswanderer aus dem Saargebiet Ausdruck. Es sei zu hoffen daß diese neue Auswandererkategorie der privaten Freigebigkeit nicht zur Last fällen werde. Er dankte den Privatorganisationen, durch deren Opferwilligkeit es bisher gelungen sei, 35.000 Auswanderer in Palästina und anderwärts ansässig zu machen, wies aber darauf hin, daß immer noch Zehntausende Ausgewanderte unversorgt sind. Neue Bestimmungen für Handwerker« Berlin, 23. Januar. Durch Verordnung vom 18, Januar 1935 ist die Berechtigung zur Ausübung eines Handwerks an Voraussetzungen geknüpft worden, die von dem bisherigen Rechtszustand erheblich abweichen. In Zukunft ist der selbständige Betrieb eines Handwerks als stehendes Gewerbe nur den in der Handwerksrolle eingetragenen Personen gestattet. In die Handwerksrolle' kann wiederum nur eingetragen werden, wer die Meisterprüfung für das von ihm betriebene oder für ein diesem verwandtes Handwerk bestanden hat oder die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen besitzt. Ueber die Eintragung in die Handwerksrolle wird eine Handwerkskarte ausgegeben. Wie sich aus den Bestimmungen ergibt, hat die Verordnung für die gegenwärtig ein Handwerk ausübenden jüdischen Gewerbetreibenden nicht so große Bedeutung wie für den Nachwuchs, der in der Ausbildung begriffen ist und sich in Deutschland als jüdischer Handwerker niederlassen will. Ein Teil dieser jungen Leute hat sich darauf vorbereitet, ohne Meisterprüfung, aber nach Erwerb der genügenden Fachkenntnisse in Deutschland ein Handwerk auszuüben, wobei für diesen Ausbildungsgang nicht zuletzt die Frage des Alters der Umschichtler eine Rolle spielte. In Zukunft werden auch sie die Meister prüfung nach ordentlicher Lehrzeit ablegen müs sen. Im übrigen standen die für die Umschichtung maßgeblichen jüdischen Zentralstellen, insbesondere der Zentralausschuß für Hilfe und Aufbau, seit jeher auf dem Standpunkt, daß sich jüdische Jugendliche für die Ausübung eines Handwerks in Deutschland nur im Rahmen der üblichen Meisterlehre vorbereiten sollen. Es ist von jüdischen Stellen auch stets die Heranführung der bereits tätigen Handwerker zur Meisterprüfung befürwortet worden. Diese Bestrebungen erhalten durch die obige Verordnung besondere Wichtigkeit. Der Völkerbundsrat über die Lage der Juden in Danzig. Genf, 20. Januar. In dem neuesten Bericht des Völkerbundskommissars für die Freie Stadt Danzig, Jean L e s t e r , an den Völkerbundsrat wird auch die Lage der Juden in Danzig berührt. Dem Rat wird mitgeteilt, daß der Präsident des Senates der Freistadt, um der Beunruhigung entgegenzuwirken, die sich in gewissen Kreisen am Anfang des Sommers bemerkbar gemacht hat, am 2. Juli 1934 in der Danziger Presse eine Erklärung veröffentlicht hat, die besagt, daß die Verfassung der Freien Stadt Danzig jede Behelligung der Einwohner wegen ihrer Abstammung und ihres Glaubens ausschließt. Insbesondere sei <jeder Wirtschaftsboykott unzulässig. Die Erklärung des Danziger Senats wird in dem Bericht' im Wortlaut zitiert. Der Oberkommissar erinnert weiter an einen Absatz aus dem am 18. September 1933 zwischen Polen und der Freien Stadt abgeschlossenen Abkommen über die Benutzung des Danziger Hafens, wobei den jüdischen Kaufleuten volle Freiheit in der Ausübung ihrer Tätigkeit auf dem Gebiete der Freien Stadt gewährleistet wurde. Schließlich wird berichtet, daß der Oberkommissar sich vor kurzem an den Senat mit dem Ersuchen gewandt hat, Aufklärungen über die Lage der studierenden jüdischen Jugend zu machen, die sich für die Richter- oder Rechtsanwaltslaufbahn vorbereitet, sowie über die Frage der Zulassung der jüdischen Rechtsanwälte zu den Arbeitsgerichten. Eine Beantwortung dieser Anfragen des Oberkommissars scheint bis zur Abfassung seines Berichtes noch nicht erfolgt zu sein. Erneute