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Der Israelit · 1935-01-03 · Heft 1 (3.1.1935) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 1 (3.1.1935)
Date
1935-01-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10 Nr. 1 Der Israelit 3. Januar 1935 würden da die Kinder von Sabbat zu Sabbat in sich aufnehmen." — „Wie schön ist das, was du sagst, liebe Mutti," warf Recha ein. „Ja, Recha, bei uns zu Hause war es so Meine Eltern lebten in bescheidenen Verhältnissen. Kam aber der Sabbat herbei, dann war es wundervoll! Im Winter waren an den Freitagabenden ' die Familien abwechselnd vereinigt Aber nicht nur die Angehörigen, sondern auch junge Legte waren zugegen. Welcher Reichtum an jüdischen geistigen Genüssen wurde uns da geboten, Wie wurde uns Kindern da „Oneg Schabbos", worüber heute so viel geschrieben wird, vorgelebt! Und das dehnte sich oft so lange aus, bis der Vater in seiner humorvollen Art sagte: „Mutter, es tut mir ja so leid, daß unsere lieben Gäste schon nach Hause müssen, aber unsere Beleuchtung wird bald ausgehen." Das war dann das Zeichen zum allgemeinen vergnügten Aufbruch,---- „Aber, Recha, es ist schon spät, und ich denke, du mußt jetzt schlafen!" Statt aller Antwort fühlte sich die Mutter von Kinderhänden umschlungen, und in inniger Umarmung flüsterte Recha der Mutter ins Ohr: „Ach. Mutti, ich will so werden wie du, das ist mein liebster —--Geburtstagswunsch!" Aus dem jüdischen Fabelschatz. Nacherzählt von Saly Geis. III. GesinnungsadeL Rabbi Elasar aus Bartota gab stets alles, was er in der Tasche hatte, her, um anderen zü helfen. Er fragte nicht, ob er und seine Familie nachher selber Not leiden werden. Die Vorsteher der Vereine kannten sein gutes Herz, — und damit er sie gar nicht frage, bemühten sie sich, von ihm nicht gesehen zu werden. Eines Tages ging Rabbi Elasar für die nahende Hochzeit seiner Tochter die Aussteuer zu kaufen. Da sah er, wie zwei Vorsteher schnell an einer Straßenecke verschwinden wollten. Er stürzte ihnen nach, erreichte sie und beschwor sie, -ihm zu sagen, für welchen Zweck sie sammelten, Es blieb den Angesprochenen nichts übrig, als Rede zu stehen. Sie antworteten daher: „Wir wollen eine Jungfrau, die Waise ist, mit einem gleichfalls elternlosen Jüngling verheiraten und sammeln nun die Mitgift." Sogleich nahm Rabbi Elasar sein ganzes Geld aus dem Beutel, indem er rief: „Nehmt es. Es war wohl für meine Tochter bestimmt, doch meine Tochter hat noch ihre Eltern. Waisen zu verheiraten, bedeutet eine heiligere Pflicht." Rabbi Elasar wandte sich auf den Weg nach Hause zurück. Er fand in seinem Kleide noch einige Silbermünzen, kaufte dafür Korn und schüttete es in seine Vorratskammer. Als aber seine Tochter wenige Stunden später die Vorratskammer öffnen wollte, war es ihr unmöglich. Sie merkte aber durch einige Körner in der Türspalte, daß die Kammer bis zur Decke mit Getreide gefüllt sein mußte. Freudig lief sie, dem Vater die gute Botschaft zu verkünden. „Sieh, Vater, was G'tt uns in seiner Güte beschert hat!" „Meine Tochter, der Schatz gehört nicht uns, denn nicht unsere Arbeit haftet an ihm. Wir dürfen ihn nur zu gleichen Teilen mit den Armen unseres Volkes genießen." Rabbi Elasar sammelte die Armen der Stadt zu sich. Jeder bekam zu gleichen Teilen. Aber bei jedem vermehrte sich im Hause das Korn, daß es das Zimmer füllte. So konnte auch Rabbi Elasar für den Erlös des Getreides seinen Tochter die Aussteuer kaufen. Ob es in diesem Gesinnungsadel Gleiches in: der Fabel- und Märchenwelt anderer Völker gibt? Heißt es nicht in der Regel: Frage nicht viel und ergreife die Gelegenheit? ' Jedem ' gehört der Gewinn seiner ehrlichen Selbstarbeit, an allem anderen haben alle anderen gleichen Anspruch; — dieser wunderbare soziale Gedanke läßt sich aus den Sozialgesetzen der Thora, d. h. unseres Judentums, entnehmen, Er verbindet sich hier aber noch mit den Geboten wahrer