Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1935)
- Date
- 1935-01-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 3 Der Israeli t , 17. Januar 1935 Einrichtungsgegenständen des Kinderzimmers- Es gab Kindersessel mit und ohne Füße.19a) Sobald das Kind aufrecht sitzen konnte, bekam es eine Lederschürze umgebunden, welche den ganzen Oberkörper bedeckte und gegen mannigfache schädliche Einwirkungen, wie Hitze, Kratzen der Katze und dergl. Schutz bot.-0) Neben dem Kinde wachte eine Pflegeperson, die ihm mit einem Fächer Luft zufächelte und die lästigen Fliegen vertrieb,21) In der Stadt Gubbath Schammai, die unter Fliegen und schädlichen Insekten zu leiden hatte, pflegte man den Kopf kleiner Kinder mit einem Teige zu bestrei chen, der mit dem Safte unreifer Trauben bereitet wurde, um die Schädlinge fernzuhalten.22) Zu den Ermahnungen, welche R. Elieser der Große an seinen Sohn Hyrkanos richtete, gehörte auch die, ein Kind, welches in der Wiege liegt, weder am Tage noch in der Nacht allein im Zimmer zu lassen.23) Ein Kind soll gleich einem Könige, einem Hohenpriester und einem Gelehrten stets sorgfältig bewacht werden.1'4) Geht eine Mutter mit ihrem Kinde aus, so soll sie das Kind stets vor sich hergehen lassen, damit sie es immer vor Augen habe. Diese Anordnung wurde aus Anlaß eines Kinderdiebstahls in der Stadt Sepphoris getroffen, wobei die Mutter des Kindes unter dem Vorwande, es befinde sich in einem bestimmten Hause, dahin gelockt und dort vergewaltigt wurde.-'5) Wiewohl an Halbfeiertagen Wäsche zu waschen nicht gestattet ist, darf doch solche von kleinen Kindern aus Gesundheitsrücksichten gewaschen werden.20) Kinder, bei welchen man Deformationen von Gliedmaßen vornahm, wurden frühzeitig der Behandlung eines Arztest der eine Art orthopädischer Vorrichtung besaß, zugeführt.27) Das Schlafen in Schuhen galt im allgemeinen als gesundheitswidrig.28) Einem Manne, dessen Frau gestorben ist und Kinder zurückließ, die noch der Pflege bedürfen, ist es gestattet, nicht wie sonst, erst nach Ablauf dreier Wallfahrtsfeste, sondern schon / nach den sieben Trauertagen eine zweite Ehe einzugehen.28) Hingegen darf die Frau, die nach dem Tode ihres Mannes mit einem Säugling zurückgeblieben ist, mit Rücksicht auf diesen, zwei Jahre von der Geburt desselben gerechnet, keine zweite Ehe eingehen. Die Ansicht eines Lehrers geht dahin, daß diese Wartezeit auch dann nicht abgekürzt werden darf, wenn das Kind inzwischen gestorben ist.30.) Aus Rücksicht auf ihre Gesundheit dürfen Kinder vor der Erlangung ihrer religiösen Großjährigkeit nicht verhalten werden, am Versöhnungstage zu fasten, wohl aber sollen sie, wenn sie kräftig genug sind, allmählich daran,, gewöhnt werden.31) Keineswegs dürfen Kinder unter neun Jahren zum Fasten, auch nur in der Dauer von wenigen Stunden, verhalten werden.32) R. Akiba pflegte am Versöhnungstage seinen Vortrag im Lehrhause zu unterbrechen, damit die Väter ihren kleinen Kindern zu essen gäben.33) R. Acha rief am Versöhnungstage nach Beendigung des Mussafgebetes aus: meine Brüder, wer ein kleines Kind hat, der gehe nach Hause, um seinem Kinde Speise und Trank zu geben.34) R. Chia b. Abba erzählte den erschütternden Fall, daß ein kleines Mädchen am