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Der Israelit · 1935-01-10 · Heft 2 (10.1.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 2 (10.1.1935)
Date
1935-01-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Die einzelnen Reden tunrahmten Chor- und- Instrumental-Vorträge. Die ausführenden Adaß-Schüler ernteten verdienten Beifall. Die Veranstaltung brachte ein anschauliches Bild der vielfältigen Lestungen der Adaß Jisroel. Es ist zu hoffen, daß dieses Bild bei weiteren Abenden durch eine Schilderung der geistigen Arbeit in der Gemeinde vervollständigt und abgerundet wird. Reichsvertretung wird Zentralinstanz der jüdischen Hilfs- und Aufbauarbeit, Berlin, 8. Jan. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Der Haushaltsausschuß der Reichsvertretung hat nach zweitägigen, von größtem Ernst und Verantwortungsbewußtsein getragenen Beratungen unter Leitung des Vorsitzenden der Reichsvertretung, Ministerialrat i. R. Dr. Otto Hirsch, den Etat der Reichsvertretung einschließlich desjenigen des Zentralausschusses der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau auf der Grundlage der ihm vom Präsidialausschuß vorgelegten Ziffern für die Zeit bis Ende 1935 verabschiedet. Auf Wunsch der Landesverbände und Gemeinden wurde eine von der bisnerigen Regelung abweichende Verteilung der Kosten für die Berufsausbildung und Umschichtung sowie für die Auswanderung vom 1. April d. J. ab, beschlossen; an ihnen werden künftig die Gemeinden bezw. Landesverbände zur Hälfte teilzunehmen haben. In Uebereinstimmung mit dem Präsidialausschuß sprach sich der Haushaltsausscfruß nachdrücklich für die Zusammenlegung der für Hilfe und Aufbau, Wirtschaftshilfe und Wohlfahrtswesen tätigen Zentralstellen mit der Reichsvertretung aus. Die von einer solchen straffen Organisation zu erwartenden erheblichen Ersparnisse im Verwaltungs- und Personal-Etat wurden in dem verabschiedeten Haushaltsplan bereits berücksichtigt. Die erforderlichen Mittel sollen durch ein« Umlage auf die Landesverbände (Gemeinden!) in Höhe von mindestens Mk. 1.50 auf den Kopf der jüdischen Bevölkerung beschafft werden; die Gemeinde Berlin hat sich schon jetzt bereit erklärt, einen Kopfbeitrag von RM 2.— zu leisten — der dadurch nicht gedeckte Rest soll durch freiwillige Leistungen aufgebracht werden. Die Reichsvertretung wird sichdeswegen alsbald mit den Landesverbänden und Gemeinden ins Benehmen setzen. Schweiz. Die 26, Tagung der Mandatkommission des Völkerbundes. Genf, 8. Jan. Zu der bevorstehenden Ratstagung wird nunmehr der offizielle Bericht über die 26. Session der Mandatkommission veröffentlicht, in der fünf das Palästina-Mandat betreffende Petitionen, vier jüdische und eine arabische, geprüft worden sind. Am bemerkenswertesten ist hierbei die Niederlage der Revisionisten mit ihrer Weltpetition, über welche der Berichterstatter, der Belgier Orts, referierte. In Uebereinstimmung mit der zu der Petition eingebrachten gutachtlichen Aeußerung der Mandatarmacht erklärt der Berichterstatter und mit ihm alsdann die Kommission selbst, daß die revisionistische Petition „indiskutabel" sei. Die Thesen der Petenten über den Sinn des Mandates stehen im Widerspruch zu seiner Auslegung durch die Mandatkommission selbst. Sie stelle Forderungen auf, die mit dem Palästina-Mandat unvereinbar sind. Als beachtenswert wird aus der Petition nur die Feststellung hervorgehoben, daß man die Besorgnisse gewisser Kreise der jüdischen Bevölkerung begreifen müsse, gegenüber der Tatsache, daß in der Polizei das arabische Element mit 60 Proz. vertreten ist und die britische Garnison schwach sei. Der Vertreter der Mandatarmacht habe indessen in der Tagung von 1932 versichert, die Mandatarmacht bürge für die Aufrechterhaltung der Ordnung mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln und für jede Eventualität. Zu der Petition der palästinensisch-jüdischen Arbeiterinnen wegen Vörenthaltung des Frauenwahlrechts in der Gemeinde-Wahlordnung von Palästina beschloß die Kommission, der Pet:tion keinerlei Folge