Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1935)
- Date
- 1935-01-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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3. Januar 1935 <» Der Israelit Nr. 1 Seite 11 Die Frankfurter Woche. Emil Goldschmidt V'^T. " Mari hatte es mit Bangen kommen sehen, und da es eintraf und es nun als Tatsache vor uns stand, ging doch eine Erschütterung durch die Gemeinde, wie man sie lange nicht mehr erlebt hat. Alle wußten wir: Wir sind mit dem Heimgange Emil. Gold- «chmidts^ um eine der kernigsten und markantesten und zugleich jüdischsten Persönlichkeiten in unserer Gemeinschaft ärmer geworden. » Aus dem Kranze der Qualitäten, Tugenden und Verdienste, der Emil Goldschmidt schmückte, den einen oder anderen Punkt herauszuholen, geht nicht an. Für uns, die wir ihn kannten und seine stille Tätigkeit, für Thora, Awodah und Gmillus Chessed im Großen und im Kleinen seit Jahrzehnten mit Bewunderung verfolgten, war der Name ein Programm: Emil Goldschmidt! Darin lag Vieles, Alles, was wir von einem Menschen, der seine ganze eminente Kraft, sein ganzes Ich in' den Dienst seiner Gemeinde stellt, sagen konnten. Der Name scheidet nun aus dem Buche der Lebenden, aber im Buche der Ewigkeit, in den Memoiren unserer Gemeinde und im Gedenken der Mitmenschen wird er nicht erloschen sein, Emil Goldschmidt war — um mit dem ersten der drei Grundpfeiler zu beginnen — ein Mann der Thora, als Talmudgelehrter von Schärfe und Tiefe Stolz unserer Kehillah. Und aus dem Born seines Wissens schöpfte und spendete er, wo er nur konnte. Wenn wir an seine agadischen Vorträge im Lernverein Mekor Chajim denken, so sehen wir im Geiste volle Häuser, viele Hunderte, die gespannt und gebannt zu Füßen dieses Laiengelehrten sitzen und nicht wissen, was sie zuerst bewundern sollten, den schöpferischen Geist, das eiserne Gedächtnis oder die * fließende elegante Art, Wissen zu vermitteln, die diesem n'an S»??' der zu QVia '^ya sprach, eigen war. Und in diesem Zusammenhange sei auch der Schaß- Kippe gedacht, die er zu neuem Leben gerufen hat, und in der er fast bis zuletzt unablässig im Kreise der Freunde lernte und lehrte. Einfach, unaufdringlich, aber vollendet war auch seine Awodah. Als yj?W ^>ya in der Synagoge der Religionsgesellschaft trug er mit den Tönen, die er Jahr für Jahr dem Schofar entlockte, die Gemeinde zu Höhen empor, wo sich der Seele Bangen am heiligen Tag in Jubel auflöste. Und die Brochoh nan?, ^ij? y\üvb, wie er sie in die atemlose Stille der Gemeinde hineinrief, war Erhörung, Erfüllung. Und wer in der Waisenhaussynagoge einmal Emil Goldschmidt in den heiligen Tagen am Vorbeterpulte sah und hörte, wußte um das Geheimnis der Awodah, um das Geheimnis einer im Gebete sich zu G'tt emporsingenden und emporringenden jüdischen Seele. Wollten wir von dem n"öj Emil Goldschmidts sprechen, wir müßten den *tt8J ona schildern, all •seine jahrzehntelange eifrige Arbeit in Vorstand und Verwaltung der Israelitischen Religionsgesellschaft, oft unter Hintanstellung aller persönlichen Interessen, seine Verdienste besonders in der Kaschruskommission namhaft machen, wo es ihm wie überall gegönnt war, mit der ihm eigenen unverwüstlichen Ruhe der Seele und Reife des Urteils, mit Kraft und Energie im entscheidenden Momente das Richtige zu treffen und durchzuführen. Wir müßten auch von seinem uns n"»a in der D'iiajn