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Der Israelit · 1935-01-03 · Heft 1 (3.1.1935) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 1 (3.1.1935)
Date
1935-01-03
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 1 -Der Israelit 3L Januar 1935 ■ i\:' Martin Bub er, der Mann, der zu den Tiefen und Höhen führt, aber am „Aurach Chajim" vorbeigeht, der zwar in der Vorrede zum Verborgenen Licht bekennt, daß „der Weg zum Gehen" ist, der aber vor aller Welt, auch vor der Jugend, die von ihm Wegzehrung empfängt, an diesem Weg vorbeigeht. Ernst Simon, der in aller Oeffehtlichkeit feststellt, daß es das große Verdienst der neuen Bibelübersetzung ist, daß sie sich vom „caudinischen Joch der Verbalinspiration" freigemacht hat, der den Mut hat, zu bekennen, daß einem beim Sprung in die Orthodoxie das „Denken" vergeht. (Wir glauben, daß sein Lehrer Nobel, der ja auch in Hamburg als Rabbiner und an unserer Talmud Thora als Lehrer wirkte, es sich verbeten hätte, nicht als orthodox zu gelten!) B. Jacob, dessen Genesis-Kommentar in Einzelheiten so schön wie durch Einleitung und Schluß für die Orthodoxie absolut untragbar ist — mag Jacob, der Privatmann — wie von seinen Anhängern behauptet wird — auch gläubiger sein als Jacob „der Autor des Buches". Alle diese Männer, wie hervorragend sie sein mögen, Führer zum Judentum, Lehrer für unsere Jugend sind sie nicht, dürfen sie nie sein. Jugend, die von ihnen Wegweisung empfängt, hat nicht mehr das Recht, den Ehrentitel „orthodoxe Jugend" zu tragen; von ihnen nicht und ganz gewiß nicht von einem Joachim Prinz, dessen Betäubung der Menschen durch eine Form, hinter der kein Inhalt, zumindest keine jüdische Wahrheit steckt, noch harmlos ist gegen die Tatsache, daß Prinz als erster den Mut hatte, in Berlin die Betäubung des Schlachtviehes zu gestatten. Dieses moderne Judentum: ihm steht vielfach verkannt und noch mehr verleumdet, das „altmodische Judentum" gegenüber, das Judentum unserer Väter, das kompromißlose, das totale, das keine Tat ohne die mm» nras, keine Erkenntnis und kein Bekenntnis kennt, ohne durch die Tat das Erkannte zu bestätigen und zu erfüllen. Den Vertretern des modernen Judentums stellte Redner die großen Gestalten aus der jüdischen Geschichte, die Männer der Ganzheit, der unzweideutigen Lehre gegenüber, die Männer ohne Wenn und Aber, die Juden ohne Vorbehalt und Einschränkung. Hamburgs agudistischer Jugend zeichnete er diesen Weg in der Gestalt des heimgegangenen Hamburger Oberrabbiners Dr. Spitzer ^"xt seines großen Lehrers, der nie danach strebte, ein Führer vieler Juden zu sein, der immer nur ein Führer ganzer Juden sein wollte. „In der Höhe seiner Einsamkeit war, die kompromißlose Wahrheit, strebt ihr und dadurch ihm nach, dann gehört Ihr zu den altmodischen und — darum zu den ewigen Juden!" Polen, Eine Gefahr iür das Schächten in Warschau. Warschau, 26. Dez. Die Attacken der Tierschützler gegen die jüdische Schächtmethode wurden in letzterer Zeit stark verschärft und finden die Unterstützung der Schlachthausdirektion. Als es mii den Motiven der „Humanität" nicht mehr zu machen war, verfiel man auf den Gedanken, die Schochtim zu städtischen Beamten zu 'stempeln, die nicht mehr dem Rabbinat, sondern der Schlachthausverwaltung unterstanden. Da die Schochtim darauf nicht eingingen, begann eine Aera von Schikanen für diese. Es wurden sogar fremde Schächter von der Direktion angestellt, die keine Legitimation des Rabbinates besaßen. Später suchte man einen Tarif für Schächtgebühren einzuführen, der einer Liquidation des ganzen Schächtens gleichgekommen wäre. Der Kampf geht weiter, und zwar auf zwei Schlachtfeldern; man kämpft mit einer PseudoWissenschaft, obwohl gerade' in Polen noch kein Schlachtverfahren existiert, das dem jüdischen an Humanität nur nahekäme, und man kämpft durch kleinliche Schikanen