Versöhnungstage starb, weil der Vater gezögert hatte, ihm auf Verlangen zu trinken zu geben.35) Hatte ein Kind das schulpflichtige Alter von sechs Jahren erreicht, so wurde es auf seine körperliche Konstitution untersucht, und fand man, daß es für den Schulunterricht noch zu schwach sei, so wurde der Schulbesuch um ein Jahr hinausgeschoben.30) Die Mutter achtete darauf, daß ihr Kind stets rein und gepflegt zur Schule gebracht wurde.37) Vom Verkehr mit'heidnischen Kindern wurde d?s jüdische Kind ferngehalten, eine Vorsorge, weiche in den geschlechtlichen Verirrüngen der heidnischen Kinder ihren Grund hatte.38) 18ä) Kelim XXVII, 5. 20) Kelim XXVI, 5 (aVn wV Tosephta Kelim B. bathra IV, 8. 21) Chulin 91b, Gen. r. 69, 3. 2a) Gen. r. 34, 15. 23j" Zinger, Ozar Hamidraschim S. 8. 24) Jellinek, Beth-Hamidrasch II, S. 96. 25) Sanhedrin 19a. 20) Jer. Ghagiga HI, 2. 2"j Sabbat XXII, 6, Tosefta Kelim B, mez. II, 9. 2S) Joma 78b. ' , . 29j Moed. Kat. 23a," Jer. Jebamoth TV, 11, Semachoth VII, Koheleth r. IX, 9. 30) Kethuboth 60a. 31) Joma 82a. ' 32j) Orach' Chajim § 617. . 33) Tosefta Jom Hakipurim V, 2. . **) Jer. Joma VI, 4. 33.) Daselbst. 3B) B. bathra 21a, vgl. Tosaphot das. s. v. P> 37j Pesikta rabbati (Friedmann) G. 43. **) Ab. Zarah 36b, 37a. Probe für einen Versuch einer Lehrmethode für ^liy ]tÖW Wfi im 3. und 4. Schuljahre. Von J. Prag in Zülpich. Vorwort der Schriftleitung: Der Verfasser nachstehender methodischen Skizze erbittet von Kollegen und besonders von Rabbinen, die sich seither mit methodischen Fragen beschäftigt haben, eine eingehende Besprechung der angedeuteten Methode. Wie ich so klein war wie ihr heute, da habe ich immer die ganz großen Buben und Mädels beneidet, wie sie im Beth hamidrasch um den Tisch herumsaßen und aus dem Schulchon oruch lernten und dann schon alles über das Händewaschen, das Omensagen usw. genau so wußten wie die großen Leute. Ich glaube, ihr tut das auch! Und deshalb habe ich mir ein paar Lehrbriefe für euch ausgedacht, damit ihr das auch lernen könnt. Ein wenig hebräische Sprachlehre werdet ihr ja schon können, und wenn ihr manchmal etwas nicht daraus wißt, dann müßt ihr eben euren Lehrer fragen. Sonst wird alles schon gehen! 1. Jetzt lernt tüchtig folgende Wörter auswendig: dtk. Mensch, sin, er ist, i»3. wie, n>ia, ein Geschöpf, nsfrn tfnn, neu. ^ti*Z> wenn, apx. er steht auf. Bett, n-nng. des Morgens. 2. Dann schreibt auf Hebräisch unten auf die Linie: Der Mensch, / er ist / wie / ein neues Geschöpf, / wenn / er aufsteht / aus seinem Bette / des Morgens. 3. Denkt dabei, daß ein Hauptwort mit s am Anfang als Geschlechtswort n bekommt, däß ihr zuerst das Hauptwort und dann das Eigenschaftswort im Hebräischen schreiben müßt, und vergeßt nicht daran, daß n»"jji weiblich ist! 4. Nun sollt ihr noch schnell diesen hebräischen Satz in gutes Deutsch übersetzen, und dann wollen wir weiter plaudern. Nicht wahr, Kinder, ihr seid doch auch so frisch und so munter, wenn ihr die ganze Nacht fein geschlafen habt und dann mit neuer Kraft in euren Körperchen aus eurem Bettchen steigen könnt? Steht ihr aber nur auf, um euch lustig herumzutollen? 