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Der Israelit · 1935-01-17 · Heft 3 (17.1.1935) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 3 (17.1.1935)
Date
1935-01-17
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seit« 12 Nr. 3 Der Israelit 17. Januar 1935 In den letzten Tagen ist eine deutliche Verstär kung der Bewegung zur Gründung von Zeire Agu das Jisroel-Gruppen im heiligen Lande wahr zunehmen. Es ist das vom religiösen Standpunkt aus eine überaus erfreuliche Erscheinung und so sehr die ganze Orthodoxie auch an einer starken Poalim-Be wegung und Poalim-Organisation interessiert ist, darf doch auch die Sammlung derjenigen Elemente nicht aus dem Auge gelassen werden, die, auch wenn sie im Wirtschaftsleben stehen, das Schwergewicht nach wie vor aufs Lernen und auf die Schaffung einer von der Thora durchgeistigten Atmosphäre legen, . -an erwartet demnächst eine Delegation der Zeire Agu das Jisroel aus Polen, die die Bewegung auf brei terer Basis organisieren soll. (Hierbei scheint es uns dringend notwendig, so bild wie möglich eine organisatorische Verbin d un g in irgend welcher Form zwischen Poale Agu das Jisroel und Zeire Agudas Jisroel herzustellen Red.). Auf Anforderung der Agudas Jisroel in Riga erwirkte die Agudo-Zentrale 5 Zertifikate für russische Rabbonim, die ihrer gefährdeten Lage nur durch Ein Wanderung nach Erez Jisroel entgehen können. Auf der Tagung des Poel Hamisrachi u Tel Awiw, über die noch zu sprechen sein, wird,' er eignete sich ein bezeichnender Zwischenfall. Als Vertreter der befreundeten „Histadruth hoowdim" begrüßte Herr R e m e s die Versammlung, hielt es aber dabei für. taktvoll, barhäuptig zu erscheinen und auch auf entsprechende Protestrufet bei dieser demonstrativen Verletzung des jüdischen Gefühls zu verhar ren. Es entstanden infolge des Zwischenfalls Skan dale und Schlägereien. In Haifa macht sich in der letzten Zeit eine erfreuliche Erstarkung der „Agudas Jisroel" sowie der Zeirim und der Poalim geltend. Wie man uns mitteilt, umfaßt die Poale Agudas Jisroel-Gruppe be reits 100 Mitglieder. Dieser Tage wurde eine agudistische Leitung in Haifa gewählt, die die Geschäfts führung Herrn Jakob Katz aus Sloczow übergab. Es wurde ein Büro sowie ein Saal gemietet, in dem Betraum und Lehrraum Platz finden. De Eröffnungsfeier soll demnächst stattfinden. Die teuren Mieten in Erez Jisroel. Tel Awiw, 9. Jan. Der Wohnungsmangel in den zwei im Brennpunkt der Entwicklung stehenden Städten Tel Awiw und Haifa, macht den Führern immer mehr Sor gen. Nach dem Gesetze darf in diesen Städten der Aufschlag der Miete für Wohnungen 15 Proz. der vorhergehenden Miete nicht überschreiten. Für Geschäftshäuser und Lagerstätten sind keine Grenzen nach oben gezogen, so daß die Hausbesitzer die Mietsätze nach Lust und Willkür heraufschrauben können, was in vielen Fällen den Ruin von Kleingewerbetreibenden bedeutet. So geht nunmehr das Bestreben dahin, das Mietsgesetz auch auf Geschäfts¬ und Arbeitsplätze zu erstrecken. Freilich läuft das ganze Mietsgesetz am Muharam, d. h. im Nissan d. J., ab, und es ist fraglich, ob das Gesetz überhaupt erneuert wird. Die Hausbesitzer machen geltend, daß die Ladeninhaber in, der rapid wachsenden Stadt heute . ungleich mehr absetzten, als