und Verordnungen im Schlachthofe, um den Schächtern die Arbeit möglichst zu erschweren oder ganz unmöglich zu machen. Dabei zieht die nichtjüdische Bevölkerung von der Schechita den größten Vorteil, da die den Juden ver- Die Woche. Berlin. Unter Mitwirkung der Bankfirma Jacob Japhet u. Co. wurde die Motor Trading Company in Jerusalem mit einem Kapital von 50.000 Pfund gegründet, um den Export deutscher hochwertiger Fe r t i gfabrikate nach Palästina zu leiten. Größere Abschlüsse sind bereits getätigt worden. Trier. In der Synagoge in Freudenburg (Kreis Saarburg} wurden die Fenster durchschossen. In Kirf (Kreis Saarburg) wurden die Fenster des Jüdischen Gemendehauses zertrümmert. In vielen Dörfern des Kreises Saarburg wurden Tafeln mit der Aufschrift: „Juden sind hier unerwünscht!" angebracht. In den Gasthäusern befinden sich Anschläge, die besagen: „Juden sind hier nicht geduldet!" Wien. Auf Ansuchen der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde wurde eine gefährliche Agitationsschrift zur Boykottierung der jüdischen Geschäfte beschlagnahmt, — aber erst nach Weihnachten. — Zeitungsmeldungen über Aufhebung der Kündigung jüdischer Aerzte an Städtischen Krankenhäusern in Wien werden von unterrichteter Seite mindestens als verfrüht dahingestellt. Warschau. Die polnische Schiffahrtsgesellschaft „Gdingen- Amerikalinie" telte dem Senator Dr. Ringel mit, daß sie den Dampfer „Polonia" für die Ueberführung der Gebeine Theodor Herzls nach Palästina zur Verfügung stelle. Die Ueberführung soll über Warschau m März stattfinden Wilna. Eine hier verstorbene Katholikin hinterließ 10.000 Zloty für die jüdische Chaluzarbeit. Der Sohn, der das Geld dem Rabbinate überbrachte, erklärte, er habe jetzt erst erfahren, daß seine Mutter eine geborene Jüdin war und möchte nun selber zum Judentum übertreten. Athen. Offiziell wird mitgeteilt, daß der Anspruch der jüdischen Wohlfahrtseinfichtungen auf staatliche Beihilfe anerkannt wird. Paris. Der Rat der American Joint Reconstruction Foundation hat Sir Ormond de Avigdor Goldschmidt zum Vorsitzenden der Foundation gewählt. In der gleichen Sitzung wurden für den jüdischen Aufbau in Ost- und Mitteleuropa Kredite in Höhe von 280.000 Pfund bewilligt. Tel Awiw. Die Tel Awiwer Stadtgemeinde hat in einem Schreiben an alle Besitzer von Cafes und Restaurationen diese ersucht, von jedweder Veranstaltung anläßlich des bürgerlichen Jahreswechsels abzusehen, so daß es, im Gegensatze zum vorigen Jahre, dieses Jahr keine Sylvesterfeiern in Tel Awiw gab. Haifa. Die Eröffnung der Erdölleitung der Irak- Petroleumgesellschaft in Haifa wird am 19. Januar unter großen Feierlichkeiten vor sich gehen. Jerusalem. Nach einem Bericht des Waad Leumi haben im letzten halben Jahre 2400 jüdische Bewohner Palästinas ihre Einbürgerungsgesuche eingereicht. — Im November 1934 sind im .ganzen 4838 Juden in Palästina eingewandert, von denen . 371 zur Kapitalistenkategorie gehörten. — Das Hauptbüro des Jüdischen Nationalfonds teilt mit, daß ihm ein anonymer Spender einen Betrag von 10.000 Pfd. für die Erwerbung von Grund und Boden in Palästina überwiesen hat. Der Boden muß unveräußerliches Eigentum des jüdischen Volkes bleiben. — Vor den jemenitischen Behörden in Sana, der Hauptstadt Jemens, wurde eine Anzahl von Juden genötigt, persönlich dafür zu bürgen, daß Juden, die eine Reise nach Palästina unternehmen, nach Jemen zurückkehren. Ein Verbleiben der Auswanderer in Palästina haben die Bürger mit Gefängnis und Beschlagnahme ihres Eigentums zu büßen. — Wie aus Aden telegrafiert wird, ist bei dem Versuch, die Grenze von Jemen zwecks Auswanderung nach Palästina zu überschreiten, ein Jude von der Grenzwache erschossen worden. Petach Tikwah. Bei einer Brunnenbohrung in der Kolonie wurde der jüdische Arbeiter Joseph L i f - schütz, ebenso ein arabischer Arbeiter verschüttet. botenen