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Der Israelit · 1935-01-17 · Heft 3 (17.1.1935) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 3 (17.1.1935)
Date
1935-01-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 3 Der Israelit 47. Januar 1935 Weizmann (bekanntlich Protektor der „Histadruth") an der Spitze sich diese aufbaufeindlichen Ansichten eines radikalen Flügels zu eigen machen und sie unterstützen. Daß sie mit solchen Plänen bei den Arabern ein freudiges Echo und bei der Regierung Anklang und Verständnis finden, ist nicht zu zweifeln. Wir aber müssen schon den ersten leisesten Versuch einer solchen Begrenzung mit aller Kraft bekämpfen; bevor er noch an die große Oeffentlichkeit gedrungen und von den Feinden, die draußen auf der Lauer stehen, aufgefangen ist. Wir bekämpfen den Plan erstens im Interesse des Jischuw, der Menschen, Hände und auch Kapital, wenn noch so klein bemessen, braucht. Wir bekämpfen den Plan im Interesse des religiösen Lebens im Lande, dessen sicherste Garanten gerade die Einwanderer aus der Mittelstandsalijah sind. Wir bekämpfen den Plan nicht zuletzt im Interesse der Golah, wo in vielen Fällen unsere Brüder mit ihren kleinen Ersparnissen allein in Erez Israel noch die einzige Zufluchtsstätte sehen. Wir halten den Plan für so absurd, daß wir an seine Ausführung einfach gar nicht glauben möchten. Aber schon die bloße Erörterung solcher Pläne könnte ungeahnte Gefahren nach sich ziehen, und darum warnen wir schon jetzt vor solchen unheilvollen Erwägungen. Die Propaganda für Einheitsschulen. In dem vom „Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden Preußens" herausgegebenen Verwaltungsblatt, das nebenbei bemerkt in seinem Spitzenaufsatz eine außerordentlich fragwürdige Uebertragung des heute im politischen Leben geltenden Totalitätsanspruchs auf die jüdische Gemeinde unternimmt, äußert sich Dr. Walter A1 e x ander über „unsere jüdische Schule". Er führt aus, daß nicht nur in der großen Zahl der Mittel- und Kleingemeinden, für die schon aus zahlenmäßigen Gründen höchstens eine Schule in Betracht kommen kann, sondern auch in Berlin eine Teilung der Schulen in konservative und nichtkonservative zu den erheblichsten Schwierigkeiten führen würde. Zwar sei es nicht zu verkennen, daß orthodoxe Eltern Wert darauf legen, ihre Kinder orthodox zu erziehen" (sie!), aber abgesehen davon, daß die Zahl solcher Eltern selbst in Berlin „stark überschätzt" werde, dürfe man nicht vergessen, daß Was ist n"n D**nnw? In den Wochen zwischen mner und nixn pflegte man im Schaltjahre in den alten Gemeinden ein oder zwei Mal in der Woche das sogenannte „Schwobimtat" zu halten, durch Fasten und gemeinsame Slichausgefaete. Viele ältere und spätere Moralschriften mühen sich, den Grund der Einrichtung zu eruieren. Im Namen des Rabbi Jizchak Luria wird die Einrichtung als Sühne für np ]W dahingestellt. Andere bringen sie mit den Gefahren des strengen Winters, wie sie sich in einem Schaltjahre in gesteigertem Maße zeigen, in Verbindung. Dafür spricht auch das immer wiederkehrende Gebet "*ns ]2i 'RiVnn tu ks*i ki 'k zur Abwendung der Kinderkrankheiten in der strengen kalten Jahreszeit, Wieder andere meinen, daß das Schaltjahr, das den Ausgleich zwischen Sonne und Mond bringt, insbesondere dazu geeignet sei, unsere Seele zu läutern. Waren doch, nach talmudischer Tradition, ursprünglich die beiden Himmelslichter gleich groß und hatte doch der Mond durch Neid und Ehrgeiz seine Verkleinerung verschuldet. Das Schaltjahr bringt die Sühne, und wir sollten von den Himmelskörpern nunmehr lernen oaip psi nwvb D'napi q"<w froh und wohlgemut den Willen des Schöpfers zu erfüllen. Auch ein geschichtliches Moment spielt hinein. Jakob antwortet auf die Einladung Esaus, mit ihm zu ziehen; '»"» VW »3S^ »av« 83 na»\,es ziehe nur eine große Zahl dieser Eltern doch bisher ihre Kinder ohne Bedenken auch in staatliche und städtische höhere Lehranstalten geschickt und ihnen daneben habe Religionsunterricht erteilen lassen, Die§e Eltern hätten