Menschenliebe und des Vertrauens, zu G'tt, daß Er jegliches Geschick nach dem Tun eines jeglichen leitet. Kinder dichten -.. Sabbat. Nach des Wochentages Tun, Sollen wir am Sabbat ruhn. So befahl uns der liebe G'tt In seinem heil'gen vierten Gebot. Ist am Freitag Abend die Synagoge ans Und man kommt zurück ins Haus, Dann brennen die Sabbatkerzen Und es freuen sich alle Herzen; Denn vorbei ist die Wochenarbeit Und man ist vereint in Heiterkeit. Am anderen Morgen so um acht, Ist man in der Synagoge bei heil'ger Andacht. Aus der Thora liest man vor Und schön singt der Chor. Ist der G'ttesdienst dann aus, Geht man zum Kiddusch gleich nach Haus. Nach dem Essen zur Nachmittagszeit Hält man sich für Minchoh bereit. Am Abend wird Hawdoloh gemacht, Dann ist schon da die finstere Nacht. * Heinz Katz (10 Jahre alt). Personalien. München, 31. Dez. Vor kurzem wurde hier ein Mann zu Grabe getragen, der sich weit über den Kreis seiner engeren Gemeinde hinaus allgemeiner Achtung erfreute. Menki Berlin g er zeichnete sich durch lauteren Charakter, leutseliges Wesen und tiefe Frömmigkeit aus. Mit allen Fasern seines Herzens war er bestrebt, jede einzelne ms», im Leben zu betätigen. Seinen Mitmenschen durch Rat beizustehen, betrachtete er als eine seiner vornehmsten Aufgaben. Herr Rabbiner Dr. Ehrentreu zeichnete in seinem nson in packenden Worten das Lebensbild des Heimgegangenen. Die großen Verdienste, die der Verstorbene sich erworben hat, hervorhebend, wies er auf den "großen Verlust hin, den die Familie sowohl als auch die Gemeinde erlitten hat. Tief ergriffen war die außergewöhnlich starke Trauerversammlung, als Herr Rabbiner den von tiefinnerster Frömmigkeit zeugenden Abschiedsbrief verlas, den der Verstorbene an seine Gattin,;an seinen einzigen in '"s wohnenden Sohn und an seine treuen Geschwister richtete. — Im, Namen des „Reichsbundes Jüdischer Frontsoldaten" ergriff desssn Vorsitzender, Herr Dr. BretzfeIder, das Wort, um dem treuen Bundesbruder und aufrichtigen Kameraden Worte warmen Gedenkens nachzurufen. Nach ihm nahm der Bruder des Verstorbenen, Herr Oberlehrer a. D. Moses Berlinger, Trier im Namen der zahlreichen Verwandten von dem Heimgegangenen Abschied. rraxjn M. B. Neunkirchen (Saar), 31. Dez. Am 7. Januar 1935 begeht Herr Lehrer Nathan Heinemann in Neunkirchen (Saar) seinen 7 0. Geburtstag. In Kleinsteinach i. Ufr. als Sohn enes Lehrers geboren, wirkte er seit Dezember 1885 als Kultusbeamter in Neunkirchn, allseits geachtet und geehrt wegen seiner tiefen Frömmigkeit und seines lauteren Charakters. Seit 1931 lebt er im wohlverdienten Ruhestandi .naw nsn Malmö, 28. Dez-. Nach kaum vollendetem 70. Lebensjahre wurde R. Salomon Schönkopfin die Ewigkeit abberufen. Mit ihm ist eine der markantesten Persönlichkeiten des jüdisch-traditionellen Lebens in Skandinavien von uns gegangen. Geboren in> Lomza als Sproß einer an Tradition und Gelehrsamkeit, reichen Familie, und mit einer umfassenden Kenntnis aller einschlägigen jüdischen Schriften und auf den jüdischen Wissensgebieten ausgestattet, kam der Verblichene vor nahezu! einenn halben; Jahrhundert nach Skandinavien,. Mehrere Jahrzehnte war er in Lund als. Relgionslehrer und Schochet tätig. Dort hat er seine edelsten Kräfte in den Dienst der jüdischen Sachegestellt. Eine zahlreiche . Schülergeneration blickt zugleich mit Wehmut und' Dankbarkeit auf ihren: Lehrer zurück. Salomon Schonkopf hat es, verstanden, jüdisches Wissen und Liebe zum. Judentum so tief,in die Seelen seiner Schüler zu. pflanzen, daß diese auch in einer von Zersetzungsgefahren erfüllten Umgebung; ihrett jüdischen.