Teile fast um 50 Pirozi. billiger verkauft werden als das andere' Fleisch/ Voratand.und Rabbinat sind auf der Hut, und man darf hoffen, daß sie die Unterstützung der zuständigen Behörden finden. Einheitliche parlamentarische Vertretung der Juden, in. Polen.? Wa.rsch.au, 28. Dez. Die ernste Lage der Juden in Polen hat die jüdischen Parlamentarier veranlaßt, nach Möglichkeit eine einheitliche parlamentarische Vertretung der polnischen Judenheit herbeizuführen. Es heißt, daß> die der Regierungspartei angehörenden Abgeordneten der Agudas Jisroel grundsätzlich zu einem Zusammenschluß mit den im Jüdischen Klub vereinigten Abgeordneten bereit sind. In dieser Angelegenheit sollen im. Laufe der kommenden Woche Besprechungen zwischen dem Agudäführer Abg. Rabbi Lewin und dem Vorsitzenden des Jüdischen Klubs, Abg. Rabbiner Dr. Osias Thon, stattfinden» (ITA.). Ungarn: Ungarische Nachrichten. Budapest, 28. Dez. Gemäß einer Meldung des „Zsido Ujsag" sind unter den aus Jugoslavien ausgewiesenen ungarischen Staatsbürgern 250 Juden; darunter 17 Familien mit insgesamt 75 Seelen orthodox und sie werden in der jüdischen Volksküche unentgeltlich verpflegt. Die orthodoxe Landeskanzlei hat einen Aufruf an die Gemeinden erlassen, der zur Unterstützung der Aktion auffordert, die. das ungarische Innenministerium zu Gunsten der Ausgewiesenen einleitete. Die antisemitischen Strömungen in der Hauptstadt Budapest und darüber hinaus auch in anderen Landteilen des Landes haben sich in der letzten Zeit leider verstärkt. In einer Rede des Abgeordneten Paul S a n d o r wird das Schweigen der jüdischen Abgeordneten gegenüber diesen Strömungen damit gerechtfertigt, daß durch einen offenen Abwehrkampf die Lage eher verschlimmert werden könne. Es sei aber richtig, daß die Gleichberechtigung der Juden in Ungarn nur auf dem Papiere stehe. Trotz der formellen Gleichberechtigung müßten die Juden auf zahlreiche Rechte, zahlreiche Verdienstmöglichkeiten und auf viele Positionen im Staate verzichten. Insbesondere sei es dem Juden fast unmöglich, auf dem Wege körperlicher Arbeit sein Brot zu verdienen. In vielen Privatunternehmungen sagt man jüdischen Bewerbern, sie möchten sich zuerst taufen lassen und dann ihre Bewerbung wiederholen. Die Zahl der Juden hat sich in Ungarn in den Jahren 1920—1930 um mehr als 6 Proz. verringert. Seit 1927 ist die Zahl der Todesfälle höher als die der Geburten. Eine bedeutsame Erklärung des ungarischen ehemaligen Justizministers Dr. Tibor Ssitvay. Budapest, 27. Dez. Justizminister a. D. Dr. Tibor Zsitvay, ein angesehenes Mitglied der Nationalen Einheitspartei und als Vertrauensmann der Regierung dazu ausersehen, die Einheitspolitik des Ministerpräsidenten Gömbös auch im hauptstädtischen Munizipalausschuß (Stadtverordnetenversammlung) zu verwirklichen, hielt dieser Tage als Gast des Innerstädter Bürgerklubs, der ihm zu Ehren ein Bankett veranstaltete, eine Rede über die politische Lage, in der er u. a. die folgende bedeutsame Erklärung abgab: „Der traditionelle nationale Geist kennt keine Gehässigkeit, keine konfessionellen Reibungen. Meine jüdischen Mitbürger fordere ich von dieser Stelle auf, falls sie Beschwerden haben, sich an uns zu wenden, und sie dürfen überzeugt sein, daß diese nicht nach der Konfession, sondern gemäß der lauteren Gerechtigkeit und der bürgerlichen Gleichberechtigung beurteilt werden. Dies entspricht jener uralten Tradition, wonach gleiche Pflichten auch gleiche Rechte bedingen. Dr. Tibor Zsitvay ist ein Sohn des hervorragenden ungarischen Richters Dr. Leo Zsitvay, der. seinerzeit vom Richterstuhl aus wiederholt antisemitische Tendenzen als volksschädigend verurteilte. unü üiiiio! # la Benzin 31 Pio. pro Liier # la Oel 80 Pig. an $ Auto-Zubehör # Garagen KonsiaDier, Frankfurt a. m.. GeiDeHirscnstr. 9

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