Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1935)
- Date
- 1935-01-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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17. Januar 1935__ mis" und von Dr, Kaiman K aha n : „Weltanschauliche Erziehung" gewidmet. Beide Referenten gingen von der Voraussetzung aus, daß heute eine Erziehung zur Agudas Jisroel und zu ihrer Weltanschauung nötig ist. Die Möglichkeiten einer einheitlichen Linie für die weltanschauliche Erziehung wurden erörtert, wobei aber eine dogmatische. Festlegung und dadurch entstehende Problemlosigkeit abgelehnt wurden. Eine innere Aufgeschlossenheit den Zeitfragen und Zeitfor.derungen gegenüber wurde gefordert. Jüdische Probleme, d. h. eine Beschäftigung mit den Fragen, die sich aus Tnach, Talmud ergeben, sollen in der Gruppenarbeit im Vordergrund stehen. Der A e 11 e r e n -Arbeit war ein Referat von Hugo Heine mann gewidmet. Der Referent ging davon aus, daß unter der Voraussetzung der bündischen Erziehungsformen eine stärkere Bindung der' Chawerim zueinander zu erstreben ist. Das Interesse für die Agudas Jisroel kann durch Behandlung neutraler Tagesfragen bei einem großen Teil unserer Jugend erzielt Werden, Auch 2eigte ef-dlö verschiedenen Werfe der sozialen Arbeit. Außerdem forderte er verstärkte Aufmerksamkeit und intensive Beschäftigung mit der bis jetzt liberal religiösen und indifferenten Jugend, bei der man nach seinen Erfahrungen mit sehr viel Erfolg arbeiten kann. Der eigentliche Delegiertentag begann am Montag und erstreckte sich über den ganzen Tag und über Dienstag Vormittag. Im Vordergrund der Debatte stand hier die Frage der bevorstehenden Einigung mit dem Esra. Der Esra hat grundsäzlich der Einigung mit der Agudas Jisroel zugestimmt, es handelt sich bloß darum, die geeignete Form zu finden. Der Schwerpunkt lag darin, einige bereits bestehende Gruppen der Pirche Agudas D e. r I s r a e I i t Jisroel mit dem zahlenmäßig viel stärkeren Esra zu vereinigen. Nach längeren Verhandlungen hat man sich auf die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft geeinigt, die aus vier Gruppen besteht: Agudas Jisroel - Jugendorganisation für die Aelteren-i-Arbeit; Esra und Pirche Agudas Jisroel für die Bündische Emehungsarbeit, vorläufig getrennt; Noar Agudati für die Efez Jisroel-Arbeit. Einem Arbeitsausschuß, der aus den Leitern der vier Gruppen besteht, wurde auferlegt, die vollständige Vereinigung der beiden Gruppen Esra und Pirche Agudas Jisroel durchzuführen. Außerdem wurde eine neue Organisation, sleit üng für die Agud Jisroel - Jugendorganisation gewählt. Als Vorort wurde Berlin bestimmt. Als Leiter wurden gewählt: die Chawerim Abraham Wolf, Rudolf Leibowitz und Ernst P1 eßn er mit der Maßgabe, noch zwei weitere Chawerim zu kooptieren. Auch die Pirche Agudas Jisroel-Gruppen wählten eine Leitung unter Führung von Richard Ahrend- Am Dienstag hörten sich die Chawerim einen Bericht von Jakob Landau (Tel Awiw) über die Tätigkeit der ' P ö a 1 e Agudas Jisroel in Erez Jisroel an. Besonderes Interesse wurde der Frage des ob Dil zwischen Histadruth und Poale Agudas Jisroel entgegengebracht. Ein Referat von Flora Weyl über Mädchenerziehung und die sich anschließende Diskussion behandelte die Frage, wie der Leerraum, der bei den Mädels durch Wegfall des Lernens entsteht, ausgefüllt werden kann. Es wurden hierbei verschiedene Vorschläge für die Ausgestaltung der Mädchenschiurim