- Stolzbewahren undihre: Kenntnisse nie verleugnen und hie'vergessen? werden. Der lautere Charakter des Verstorbenen und seine durch nichts zu erschütternde: Wahrheitsliebe haben; ihn zu einem wahren Lehrer in Israel im; Sinne tu*-, serer Weisen und deren ethischen; Forderungen werden lassen. Der Verblichene verbrachte seine letzten Lebensjahre in Malmo* wo er sich in. unermüdlichem Eifer -— bis zum letzten. Lebenstagfe — seinen jüdischen Studien widmete, und wo er gleichzeitig- biszuletzt am, jüdischen Leben;, außerordentlich regen, und segensreichen Anteil nahm. Wer 'Gelegenheit hatte, den auf tiefgründigem Wissen basierenden Thoraworten und Deutungen R.. Salomon Schonkopfs: zu lauschen, nahm stets ein reiches Maß von Anregungen mit nach Hause. Um den Verstorbenen trauern vier Sohne, die. in echt jüdischem Geiste erzogen sind, und die, Jen elterlichen Traditionen; getretr, nicht nur vorbildliche jüdische Häuser führen, sondern auch am Lehen der; jüdischen Öffentlichkeit in hervorragender Welse teilnehmen. R. Salomon Schönkopf wird für unser jüdisches Leben ein Vorbild, ein Programm bleiben, und sein. Gedenken wird in den Herzen aller, die ihn kannten und schätzten, -fortleben. n^naan r. r. Vermischtes- Berlin, 30. Dez. Das Patenschaftskomitee für das Adaß-Schulwerk veranstaltet am Sonntag, den 6. Januar, 11.15 Uhr vormittags eine Matinee zugunsten bedürftiger Kinder im Admiralkino, . Friedrichstraße 101/102 am S- und U-Bahnhof. Unter anderem wird der historische Film „Der Golem" gebracht. Er ist für Jugendliche zugelassen. Eintrittspreis auf allen Plätzen Mk. 1.—. Karten im Büro Siegmundshof 11. Anruf: C. 9, 6913. Darmstadt, 30. Dez. Ein Freund unseres Blattes, der auf der „Bremen" nach den Vereinigten Staaten reiste, bittet uns, darauf hinzuweisen, daß die jüdischen Passagiere mehr von der Koscher-Verpflegung Gebrauch machen möchten. Abgesehen davon, daß diese genau so gut wie die andere ist, besteht auch die Gefahr, daß durch die mangelhafte Inanspruchnahme die Kpscherküche ganz aufgehoben und das jüdische Personal entlassen wird. Nürnberg, 30. Dez. Am 16. Dezember fand in Nürnberg die Generalversammlung der Israelitischen Kinderheilstätte in Bad Kissingen statt, in der die Rechenschaftsberichte für die Jahre 1933 und 1934 vorgelegt wurden. — Im Jahre 1934 fanden über 450 Kinder zu einem vierwöchigen Kuraufenthalt Aufnahme in der Anstalt. Im Durchschnitt wurde die Hälfte dieser Kinder, die aus allen Teilen und Gemeinden Deutschlands kamen, kostenlos in der Anstalt aufgenommen. Hierzu kommen noch 49 bedürf-. tige Mädchen und Frauen, denen durch Gewährung , von Zuschüssen ein Kuraufenthalt in Kissingen ermöglicht wurde. Wie aus dem Kassenbericht ersichtlich ist, war es dem. Verein nur durch Einsetzung großer Zuschüsse aus dem Reservefonds möglich, den Betrieb der Anstalt in diesem Umfange aufrecht zu erhalten. — Trotzdem wurde auch für das Jahr 1935 beschlossen, die Anstalt in vollem Umfange zu be-.: legen, um möglichst vielen kranken und bedürftigen Kindern die Segnungen einer solchen Kur zugute kommen zu lassen. Da aber, die Beiträge und Spenden im letzten Jahre in erschreckendem Maße zurückgegangen waren, richtete die Vorstandschafr einen dringenden Appell an alle Freunde und Gönner der Anstalt, wie an alle Juden, die noch ein Herz für die Not armer, kranker Kinder haben, durch Zuweisung von Spenden, wie durch Zuführung neuer Freunde an diesem Werke reinster Menschen- und Kinderliebe mitzuhelfen, damit eine so segensreich wirkende Anstalt nicht ihre Pforten schließen müsse. Oradea-Mare (Großwardein), 25. Dez. Am 20. Dezember sind in der hiesigen orthodoxen Synagoge die Almosenbüchsen erbrochen worden, ohne daß das vorgefundene Geld gestohlen wurde, Die; Täter öffneten die heilige Lade und warfen sämtliche Thor,arollen und allen Thoraschmuck auf den Fußboden der Synagoge. Das Rabbinat ordnete einen Fasttag wegen Entweihung der Thorarollen an. Die Polizei fahndet nach den Tätern. Im Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen G 1 a u b e n s findet Dienstag, den 8. Januar, 20.30 Uhr, ein Vortrag über P a - Iästina statt. Näheres Inserat,

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