Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 2 (10.1.1935)
- Date
- 1935-01-10
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Nr. 2 Oer Israelit 10. Januar 1935des T^almudstudiums mit seinem großen Werke eindämmen wollte, daß er angeblich hie und da gegen die uns überkommenen Entscheidungsmaßstäbe im Streite der talmudischen Meinungen souverän nach eigenem Gutdünken entschieden hätte. Was machte das alles? Maimonides blieb Maimonides, und wenn wir von Rambam sprechen, so denken wir gewiß nicht an das eine oder an das andere Werk, zu allerletzt an den „Moren", dessen Lektüre für junge unreife Menschen heute noch manche für ungeeignet halten könnten, sondern wir denken an Maimonides „Starke Hand", an die Folianten, die, Rambam genannt, die ältesten und sichersten Grundpfeiler der kodifizierten Halachah bilden. Und wie herrlich hat sich doch schließlich alles im Reiche des jüdischen Geistes wieder eingerenkt! Den Führer im Kampfe gegen Maimonides, Rabbi Abraham ben David, hat die spätere Zeit mit ins große Werk hineingenommen; Rambam und Rabed stehen und lehren auf einem Blatte, und die Konfrontation hat beiden Teilen und auch uns gut getan. Man hatte die Lehrer des Orients, wie auch die aus Deutschland und Frankreich gegen Maimonides aufgerufen, und diese, Rabbi Joseph Karo in Safed und ein Schüler des Rabbi Meier von Rothenburg (,'3ia,'a mrun)' haben Kommentare zu Rambam geschrieben. Maimonides wollte angeblich den lebendigen Fluß der talmudischen Diskussion versanden lassen? Da kamen seine Kommentatoren und ,,Waffenträger" und holten alles nach und gewährten uns einen Einblick in die Quellen des Meisters und ruhten nicht eher, als bis scheinbare Gegensätze ausgeglichen waren und zwingen uns, gerade mit Maimonides so tief in das Meer des Talmuds unterzutauchen, w i e wir es, gäbe er uns diese Rätsel auf, niemals zu tun Gelegenheit gehabt hätten. Orthodoxie gegen Rambam? Nicht einmal ohne Rambam kann das thoralernende Judentum eine Stunde auskommen. Seit Jahrhunderten gibt es kein Responsum ohne »Rambam als Grundlage, keine Sugioh ohne Rambam im Mittelpunkt; der heiße Streit des^is^D auf der Jeschiwo dreht sich um den ,,harben Rambam". Das alles muß ein Nachrichtenbüro nicht wissen, aber dann darf es auch keine Dinge in die Welt ausstreuen, über die jedes Kind, das nur einen Tag auf einer Cheder- und Jeschiwabank gesessen hat, lachen muß. Was die Orthodoxie, und nicht allein die Warschauer, nicht will, das ist, daß sich Menschen, denen Rambam bestenfalls nichts Anderes ist als ein Kapitel der jüdisch'en Kulturgeschichte, Menschen, denen die D"npy y"> des D"3KH nichts bedeuten, sich dieses Namens bemächtigen und im Rauch und Rausche von Jubelfeiern, in denen kein Hauch von des Rambam Geist weht, den wahren Wert eines Lebenswerkes für alle jüdischen Zeiten vernebeln. Noch schlimmer und bedenklicher, wenn, — wie es mancherorts bereits versucht wurde, — man Maimonides als Kronzeugen für eine liberalistische jüdische Weltanschauung nimmt und ihn zum Schutzpatron eines nach allen Winden des Zeitgeistes sich wendenden und drehenden Rumpfjudentums macht. Maimonides, der in seinen „dreizehn Glaubensthesen" die Thora als unwandelbar und unauswechselbar, alle Worte der Propheten als die absolute Wahrheit bezeichnet, darf nicht als Heros in Hochschulen der G'ttesleugnung und Bibelkritik gefeiert werden. Maimonides, der alle 613 Ge- und Verbote uns im Einzelnen und als Ganzes aufgezählt und genannt hat, und der in seinem eigentlichen Werke alle Gebiete unseres Geisteslebens, einschließlich der Opfer- und Bodengesetze in Erez Jisroel mit gleicher Liebe, gleicher Tiefe und gleicher Klarheit behandelt, darf nicht der Mann sein, an dessen Rockschöße, sich diejenigen hängen, die „ein Judentum des „Allsoweit und Insofern", oder ein. Judentum der Lehre ohne Leben, der Liebe ohne Tat predigen. Nur eine Kategorie im Judentum hat das Recht, Rambam zu feiern, das