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Der Israelit · 1935-01-10 · Heft 2 (10.1.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 2 (10.1.1935)
Date
1935-01-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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m -Januar 1935 - D e r 1 s r a e Ii t Nr. 2 Seite 5 deh Noar Agudati, daß die einwandernden jungen Arbeiter auf dem Lande bleiben, wenn sie dort auch nicht viel mehr als die Hälfte des .städtischen Arbeitslohnes verdienen können, und die Gründung eines Hausstandes natürlich entsprechend schwieriger ist, als in der Stadt. Auf der Tagung der deutschen Ägudas Jisr o e 1, die vorige Woche in Leipzig stattfand, hat ein Delegierter den dann auch angenommenen Antrag gestellt, man solle an den Großen Rabbinischen Rat der Agüdas Jisroel herantreten und den Erlaß einer napD beantragen, die die agudistischen Arbeiter r e 1 i g i o n s g e s e t z - j i c h verpflichtet, mindestens eine Anzahl von Jahren auf dem Lande zu bleiben, sofern nicht für den Einzelnen geradezu zwingende Gründe dagegen sprechen. Die Histadruth hat sich gemäß den Ausführungen Dobkins veranlaßt gesehen, zu bestimmen, daß zur Verhütung, weiterer Konzentration von Arbeitern in den Städten jeder Empfänger eines Arfoeiterzertifikates sich verpflichten muß, zwei Jahre auf dem Lande zu arbeiten. Bricht er dieses Versprechen, so "verliert er für fünf Jähre das Recht, seine Angehörigen nachkommen zu lassen. Die Histadruth hat außerdem beschlos- Heiliges Land Von B. Cohen in Friedrichstadt. Wir sind mit den nachfolgenden Ausführungen keineswegs im vollen Umfang einverstanden, halten uns aber für verpflichtet, dem Herrn Verfasser Gelegenheit zur Darstellung seines Standpunktes . zu geben. Red. Wer, ohne die Stimmung katholischer Kreise stetig verfolgt zu haben, in letzterer Zeit in katholische Blätter hineinzusehen Gelegenheit gefunden hat, etwa in die Wien-Regensburger ,,Schönere Zukunft", wird vielleicht darüber erstaunt sein, wie sehr sich darin . warmherzige Verteidigung der jüdischen Bibel mit äußerst kritischer Stellung gegenüber der heutigen Judenheit, insbesondere dem Palästinaaufbau abwechselt und verträgt. Die Abneigung gilt dem, was in diesen Blättern die Verweltlichung des heiligen Landes genannt wird. Sogar zu einem friedlichen Kreuzzuge der abendländischen Völker gegen diese Verweltlichung wird aufgerufen. Der Aufschwung, die „Prosperity", die Vergroßstädterung, die Industrialisierung und der Lärm des Landes wird in Zahlen demonstriert. > Moses war bereit, dieses Los auf sich zu nehmen. In selbstloser Bruderliebe, in grenzenloser Opferbereitschaft gab er alles hin, sich salbst und seine große, tiefe Sehnsucht, das erlöste Volk auf eignem Boden im friedlichen Wohlstand' unter G'ttes Herrschaftsszepter geeint schaffen zu sehen. Er, der größte Söhn Israels, der größte Lehrer Israels, der treueste Diener G'ttes, er war zufrieden, das harte Schicksal der sündigsten, der armseligsten Glieder des Volkes mitteilen zu dürfen. Von ihnen wollte er in Bescheidenheit und Bruderliebe, in wohlverstandener, echtester Führerbegabung, nicht im Leben, nicht *im Tode getrennt sein, um dereinst mit ihnen im ewigen Lehen vereint zu sein. So wurde seiner Seele Erfüllung: er brauchte auf kein einziges Schäflein seiner Herde zu verzichten. Nun ruht er, der „gute" Führer seines Volkes, mit den Sündern am Wege; harrend der Zeit, da er die große Vergangenheit mit einer noch größeren, gewaltigen Zukunft verbinden wird. Kleines Feuilleton, über das Alter des Luach. Zü einer Briefkästennotiz über diese Frage schreibt uns Herr Louis Lamm, Amsterdam: Ld*Wh -«4j*tM)ftn seit iUm Jährhühd^. Izk Nachlaß des berühmten Gelehrten Dr. S. Baer, der sen, daß Deserteure von der Landarbeit eines Teiles ihrer Rechte bei der Histadruth verlustig gehen. Inzwischen ist es bereits soweit gekommen, daß heute nur noch 66.000 oder ,21 Proz. der jüdischen Gesamtbevölkerung auf dem Lande wohnen, während 244.000 Juden sich in den Städten befinden. 