Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 3 (17.1.1935)
- Date
- 1935-01-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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17, Januar 1935 D e Israelit Nr. 3 Seite 3 Als Juden wollen wir ihn lesen!" n (Fortsetzung von Seite 1.) Dff ^niO DB' von der er wörtlich sagt: „Bis auf den heutigen Tag sind nur diese beiden Menschenstämme, der japhetische und semitische, das Griechentum und Judentum, die eigentlichen Bildner und Lehrmeister der Menschheit gewor- W Alles, was an geistigen Schätzen die Erde gewonnen, verdankt sie diesen beiden, und alles, 'was noch heute heilbringend an der Bildung und Erziehung der Menschheit arbeitet, knüpft an das an, was Japhet und Schern der Menschheit gebracht. Die geistige Spende des Römers war auch nur ein Geschenk der Hellenen. Japhet hat die Welt ästhetisch veredelt, Schern sie geistig und sittlich erleuchtet. Griechentum und Judentum sind die gewaltigsten aktiven Mächte in dem Bildungswerke der Menschheit geworden, denen gegenüber die übrige Welt wie passiver Bildungsstoff sich verhält." Für ihn meint der a:rt unter pK*]T7 diese b& lrPEPB' DSV denn vom Berufe spricht der im nächsten Satz: nsio tovbp na» \>m nun fcai und unter rDK^ö ist die Berufsarbeit zu verstehen. Hirsch1 wollte bewußt und für alle Zeiten den gebildeten DDJ1 T»VrV der für alle Schönheit der Umwelt ein offenes Auge, für alle wissenschaftliche Wahrheit seiner Zeit ein offenes Ohr, für alles Harmonische ein offenes Gemüt, und für alles Geschehen in der Welt einen offenen Sinn hat. Und wir können es ruhig aussprechen, die jüdische Welt wäre ärmer, wenn der Typ des deutschen Juden, wie er durch S. R. Hirsch V'XT geworden, aus der Welt, verschwinden würde. Zu dem litauischen Talmid- Chochom, zum polnischen Choßid, zu dem ungarischen thorakundigen Baal-Habajith tritt gleichberechtigt der bewußte, gebildete deutsche Jude hinzu. Und noch eine Erwägung. Vor dem Auftreten S. R. Hirschs V'XT hat es in Deutschland eine ganze Reihe von Talmide Ghachomim alten Schlages gegeben, minn 'Vmi 'JIM' wie sie unsere Zeit kaum hervorbringen dürfte, und doch konnten sie es nicht verhindern, daß selbst in ihren Gemeinden der religiöse Abfall immer zahlreichere Opfer forderte, daß rWVTp niVnj? zu wahren hmW 'Iff , geworden sind. Es lag nicht daran, daß; keine D^HÄ da gewesen wären, sondern einzig und allein daran, weil die Reformer gebildete Menschen waren. Der ganze religiöse Kredit der Väter der Reform basierte auf! ihrer w e; 111 i c h e n Bildung. Der Prang nach Wissen; das Streben nach weltlicher Bildung ist nun einmal nicht auszurotten, namentlich dort nicht, wo die ganze nichtjüdische Umgebung gebildet ist und auf einem hohen kulturellen Niveau steht. Man kann also weder Polen, noch Litauen zum Vergleich heranziehen, wo die i nichtjüdischen Verhältnisse 'ganz anders gelagert waren und sind, und darum haben: auch polnische und /litauische tP12"i kein volles Verständnis für diese Fragen, bis auf die ganz Großen;;, die Fürsten der Thora und der Gelehrsamkeit/die auch für das Wirken und für die Bedeutung S. R. Hirschs b"H\ den richtigen |läß; stab haben, und diese ersehnen auch für ihre Länder einen Rabbiner Hirsch. Hirsch und seine Weggenossen mußtenalso, um den, Reformern den Wind aus den Segeln zu nehmen, dafür sorgen, daß an Stelle der Halbbildung wahre Bildung der Jugend gereicht werde, daß man ^VlfT WTlPiTJiSnp^ genieße. Wir können die Geschichte nicht;um ein Jahrhundert1 zurückdrehen,! und wir können jauch die Rückkehr der Zeiten, die; j vor dem Auftreten der