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Der Israelit · 1935-01-17 · Heft 3 (17.1.1935) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 3 (17.1.1935)
Date
1935-01-17
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14 Nr. 3 D e r . Israelit 17. Januar 1935 S. R. Hirsch Vst über Assimilation und Zionismus. ■ (Ges. Schriften, Bd. II, S. 321.) „Ferner: nicht über die Erde zerstreut,' vielmehr um die Höhe des Gesetzesheiligtums gesammelt, in Palästina findet die Zukunft Israel. Dort suchen es die Völker auf. Und dorthin ist es nicht zurückgekehrt, um dort etwa die in derZerstreuung von den Völkern gelernten Weisen der Kultur und des Staatslebens in Begründung eines eigenen Staates zu üben; sondern dort ist es wieder gesammelt, um die von G'tt gelehrten Sitten des Menschen und Wege des Bürgers zur vollen Verwirklichung zu bringen, und so durch die Kenntnis und Erfüllung des Gesetzes und des G'tteswortes, sich zum Priestervolk für die Menschheit zu befähigen. Nicht die europäische Kultur wird nach Palästina getragen, sondern die Kultur der Menschheit durch G'ttes Gesetz und Wort wird aus Palästina geholt . . ." „Die Tatsache aber, daß Israels und der Menschheit Zukunft in der Vollendung Israels als das Priestervolk des g'ttlichen Gesetzes gipfelt, verbürgt und versiegelt uns die Wahrheit, daß nur durch eine immer tiefere und vollere Erkenntnis und eine immer treuere und vollere Erfüllung dieses Gesetzes wir uns für diese Zukunft vorbereiten, uns der Geula würdig machen können. Und diese Tatsache bricht allen sogenannten, das Gesetz antiquierenden Reformbestrebungen einerseits, sowie allen in neuester Zeit auftauchenden Bestrebungen, die Geula auf materiellem Wege der Besitzergreifung und Agrikultur des heiligen Bodens zu fördern, unerbittlich den Stab. Wir haben das Land nicht für uns, sondern uns für das Land zu gewinnen und zu bilden im Gesetze und durch dasselbe . . Jüdische Chronologie. Die zahlreichen Verehrer des allzu früh heimgegangenen gelehrten Schriftstellers Ahron Marcus werden mit besonderer Freude davon Kenntnis nehmen, daß es der Pietät seiner Söhne gelungen ist, das letzte nachgelassene Manuskript des unermüdlichen Denkers und Forschers, das er während seiner letzten Lebensjahre in Frankfurt a. M. niederschrieb, soeben dem Drucke zu übergeben. Es führt den Titel: „Jüdische Chronologie" und ist im Verlage von Jacob M. Marcus, Frankfurt a. M., Ostendstr. 9 erschienen. Zunächst liegt das erste Heft, umfassend 7 Bogen, in Druck vor, und es wird von dem Erfolg des Vertriebes abhängen, ob und wann die weiteren Hefte erscheinen können. Schon in seinen früheren Werken, insbesondere in „Barsilai", hat sich Ahron Marcus mit den Verwicklungen und Schwierigkeiten der jüdischen Chronologie, wie sie uns in Tnach, Talmud, Seder-Olom vorliegt, vorübergehend beschäftigt. Nun aber bietet er uns in systematischer Darstellung eine gründliche Betrachtung des gesamten Materials mit dem Versuch, die jüdische Tradition nicht nur aus sich heraus zu rechtfertigen, sondern auch gegenüber den aus den Chronologien der zeitgenössischen Völker sich ergebenden Fragen und Einwänden. Es ist die seltene Vereinigung allgemeiner wissenschaftlicher Bildung, eindringenden kritischen Blickes, überragender Gelehrsamkeit auf dem Gebiete der Thoraforschung und der esoterischen kabbalistischen Quellen und einer unerschütterlichen min» nainx» was die Größe und Einzigkeit des unvergeßlichen