0 nein! — Ihr frommen jüdischen Jungen und Mädels wißt es selber ganz gut, daß ihr auch beten müßt, beten für euren Vater, für eure Mutter und für euch und für alle andere, und daß ihr auch brav sein sollt und fleißig lernen müßt! So will es der 1. G'tt haben, und wenn ihr das immer tut. dann dient ihr Ihm, wie ein Diener seinem Herrn dient. Aber nicht nur, ihr Kinder, sondern alle sollen des Morgens aufstehen zum Dienste des Schöpfers; gelobt sei Sein Name! 1. Lernt jetzt einmal tüchtig folgende Wörter auswendig: fnia?. Dienst, inia Schöpfer, "£!3nv gelobt, dv?> Name. 2. Dann schreibt auf Hebräisch unten auf die Linie:, Zum Dienste / des Schöpfers; / gelobt / Sein Name!. 3. Denkt daran, daß ein Wort vor einem Dingwort im zweiten Fall in der verbundenen Form stehen muß, und daß das Dingwort im zweiten Fall im Hebräischen unverändert bleibt! Seht ihr, nun wißt ihr schon ganz kurz auf Hebräisch das zu sagen, worüber Wir uns eben ziemlich lange auf Deutsch unterhalten haben. Ihr wollt ja aber noch viel mehr wissen! Deshalb will ich mit euch gleich weiter plaudern über Sachen, die ihr schon kennt und die ihr noch hinzulernen sollt! ■ Ihr habt doch alle schon einmal gesehen, wie die B??33 (Priester) am 3io tri' zum Duchenen (Priestersegen) vorgehen. Habt ihr auch aufgepaßt, was sie vor dem Segnen tun müssen? Ganz recht,-. Kinder! Sie lassen sich wie die o»r«S im früheren Tempel in Jerusalem von den D-*]b (Leviten), die Hände waschen. Und wir, machen es ihnen nach, wenn wir des Morgens aufstehen: ..: •lö» iiarv / «man miavb 1. Lernt jetzt folgende Wörter tüchtig auswendig: •sp-vt, es ist nötig, «ftppn» sich heiligen, Vioa» sich die Hände waschen, ^s, Gefäß, vfjipn nvt. er war heiligend; er heiligte, 11*3/ Waschbecken,?yp> vor. 2. Dann schreibt auf Hebräisch unten auf die Linien: Es ist nötig / sich zii heiligen / und sich die Hände zu waschen / aus /„dem Gefäß / wie ,! ein Priester, / welcher heiligte / seine Hände / an jedem Tage / aus / dem Wäschbecken / vor! seinem Dienste. 3. Wißt ihr auch, daß „sich zu waschen" VitJ>> heißt? Warum eigentlich? Das ist ganz leicht zu verstehen. Sich waschen heißt bioi- Setzt ihr b (zu) davor, wird aus bioi Hol und „sich zu waschen" heißt dann Vtei^>- Das kann man aber nicht gutsagen; deswegen ViöA. Nun fällt noch das Nun nach dem Lämmed weg und das Tes bekommt, ein Dagesc'h dafür. Dann heißt die ganze Form? 4. Nun sollt ihr noch schnell den hebräischen Satz in gutes Deutsch übersetzen, und dann sollt ihr weiter lernen. Ihr werdet gewiß recht neugierig sein, zu erfahren, wann man sich des Morgens die Hände waschen muß und wie man das tun soll. 1. Dann, lernt jetzt folgende Wörter auswendig: TICK' es ist verboten^ ^W» zu gehen, na«, Elle (beinahe. 50 cm), ohne, f Waschen, Bedürfnis, ns» wenn. -"" 2. Und schreibt auf Deutsch folgenden hebräischen Satz: unten auf die Linie: ' •Tis? S>"ha ^nsj> s6 a* / bjyj rfavi '!?a niax "1 ]b->b hdk Nun wißt ihr, wann man das d't» n^m des Morgens vornehmen muß und werdet gewiß von morgen an ein 'Vd mit Wasser neben eurem Bettchen stehen haben; Oder hattet ihr das schon? Damit ihr aber auch wißt, wie man sich des Morgens die Hände zu waschen hat, müßt ihr 1. folgende Wörter tüchtig auswendig lernen: -Hl -pia auf folgende Weise, ' bva, man nimmt, ]'»»» rechts; die Rechte, b&nv> links; die Linke, }nM, man gibt, UM' man. gibt es, ^lBV