zu leisten. Eine Petition betreffend die illegale Einwanderung ist nach Ansicht der Mandatkommission nicht aktuell. Die Mandatarmacht bestreitet in ihren Bemerkungen die behauptete starke Einwanderung aus Transjordanien und Syrien und versichert, daß sie die illegale Einwanderung von Arabern und Juden in gleicher Weise zu verhindern suche. Eine Petition syrischer Araber aus Paris, die gegen die jüdische Einwanderung protestiert und für Palästina die Unabhängigkeit fordert, ist in einem drohenden Tone gehalten und kündigt an, daß die palästinensischen Araber sich gezwungen sehen würden, ihre Existenz mit allen Mitteln zu verteidigen. Der Berichterstatter empfiehlt der Mandatarmacht auf diese Drohungen ihre Aufmerksamkeit zu rieh ten, da sie in der Vergangenheit wiederholt verwirklicht wurden, wenn man auch beachten müsse, daß die in Frankreich wohnenden Araber nicht gerade berufen seien, die Stimmung ihrer palästinensischen Volksgenossen genau wiederzuspiegeln. Rumänien. Agudas Jisroel in Rumänien, C 1 u j , 1. Jan Anläßlich der Anwesenhet des Delegierten der Welt-Agudo, Herrn Meier Schwarzmann aus Warschau, fand am 25. und 26. Dezember eine von dem Mitgliede des Zentralrates, Herrn C i t r o n in M e d i a s , einberufene Beratung transsylvan scher Agudisten statt, die aus allen Teilen des Landes und auch aus der Bukowina glänzend beschickt war. Herr Schwarzmann entwickelte in einem meister haften Referat die Gedankenwelt und die praktischen Ziele der Agudas Jisroel und gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich die transsylvanische Agudas Jisroel zu einer starken und einflußreichen Organisation ent wickeln werde. Nach Verlesung zahlreicher Begrüßungstelegramme und -Briefe ergriff im Rahmen der Diskussion Herr Dr. N. I c s 1 u y das Wort, um die ganze Lage des religiösen Judentums in Transsylvanien und insbesondere die Mängel des religiösen Erziehun'gswesens darzustellen. Dieser Frage war ein guter Teil der Aussprache gewidmet. Man beschloß, nach Vollendung der Propagandareise des Delegierten Herrn Schwarzmann, eine formelle Landesversammlung unter Beteiligung ausländischer Agudo- Führer einzuberufen und wählte eine Kommission, deren Aufgabe die Vorbereitung dieser Landesversammlung ist. Vorsitzender der Kommission ist Herr Citron in Medias. Am Abend der Tagung fand eine öffentliche Massenversammlung statt, in der Herr Rabbiner Schneebalg referierte. Nach Fortsetzung der Beratungen am folgenden Tage fanden die herzerhebenden Stunden ihren Abschluß in einem Bankett im Lokale der Zeire Agudas Jisroel. Palästina. Agudistisches aus dem heiligen Lande. Um die agudistischen Zertifikate. — Der Kampf um die öffentlich-rechtliche Anerkennung. — Das Bürgermeisteramt von Jerusalem. — Die Oberrabbiner beim' High Commissioner. — Königlicher Dank. (Von unserem Korrespondenten.) Jerusalem, 1. Jan. Wie bekannt, sind die Verhandlungen zwischen der Agudo-Leitung in Jerusalem und der Jewish Agency über den agudistischen Anteil an den Zertifikaten beendet. Jetzt beschäftigt man sich in dem Büro der Agudas Jisroel in Jerusalem mit der Verteilung der Zertifikate auf die einzelnen Agudo-Zentralen. Es ist schon einen Monat her, daß die Regierung die Zertifikatzahl bestätigt hat und erst jetzt kam die Verhandlung über unseren Anteil zu einem Ende. Die Tage, während deren sich diese Verhandlungen hinziehen, sind für die Führer der Agudas Jisroel ''n Jerusalem außerordentlich peinlich. Die Lage der Judenheit der ganzen Welt ist ihnen bekannt. Auch aus agudistischen Kreisen drängt man stürmisch auf Einwanderung und die Unzufriedenheit mit der Zertifikat-Ziffer macht sich in mehr oder minder höflichen Beschwerden an die Adresse des Jerusalemer Agudo- Büros Luft. Jede Verzögerung in der Ausfertigung der Zertifikate wird als Lebensgefahr bezeichnet, jede Landeszentrale verlangt einen größeren Anteil und macht die Agüdo-Zentrale dafür verantwortlich, daß die Förderungen des Lahdes befriedigt werden. Die Agudas Jisroel in Jerusalem tut, was sie kann," und die Leiter der