also keinen Grund, sich zu beschweren, wenn ihre Kinder jetzt jüdische Schulen besuchen sollen, in denen eine „ausgesprochen konservative Richtung" nicht gepflegt werde. Es sei Sache des Taktes, dafür zu sorgen, daß keine religiöse Richtung im Judentum durch die Art des Unterrichts gekränkt oder zurückgesetzt wird. Der Gedankengang, der diesen Ausführungen zugrunde liegt, ist der spezifisch assimilatorische, an dessen Ueberwindung innerhalb der deutschjüdischen Gemeinschaft wir heute unsere besten Kräfte zu setzen haben. Im Zeitalter der Assimilation war eben die religiöse Ueberzeugung bei der großen Mehrheit der deutschen Juden etwas so Labiles und Schemenhaftes, daß es auf ein bißchen mehr oder weniger „konservative oder liberale Richtung" nicht ankam. Wir finden aber, daß heute eine derartige Betrachtungsweise der Dinge des Ernstes der Zeit, die vor allem religiöse Wahrhaftigkeit fordert, nicht würdig ist. Wir empfehlen Herrn Dr. Walter Alexander, doch nur einmal die „Jüdische Allgemeine (lies liberale) Zeitung" zu lesen, in der Rabbiner Dr. Fuchs, Chemnitz sich über die Auffassung der Bibel, wie sie in der Erwachsenenbildung gepflegt werden solle, äußert. Mit Recht erklärt Dr. Fuchs, daß der liberale Prediger und Lehrer sich nicht zu spalten habe in einen „kritischen Gelehrten und einen orthodox scheinenden Naiven!" Der wahrhaft religiöse Liberale habe di e o'rthodoxe Maske nicht nötig. Er habe anderes, aber sicher ebenso viel zu Herzen Gehendes in der Bibel zu finden wie der Orthodoxe. Es sei, auch hierin stimmen wir dem liberalen Autor aus vollem Herzen zu, gefährlich sowohl für Orthodoxe, wie für Liberale, dort, wo wirkliche Gegensätze vorhanden sind, sich einem „schillernden Verwischen dieser Gegensätze" hinzugeben. Ist das alles-aber richtig, wie soll -eine Einheitsschule möglich sein für Kinder liberaler und orthodoxer Eltern, sobald in dieser Schule üb er haupt über jüdische Dinge etwas gesprochen wird? Der Hinweis auf die staatlichen und städtischen Schulen, die vielfach von jüdisch-orthodoxen Kindern besucht worden sind, geht vollkommen fehl. Für das orthodoxe Kind bedeutet es schon eine Erschütterung seiner religiösen Geschlossenheit, wenn es in der sogenannten jüdischen Schule erleben muß, daß der mein Herr voran, ich komme langsam nach usw., bis ich zu meinem Herrn nach Seir komme." Nie ist Jakob Esau nach Seir nachgekommen. Es wird einmal späterhin geschehen, wenn sich das Wort erfüllt ]v? "ina D'sntfin ibsii „die Erretter kommen und G'ttes wird das Reich sein." Die Weltenvölker zählen ihren Jahreslauf nach der großen Sonne, Jakob hat den kleineren Mond zum Schutzpatron, und Jakob kommt mit seinem kleineren Himmelslicht nach, einmal in drei Jahren, im Schaltjahre. Es ist dies eine kleine Vorprobe für die letzte Einigung in G'tt und es regt zur Buße und Einkehr an. Alle diese Gründe mögen für jene Einrichtung mitgespielt haben. Nur ist es nicht nach allen Motiven ersichtlich, warum man die Mahnung zur Einkehr gerade in diese acht Wochen gelegt hat. Da weisen aber die späteren Lehrer darauf hin, daß zu keiner Zeit im Jahre das Dreigestirn des Judentums fron miay min so hell leuchtet wie aus den laufenden Thoraabschnitten in diesen Wochen, nn1 führt uns das Bild der Gesetzgebung auf Sinai vor Augen, also Th.ora, die vorhergehenden Abschnitte von rnat? bis einschließlich nbwa sind der miasr» dem reinen Dienste G'ttes (besonders mit dem Pessachlamm) gewidmet. In n»w> und ittSn arbeitet das jüdische Herz, das zum Spenden und Geben treibt. Aus der jüdischen Liebe n*m ersteht das Mischkan, die Menorah und alle anderen heiligen Einrichtungen. Und weiter kann darauf hingewiesen werden, daß unser ganzer Festkalender in diesen laufenden Sidraus nacheinander zur Geltung kommt, Ist in den Abschnitten von nwsv bis nhV2 die Pessachgeschichte enthalten, so bringt vw* uns den Anlaß des Schwuausfestes vor Augen. Wer denkt bei n'BSwn nicht an das hohe Gericht, das G'tt über Welt und Menschen hält in den heiligen Tagen von Rosch' Haschanah "liberale