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Der Israelit · 1935-01-17 · Heft 3 (17.1.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 3 (17.1.1935)
Date
1935-01-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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/ Seite 8 Nr. 3 D Israelit 17. Januar '193a chend einer Anregung der Schulkommission eine Mo nographie über Maimonides herauszugeben. Diese Schrift ist bereits im Druck und soll am Tage der 800. Wiederkehr des Geburtstages des Rambam an die Schüler der Gemeindeschulen verteilt und von den Lehrern besprochen werden. Die Not in Polen. Warschau, 8. Jan. Eine Versammlung von jüdischen Führern aller Richtungen verhandelte über die katastrophale Lage der polnischen Judenheit. Den Vorsitz hatte Professor S c h o r. Großen Eindruck machte die Schilderung der Not der orthodoxen Massen durch J. M. Lewin, Rabb. Rubinstein berichtete über die furchtbare Not in Wilna und den Randgebieten. Es wurde folgende Entschließung angenommen: 1. Das polnische. Judentum befindet sich in einer furchtbaren ökonomischen Lage und ist vom physischen Untergang bedroht; es macht eine der schwersten Epochen seiner ganzen Geschichte durch. 2. Das polnische Judentum sieht sich, in höherem Maße als in den vergangenen Jahren, gezwungen, an das ausländische Judentum um brüderliche Hilfe zu appellieren, die ein Stimulans zur Erweckung und Organisierung der eigenen Kräfte sein soll. 3. Die in den letzten Jahren von ausländischen jüdischen Institutionen dem polnischen Judentum zur Verfügung gestellten Summen stehen in gar keinem Verhältnis zur wirklichen Notlage und machen nur einen ganz geringen Teil jener Summe aus, die vom American Joint Distribution Committee für Hilfsarbeiten in Europa aufgebracht wurden. 4. Die seinerzeit vom Joint geschaffenen verschiedenen sozialen Hilfsinstitutionen befinden sich am Rande des Unterganges. Waisenkinderversorgung, Fachschulen, Erziehungsanstalten, Gesundheitsschutz usw. können angesichts der ungeheuren Verarmung der jüdischen Bevölkerung Polens ohne auswärtige Hilfe gar nicht bestehen. 5. Mit großem Bedauern stellen wir fest, daß die gewaltigen Leistungen der Gemilus-Chassodim-Kassen, die Zehntausende Existenzen erhalten müssen, vom Joint in den letzten Jahren fast gar keine Hilfe erhielten. 6. Im Hinblick auf das oben Ausgeführte beschließt die Versammlung, sich an das ausländische Judentum mit der Bitte um brüderliche Hilfe für das ruinierte polnische Judentum zu wenden, damit dieses seine ökonomischen Positionen in dem Maße, wie es die 3J4 Millionen starke jüdische Gemeinschaft in Polen erfordert, befestigen könne. Aus der Warschauer Agudo. Warschau, 13. Jan. Auf Initiative von Benjamin Münz aus Tel Awiw traten dieser Tage die Leitungen der Zeire Agudas Jisroel-Organisation und der P o a 1 e Agudas Jisroel-Organisation in Polen zu einer gemeinsamen Beratung zusammen, um die bekanntlich seit längerer Zeit bestehenden Reibungen zwischen beiden Organisationen durch eine freundschaftliche Aussprache zu beseitigen und der Pressepolemik, wie sie in den beiderseitigen Organen zutage trat, ein Ende zu machen. Erfreulicherweise haben die Beratungen in Form einstimmiger Beschlüsse über die künftige Form der Zusammenarbeit zu einem Ergebnis geführt, das demnächst veröffentlicht werden wird. Letzten Donnerstag fand die Verlosung der großen Keren Hajischuw-Lotterie in Polen statt, bei der zwei unentgeltliche Erez Jisroel-Reisen ausgelost wurden. Die glücklichen Gewinner wohnen in Janow und Grodzisk. Außerdem gelangten 200 kleinere Gewinne zur Verteilung. Die Exekutive der Agudas Jisroel-Landesorganisation von Polen veröffentlicht eine Aufforderung an die „Jüdische Telegraphen-Agentur", über die von dieser gebrachte Falschmeldung, die Warschauer jüdische Gemeinde habe auf Veranlassung der Agudo- Fraktion ihre Beteiligung an den Rambamfeiern abgelehnt, weil die Werke des Rambam von der Orthodoxie nicht als orthodox anerkannt würden, Rechenschaft abzulegen. Wenn die ITA. nicht imstande sei, den Fall befriedigend aufzuklären, müsse man