Agency, die sich ja doch nun einmal jahrzehntelang daran gewöhnt hatten, die -agudistischen Forderungen zu ignorieren, sind nicht so leicht für unsere Anmeldungen zu gewinnen. Wir haben auch jetzt nur einen verhältnismäßig kleinen Anteil erkämpft und wer weiß, ob man auf vollständige Einlösung der Zusagen rechnen kann. Hier glaubt man, daß die Agudas Jisroel dahin arbeiten müßte, ' die ganze Methode der bisherigen Zerfifikät-Ausfolgung durch die Agency zu ändern, so daß Agudas Jisroel nicht mehr auf das größere oder geringere Wohlwollen der Agency angewiesen ist. Auch der Kampf um die öffentlich-rechtliche An-_ erkennung der orthodoxen Gemeinden im heiligen Lande, der zu gewissen Erfolgen bereits geführt, sein Ziel aber immer noch nicht erreicht hat, scheint sich jetzt zu verstärken. Die gerechte Forderung des orthodoxen Judentums nach gleichberechtigter Anerkennung mit der zionistischen, die Autorität des Thoragesetzes negierenden Gemeinschaft ist erneut in einem Memorandum niedergelegt worden, das in der letzten Zeit der Regierung von Palästina überreicht wurde. Vorige Woche fand in dieser Angelegenheit eine gemeinsame Sitzung der Agudas Jisroel und des Waad häir Aschkenasi im Hause von Oberrabbiner Duschinski statt, in der über die weiteren Mittel und Wege zur Durchsetzung der Gleichberechtigungsforderung beraten wurde. Das dem High Commissioner eingereichte Memorandum beschäftigt sich außer mit der Anerkennungsfrage auch mit dem Problem der Zertifikate, der Verpflichtung der Regierung zur Unterstützung des Talmud Thora-Schulwesens und anderen aktuellen Fragen. An eine für Erez Jisroel außerordentlich bedeutungsvolle Angelegenheit ist in der letzten Zeit der Board of Deputies in London herangetreten. Wie bekannt, entfaltet hier in Erez Jisroel die Mission eine außerordentlich lebhafte Tätigkeit, um aus der Mitte der Volksmassen arme Kinder für «ich zu gewinnen. Der Board of Deputies in London, dem diese Verhältnisse bekannt sind, hat sich daher mit den obersten Instanzen des Jischuw in Verbindung gesetzt und seine Hilfe bei dem Abwehrkampf gegen die Mission angeboten. Er hat dabei die Zusammenarbeit des Waad leumi mit der Agudas Jisroel gefordert, die auf diesem Gebiete durch eine gemeinsame Beratung eingeleitet worden ist. Diese Woche besuchten die Vertreter der obersten Instanzen des Jischuw, als Vertreter der Agudas Jisroel Dr. B u x b a u m , von der Kneses Israel Ben Z w i und Dr. Schmetterling, den Gouverneur von Jerusalem, um die verfahrene Lage innerhalb der Stadtverwaltung von Jerusalem zu besprechen. Drei Monate nach der Wahl ist die neue Stadtverwaltung noch immer nicht gebildet, weil die unbegründeten Wahlproteste die Ausführung des Willens der Bevölkerung bis jetzt verhindert haben. Die Delegation überreichte ein Memorandum an . den High Commissioner, das die Forderung enthält, entsprechend dem Ausfall der Wahlen einen Juden an die Spitze der Stadtverwaltung zu setzen. Robbi Mosche Blau ist zur Sitzung des Waad hapoel nach Basel gereist Und wird von dort aus die verschiedenen Landeszentralen der Agudas Jisroel in . Osteuropa besuchen, um dort anregend auf die Propaganda des Keren Hajischuw zu wirken. Aus Anlaß des Besuches des schwedischen Kronprinzenpaares veranstaltete der High Commissioner. ein Bankett, zu dem er die Oberrabbiner Ruk, Jaob M e i r und Duschinski einlud. Alle drei Herren leisteten der Einladung Folge und labten sich an den dargebotenen Früchten. Der High Commissioner, der vorzüglich Deutsch spricht, unterhielt sich in dieser Sprache längere Zeit mit Oberrabbiner Duschinski ohne Dolmetscher, Die Gespräche mieden jedes politische Thema. Die Erez Jisroel-Presse stellt fest, daß bei. dieser Gelegenheit Oberrabbiner Duschinski zum ersten Male mit Oberrabbiner Kuk zusammengetroffen ist. Die Agudo-Zentrale in Jerusalem erhielt von der Regierung ein Dankschreiben des englischen Königspaares für die aus Anlaß der Verheiratung ihres. Sohnes dargebrachten Glückwünsche. M. G.-P.

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