Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1935)
- Date
- 1935-01-24
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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25.JAÄi935 Frankfurt a. M. 24. Januar 1935 20. Schebat 5695 Nummer 4 Die saarländischen Juden am 13. Januar. Saarbrücken, 22. Jan. Der Vorstand der Synagogengemeinde des Kreises Saarbrücken veröffentlicht im Gemeindeblatt eine Kundgebung, in der es u. a. heißt: . . . . Am 13. Januar hat das Saarvolk eindeutig gesprochen. Die auf den außergewöhnlichen Erfolg zu erwartende Atmosphäre der Entspannung wird, wie wir hoffen, neben der Befriedung des Kontinents auch einer ruhigeren und gerechteren Beurteilung des gesamten Komplexes der Judenfrage günstig sein. Wir haben nun auch äußerlicn den Anschluß .an die deutsche Judenheit und deren Organisationen, mit denen wir gemeinsam für die Ehre des Judentums tätig sein wollen. Unsere hauptsächliche Sorgfalt muß nach wie vor unserer Gemeinde und den übrigen Gemeinden des Saargebietes gelten., über deren bezirksorganisatorische Zusammenfassung noch nichts gesagt werden kann. Wir hoffen, daß der Gemeinschaftssinn unserer Mitglieder unsere Gemeinde, nach dem Anschluß der engeren Saarheimat an das Deutsche Reich in beachtlichem Zustand zu erhalten vermag, daß unsere Synagoge, unsere Schule und unsere kulturellen und wohltätigen Vereine weiterhin Sammelstellen regen jüdischen Lebens bilden. Die innere Verbundenheit zu fördern, sei der Zweck unseres Blattes. Nach fünfzehnjähriger territorialer Trennung kehren wir zu Deutschland zurück. Wir wünschen von ganzem. Herzen, daß sich "der 13. Januar 1935 für unser Vaterland, unsere Heimat nnd das deutsche Judentum segensreich auswirken möge!" Der neue Jerusalemer Stadtrat in sein Amt eingesetzt und wieder vertagt. Jerusalem, 17. Januar. Nach der Abweisung des vom ehemaligen Bürgermeister Nashashibi eingebrachten Wahlprotestes durch das Jerusalemer Dstrikt-Gericht sind sofort die Verhandlungen mit den Regierungsstellen betreffend die Besetzung .des Bürgermeisterpostens aufgenommen worden. Es folgten Verhandlungen mit dem High Commissioner, in denen die Vertreter der "jüdischen Wählerschaft sich schließlich damit zufrieden daben, daß ihnen der Posten des ersten V i z e- Bürgermeisters, dessen Befugnisse erweitert werden sollen, überlassen wird. Zum Bürgermeister von Jerusalem wurde der erfolgreiche Gegenkandidat Nashashibis bei" den letzten Wahlen, Dr.; Hussein F a k r i e 1 K h a 1 d i, ernannt. Zum ersten Viz e-B ürgermeister wurde Daniel Auster, zum zweiten Bürgermeister Jakob Farradsch als Vertreter der christlichen Bevölkerung bestimmt. Der High Commissioner bemerkte hierzu, daß er es vermeiden wollte, die christliche Bevölkerung bei der Besetzung des Stadtpräsidiums zurückzusetzen. Nach neuesten Berichten ist aber die für den 21. Januar einberufene offizielle Eröffnungssitzung des neugewählten Stadtrats von Jerusalem nicht zustande gekommen, weil die jüdischen Mitglieder des Stadtrats zu der Sitzung nicht erschienen waren. Der Grund hierfür ist die scharfe Krise, die infolge der Ernennung Daniel A u s t e r s zum ersten Vize-Bürgermeister entstanden ist. Gewisse jüdische Kreise und Körperschaften nehmen dagegent Stellung, daß die Regierung die Ernennung vornahm, ohne sich vorher mit der Leitung der Jerusalemer Jüdi- (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Neue Bestimmungen für Handwerker . Seite 2 Ueber die Lage der Juden in Danzig . Seite 2 Keine Einwanderung nach Biro-Bidschan Seite 2 Jugendliche treten ins Berufsleben . . Seite 3 Vom religiösen Kriegsschauplatz in Erez Jisroel.........Seite 4 Zur Lage des gesetzestreuen Judentums in Deutschland. Von Rabb. Dr. Unna Seite 5 Pirchim-Arbeit ...........Seite 6 Der „Angriff" gegen den .