aufhören, sie als ein allgemein-jüdisches Nachrichtenbüro zu betrachten, sie vielmehr als ausgesprochene Gegnerin des organisierten orthodoxen Judentums ansehen. - Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel, (Nach' Palnews.) Tel Awiw. Mit dem baldigen Abschluß des deutsch-palästinensischen Orangenabkommens (siehe Ausführliches darüber in Nr. 1 des „Israelit") kann gerechnet werden. Die deutschen Importeure sind bereit, auf der Basis des Warburg-Abkommens, das gegenüber dem ersten Entwurf Verbesserungen aufweist, den Import abzuwickeln. Allerdings dürften sich die Exportmöglichkeiten dabei in engen Grenzen halten. .Tel Awiw. Die amerikan. Zahnfabrik (American Porcelaim Tooth Co. Ltd.)', die fast ihre ganze Produktion nach dem Auslande exportiert und daher für das Land von besonderer Bedeutung ist, ist 1927 gegründet worden. Von dem Kapital sind Lst. 7000.— eingezahlt. Sie beschäftigt zur Zeit in Tel Awiw 180 Arbeiter. Alles Rohmaterial wird im Auslande bezogen und 5 Millionen Zähne im Werte von Lst. 50.000 wiederum nach dem Auslande exportiert. Davon ein kleiner Teil nach den Ländern des nahen Ostens, der Rest hauptsächlich nach England. Als der englische Markt infolge hohen Schutzzolles verschlossen wurde, sind als Absatzgebiete Oesterreich, Neuseeland, Norwegen, Schweden und eine Reihe anderer europäischer Länder erschlossen worden. Die Fabrik will jetzt, um der englischen Reichsvorzugszölle teilhaft zu werden, auf Cypern eine Filiale mit 60 Arbeitern eröffnen. Die Fabrik wird jetzt von Tel Awiw nach Nachlath Jizchak verlegt und wird dann insgesamt 300 Arbeiter beschäftigen. Jerusalem. Die Palestine Potash Co. soll beabsichtigen, den Schwerpunkt der Produktion von der Nordspitze zur Südspitze des" Toten Meeres zu verlegen, um die Produktionskosten zu verbilligen. Im Zusammenhang damit dürfte es stehen, daß Akkaba in Zukunft als Exportbasis dienen soll. England entfaltet dort im stillen eine große Aktivität. Tel Awiw. In Verbindung mit den bevorstehenden zollpolitischen Verhandlungen zwischen Palästina und Aegypten wird festgestellt, daß der palästinensisch-ägyptische Außenhandel seit dem Jahre 1928 katastrophal zurückgegangen ist, sowohl Import als Export. Selbst der palästinensische Regierungsbedarf wird seit diesem Jahre nicht mehr über Aegypten direkt via Haifa importiert. Jerusalem. Im November beläuft sich die ganze Arbeiterein Wanderung nach Palästina auf 692 gegenüber 517 Kapitalisten und 116 Handwerkern, so daß auf einen Kapitalisten nur wenig mehr als ein Arbeiter entfällt. Tel Awiw. Barclays Bank, die in Palästina 9 Filialen und Agenturen unterhält, also das ausgebreitetste Bankinstitut Palästinas neben der Anglo Palestine Bank ist, veröffentlicht ihren Finanzabschluß, der jedoch die spezielle Entwicklung des Palästina-Geschäftes nicht erkennen läßt. Die Gesamtkontokorrent— und Depositen-Guthaben erhöhten sich von 75 auf 83 Millionen Pfund. Bagdad. Ein großer amerikanischer Automobilkonzern, wahrscheinlich Ford, beabsichtigt in Persien oder im Irak eine Automontagewerkstatt mit 500 Arbeitern zu errichten, die später die Fabrikation gewisser Automobilteile aufnehmen soll. Tel Awiw. Die Assis- Fabrik hat in den letzten Tagen durch ihre Sachverständigen etwa 1000 Tonnen Orangen, die nicht exportfähig sind, zur industriellen Verwertung aufgekauft. Jerusalem. Größere Handelsregistereintragungen: Brauereigesellschaft Palestine Brewery Ltd. in Rischon l'Zion mit Lst. 50.000 Kapital, Nir Ltd. mit Lst. 75.000 Kapital für Kolonisation, Palestine Rubber u. Co. mit Lst. 5000.