Mannes ausmachte und auch in diesem seinem neuesten Werke den Leser ergreift und erschüttert. Wir behalten uns eine eingehende wissenschaftliche Würdigung des Werkes vor. Das Weingarten'sche Waisenhaus in Jerusalem* Frau Klärchen Nußbaum-Kahn schreibt uns: Das Weingarten'sche Waisenhaus haben wir besucht, in dem 160 Kinder erzogen, gekleidet und ernährt werden, in dem trotz aller Not, trotz aller Kargheit, die den sich aufopfernden Leitern wohl schlaflose Nächte genug bereiten, musterhafte Ordnung herrscht. Blitzblank jeder Gegenstand, blütenweiß die Betten in drei Riesensälen. Wir leben von derierlei — so sagt uns Frau F. — von Bitochaun, Schulden und Schnorren. Darf ich — mein Herz sagt mir, ich darf — dies große Werk, dies große Vaterhaus für die Kinder, dem jede jüdische Mutter, jeder jüdische Vater nahestehen muß, dies Heim für die Waisen des heiligen Landes, dem Herzen aller näher bringen? (Palästina-Wirtschaftsbericht für 1934.) Die Firma E11 e r n s Bank Ltd. in Tel Awiw, 7 Boulevard Rothschild, erstattet einen Palästina-Wirtsc h a f t s b e r i ch t für das Jahr 1934, der eine außerordentlich instruktive Zusammenstellung der für die Beurteilung der gegenwärtigen Lage und auch ihrer zukünftigen Entwicklung wichtigen Wirtschaftsdaten bringt. Der Bericht erstreckt sich über die öffentlichen Finanzen, die Außenhandelslage, die landwirtschaftliche und die industrielle Entwicklung, Bautätigkeit, Bankwesen, Effektenmarkt, Hypothekenmarkt, Renditehentwicklung und beschäftigt sich dann mit der jetzt bevorstehenden Konversion der 7prozentigen palästinensischen Pfandbriefe in eine Serie, die nur mit 5 Proz. verzinst wird. Der Bericht schließt mit den Worten: „Wenn die heutige Entwicklung anhält, wird Palästina in nicht allzu ferner Zeit eine immer mehr führende Stellung in der Wirtschaft des vorderen Orients einnehmen." Der Traum. Einst sah ich im Traum Einen goldenen Baum, Der hatte Aeste so fein, An denen hingen Früchte ganz klein, Ich lachte im Traum vor Wonne, Der Baum strahlte wiedie Sonne. Plötzlich klingeling, Die Uhr ging. Ich sah keinen Baum,- Denn alles war ein Traum. Ruth Jaffa, Berlin (11 Jahre alt). Vom ostjüdischen Humor. Chamischo osor Bischwat, Aus dem Warschauer „Jiddischen Togblatt". Wie man uns mitteilt, hat die Stadtverwaltung energische Maßnahmen getroffen, die Bevölkerung vor der Kälte dieses strengen Winters zu schützen. . Schon auf der ersten Sitzung kam eine ungeheure Summe zusammen — von Projekten und Ratschlägen. Es wurde auch einstimmig beschlossen, in öfters sich wiederholenden Sitzungen der Not der armen Massen das wärmste Interesse zuzuwenden. Außerdem sollen die Subventionen für die jüdischen Institutionen so gehandhabt werden, daß die Vorsteher jener Stellen sich ordentlich warm laufen, bis sie einen Zloty zu sehen bekommen. Zeit ist Geld ne Uhr. so verpfändet man am besten Ein Reisender tritt ins Büro und verlangt nach dem Direktor. „Jetzt geht es nicht" gibt der Diener Auskunft, „kommen Sie, wenn er frei ist." „Wann ist der Herr Direktor frei?" „Nach zwei Jahren -. . ." In der Anstalt für Geisteskranke der Warschauer jüdischen Gemeinde tritt ein neuer Direktor sein Amt an. Um sich mit dem Hause vertraut zu machen, macht er die Runde durch die Zellen und sieht sich alle Einrichtungen an. Auf dem Hofe tritt ihm einer der Insassen in den Weg. „Wer sind' Sie?" fragt er. „Wissen Sie das nicht? Ich bin der Direktor dieses Hauses." Da