rrm man erzählen, wo er jahrzehntelang bei'aller Liebesarbeit eifrig am Werke war, aber außerdem alljährlich dem Chewrah-Festmahl mit tiefen geistvollen halachischen und agadischen Referaten die geistige Würze gab Wir müßten auch von seiner Liebe und Leistung für. Erez Israel sprechen, insbesondere für das •Schaare Zedek-Hospital in Jerusalem, dessen Verwaltung in seinen . Händen lag. Hatte doch Emil Goldschmidt zu einer Zeit, da Palästina noch nicht wie heute im Mittelpunkte unserer Gegenwartsinteressen stand, eine mühevolle Reise nach dem Heiligen Lande unternommen, um die Not und die Interessen der orthodoxen Institutionen an Ort und Stelle kennenzulernen. Ungemein Vieles wäre noch zu sagen und Vieles wurde auch gesagt vor der gewaltigen Trauergemeinde in der Friedhofshalle der Israelitischen Religionsgesellschaft; in erster Reihe in einer großangelegten und überaus wirksamen Gedenkrede unseres Gemeinderabbiners J. Horowitz, dann in ergreifenden Danksagungen für Gemeindevorstand und Gemeinderat durch Herrn Jacob Rosenheim, für Mekor Chajim durch Herrn Redakteur S.. .S c h a c h n o w i t z und im Namen der amaj? nian durch Herrn Paul M. A r o n. Erschöpfend kann ein Leben und ein Wirken, die mit diesem Tode ihren Abschluß fanden, an Worten nicht festgehalten werden. Der Name Emil Goldschmdt wird bleiben, er wird einer jüngeren Generation Ermahnung und Ansporn sein, -Dergleichgearteten Gattin und den Kindern, von denen zwei Söhne -.In - weiter Ferne in Amerika von der erschütternden/ Kunde, Betroffen werden, mag' eszum Tröste ,gereichen, daß Viele, daß eine Gemeinde mit ihnen' um; den Heimgang eines ihrer Führer weine%;.^ie ,für;sie möge sein JiWT a u eh.. u n s a.l l,e n beist.ejien/*;f. y; J ..-n"«^ :.; Frau Fanny Feuchtwanger .n"5?- Am Sonntag trugen wir Frau Fanny Feuchtwanger, die Gattin des Sanitätsrats Dr. Albert Feuchtwanger, auf dem Friedhofe der Israelitischen Religionsgesellschaft zur letzten Ruhe> Aufrichtige Anteilnahme an dem Schmerze des allverehrten Gatten, aber auch tiefe Verehrung für die menschlichen und jüdischen Qualitäten dieser seltenen Frau, weher Schmerz um so viel innere und äußere Schönheit, die so frühzeitig ins Grab sinken mußte, waren es, die bei diesem Geleite nach Worten rangen und beredt zum Ausdruck kamen. Der altangesehenen Fürther Familie Feuchtwanger entstammend, hatte Frau Fanny Feuchtwanger an der Seite ihres Mannes all die Traditionen der Ahnen zur schönsten Entfaltung gebracht. Mit der Vornehmheit ihres Wesens paarte sich eine allem Prunke abholde Bescheidenheit, eine alle Herzen gewinnende Anmut und eine Arbeitskraft, die dem Manne in seinem schweren aufopfernden Berufe zum Heile der Menschheit alle Voraussetzungen schuf und alle Wege ebnete. Strahlend, liebenswürdig, rege und innigst interessiert an allen Problemen unserer Tage, so sahen wir Frau Fanny Feuchtwanger stets vor uns, so trat sie im großen Kreise der Freunde und Verwandten auf, so sahen sie die Patienten, die in dieses Haus um Rat und Heilung kamen, und so, strahlend und gütig wie stets und immer, stand die Frau vor unseren Augen, als wir in der Friedhofshalle um ihre Bahre versammelt waren und in Worten berufener Redner ihr Lebensbild noch einmal an uns vorüberzog. Unser Gemeinderabbiner, Herr J. Horowitz, sprach tiefe Mussarworte „zu Ehren der Lebenden und zu Ehren der Heimgegangenen", wie im Talmud die doppelte Bedeutung des Hesped gezeichnet wird. Herr Jacob Rosenheim im Namen der Familie entwarf ein packendes Bild vom Wesen und Walten der Heimgegangenen, bei der Schönheit und Anmut »öi'l ]n nicht „trügerisch und nichtig" waren, weil sie mit 'n ntnv wahrer und tiefer G'ttesfurcht verbunden, von dieser getragen und geadelt waren. Möge '"tfii dem Gatten und den Kindern seinen wahren himmlischen Trost angedeihen lassen. •rrasan . Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Am Freitagabend, den 4. Januar, 20.15 Uhr, sprechen die Herren Rabbiner Hermann Mayer und Hugo Adler. Jugendliche, sofern schulentlassen, sind herzlich willkommen. Vorträge des Rabbinats. Im Rahmen der von Herrn Gemeinderabbiner J. Horovitz eingerichteten „Lehrkurse für Thora und Mussar" spricht am Sabbat Abend, den 12. Januar (sa 'S p-ffia) Herr Rabbinatsassessor Dr. M. S c h 1 esinger-über „Die 'Mahnung des Schaltjahres an unsere Zeit", am Samstag, den 19, Januar (nbvz 's Herr Gemeinderabbiner J. Horovitz über „Thora und Mussar in der jüdischen Geschichte". Beide Vorträge finden abends um 20.30 Uhr in der Aula der S. R. Hirsch-Schule statt. Auch Damen haben Zutritt. Die Predigt findet Ka p'Vf (statt K1S1 riüia) statt. Generalversammlung des Mekor Chajim. Wie bereits angekündigt, findet diesen Sonntag nachmittags 4.45 Uhr, im Vereinslokal die diesjährige Generalversammlung des Vereins statt. Die Verwaltung des Vereins richtet hierzu an die ' verehrlichen Mitglieder die Bitte, möglichst zahlreich an dieser Versammlung teilzunehmen. Es ist der Zweck derartiger Veranstaltungen, den Konnex der Verwaltung mit der Mitgliederschaft zu verstärken und insbesondere durch lebhafte Aussprache Anregungen und Wünsche zu bekommen, um das Programm möglichst auszubauen. Nur auf diese Weise vermag der Vorstand auch weiterhin seine Absicht in die Tat umzusetzen, eine möglichst populäre, den Bedürfnissen der Zuhörer entsprechende Lehrtätigkeit im Rahmen des Vereins durchzuführen. Im Anschluß an die Generalversammlung findet der Haftauro-Schiur des Herrn Dozenten Ch. Jakobowitz statt. Drittes Konzert des Kulturbundorchesters. H. W. Steinberg eröffnete den Abend mit einer in allen Teilen fein ausgearbeiteten Wiedergabe der Sinfonie mit dem Paukenschlag von Haydn. Der Solist des Abends, der hervorragende Geiger, Prof. Hans Bassermann, spielte das Konzert für Violine in d-dur op. 61 von Beethoven. Er spielte es mit nobler Zurückhaltung und technisch einwandfrei. Er spielte es vielleicht in der Auffassung etwas zu akademisch, aber gerade dieses Moment kam dem Werke zugute, da de persönliche Auffassung hinter demselben zurücktrat. Die Begleitung des Orchesters ließ nichts zu wünschen übrig. Zum Schluß die Serenade für Streichorchester von Tschaikowsky, mit deren,-namentlich in technischer Hinsicht, hervorragenden Interpretation Steinberg bewies, auf welches künstlerische Niveau er das Orchester kraft seiner Persönlichkeit gebracht hat. In der Wiederholung(tes Konzertes hörte mäh anstelle Beethovens : die konzertante Sinfonie für Violine und Bratsche von > Mozart. Die... Ausführenden, Ernst Drucker (Violine) und R. Karp (Bratsche) stellten dabei erneut ihr reifes Künstlertum unter Beweis. A. K. Jüdische Musik. Samstag, den 5. Januar, 20.15 Uhr, findet in der Frankfurt-Loge ein Konzert „Jüdische Musik" statt. Mitwirkende sind: Käte E 111 i n g e r , Heinrich Bornstein, Theo R a t n e r , Rudolf D ö b 1 i n , Ruth Weil und Dr. Willy Salomon. Das Programm bringt interessante Werke jüdischer Komponisten. Brit Chaluzim Datum. Man schreibt uns: Die „Tenuath Tora Wa'Awoda" in Deutschland, der die Bünde Brit Chaluzim Datiim, Zeire Misuchi und Brit Hanoar schel Zeire Misrachi angehören, hat vom; 1. Dezember an eine Galilleitung für Süddeutschland mit dem Sitz Frankfurt a. M., Gwinnerstr. 