— Herstellung und Handel von Gummiwaren. Tel Awiw. Im ersten Halbjahr 1934 hat der Import frischer Früchte aus dem Auslande in Palästina die Vorj a h r s höhe von Lst. 73.000 bereits erreicht, so daß man für das ganze Jahr 1934 mit einer Importsumme von Lst. 150.000 zu rechnen hat. In der Hauptsache handelt es sich um Aepfel, die aus den Vereinigten Staaten, Italien und der Türkei kommen. Daneben um Birnen, Pflaumen, Pfirsische, Kirschen usw, Man hofft, daß es im Laufe der Zeit gelingt, den Import durch eigenen Anbau zu ersetzen. Neue Versuche im Gebirge werden vorgenommen. Eine Revisionistenkonferenz in Krakau. Kr ak a u , 11. Jan. Zu der hier tagenden revisionistischen Weltkönferenz sind 250 Delegierte aus 35 Ländern erschienen. Jabotinsky steht wieder im Mittelpunkte des Geschehens, und es macht zuweilen den Eindruck, als habe die ganze Veranstaltung nur den Zweck) den in letzterer Zeit von radikalen Gruppen in den Hintergrund gedrängten Führer wieder richtig in den Sattel zu setzen. Unter den vielen eingelaufenen Begrüßungen machte ein längeres Schreiben des Londoner Unterhausmitgliedes Colonel Josiah Wedgewood, in dem er sich mit den Ideen und Bestrebungen der Revisionisten vollkommen identifiziert lind auch der revisionistischen Petition an das Parlament 'seine volle Unterstützung zusagt, großen Eindruck. Die zugleich tagende Weltkonferenz des B r i t h Trumpeldor wählte Jabotinsky wiederum zum Rosch Bethar, lehnte es aber ab, ihm diese Würde für Lebenszeiten zuzusprechen. Einen kleinen Zwischenfall gab es, als Mitglieder des linkssozialistischen „Bund", die zum Protest gegen die Tagung eine „Antifaschistische Woche" proklamierten, Flugzettel mit der Losung „Kampf" gegen den jüdischen Faschismus!" in den Saal warfen. Die Flugzettel wurden von der Polizei beschlagnahmt. Nach den vielen Begrüßungen hielt Jabotinsky ein mehrstündiges Referat über die politischen und wirtschaftlichen Forderungen des Revisionismus im Lichte der Gegenwartssituation der Judenheit. Er bezeichnet den derzeitigen Aufschwung in Erez Jisroel als eine „Scheinblüte" und erörtert die Möglichkeiten eines gesunden Wirtschaftsaufbaues. Das einzig Wesentliche sei die Hulehkonzession. Hier handele es sich wenigstens um ein Stück Land, während alles Andere „Inflation" sei. Nach Huleh müsse Transjordanien kommen. Die Schuld an aller ungesunden Spekulation in Palästina trage die zionistische Leitung, die zehn Jahre lang das Privatkapital. als überflüssig und schädlich betrachtete. Im übrigen bleibe der Revisionismus bei seinen alten Grundsätzen: Kein Bitten um Almosen, sondern Forderung des uns zustehenden Rechtes! Er kündigt die Einberufung eines Weltkongresses der Petitiorisunterzeichner für das Jahr 1936 an. Von den in London mit der zionistischen Exekutive getroffenen Abmachungen beziehe sich eine auf die Sicherung eines modus vivendi zwischen den beiden Gewerkschaften bis zur Einführung der Schiedsgerichtsbarkeit in Arbeitsfragen. Es verlaute, daß die Gegenseite die Ratifizierung dieses Abkommens ablehne, weil es den Grundsatz des freien Streikrechts durchbreche. Demgegenüber stelle er fest, daß tatsächlich vereinbart wurde, daß dort, wo auch nur eine kleine Minderheit nationaler Arbeiter vorhanden ist, kein Streik ohne vorherige Einleitung eines Schiedsverfahrens proklamiert werden darf. Mit diesem Grundsatz stehe und falle die ganze Abmachung. Eine zweite Vereinbarung betreffe das Monopol der Jewish Agency auf die Zertifikate- Verteilung. Dieses Monopol werde von revisionistischer Seite nicht anerkannt. Es seien in Palästina und in England Schritte unternommen worden, um den landwirtschaftlichen und Industrie-Unternehmungen ein Recht auf die Auswahl der Arbeiter zu sichern. Diese Bemühungen hätten dazu geführt, daß die Agency diesen Kreisen einen Teil der Zertifikate aus der letzten Schedule zur Verfügung stellen mußte. Nunmehr könne der „Schilton Bethar", besonders im Interesse der Schaffung einer günstigeren Atmosphäre für die Verhandlungen zur innerzionistischen Befriedung, bis auf weiteres auf eigene Maßnahmen in dieser Richtung verzichten. * Krakau, 14. Jan, In der weiteren Verhandlung hielten Referate Dr. H o f f m a n n und Dr. Schecht mann über die Arbeit der Exekutive und die Petit'iönsbeweg u n g. Zeigte die Konferenz bis dahin noch ein friedliches und geruhiges Bild, so brach in der Generaldebatte am Donnerstag der Sturm mit dem Eingreifen der Maximalisten der Sturm durch. Führend war Dr. Wolfgang von W e i s 1, der für eine Lostrennung von (Fortsetzung der Korrespondenzen siehe Seite 11.)

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