und Arbeitsgemeinschaften gemacht. Ein geselliges Beisammensein beschloß die Tagung. K. K. Jfuchl in die ßcimaf ** 99 Die in dieser Nummer unter diesem Titel beginnende Erzählung behandelt das uralte, aber durch die Verhältnisse heute in den Brennpunkt der jüdischen Fragen gedrängte Problem „Väter und Söhne". Aus judentumsfremdem Milieu ringt sich eine junge jüdische! Seele, zur. jüdischen Freiheit durch. Viele, leider noch nicht allzuviele, haben aus dem Gestrüpp den Weg: in < die Heimat gefunden. Einen erfaßt diese Novelle und veranschaulicht' an seiner Tragik und seiner Erhebung die Not'und das Sehnen unserer Jugend in einer Zeit des Umbruches insgesamt, Ist auch der Stoff dem lebendigen Leben der Gegenwart entnommen, so ist doch daraus keine blofle - Reportage geworden, sondern eine Erzählung, der ein über den flüchtigen Tag hinausragendes Kunstwerk innewohnt. . * r " : •' . ■ T •■■ ■ Ausbildungsmöglichkeiten in Handwerkersihulen. Berlin, iÖ. Januar. •Die Zentralvenvaltung der jüdischen Handwerkerschulen, die der Jewish Colonisation Association (ICA.) in,,Warschau angeschlossen sind,,hat sich bereit ' erklärt, vorläufig 50 Sohühsr., aus;; Deutschland zur Ausbildung vdn den ausgezeichnet (ausgestatteten jüdischen Handwerkerschulen;, an Polen,: aufzunehmen.' Es, handelt sich um, Ausbildung in Mäscb^nerischlos-. serei, Tischlerei, Weberei, Malerei., und Dekoration usw. Die Ausbildung,, ist - vorläufig . auf für; ehl Jähr vorgesehen, die Kosten werden «ich auf, ca. 35 RM. pro Monat belaufen. Interessenten werden gebeten, sich umgehend?beim Zentralamschuß für, Hilfe und Aufbau,.B^rlin^C^aLrlot^nburg, Kantstratie.f $58, zu melden...; ., .V... ' . ' * ' '• ' \ { Oesterreich/ Zur Trennungsfragc in Wien. Wien, 9. Jan.;Ein „Komitee orthodoxer.Juden zur .Verteidigung ... < i ' ■ ' - ■ 1 '1 . •' ■ ' ' ' ' v der Einheit der; jüdischen- Gemeinde" in Wien teilt "mit: ' ' " .-! - . 1 ... | [ ' I ' ' | ' ' ' ..,;.> Die jihi. Wien -ansässigen berühmten iGroßrajbbine'r,-\ j»nd zwar Rabbi Israel Firiedmahn ausujiusjätyn,; Rabbi ^Jizchak Meier vHeisKch el aus : iKopiczyhW; Rabbi Nahum fMordeehai F f i e d m a n n :aüs Czortikeiw,! <iferner •- der Vizepräsident des. Zenträlraljes der '? Agudas Jisroel:;und Präsident des KereüjtirXajlschuw,^ Rabbi Abraham Jakob Friedmann aus Sadagora, und der Präsident des Keren Hathora der Agudas Jisroel für Oesterreich, Rabbiner Abraham He-' 5 c h e 1, haben sich schärfsten« gegen die Bestrebungen zur ^Trennung; der Wiener jüdischen Gemeinde ' ausgesprochen, die von' einem-Teile der in derj ,,Adaß Jisroel" (Schiffschul) 1 organisierten Orthodoxen1 ^eingeleitet wurden, .; ■• \i; Ferner'haben 30 orthodoxe Rabbiner Wiens und f,62 von den in Wien bestehenden 70 orthodoxen Bet-. häusern und Vereinen eine Protestkundgebung gegen die' erwähnten Trennüngsbestrebungen unterschrieben. (Es ist kein Geheimnis, daß'' innerhalb ' der Agudas Jisrb'el-Weltorganisation, die grundsätzlich auf dem Boden der Unabhängigkeit des thoratreuen Judentums 'ünd im schärfsten Gegensatz zur thoralosen __*_, Nr. 3 Seite 7 zionistischen Volkseinheit steht, doch durchaus verschiedene Meinungen vertreten werden hinsichtlich der religiösen Austrittspflicht aus der einzelnen Religionsgemeinde. Hier sprechen zahlreiche lokale Erwägungen und zeitliche Bedingungen mit, wie ja auch innerhalb der Schiffschul-Kreise selbst die Meinungen über die Opportunität des Austritts in diesem