in den .früheren Jahren,> was auch die Zahlung einer, höheren Miete rechtfertige^. Auf alle Fälle muß eine Stabilisierung eintreten, damit der Willkür nicht Tür und Tor geöffnet bleiben. Das Mietsgesetz' 'erstreckt sich"1 aber nur auf Haifa und Tel Awiw. In Jerusalem war bisher ein solches Gesetz nicht nötig. Auch jetzt, nach der neuesten Alijah, da der Bedarf an Wohnungen sehr stark gesteigert ist, liegt noch kein zwingender Grund vor, gesetzlich gegen unberechtigte Steigerungen vorzugehen. Die unzähligen Schechunofh in der Peripherie mit ihren in guter Lage stehenden Wohnungen decken zunächst den Bedarf, so daß in absehbarer Zeit eine Wohnungsmisere in Jerusalem nicht zu befürchten ist. Misrachi und Histadruth, Te 1 A w i w , 13. Jan. > Die in Tel Awiw abgehaltene Konferenz des H a - poel Hamisrachi hat das mit der Histadruth geschlossene Abkommen ratifiziert. In einer Resolution wird jedoch dagegen protestiert, daß der linke Flügel die Kaschrüth- und Sabbatsehutzbestim mungen für landwirtschaftliche Siedlungen und Arbeit er küch'en nicht einhalte. Es wurde beschlossen eine Bank des Hapoel Hamisrachi zu gründen. An die Mitglieder wurde der Appell gerichtet, die Arbeit für die nationalen Fonds zu verstärken. Bürgermeisterkrise in Tel Awiw vermieden. T e 1 A w.i w , 9. Jan. In der letzten Sitzung des Tel Awiwer Stadtrats wurde ein Schreiben des Bürgermeisters Meir Dizen goff verlesen, in dem dieser seine Demission für den Fall erklärte, daß der Stadtrat ihm nicht Genugtuung für die ihm in der vorangegangenen Sitzung zugefügte Beleidigung verschaffen werde. In der betref fenden Sitzung hatte ein der Arbeiterfraktion ange hörender Stadtverordneter Dizengoff den Namen „Nashashibi" des als autokratisch und wegen angeb licher Mißbräuche bekämpften arabischen Bürger mesters von Jerusalem zugerufen. Dizengoff stellte für sein Weiterverbleiben im Amte gewisse Bedingungen die von der Mehrheit des Stadtrats gegen die Stimmen der Linken angenommen wurden, so daß' die drohende Bürgermeisterkrise vermieden wurde/ Eine Warnung des Haifaer Rabbinates, Haifa, 10. Jan Das Haifaer Rabbinat macht offiziell bekannt, daß allen Versicherungen des zonistischen A. C. und der Führer der „Histadruth" zum Trotze die Arbei terküche in Haifa nach wie vor eingestandenermaßen absolut trephah ge führt wird. Der misrachistische „Hathor" bemerkt sehr richtig, daß diese Tatsache nicht nur darum so betrüblich ist, weil dadurch anhaltend junge Men sehen zur Gesetzesübertretung verleitet werden, sie ist auch ein trauriges Dokument dafür, wie, wenig man auf Abmachungen der Arbeiterorganisation „Histadruth" und ihre Versprechungen in religiösen Dingen geben kann. Amerika. Beschlüsse der amerikanischen Misrachi-Kon ferenz. — Gründung einer misrachistischen Tageszeitung in Palästina. Detroit, 2. Jan. In Detroit wurde die Jahreskonferenz des ameri kanischen Misrachi, an der 1200 Delegierte teilnahmen, geschlossen. Zum Vorsitzenden des amerikanischen Misrachi-Verbandes wurde Rabbiner Wolf Gold wiedergewählt. Es wurde beschlossen, in Palästina eine Einrichtung auf religiöser Grundlage zu schaffen, die dem Andenken Baron Rothschilds gewidmet sein soll. Für die misrachistische Palästina-Arbeit wird in Amerika ein 2U0.000 De Har Drive