lacht der Andere schrill auf. „Macht nichts, lieber Freund," sagt er, indem er seine Hände zutraulich auf die Schultern des neuen Leiters legt. „Macht nichts. Das wird sich in einem halben Jahre shcon geben. Als ich herkam, glaubte ich, ich sei der König von England . . ." Zum Mader Gaon, R. Mordechai W i n k 1 e r , kam einst ein Schüler mit der Bitte, der Rebbe möge ihn benschen. Der Rafcbi, bescheiden wie er war, verweigerte dies mit der Begründung, daß er ein einfacher Mann sei. „Es heißt aber doch im Talmud," sagte der Schüler unüberlegt, „man nehme nicht den Segen eines Bi'in leicht." „Dann erteile Du mir den Segen," schloß der Rabbi die Unterhaltung. Kinderecke. Kinder dichten, -, Baume erwacht! (Zu Chamischo osor1 bischwat. Ein gutes Jahr wünschen wir den Bäumen, Erwacht nun endlich aus. eueren Träumen! Neujähr der Bäume ist nun da, Wir wünschen euch ein gutes Jahr! Ihr Bäume, schlaft jetzt nicht mehr weiter, Ziehet an die grünen Kleider, Ziehet an die bunte Tracht. . Bäume, schlafet nicht, erwacht! Menachem Silberberg, Breslau (10 Jahre alt.] Gespräch zwischen einem in Palästina und einem in Deutschland wohnenden Kinde. Ruth: - "bv j?m. Wie geht es Dir? Na, bist Du auch mal wieder hier? Ich dachte, Du wolltest in Palästina - bleiben Und uns von dort aus Briefe schreiben. Hannah: Da hast Du schon ganz recht ' gedacht, Ich bleibe im Lande wie ausgemacht. Ich bin jetzt nur rasch ganz kurz da Und dann gehts fort nach Palästina. Und hör' zu, mit meinem Iwrith, Da kommt so schnell jetzt keiner mit. ni^'K1? nwn wtn evn ♦mm niTs o^six uruK Ruth (zu den Zuhörern): Sie glaubt wohl, daß sie was Neues sagt; Wir feiern Chamischo osor Bischwat. Ich kann nur eines nicht verstehen, Hier ist noch gar nichts vom Frühling zu sehn. Zu Ehren von Chamischo osor Bischwat Eßt Ihr Euch heute an Früchten satt. Habt Ihr Euch nicht im Datum geirrt Und das Obst ein bißchen zu früh probiert? H a n n a h : Ja, hier in Deutschland ist es noch kalt. In Israels Land beginnt das Frühjahr bald. Ich weiß es noch vom vorigen Jahr, Auf einmal war der Frühling da. Vier Monate war Regenzeit, Doch jetzt macht sich die Sonne bereit. Das Wasser von den Bergen rinnt Und überall es zu blühen beginnt, Dann ist es im Lande wunderschön. Ruth: Am besten, ich würde mir's selbst ansehn. H a n n a h : Bevor ich auf die Reise ging Und den Koffer zu packen anfing, Hab' ich auch an Euch gedacht Und darum etwas mitgebracht. Wer mir drei Früchte in Iwrith nennt, Bekommt von mir jetzt Obst geschenkt. Seid jetzt nur noch alle still! Wer von Euch was sagen will, Soll den Finger heben. Reden darf nur der, Den ich rufe her. (Die zuhörenden Kinder nennen Früchte auf Hebräisch.) Ruth: Das hast Du wirklich fein gemacht, Daß Du an uns in Palästina gedacht. Hannah: mann ,?m Ich hoff, daß ich bald wieder komm'. Doch nein, ich lad' Euch lieber ein, Nächstes Jahr in Erez Israel zu sein. J. B. irrt ü'rnw? Die rätselhaften Worte ergeben die Anfangsbuchstaben der Wochenabschnitte nwi ,nann »d^s»» w .nbvi ,m /«isi /nw In diesen acht Wochen eines Schaltjahres pflegt man an bestimmten Tagen, zumeist am Donnerstag, in frommen Kreisen zu* fasten und rin'Vo, die eigens dazu verfaßt sind, zu sagen. Die Gebete erstrecken sich in der Hauptsache darauf, daß der liebe ß'it im langen kalten Winter uns und unsere Kinder gesund erhalte. (Weiteres darüber lest auf Seite 4 unter dem Striche nach.)

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