orthodoxe-,, thoralerne n d e Judentum. Und dieses hat nicht 800 Jahre gewartet. Es feiert Rambam Tag für Tag, nicht dadurch, daß es ihn lobt, sondern daß es ihn lernt und lebt. Aktuelle palästinensische Einwanderungsfragen. Der Leiter der Einwanderungsabteilung der Histadruth hoowdim, Elija Dobkin, befindet sich zur Zeit auf einer Informationsreise in Polen und hat im Verlaufe dieser Reise vor einer Konferenz von Pressevertretern in Warschau eine nach mehrfacher Richtung interessante Rede über die zur. Zeit aktuellen Probleme der jüdischen Arbeitereinwanderung nach Erez Jisroel gehalten. Aus der Rede ergibt sich vor allem die starke Unzufriedenheit der Histadruth-Kreise mit dem von der palästinensischen Regierung neuerdings angewandten System der Nommierung von Einzelpersonen für Arfoeiterzertifikate. Es scheint, daß die Histadruth sich schwer mit der Tatsache abfinden kann, daß durch die direkte Gewährung von Zertifikaten an die „Vereinigung der Landwirte" sowohl, wie an diejenigen der I n d u s t r i e 11 e n das; Monopol der von der Histadruth beherrschten Palästina-Aemter gebrochen und den Unternehmern die Möglichkeit gewährt wird, einen TeiL ihres Bedarfes an Arbeitern u n m i t te 1 b a r aus den jüdischen Zentren in der Gola zu decken.. In Wirklichkeit handelt es sich bei der Maß-: nähme der Palästina-Regierung überhaupt nicht, um etwas Neues, sondern um die endliche Ausführung einer seit vielen Jahren in den Eihwanderungsbestimmungen enthaltenen Vorschrift, die: ausdrücklich die Möglichkeit vorsah, daß der einzelne Unternehmer namentlich bestimmte Arbeitskräfte aus dem Auslande für sich anfordern kann. Das Colonial Office hat früher schon wiederholt auf diese Bestimmung hingewiesen und. es war lediglich die aktuelle Machtstellung der Histadruth, nicht aber irgend ein gesetzlicher Hinderungsgrund, der die Unternehmer bisher davon zurückhielt, von der Bestimmung Gebrauch zu machen. Die Tatsache selbst ist wichtig auch für die; „Agudas Jisroel". Denn wenn auch deren Zertifikatabkommen mit der Agency zur Zeit gerade hinsichtlich der Chaluzim-Zertifikate in den meisten Ländern leidlich befriedigend funktioniert, so können doch Situationen eintreten, in denen die Unabhängigkeit von dem guten Willen der Agency, will sagen, der Histadruth hoowdim, von großer Bedeutung ist. Eine andere noch viel wichtigere Frage hat Dobkin in seinen Ausführungen berührt, deren Ernst, auch für die gesetzestreae Erez Jisfoel-Einwanderung, in viel, höherem Grade gewürdigt werden müßte, als es bisher der F,all war. Es ist die geradezu katastrophale Zunahme der Wanderung in die Städte gegenüber der Ansiedlung auf dem Lande. Zu den allgemeinen volkswirtschaftlichen politischen und! ethischen Gesichtspunkten, die für die Festhaltung der jüdischen Arbeiter auf dem Lande sprechen, und die allgemein bekannt sind, treten für uns noch die spezifisch religiös en. Die Versuchungen, denen sich die jungen Menschen in den Städten ausgesetzt sehen, gehen weit hinaus über alle Schwierigkeiten, die ihrer auf dem Lande warten, und schon das Angewiesensein auf die Arbeitsvermittlung der Histadruth, wie es naturgemäß in der Stadt, d. h. im wesentlichen in der Bauarbeit gegeben ist, stellt für die agudistischen Arbeiter eine Versuchung dar, der nur die allerstärksten Naturen gewachsen sind. Es ist geradezu eine Lebensfrage für die agudistische Einwanderung, insbesondere für Moses als Führer. Von Rabb. M. Jakobovits, (Schluß.) So weist die g'ttliche Vorsehung selbst Moses auf diesen Weg der Liebe und des Erbarmens. Wie geeignet war dieses Wort, alle Hemmungen und Bedenken in Moses' Seele hinwegzuräumen, sein allen Geschöpfen in Liebe erschlossenes Gemüt fühlt sich befreit. Jetzt kann er, jetzt darf er sich der großen Aufgabe unterziehen und allen, allen Gliedern seines Volkes das G'ttesgesetz näherbringen. Er konnte es nicht verstehen und nicht billigen, daß nicht auch die Dornen vom Feuer des Gesetzes mit