32 pt. (Leon Arieh Händler) eingerichtet, um eine intensive Tätigkeit in diesem Gebiete zu entfalten. Alle Anfragen für diese Bünde in diesem Bezirk sind von nun an an diese Adresse zu richten. Familien-Nachrichten. Barmizwoh: Felix, Sohn des Herrn Gustav Mosbacher, Frankfurt a. M-, Sandweg 9, »a na», Synagoge Friedberger Anlage. — Felix, Sohn des Herrn Jacob Cahn, Mainz, Walpodenstraße 5, sa raw. Verlobte: Herta Stern, Flieden (Kreis Fulda), mit Saly Rothschild, Eppertshausen-Frankfurt a. Main, Sandweg 6 b. Vermählte: Erna Kahn, Baisingen mit Salomon Grünwald, Luzern, 9. Januar 1935, Baden/Schweiz, Hotel Jura. Frankfurter Vereinskalender. Verein Mekor Chajim E. V. Freitag abend nach Schul: Mikrovörtrag, Herr Louis Kahn. . . , Samstag abend 8.30 Uhr im Vereinslokale Hans Handwerktr., Vortrag des Herrn Dr. S. Ehrmann über „Vom Geiste der hebräischen Sprache." Gäste, auch Damen, willkommen- (Alles andere wie üblich.) Jahrzeitsstiftungen. Montag, 7- Januar: Benny Benjamin-Stiftung. Donnerstag, 10. Januar: Julius M. Bier-Stiftung. Agudas Jisroel-Ortsgruppe. Daf Jaumi Sonntags, 11—12 Uhr, Montag bis Freitag 12—1 Uhr, Samstag 12l/4 Uhr, Herr Sofer, im Vereinslokale, Schwanenstr. 12. Liwjath Chen. Der Sabbatvortrag findet präzis 4 Uhr im Hause von Emil Goldschmidt V'ST, Am Tiergarten 28 statt. Judische Frauen-Vereinigung und Agudistische Frauen-Ortsgruppe. Am Montag, den 7. Januar, 8,15 Uhr abends wird Herr Jacob Rosenheim über „T'filloherläuterungen" im . Hörsaal Friedberger Anlage 5 sprechen. Gäste, Damen, willkommen- Jüdische Frauenvereinigung E. V. Gesellige Zusammenkunft am Dienstag, d- 8. Jan. 1935 nachm. 4.15 Uhr in der jüd. Haushaltungsschule, Königswarterstr. 20, Vortragende: Frau Dr. Martha Wertheimer: „Sicherheit im Unsichern. Die Haltung der jüdischen Frau in dieser Zeit." Gäste, Damen, willkommen, Bes Hamidrasch, Ostendstr. 18 fl"fl ö^Wilp. Jeden Donnerstag, beginnend vor fllöB* APIS werden vor nma» diesmal 4 Uhr nin'Vo gesagt und wenn )»Jö fastet .^ri'l geleient- Zahlreiche Beteiligung ist erwünscht. Freitag abend nach Schul, Vortrag des Herrn Rabb. Schönfeld aus Mihalowicz- Selbsthiliegruppen jüdischer Blinder und Körperbehinderter. Die Frankfurter Selbstgruppe teilt mit, daß ihre Mitgliederversammlung, am Dienstag den 9. Januar im Lesesaal des Gemeindehaus, Fahrgasse 146 part. stattfindet. Um 20 Uhr pktl. geschäftliche Mitteilungen; 2030 Uhr, Vortrag von Dr. M. Wertheimer: „Sicherheit im Unsichern." Gäste herzlich willkommen. Gesellschaft für judische Volksbildung. Montag, den 7. Januar 1935. 20 30 Uhr, im Gemeindehaus, Fahrgasse 146, Führung durch die eigens hierzu verlängerte Ausstellung von Chanuka-Leuchtern im Museum für jüdische Altertümer (Dr: H. Gundersheimer). 6 Gebetzeiten. 8*1x1 mip Freitag abend 4.10 Samstag naa»n 7.10 Samstag morg. 8.00 Samstag nachm. 1.00 und 4.00 Samstag abend 5.30 Wochengottesdienst: Morgens 7.10 Nachmittags 4.15 . Tefillinlegen am Morgen 7.19 .