man gießt, nbnn, zuerst, V ins, dann. 2. Diesen Satz auf Deutsch unten auf die Linien schreiben: 1311131 / 13-'»-' Ta *Van n« Vtsni / nr -pia «»n / b»"t» rbivi I ir»>a '»n m bvn 73 msi / p»' t by rbnn "jsim / ^n»e^ :D'»ys 'a nvv 731 / bsnv t> ^3? -\sw\ 3. Schreibt die noch fehlenden Selbstlaute sauber, in die hebräischen Wörter! / Macht das immer! Eine Aufgabe für die ganz Fleißigen: Wiederholt alles, was ihr bis jetzt gelernt habt und schreibt dann die Sätze auswendig auf Hebräisch und Deutsch auf eure Tafel! Aus Hessen. Auch in unserm Lande das gleiche Bild wie in den übrigen Teilen des deutschen Vaterlandes. Die Gemeinden verarmen und sind nicht mehr imstande, ihren Lehrern und Kultusbeamten ein einigermaßen auskömmliches Einkommen zu gewähren. Eine Lehrersteile nach der andern geht ein, und wo seit Jahrzehnten durch die pflichtbewußte Arbeit eines wakkeren Lehrers^ jüdisches Leben sich entfalten konnte, herrscht heute eine beängstigende Stille. Sterbende Gemeinden! Nur wenige in unablässiger Arbeit für das Thorajudentum immer noch rüstig schaffende Lehrer harren aus, ungebeugt durch die Last der Jahre. So konnten vor kurzem in unserem Bezirke zwei Senioren des jüdischen Lehrerstandes ihren 70. Geburtstag' feiern, die Herren Spier, Großzimmern und Frank Alsbach. Möge JV'^n den beiden Kollegen Kraft und Gesundheit gewähren, noch lange Jähre ihre Arbeit zum Wohle ihrer. Gemeinde und Won nymb fortsetzen zu können. Bücherbesprechungen. Jugendseele v — kostbar in G'ttes Augen, Von Ä. Card. Bertram, Erzbischof von Breslau. Freiburg (Brsg.). 1 933. Herder u. Co. Preis Mk., 3.—. ' 284 S. Die objektive Einstellung dieses großen katholischen Würdenträgers zur Judenfrage ist jetzt weltbekannt. So können wir Juden, insbesondere wir Pädagogen, unbedenklich an die Lektüre dieses Werkes herangehen und geeignete;, religiös-ethische Abschnitte zur Besprechung im Religionsunterricht auswählen. Trefflich geeignet als Diskussionsstoff in unser ren Jugendbünden,, deren Mitglieder bittere Wahrheiten gesagt werden. Ein erschütterndes, aufrüttelndes Werk. Viele kluge T'nach-Zitate neben, solchen aus dem Neuen Testament. Heranziehung bei der jüdischethischen Lektüre, z. B. von Hirsch oder von Barn-, berger, ohne Zweifel erfolgversprechend, zumal '(in ünsrer so zerrütteten Zeit. ,: ■ Diie religiös-sittUche Führung JugendKcher.'. /Von Dr. Anton Stonn er. F r e i b u r g (Brsg.). 1 9 3 4. Herder u. Co. Geh. Mk. 5.40. 284 S. Ein Werk, das wie kein anderes geeignet ist, die Frage nach der rechten religiös-sittlichen Führung junger Menschen zu lösen. Unseren jungen Rabbinern und Religionslehrern als Lektüre unbedingt zu empfehlen. Der Verfasser stützt sich auf ungemein, reiches Quellenmaterial. Bedauerlich, daß mein hochverehrter Professor Sch'midkunz mit seinen mannigfaltigen Abhandlungen zur Hochschulpädagogik nicht. Zitiert wird. Der Abschnitt: „Die persönlichen Er.-, forderhisse des rechten geistlichen Führers": Lebensklugheit, wissenschaftliche und künstlerische. Begaburig, Schweigen, Zeithaben, Anpassungsfähigkeit,, Anregungsfähigkeit, Mut und Zuversichtlichkeit — bieten besonders aufschlußreiches und anregendes Material für unsre Rabbiner und Religionslehrer. Ernst Lewy, Dominium Lad in Polen.