Sammelaktion für deutsche Juden und eine Sammlung für die Juden in Polen? London, 22. Januar. In der jüngsten Sitzung des Board o f D ep u t i e s kam auch die Frage der Eröffnung einer öffentlichen Sammlung in England für die notleidenden Juden in Polen zur Sprache. Präsident Laski schlug die baldigstmögliche Einberufung der Kommission für Auslandssammlungen zu diesem Zwecke vor. Von einer Konkurrenzaktion gegenüber einer etwaigen dritten Sammlung für deutsche Juden könne hierbei keine . Rede sein. Es handle sich um besondere, aber nicht miteinander konkurrierende Probleme. Es würde schädlich sein, falsche Hoffnungen bezüglich der Sammlung für die Juden Polens zu erwecken. Der Boden müsse sorgfältig vorbereitet werden und er bitte deshalb den Board, in dieser Frage Geduld zu iiäben. Ihm selbst liege viel daran, daß diese Aktion unternommen werde, jedoch zur richtigen , Zeit und mit entsprechenden Methoden. Der Board1..ermächtigte Präsident Laski, in der Frage der polnischen Judenheit in der von ihm genannten' "Weise vorzugehen. Keine Einwanderung ausländischer Juden Birobidschan. Warschau, 22. Januar. Die Gesellschaft Agro-Jid veröffentlicht folgende Erklärung der Moskauer Jüdischen Kolonisations-Gesellschaft Ozet: Im Zusammenhang mit den in der Presse erschienenen Mitteilungen über bestimmte Möglichkeiten der Einwanderung nach Birobidschan aus Polen und aus dem Ausland überhaupt, macht Ozet darauf aufmerksam, daß das von der Gesellschaft Agro-Jid dem Zenträlexekutiv-Komitee übersehene Memorandum noch gar nicht geprüft wurde und daß keinerlei Entscheidung über dieses Ansuchen und über die Einwanderung ausländischer Juden im allgemeinen getroffen wurde. Es kann auch nicht vorausgesetzt werden, daß dies geschehen wird. Jedenfalls besteht keinerlei. Grund für die Festsetzung des Datums oder des Umfangs einer etwaigen Einwanderung aus Polen. Im Hinblick auf die in einigen Ländern getriebene Propaganda für die Ansiedlung nicht aus Sowjetrußland stammender Juden in Birobidschan kommt der Erklärung von Ozet eine über Polen hinausgehende Bedeutung zu. Die Schilder bleiben. Der bekannte Ausflugsort Schmitten im. Taunus hatte, wie früher berichtet, an den Ortseingängen Schilder mit der Inschrift „Juden sind hier nicht erwünscht" anbringen lassen. In einem Bericht des „Völkischen Beobachters" wird beanstandet, „daß es noch sog. deutsche Volksgenossen gibt, die sich bemüßigt fühlen, gegen den gesunden Instinkt der Bevölkerung anzugehen, und den Versuch zu machen, die angebrachten Schilder zu zerstören." Die Schilder seien erneuert worden. Schmitten wünsche keine Juden, und danach habe sich jeder zu richten. Hinausdrängung der Juden, aus der Wirtschaft Litauens Kowno, 21. Januar. Durch das soeben in Kraft getretene Gesetz über Monopolisierung des Flac h s - h a n d e 1 s und Flachsexports sind einige hundert jüdische Familien — der Flachshandel in. Litauen lag seit undenklichen Zeiten in jüdischen. Händen — brotlos geworden. Der gesamte Flachsexport wird von der Regierung und von den litauischen kooperativen Organisationen besorgt. Abordnungen jüdischer Flachshändler aus der Provinz, die bei der Regierung vorsprachen, hatten keinerlei Erfolg. Die litauische Regierung hat die jährliche 4000 Dollar-Subvention für die Jabneh-Hochschule, die einzige jüdische Lehrerbildungsanstalt in Litauen, gestrichen. Haifaer Endpunkt der Mussol-Oelleitung eröffnet. Haifa, 23. Januar. Am 22. Januar hat High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, den palästinensischen End- :. punkt der 0 e 11 e i t u n g aus Mossult;die be-;. kanntlich seit einiger Zeit in Betrieb ist, in . Haifa feierlich offiziell eröffnet. Dem Festakt wohnten zahlreiche hervorragende Gäste bei. ,

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