Reformer liegen, nicht''herbeiwünschen. Für Jehudim, die in einem gebildeten und•■■kulturell'hochstehenden Lande leben, wird die Devise Hirschs die einzig mögliche Richtschnur bleiben, wie sie übrigens ja äuch in' anderen Ländern , zur Erziehungsmaximege-v worden ist. Denn es ist selbstverständlich, daß das Prinzip von "|Y7 D37 min ein formale s, inhaltlich nicht bestimmtes Postulat.ist. Das will heißen: Die Inhalte des^pK "pT wechseln je nach Art und Zeit, aber es fordert, daß der Jehudi teilhabe an der Bildung und Kultur seiner Zeit und Umgebung, daß er bestrebt sei, die nöhen dieser Kultur zu erklimmen, damit er befähigt sei, genau zu prüfen, was anzunehmen und was zu verwerfen sei, was thoragemäß und was thorafremd sei. Und darum begreife ich nicht, wie. jemand behaupten könne, daß die Devise von Isaac Breuer in seinem neuen Buche ein neues Postulat sei, das von der thoratreixen Judenheit schon wegen ihrer Neuartigkeit abgelehnt werden müsse. So schrieb nämlich Joseph Carleb a c h in seiner Kritik des Breuer'schen Buches. „Wir brauchen keine neuen Parolen". Die Hirschische Devise geht auf die Mischnah zurück, während Breuer etwas ganz Neues mit seinem Thedaismus will. Man kann über diese Wortbildung verschiedener Meinung sein. Ich halte sie auch nicht für glücklich und für überflüssig, aber daß die Breuer'sche Forderung ganz und gar im Hirschischen Denken verankert ist und auf dieselbe Mischnah zurückgeht, aus der Hirsch geschöpft hat, ist ganz klar und kann nur von dem bestritten werden, der das Breuer'sche Buch nicht gelesen hat. Ich will hier nicht atif die Vielgestaltigkeit der Breuer'schen Forderungen eingehen, die alle berechtigt sind und m. E. den einzig möglichen Weg zur Gesundung des jüdischen Volkes aufzeigen, aber die Lösung des Kulturproblems im heiligen Lande erblicke ich nur in der Devise von -pK *p"T Off iTllrV nur daß V*1K *f*VT dort etwas anderes ist, als hier bei uns. Es wäre natürlich verfehlt, dort deutsche Kultur und deutsche Sprache zu pflegen, aber wir müßten Führer werden, führend in hebräischer Kultur. Wir dürften das Hebräische nicht den Gegnern der ,*mrj als ihre eigenste Domäne überlassen, sondern müßten selbst Meister in der Handhabung der hebräischen Sprache werden, um in dieser Sprache der dortigen Jugend unser heiliges Erbgut vermitteln zu können. Tun wir es nicht, weil ja die D'5DTlj?,SK sich des nebräischen bemächtigt haben, so erleben wir einen ähnlichen geistigen und religiösen Zusammenbruch, wie ihn die deutschen Gemeinden vor dem Auftreten Hirschs erlebt haben. Ich' möchte hier etwas anschließen, was mir von glaubwürdiger Seite berichtet wurde. Als die westliche Judenheit auf der ersten Kenessio der Agudas Jisroel in Wien die Thorafürsten des Ostens erlebte, als sie zum erstenmal die wahrhaft imponierenden Gestalten eines Chofez Chajim, Gerer Rebbe, Czortkower Rebbe, Rabbi Chajim Oser Grodzenski tyniilb u. A. m. kennen lernte, war der Eindruck ein solch gewaltiger, daß gar Viele aus dem Westen sich sagten, daß das ganze Westjudentum doch eigentlich ein gar kümmerliches Gebilde sei, unfähig, solche Thoragrößen hervorzubringen. Da war es mein großer Lehrer Rabbi Salonion Breuer der zu seinen Schülern folgende bedeutungsvollen Worte sprach: „Ihr habt in Wien nun die großen Thorafürsten des Ostens gesehen und kennen gelernt. Es ist für Euer ganzes ferneres Leben ein Gewinn, daß Ihr sie gesehen. Solche Gestalten reifen am Lebensbaum der Thora, große edle Menschen und wahrhafte Weltweisen. Aber dies sind Ausnahmen, so sehen nicht Alle im Osten aus, Aber für uns gibt es nur