erfaßt wurden. ,,Ich will zurückweichen," mich in die Einzelnen versetzen. Und wieder berät ihn das g'ttliche Wort: „Ziehe Deine Schuhe aus". Du, Moses, lebst in einer reineren Sphäre, Deine. Naturveranlagung ist zu durchgeistigt, ganz aufs Ewige gerichtet. Du mußt erst jede Zwischenwand zwischen Dir und Anderen entfernen, um Dich in sie hineinversetzen zu können. Die Dornen entsprechen vier Arten von Frevlern, die seit der Schöpfung G'ttes Gesetz Verhöhnten. Der Midrasch spricht von vier Gruppen Sündern, die sich unter Israels Söhnen befanden, und die darum auch ihre entsprechende Strafe empfingen. Das ^mn in verdarb seinen Wandel vor G'tt durch Leichtsinn und Unzucht. Für jene galt das Wort Pharaos: Jeder Sohn, der geboren wird, soll ins Wasser geworfen werden. Dem -wns "in entsprachen jene, die aus Furcht und Angst vor der G'ttheit zitterten und da; rum zu jeder Art von Götzendienst strebten. Jenen unter Israels Reihen, die sich dieser Sündhaftigkeit mitschuldig machten, galt der grausame Befehl, daß sie ihre Kinder mit in die Ziegelmaüern hineinbauen mußten. na^an in. ein kühnes Geschlecht, das sich und seine ragende Kunst der Technik selbst. vergötterte, sich selbst als höchstes Maß der Dinge setzte und durch Vereinheitlichung aller Kräfte sich einen ewigen Platz sichern wollte. Auch Nachbeter solcher Irrlehren fanden sich im jüdischen Volke. Sie wurden von ihrer vermeintlichen Höhe sehr tief hinuntergestürzt. Ganz vereinzelt mußten sie sich auf die Felder verteilen, um armselige Stoppeln für das Tagewerk ihrer Hände zu suchen. Dem dvjo "in glichen jene, deren Herz die Mißgunst verengte* Von ihnen ist bekannt, daß sie in großen Scharen in den drei Tagen der Finsternis dahingerafft wurden. Nach einer Auffassung sollten alle, die sich an einer dieser vier Arten von Sünden schuldig gemacht hatten, in Aegypten sterben und nur der fünfte Teil wvnn war würdig, von der Herrlichkeit G'ttes hinausgeführt zu werden. So war der Plan -der Vorsehung. Da trat ihm der Mensch Moses entgegen. Sein Herz war übervoll von Leid und Kummer, denn seit seinem Hervortreten bei Pharao; war die Last der Arbeit noch drückender geworden' für Israel. Stroh wurde ihnen nicht mehr gegeben, aber die Anzahl der Ziegel mußte die gleiche sein. In ihrer Ratlosigkeit und Verzweiflung griffen manche zu dem entsetzlichen Ausweg, an Stelle der fehlenden Ziegel ihre jungen Kindlein mit einzubauen. Als Moses das sah, eilte er voller Bestürzung hinweg und schrie aus tiefster Seelennot G'tt das Wort entgegen: „Warum läßt Du es diesem Volke so schlecht ergehen? Warum hast Du mich gesandt?'-' Und der Allwissende gibt ihm beruhigende Antwort: „Die Dornen müssen verbrannt werden. Es sind unedle Charaktere, rohem Materialismus hingegebene Menschen, die der Erlösung nicht würdig sind. Erst müssen sie vernichtet sein, dann erst kann Israel hinausgeführt werden." — Auf schreit der mit jeder einzelnen jüdischen Seele fühlende Führer von ganz Israel: „Unmöglich! Halte inne! Sie sollen nicht untergehen. Ich setze mich für sie ein! Ich will um ihrer Seele edleren Teilringen und mich bemühen, ich will sie alle, alle zur Erlösung von Pharaos Druck, zur Erlösung von eigner Schuld und Kleinheit durch freiwillige Annahme der g'ttlichen Lehre führen." Da sprach G'tt zu Moses: „Jetzt wirst Du sehen, was ich an Pharao tun werde denn mit starker Hand wird er sie hinaussenden- und mit starker Hand wird er sie vertreiben aus seinem Lahde, Wohlan! Du wirst — gemäß Deinem Wunsche — . die .Erlösung. beschleunigen. Jene Sünder wirst Du mit; mit hinausführen. Aber sie werden zu Volksverführern werden. Sie' werden nicht in das heilige Land kommen. Aber Du wirst den Krieg mit den 31 Königen nicht niiterleben. Denn Du mußt bei den' Toten in der Wüste schlummern. Durch Deine Fürbitte sollen sie mit aus Aegypten ziehen, Du aber mußt; ihr Schicksal teilen, tun sie in später, später Zukunft als Erlöste mit nach Erez Israel zu führen,"