Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 76 (1935)
- Issue
- Heft 1 (3.1.1935)
- Date
- 1935-01-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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i 3. Januar 1935 Der I„s. r a e 1 i t i»r. l oeiie * ■defcen Rede, in welcher er Ausführte: anders war das Kulturproblem in dn Zeiten des Rambam wie in der Neuzeit, denn damals war auch die gegnerische Situation eine religiös fundierte. Sie lag gewissermaßen auf einer Ebene mit der religiös-, philosophischen Einstellung des Judentums. : Der krasse Gegensatz kam erst, als; die Reform die Selbstherrlichkeit des autonomen Menschen proklamierte,, als der Ausgangsort für die Wertungen der Moderne nicht mehr die. Offenbarung, sondern der Standort der säkularisierten Weltauf fassung war. Der Umbruch der Gegenwart hat allerdings auch bei unseren Gegnern einen metageschichtlichen, die Offenbarung als überzeitliches Faktum bejahenden Horizont aufdämmern lassen, und dieses Neue wird mit großer geistiger Regsamkeit propagiert. Aufgabe der Gesetzestreue! Ist es heute nicht.mehr wie einstmals, eine Synthese der jüdischen, Welt mit einer glaubens-, losen Gegenwart zu finden, sondern die Redlichkeit und Wahrhaftigkeit des O f f e n b a<r u n g.s s t a n d p u n k te s in seine r - K o n s e q u e n z für das Leben, in seinem-Mut zu m Opfer und zur Hei- .li gung des Daseins durchzuführen. Rabbiner Dr. Elie M;unk, Ansbach ergänzte die Ausführungen seines Vorredners. Er forderte vor allem für die literarische Arbeit der Gesetzes- . treue eine königliche Haltung, die sich nicht Von Zeitungspolemik und der Verkennung der Gegenseite ihre Linie vorschreiben lasse, sondern aus dem erhabenen Bewußtsein ihrer ewigen Beglaubigung positiv und wegweisend auftritt. Das Schwärmen der neuen < Geister im gegnerischen Lager will manchmal vergessen lassen, daß noch ein Jezer ho'ra in der Welt ist, daß noch immer es leichter und bequemer ist, ohne ,die Bindung des Gesetzes zu leben. Wer die höhere praktische Forderung erhebt, hat es natürlich immer schwerer, Gefolgschaft zu finden, und das Menschen blendende Schlagwort war niemals die Stärke der Gesetzestreue. Es könne aber wahre Vertrautheit mit der Thora allen Mangel unserer äußeren literarischen Position wettmachen, denn die Oeffentlichkeit wird es verstehen, daß wir allein imstande sind, sie voll und ganz dort hinzuführen, wo der Urquell des Judentums rauscht. Den Schluß der Redner bildete dann; Rabbiner Dr. David Garleb ach, Köln, um auszuführen: die jüdische Erwachsenenbildung^ wie sie heute getrieben wird, wird nie das Ziel erreichen, das allzeit im* Judentum galt, d e n T a 1 - m i d C h a c h a m uns wieder zu schenken. Dieses Ziel müsse neu proklamiert werden. '; Es kommt immer bewußter zuni Durchbruch. .Vor allem in der großen Zahl von Akademikern, die auf Jeschiwausgehen,, in der Lehrerbildungsanstalt zu W.ürzburg ] und der Religionslehrerakademie zu Köln, die uns einen ganz anders im Jüdischen beheimateten Lehrertypus schaffen wollen als wie die Vergangenheit hatte. Und wenn in den Neuschöpfungen von Lehrhäusern und jüdischen Volksbildungsanstalten das Ziel oft verT kannt wird, so müsse; sich der gesetzestrejue;i Rabbiner mit in d fe B e Wjehgu n g -..^e ip-nn s c h a l t en, denn die; vonrAltmanrijgekennzeich-.; nete neue ■ Geistesrichtung ist nofchjim Werden,? im- Fluß, könne noch: in das» richtige )I3ett -geleijtet;: werden; .das zur vir ollen Bejahung iider;Thor.a: hjinrb führt. Das'ist ein schönes; Ziel für eine; verd^p^;) pelte Wirksamkeit des gesetzestreuen Rabbiners..! Die drei mit großem Beifall aufgenommenen Referate zeigten ebenso wie das erste Referat von Ochs, Königsberg, daß auch unsere j u n g e Rabbinergeneration kraftvoll sich zu ,reprä? sentieren weiß und für unsere Zukunft Glückvolles verspricht. Ein Appell des Rosch Jeschiwa R a b b i n o w., Hamburg »für die Reinheit des jüdischen Ehelebens, für den Ernst .der .Kindererziehung und für die Vollgehaltigkeit tälmudischer Lehre zu wirken, beschloß die Berätungen. Der Vorsitzende gab seiner Freude;.und seinem Danke nochmaligen. Ausdruck, vor allem der Leipziger Gemeinde, die am Gelingen der Tagung solch großen Anteil trägt. Er faßte den Gehalt aller Beratungen dahin zusammen: . wir Neueste \Virtschaftsnachrichten aus Erez JisroeL ' (Nach Palnews.) Tel Awiw, Die Palestine E 1 e « t r i c Corporation plant auf Grund von Verhandlungen, die Ruthenberg in London geführt hat, eine Kapitalerhöhung von 1 Million auf 2 Millionen Pfund. Außerdem sollen auch noch laufende Schulden in Höhe von einer halben Million Pfund getilgt werden, so daß im ganzen 1% Million Pfund neu