Lehrer ihm am Sabbat mit seinem Stock oder seiner Zigarre in der Hand begegnet, geschweige denn, wenn dieser liberale Lehrer, seiner Ueberzeugung entsprechend, dem Kinde von. vornherein den Glauben an die G'ttlichkeit des Fünfbuches und die O'öDrt rmüK gegenüber der Tradition so wie sie das überlieferte Judentum, lehrt, raubt. Mit Herrn Dr. Fuchs in Chemnitz möchten wir dem Befürworter der Einheitsschule, die Worte entgegenhalten: „Das Siegel G'ttes ist Wahrheit u n d ,W a h r'h a-f - t i g k e i t ". Um der Gerechtigkeit willen sei hinzugefügt,, daß Dr. Alexander in seinen Ausführungen auch die Eventualität offen läßt, daß sich in einer großen Gemeinde eine größere Zahl von Erziehungsberechtigten, die für ihre Kinder eine besondere jüdische Erziehung für notwendig halten,, zusammenfinden und für deren schulische Betreuung unter finanzieller Unterstützung der Gemeinde selber sorgen. Das ist natürlich ein Weg, über den sich schon eher reden läßt. Ist er nicht gangbar, und das wird ja in den meisten, kleinen und mittleren Gemeinden der Fall sein, dann muß das orthodoxe Judentum für die Gesamtheit Schulen und Lehrer verlangen, denen das geschichtliche Judentum in seiner dogmatischen und gefühlsmäßigen Unversehrtheit . Ueberzeugungssache ist. Gibt es eine solche Schule am Orte nicht, so muß der jüdische Vater sich eben entschließen, das kleinere Uebel zu wählen und sein Kind in die nichtjüdische Volksschule zu schicken. Jeder andere Weg bedeutet — der Regel nach — ein Spielen mit der religiösen Zukunft der heranwachsenden Generation. Dia Entscheidung an der Saar. Nun ist der Alpdruck über Europa, genannt. Saarfrage, endlich gewichen. Aus freier Entscheidung der Saarbewohner kehrt das Gebiet nach fünfzehn Jahren schwerer Uebergangswehen zum Mutterlande zurück. Ein anderes Resultat konnte gar nicht erwartet werden. In der Verkettung der verhängnisvollen Geschehnisse m Europa seit Beendigung des großen Krieges renkt sich nun ein Glied, nach Maßgabe der Vernunft und des Völkerrechtes, nach dem Empfinden und dem Willen des Volkes, wieder ein. Und man darf hoffen, daß die heute von aller Welt einmütig bewunderte Ruhe und Disziplin, mit denen dieser Akt der Rückgliederung vor den Augen einer gebannt schauenden Welt vor sich ging, Gewähr dafür sind, daß das befreite Land einer wirklichen und restlosen Befriedung nunmehr entgegengeht, und daß darüber hinaus und Jomkippur? nann aber spricht von der Stiftshütte, von den Ehrenwolken, die den heiligen Raum erfüllen, also von dem Schutz G'ttes, dessen ein Symbol unsere Sukkoh ist. mxn mit der Menorab und dem heiligen Oel spiegelt das Chanukahmotiv wider, während der nachfolgende Abschnitt svn »s mit der Schekellehre schon direkt zur Purimgeschichte hinüberleitet. Alles in allem Grund genug, die Wochen n*7i-o^amar zu solchen der Buße und Einkehr zu machen. Was bedeutet *Ö1S*K? Von Rabbiner Dr. Kaatz in Hindenburg O.-S. Eine, auch in kulturhistorischer Beziehung, besonders interessante, aber bisher, soweit ich sehe,, noch nicht genügend erklärte Stelle findet sich im Jerusalemischen Talmud Nedarim XI, 1. Sie handelt von der Auflösung solcher Gelübde, die unter Anrufung G'ttes getan wurden, und die deshalb nach Ansicht einiger Gesetzeslehrer nicht aufgelöst werden dürfen. Es wird dort erzählt, daß ein Mann, der geschworen hatte, daß seine Frau nicht in sein Hau* kommen dürfe, und der dieses Gelübde bereute, zu R. Jose kam, damit dieser ihn von dem unbesonnenen Gelübde befreie. R. Jose fragte den Mann: „Wie hast du geschworen?" Er antwortete: Vr-ib» »bis»« wa5> rtobv '„Aipopi Israel, sie darf nicht in mein Haus kommen." Darauf erwiderte R. Jose: itfn bx~iw nns'K ■jn"aV r&Vy „Aipopi Israel und sie darf nicht in dein Haus kommen." Aus dem Zusammenhang sowie aus der Vergleichung mit einer ähnlichen Erzählung in ■ Babli Nedarim 22h geht hervor, daß 'Bio1'« eine Anrufung G'ttes ist, und demgemäß erklären auch die dem Jeruschalmi beigedruckten Kommentatoren, daß

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