eröffnet. Der 70. Geburtstag von Oberrabbiner Kuk soll als nationaler Festtag begangen v-erden. An die-Regierung der Vereinigten Staaten wurde der Appell gerichtet, zu Gunsten der verfolgten Zionisten in Sowjetrußland zu intervenieren. Die Konferenz protestierte gegen den Plan der Einsetzung eines Legislative Council und gegen die Einschränkung der Palästina-Einwanderung und richtete ^an die Siedler in Palästina den Appell, auf dem Lande zu bleiben, um das Eindringen arabischer Arbeit in die jüdische Landwirtschaft zu verhindern. Von der Palästinaregierung wurde verlangt,, daß die Staatsländeireieh für die jüdische Kolönisa-j tiori und mehr Zertifikate für religiöse Chaluzim und! Mittelstandselemente zur Verfügung stelle. "In Palästina soll eine misrachistische ^Tageszeitung* gegründet werden. Die Druckerei-Einrichtung wird vom amerikanischen Misrachi zur Verfügung gestellt. Ferner forderte die Konferenz die Einleitung einer Aktion zum Aufbau der Städte Safed, Tiberias und Hebron, Die Maßnahmen der Zionistischen Exeku-i tive erklärte die Konferenz als für sich: nicht bin-' dend, . solange nicht Vertreter aller Parteien der Exe-: kutive angehören.., Eine scharfe Resolution wurde ge-. gen die Bodenspekulation in Palästina und zugunsten; der Beschäftigung jüdischer Arbeitskräfte-" gefaßt., V^misclites, Berlin, 14. Jan. Die Frauengruppe der Agudas Jisroel Berlin teilt mit, daß der nächste Diskussions- Äbend am Mittwoch, den; 23.. Januar. in Siegmundshof .stattfindet. , Thema: B u n^d, Schule, Haus. Hauptreferat von Jahi D {inner. Gäste, Herren und Damen, willkommen. Hannover, 10. Jan. Am 8. Januar sprach in der Aula des Gemeindehauses vor Mitgliedern und Gästen der Agudas J i s r o el-Ortsgruppe H a n n o - v e r Herr Direktor Dr. Leo D e u t s c h 1 ä n der (Wien) über: „Die Bedeutung unsrer Bibel für die: Kultur der Menschheit". Nach einer kurzen Beleuchtung der; Problemstellung Thora und Eirez-Jisroel-warf der* Redner die Frage auf: Was ist uns Juden heute und alle Zeit unsere Bibel?. W^irsmdmcht nur von außen betrachtet arm, wir fühlön' auch; die innere Leere. Denn wir haben unsre Pflicht der Bibel gegenüber nicht erfüllt. Wie vielen ist die Bibel unbekanntes Land, wir sind nicht Bürger in unsrer, Bibel . . . Nur einige Beispiele sollen zeigen, was die Menschheit der Bibel verdankt. 1910 schreibt Rudolf Eucken etwa, wenn man aus dem, was die Menschheit an Ewigkeitswerten hesiize, all das herausreißer was von der Bibel des jüdischen Volkes beeinflußt worden sei, dann stände man vor einer gähnenden. Leere. Michelangelo und Rembrandt hätten ihre großen Werke nicht schaffen können ohne ihre Bibelkenntnis. Jede Seite in Dantes Werk verrät seine eingehende Kenntnis der Bibel. Lord Byron, Hebbel, Grillparzer, Otto Ludwig, Goethe und Schiller, wie stark sind sie alle von der, Bibel beeinflußt. Fälschlicherweise haben wir', wo Judentum und Weltkultur zusammenstießen, Judentum immer zuerst an der Peripherie erkannt. Die Leistungen eines Schachmeisters Lasker, eines Mathematikers Einstein seien nicht als jüdische Leistungen zu werten, wir schütteln auch die Fehlleistungen ab, die von Juden begangen werden. Wesentlich sei für uns das, was aus jüdischem Ursprung stamme. Besonders eingehend beschäftigt sich der