einen Weg, und das ist der, den uns unser großer Rabbiner gewiesen hat. Die Juden in Deutschland können nur an seinem Wesen genesen. Für Euch gibt es nur ein richtiges Mußarsefer und dieses ist: der Hirschische Chaurew." Der so sprach, war ein Kenner des jPstens und ein Mann, der 70 Jahre Tag und Nacht Thora gelernt, und mindestens 50 Jahre Thora gelehrt hat. Ich wiederhole daher meinen Ruf an unsere jüdische Jugend: „Als Juden wollen wir ihn. lesen", ihn, der wie kein Zweiter uns den Weg aus all den seelischen Wirrnissen heraus' zeigt und uns hinanführen kann zu dem Gipfel alles jüdischen Strebens als Menschen Judentum zu verwirklichen und als Juden wahres Menschentum der Menschheit vorzuleben. „Mensch-Jisroel", das war die Synthese, die er gelehrt und die er gelebt hat, und die das Ideal aller großen Bannerträger des Judentums war. In diesem Zeichen wollen und werden wir all das Schwere unserer Tage überwinden und der ewigen Wahrheit den Sieg erringen und sichern! ">Kp KBIPlp» Wochenrundschau, Gefahren für die bürgerliche Alijah. Unter;: den Einwanderungsziffern' für Erez Jisroel ^figurierte immer eine Kategorie,' die mit „Kapitalisten^ bezeichnet wurde; 'Kapitalisten in Anführungszeichen, denn es: genügen dem Einwanderer schon 1000 Pfund als Eintrittspreis für das Lanid;; seiner Hoffnung. Die Verordnung ging von., der ganz: richtigen Anschauung aus)' däß -es nach den derzeitigen Umständen in Erez' Israel wohl möglich sei, sich mit dieser Summe einen Existenzboden zuverschaffen:, der sich'' zum Segen auch für das Land entwickeln kann. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die sogenannte „Kapitäli'sten"-Alijah zum Aufbau Palästinas mindestens so viel beigetragen hat wie die stets zu knapp bemessenen Arbeiterzertifiktae. Tel Awiw, der Stolz und die Perle des neuen Palästinas, haben Kleinbürger, kleine4 Kapitalisten .errichtet". Es droht nun die Gefahr, daß diese bürgerliche Alijah, die der Kleinkapitalisten, eingeschränkt s oder ganz unmöglich gemacht wird. Man will, wie verlautet, das Minimum der Barmittel für .die Kapitalisten" auf 5 0 0Ö P f un d heraufschrauben. Und was noch deprimierender und unverständlicher ist: diese Pläne und Projekte, die zu einem Verhängnis für den Jischuw führen müssen, wenden im Einver n e h m e n mit den Führern der Jewish Agency, wenn nicht gar auf Initiative derselben erörtert. Wie wäre das denkbar, daß die berufenen Hüter und Erbauer des Landes dem Aufbau neue Schranken und Schrauben auferlegen? Darüber kann der Jerusalemer „Kol Israel" einiges verraten. Die „Histadruth", die Organisation der Arbeiter, ist schon länge darüber erbost,. daß; zu viel Kapitalisten ins Land kämen, daß die bürgerliche Alijah nicht im Verhältnis zur Arbeitereinwanderung stehe.' Es dürfte zwar auch den Männern der „Histadruth'' wohlbekannt sein, daß jeder Einwanderer mit einigem Kapital Brot und Obdach für so und so viele Arbeiter schafft. Indes „der Mensch lebt nicht allein vom Brote", auchnach der marxistischen Lehre nicht. Und so halt man es in dieser Zeit der starken Muskeln und Nerven mit jenem Helden im Philister-., lände tpflU^S DS>' 'IPSil JViaJvMöge es etwas weniger Arbeitsplätze geben, wenn man sich nur jene Kleinbürger mit den kleinen Kapitalien an Geld, aber großem Kapital an/jüdischreligiösen Bedürfnissen vom Leibe halten kann. Man fürchtet Ueberfromm u n g , man kann schon beinahe sagen „Ueberfremdung". Man wundert sich nicht über die „Histadruth", deren Gesinnung man ja zur Genüge kennt, aber protestieren muß man dagegen, daß die verantwortlichen Führer des Jischuw mit Dr.