Augenblick nicht vollkommen einheitlich sind. Es ist vor allem die Jugend, die, erfüllt von dem Ideal der Ganzheit und Konsequenz, zum Austritt drängt. Red.). Bisher keine Annullierung der gegen die Juden gerichteten Maßnahmen in Oesterreich, Wien, 11. Jan. In der ausländischen Presse werden die letzten Erklärungen des österreichischen Außenministers Berger Waldenegg auf eine im Dezember stattgefündene Besprechung zwischen dem Mitgliede des Verwaltungsrätes der Bank von England, Sir Otto Niemeyer, und dem österreichischen Finanzminister Dr. B u r e s c h zurückgeführt, in der Dr. Buresch die Annullierung der gegen die Juden gerichteten Maßnahmen, Wiederanstellung der entlassenen jüdischen Angestellten usw. versprochen habe. Die „Jüdische Telegraphen-Agentur" ist in der Lage, festzustellen, daß bis jetzt von einer Annullierung der gegen die Juden in Oesterreich gerichteten Maßnahmen nicht gesprochen werden kann. Die Kündigungen dar jüdischen Aerzte in den sozialpolitischen Institutionen, in den staatlichen und städtischen Krankenanstalten, ebenso die Kündigung jüdischer Bankbeamter in dem nun dem Staate gehörigen Bankenkonzern Credit-Anstalt—Wiener Bank-Verein und der sonstige Abbau jüdischen Personals sind, bis auf ganz geringfügige Ausnahmen, aufrecht erhalten geblieben. Auch der Schulklassen-Erlaß ist bis auf einige besonders krasse Fälle in Kraft geblieben. Von einer Anstellung jüdischer Aerzte in den staatlichen Krankenanstalten ist noch nicht die Rede. Alle mit Juden besetzten leitenden Stellen in der Wrtschaft, würden und werden bei der erstbesten Gelegenheit, z. B. bei Neubestellung des Präsidenten der Börsenkammer und dergl., mit Nichtjuden besetzt. In jüdischen Kreisen Wiens fällt es sehr unangenehm auf, daß alle offiziellen Erklärungen der letzten Zeit, angefangen von der Erklärung des Bundeskanzlers bei der Eröffnung des Bundestages bis zu der kürzlich in der Budgetdebatte der Wiener Bürgerschaft erfolgten Erklärung des Bürgermeisters Dr. Schmitz und den vorwöchentlichen Erklärungen des Außenministers, nur noch von einem „vorbildlichen Rechts- und Kulturschutz" sprechen, nicht aber von der vollen bürgerlich e n Gleichberechtigung, wie sie in' -den einen Bestandteil der Verfassung bildenden - Minoritatenbestimmungen des Friedensvertrages festgelegt ist.' Unter: „Rechtsschutz" kann alles mögliche' verstanden werden. In gut eingeweihten Kreisen weiß man, welche Bestrebungen beispielsweise gegen!jdie jüdische Rechtsanwaltschaft bestehen; Man-Erfährt;-daß von der Regierung nahestehender ''Seite Reformentwürfe ausgearbeitet Wurden; ' in denen^'das^Wort „Jüde"- gar neiht vo^kdimnt;! mit 'de^en aberj durch allgemeine Bestimmungen »'erreicht Wörden soll, daß jüdische Anwärter ^zür Ausübung des! i Ädvokätenberufes kaum - mehr zugelassen : werden. (lt5A;).'>; ' •-' - •.; >". Polen. Die polnische Alijah in den nächsten Monaten. Warschau, 15. Jan. In, den nächsten drei Monaten werden,,gut 6000 Olim, von Polen sich. nach Erez Israel begeben. Diesen Montag fuhren; 700 Chaluzim und kleine Kapitalisten von hier ab/ um am Mittwoch mit der „Polanja" die Seereise anzutreten. Am Mittwoch folge ihnen ein zweiter Transport mit . 300 Olim. Bis zum Frühling hinaus sind alle Plätze dritter Klasse auf der „Polonja" belegt.. Maimonides-Ehriing in Warschau. Warschau, 13. Jan. Entgegen anderslautender ITA.-Meldung teilt die Kehilla. mit, ' daß sie beschlossen ' hat, entspre-