Redner sodann mit Goethe, der bekennt, daß er der Bibel allein seine ganze sittliche Bildung verdankt. Sein „Faust" wäre ohne. Kenntnis der Bibel und insbesondere des Buches Hiob wahrscheinlich nie vollendet worden. Wenn nun, so folgert der Redner die Bibel der Welt so viel gegeben hat, müßtesie nicht dann im jüdischen Kreis den unbestrittenen- Vorrang vor allem andren bekommen? Dabei' soll uns: auch nicht einen Augenblick der Gedanke kommen,, daß dies auf Kosten der Kulturgüter unsrer Umwelt geschehen müsse, Maimonides, dessen Andenken wir in diesem Jahre besonders feiern, Jehuda Halevi und! »Gabirol, waren auch in der Kultur ihrer Umwelt zu Hause, aber sie haben niemals zugelassen, daß das neue das alte Licht überstrahle. Vor allem müsse unsre Jugend zu den Quellen jüdischen Wissens hingelenkt werden. Auch den Rückkehrenden, die erst durch äußere Einflüsse an ihr Judentum erinnert werden, müsse die Thora nahegebracht werden, Auch ihnen möge aus den Gedanken eines Hiobs der Optimismus stärker entgegenleuchten. So wollen wir mit der Bibel in der Hand einer besseren Zukunft entgegengehen. Gesänge des Kinderchors der Agudas Jisroel umrahmten die Veranstaltung. Herr Julius Löbenstein, der Leiter der Versammlung, dankte im Namen aller dem Redner für seine geistvollen Ausführungen-, S. B. * Reichelsheim i. O., 15. Jan. Am vergangenen Sonntag fand hier in Anwesenheit von Vertretern der Frankfurter, Darmstädter und Groß-Bieberauer Gruppen die erste größere Zusammenkunft unserer kürzlich von Artur N e u h a u s gegründeten Agudas Jisroel-Jugendgruppe statt. Als Vertreter ihrer Gruppen begrüßten Toni Schatz (Darmstadt), Ludwig L e vi (Gr. Bieberau) und Joseph Stiefel- (Frankfurt M.<) die zahlreich Erschienenen. Sally Storch (Frankfurt a. M.) hatte die Leitung des Nachmittags. Zunächst wurde eine Pirchimgruppe gegründet, die mit großer Freude sogleich mit einem Heimabend, ihre Arbeit aufnahm. Sally Storch hielt danach vor den. Jugendlichen eine begeisterte und begeisternde Rede über „Die Ziele der A.. J." Die rege Diskussion bewies, daß alle den mitreißenden Ausführungen gefolgt iväten und daß alle sxch: für 1die'"Sache'-einsetzen wollen. Die-Rede wurde umrahmt von. zwei an Oft und Stelle,: gelernten .Liedern,; Alsdann, versammelte matt sich zu einem gemütlichen Beisammensein, das VQn Humor und Ernst'getragen war und den erlebnisreichen Nachmittag hramönisfch abrundete' zu echt-jüdischem Erlebnis. Wir danken vor allem unseren Frankfurter Chawerim Joseph Stiefel und Sally Storch für ihre erfolgreiche Bemühungen, die wir mit großer Begeisterung fortsetzen wollen. libv prn .v--. Familien-Nachrichten. B a r m i z w o h : David Walter,; -Sohn des Herrn Bernhard Hamburger» Alzenau/(Ufr-, nri' rat?.. V e r lob t e •:.Minna Reicht Eubigheim i Bad. mit Adolf Wassermarin, Täuberbischofsheim i. Bad. Vermählte: 'Päiilä' -V; d. Walde — Heinz-Nothmann, BresiatirEmden/Ostfr-, Kl. Osterstr. 5, 20" 1. 35, -r Martha Flamm, Kurt Kellermann,.,,Nürnberg-Haifa^ 13. Januar. Silbern e H ö c h z e i t: Jakob v. ä.' Walde und Frau Berta geb. Neumann,'Emden, Adolf Hitlerstr. -7, 19. Januar. x . > . s; 7 0. Geb'ur ts t ag : Lehmann Mendle, München» Kaulbachstr, 6, 22. Januar.

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