1931 war der Anteil der jüdischen Landbevölkerung an der Gesamtjudenheit Palästinas noch 26 Proz. Die Bevölkerung von Tel Awiw ist in diesen vier Jahren von 45.000 auf 115.000 gestiegen. Die Zahl der jüdischen Plantagenarbeiter ist schmerzlicher Weise noch dieselbe wie vor drei Jahren: 450 0. Dabei muß man in Betracht ziehen, daß von dem Gesamtgebiet von 35.000 Dunam Plantagenboden zwei Drittel bisher noch nicht fruchttragend sind, so daß in den nächsten vier Jahren weitere 29.000 Arbeiter für die Oramgenplantagen notwendig sind, und wenn der Zug in die Städte nicht endlich aufhört, werden diese 29.000 Arbeitsplätze schließlich den Arabern zufallen. Die Konsequenzen für die Zukunft braucht man nicht auszumalen. — Mit Recht warnte als Kenner der katholischen Stimmungen schon vor Jahren Herr Dr. P. Kohn, man möge nicht, aus Sorge über die Araberfrage, die katholischen Bedenken gegen unser Aufbauwerk außer Acht lassen. Nur ist es schwer zu sagen, wodurch man die Träger dieser Bedenken mit dem Aufbau Palästinas aussöhnen könnte. Die organisierte jüdische Arbeiterschaft in Palästina, die Histadruth haowdim, würde bis in ihre relativ konservativsten Kreise hinein jedem ihr Vertrauen völlig entziehen, der auch nur um irgend eine kirchliche wohlwollende Neutralität zu werben wagen sollte. Zudem ist die kirchliche Stellung gegen den Palästinaaufbau nicht von heute und gestern, sondern so alt — wie die Balfourdeklaration. Sie ist schon in einer offiziösen Auslassung der „Germania" vom 12. Dezember 1917 im Leitartikel deutlich zu ersehen; die Kirche erkennt die Lehre von unserer dereinstigen Wiederansiedlung im Lande der Väter nicht an. Sie hat jedoch nie dagegen gepredigt oder gearbeitet, daß Juden sich im heiligen Lande anjahrzehntelang die Rödelheimer nwft bearbeitete, befand sich eine Serie von alten niniS», die in meinen Besitz kam. Die älteste davon war eine Ausgabe Frankfurt a. M. 1573. Das Exemplar verkaufte ich an die Stadtbibliothek in Frankfurt a. M., wo es noch vorhanden sein muß. Ob sich noch ältere Ausgaben erhalten haben, ist mir nicht bekannt. Andere Werke über den jüdischen Kalender, wie beispielsweise „Kalendarium hebraicum" von Sebastian Münster, Basel 1527 gehören nicht zu diesem Thema, beweisen aber das rege Interesse, das auch Nichtjuden dem jüdischen Kalender entgegenbrachten. In Italien war es im 17. und 18. Jahrhundert üblich, Kalender handschriftlich herzustellen. Ich besitze selbst davon einige Exemplare. Ebenso waren schon sehr frühe — sicher seit Ende des 16. Jahrhunderts — Luchoth in Tabellenform verbreitet, mir * sind solche aus Amsterdam, Venedig, Fürth, Wilhermsdorf und Dyhrenfurt vorgekommen. Die im „Israelit" Nr. 51 genannten m vom Jahre npn Altona ist nicht die älteste, welche in dieser Stadt gedruckt wurde. 40 Jahre früher gab es wegen einer Altpnaer rrb einen großen Prozeß über den Prof. G. Tychsen, der ein Gutachten darüber abzugeben hatte in seinen Bützow'schen Nebenstunden, Bützow 1760 ausführlich berichtet. Der Drucker wurde fälschlich beschuldigt, das Christentum verspottet zu haben und die betreffende Kalenderausgabe wurde konfisziert. Aus dem 18. Jahrhundert besitze ich nw£ aus Fürth und Berlin. Die Berliner Ausgabe wurde von der Kgl. Akademie der Wissenschaften hergestellt, die ein diesbezügliches Privilegium besaß. Darüber ist schön mehrmals, zuletzt von Dr. Josef M,eislgeschrieben worden. -Weitere Zuschriften httU iül4r^sSailt&tl AÄgABfiÖ gingen uns zu von den Herren Paul M. Aron, Franksiedeln. Es geht ihr wohl nur darum, den historischen