„Israelit" . ,. Seite 6 Die Juden an der deutschen Saar Seite 1 und 7 Um die selbständige Gemeinde in Wien Seite 8 Palästinaberichte ......Seite 9 und 10 Marrannen in Braganca.......Seite 14 Die Juden in Indien ........Seite 14 „Prosperiiy" und religiöses Leben in Tel Awiw. Von Menachem E. Lewinsky in Tel Awiw. Die wirtschaftlichen Ereignisse überstürzen sich in einem solch schnellen Tempo, daß ein Bericht, bis er nach Europa kommt und in der Presse erscheint, oft als überholt gelten kann. Man kann heute niemandem, der sich noch nicht im Lande befindet, zu irgend etwas raten, da bis zur Ankunft des Betreffenden dieser oder jener Ratlängst unzutreffend sein kann. Während bis vor etwa zwei oder drei Jahren alle zwei Wochen ein kleines Auswandererschiff im Hafen von Jaffa landete, kommen jetzt fast täglich Schiffe — manchmal auch zwei bis drei an einem Tage — an, von denen einzelne Schiffe bis zu 1500 Einwanderern ausschiffen. Jedes Schiff bringt neue Kapitalisten, neue Arbeitermassen, aber auch neue Ideen, neue Gründung gen, zum Teil auch schon fertige neue Aktiengesellschaften, mit. Wir erleben jetzt einen rasenden Aufbau, wie ihn wohl kaum ein Land bisher aufzuweisen hatte. Täglich entstehen neue Fabriken, moderne Geschäfte, Hotels ersten bis dritten Ranges, Synagogen, Banken, neue Handelspaläste, sonstige Prachtbauten, neue Straßen, neue Stadtviertel und neue Kolonien. Wo eine Ausdehnung in der Breite nicht mehr gut möglich, klettert man eben in die Höhe empor. Während bis vor etwa zwei Jahren das höchstens zweistöckige Haus die Norm war, baut man | jetzt drei-, vierstöckige Häuser, in Haifa ist man schon bis zum siebenstöckigen Haus emporgeklettert. Es darf natürlich in den Neubauten keine europäische Bequemlichkeit, keinerlei Luxus vermißt werden. Sogar die elektrische Heizung darf — selbst in Tel Awiw, wo man bisher an eine Winterheizung nicht gedacht hat und eine solche niemals vermißt hat, — nicht fehlen. Aber vielleicht wird auch die Natur mit diesen um das Wohl ihrer Mieter so besorgten Hauswirten ein Einsehen haben und uns jetzt jeden Winter recht viel Frost und Schnee bescheren. Aber auch sonst sind die palästinensischen Hauswirte um das Wohl ihrer Mieter und deren Bequemlichkeit sehr besorgt. Die Anschaffung von Schränken und Küchenmöbeln ist nicht mehr erforderlich. Die Küche bekommt gleich ihre eingebauten Schränke, zwei Marmortische (milchig und fleischig), Marmorabwaschbecken und alle sonstigen Bequemlichkeiten. Auch die Bade- und Duschräume werden in luxuriösester Weise hergerichtet. Die elektrische Beleuchtung für alle Zimmer und Winkel muß — durch verordnetes Landesgesetz — vom Hauswirt geliefert werden. Der Mieter hat nur noch die Glühbirne einzuschrauben. Das klingt alles rein paradiesisch und würde es auch sein, ja wenn — ja wenn; der fürsorgliche Hauswirt auch die fiOJID mitliefern würde, damit man, selbst die für Altwohnungen, (Fortsetzung siehe Seite 3.)