Charakter des Landes zu wahren. Als „Reliquie" allerdings, wie es in kirchlichen Blättern gefordert wird, kann nach unserer lebenden Lehre das Land uns niemals gelten, da es ja auch unsere Zukunft birgt. Sicherlich ist allen kirchlichen Bedenken m dem Moment der Boden entzogen, wo sich eine jüdische Gruppe entschließt, das Land so, wie es auch unsere Lehre will, als Stätte verzehnfachten Eifers in der Erfüllung der täglichen und stündlichen G'ttesgebote zu betrachten. Der orthodoxen Judenheit Deutschlands, deren Menschen vereinzelt und verstreut im Lande umherirren, weil sie in der Hast der Uebersiedlung den gemeinsamen Kern nicht schaffen konnten, eröffnet sich hier eine dankbare Aufgabe: Die Gründung einer gemeinsamen Siedlung im heiligen Lande, in welcher die Intelligenz jedes Einzelnen so vollauf für Thora und Mizwoth in Anspruch genommen wird, daß keine Zeit zu ungesund starkem „Aufschwung" bleibt; — auf die Gefahr hin, wirtschaftlich rückständig zu bleiben! — Das allein erfordert schon hohe Intelligenz, wie man es zuwege bringt, mit eingeschränktem erwerblichen Eifer sich im Lande gegen die erdrückende Uebermacht der Glaubenslosen zu behaupten! Auf die Dauer muß aber ein solches, rein und echt idealistisch aufgezogenes Unternehmen gerade auch den glaubenslosen Gegner völlig entwaffnen und ebenso wie den Angehörigen des anderen Glaubens auch ihn davon überzeugen, daß wir drüben mit Niemandem „konkurrieren" wollen und keinen anderen Wetteifer anstreben als den in Thora und Mizwoth, — daß wir weder Umstürzler, noch Kapitalisten und keiner dieser extremen Gruppen dienstbar, sondern nur G'ttes Diener sind, kenntlich an der Armut, die in dieser Welt den Sohn Israels und die Tochter Jakobs ziert. Wir haben drüben-keines Machtkonzerns und keines Imperiums Geschäfte zu besorgen. Wir kommen, gewandert oder geflüchtet, deshalb in das Land G'ttes, weil wir dort G'tt dienen wollen. Nicht als Feinde irgendeines Glaubens, wie es die katholischen Blätter meinen, noch als Feinde des Mannes der Arbeit kommen wir, sondern, als Diener der Thora, die wir dort besser als in einem sonstigen neuen Lande erfüllen zu können hoffen. Sind auch die Andersdenkenden unter unseren jüdischen Brüdern diesem Gedanken zugänglich? Eigentlich berührt er ja auch ihre palästinensischen Interessen. Sie wollen sich ja ein Synhedrion gründen. Wenn es seine Kompetenz furt a. M.; J. Gans, Niederaula; M. Jeidel, Frankfurt a. M. u. v. m. Rings ums Iwrith* Kleine Geschichten aus dem Deutschland von heute. Zwei Studienfreunde treffen sich bei der Beerdigung eines gemeinsamen Bekannten. Der eine von ihnen ist Rabbiner. Der Andere, Akademiker, war noch vor zwei Jahren der Weihnachtsfeier näher gestanden als dem Chanuka-Fest. Beim Abschied drückt der Rabbiner dem Zweiten die Hand: „Auf Wiedersehen in Simehes." Der guekt groß und macht ein verständnisloses Gesicht. „Dein Großvater hätte noch gewußt, was das heißt. Man sagt das bei traurigen Anlässen. Es heißt, daß man sich wieder treffen soll in Simchos,. in Freuden." Da wirft der Andere sich stolz in die Brust: „Nicht, daß Du meinst, ich bin schon bei Lektion sechs im Rath." (Das bekannte Lehrbuch der hebräischen Sprache.) Der Schauspieler, Knall auf Fall entlassen, schichtet sich um für Erez Isroel. „Eine wahnsinnig schwere Sprache, dieses Hebräisch. Die Vokabeln, die Vokabeln, ich bring sie kaum in den Kopf. Nun habe ich einen feinen mnemotechnischen Trick heraus. Es geht schon besser, aber kürzlich bin ich schwer damit herein gefallen. 'Also ich lerne: „Ich trinke — Ani Schote". Feine Sache, muß man nur an Schote denken. Der Schote trinkt. In der nächsten Stunde komm« ich richtig an den Satz. Und wissen Sie, wäs ich antwortete: Ani Schlehmihl". H.

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