aufgenommen werden. Die Kapitalerhöhung ist insbesondere deshalb notwendig, weil durch das neue Elektrizitätsgesetz vom Mai d. J. der Korporation kostspielige neue Verpflichtungen auferlegt werden und eine preisdrückende Konkurrenz mit Privatgesellschaften und Gemeinden herbeigeführt wird. Außerdem sollen neue Wasserkraftwerke am Ausfluß des Jordan aus dem Tiberiassee und zwischen dem Huleh- und Tiberiassee errichtet werden. Es ist auffällig und bedauerlich, daß man diese große innerjüdische Anleihe lediglich in London auflegt, statt den in palästinensischen Banken liegenden unbeschäftigten Kapitalien von 14—:15 Millionen Pfund Gelegenheit zur soliden Befriedigung seines Anlagebedürfnisses zu geben.'— Tel Awiw. Die Ashrai-Bank, die im Jahre 1923 mit etwa 30 Mitgliedern und einem Kapital von etwa 90 Lst. gegründet wurde, hat jetzt 3752 Mitglieder mit 28.000 Lst. Kapital und mit Anlagen in Höhe von nahezu 1 Million' Pfund. Die Bank bezieht jetzt als erste genossenschaftliche Bank Palästinas ein eigenes Bankgebäude. Die Bank hat während ihres Bestehens den Bau zahlreicher ganzer Wohn- und Geschäftsviertel und von 200 Einzelhäusern durch Beleihungen ermöglicht. — Tel Awiw. Die neu gegründete Epocha -Films in Tel Awiw wird Werbefilme jeden Umfangs nach modernen europäischen Prinzipien herstellen. — Haifa. Wie aus Teheran gemeldet wird, kommt demnächst eine persische Handelsdelegation nach Syrien und Palästina, um die' Frage des persischen Transitverkehrs über Haifa oder Beyruth an Ort und Stelle zu prüfen. — Tel Awiw. Die Palästina-Regierung hat sich nun dazu entschlossen, in Kairo die Aufnahme von Zollverhandlungen zwischen Palästina und Aegypten vorzuschlagen. Aegypten, hat an Palästina einen guten Kunden, unterbindet aber den palästinensischen Export und zahlt Orangenexportprämien, die sich gegen die Palästina-Orange richten. — Jerusalem. Die Gesellschaft El-Hahär, die Siedlungen an der Straße Hebron-Jerusalem errichtet, hat für eine neu anzulegende Kolonie, Kfar Kol-Etzion, die auf Obstbau,. Milchwirtschaft, Geflügel und Bienenzucht basieren soll, 15.000 Dunam Land erworben. Im Laufe des Winters soll eine Baumschule und Versuchsstation für Gebirgsfruchtarten ■ eingerclrtet werden. Die Bewässerungsyerhältaisse, die von Dr. Stern untersucht wurden, sind günstig. Für die einzelne Siedlung ist eine Fläche "von 25. Dunam vorgesehen. Bisher sind ungefähr 400 Siedlerstellen. verkauft, der Bodenpreis, beläuft sich auf 300 Lst., die im vLaufe von drei Jahren getilgt werden müssen. Für die; Gartenstadt J a a r - E't z i 6 n sind bisher •50ÖÖ- Dühäm-gekauft;? die in Parzellen:' von \iiie einem. [Dunam. zu 50 Lst) i^aufgeteilt und j _-von? der., Gesellschaft bepflanzt werden. Es I soll , hier einSpmmerauf enthältst ,ünd Erho- |Müngszentnrm 'entstehen^ —: J,Te 1 Awiw. Das 1931"-von südafrikanischen-» Juden mit einem Kapital von ^35$0O Lst, gegründete i Unternehmen Gold Storage Ltd. hat jetzt im Haifaer Hafen ein großes Gelände erworben, auf dem ein weiteres Kühlhaus und eine Eisfabrik errichtet werden soll. Die Gesellschaft besitzt 15 Kühlräume, zum großen Teil auch in. Tel Awiw und Umgebung und betreibt außerdem ein ImporV- |"' geschart auf eigene Rechnung -für Butter, Obst, Sardinen, Tee.'; < Die. Eisfabrik produziert täglich,25 Toijnen;:.t-t- Rey ruth... Bei einer Zusammenkunft von .Vertretern.;der syrischen Mandatregierung 'mit syrischen B a ü m w o 1 l i nd u s t r i e 11 e n äußerte der Regierungsvertreter, man habe .'gute Gründe für die Annahme, daß;die palästi- . nensische Regierung, den Forderungen der palästinensischen Baumwollwebereien nachr geben und eine stärkere Erhöhung ''der Baumwollzölle' durchfühfen werde. haben das Amt und den Einfluß des Rabbiners zu kräftigen, um durch den Thörageist den wahren Aufbaü eines zukunftsgewissen .Erez Jisroel zu sichern, "alles Leid des Galuth und alle Entbehrungen des Lebens unseren Brüdern 'überwinden zu helfen und in allen Strömungen der Geistesgeschichte die Kraft eines vom G'ttesgesetz getragenen Lebens durchzusetzen. Für dieses Ziel bedeutet die Tagung in Leipzig eine Stärkung durch den inneren Herzenszusanimenschluß aller Beteiligten und durch die erhebende Gewißheit unserer ungebrochenen geistigen Stärke. J. C. Korrespondenzen. Deutsches Reich. Betäubungszwang für Schlachttiere, Berlin, 21. Dez. Von der Reichszentrale für Schachtangelegenheiten wird uns geschrieben:; Vielerorts ist noch nicht genügend bekannt, daß die Vorschriften des „Gesetzes über das Schlachten von Tieren" vom 21. April 1933 sich auf das ganze Reich und auf alle Tierarten, also auch auf sämtliche Geflügelarten, und für jegliche Schlachtung erstrecken, ganz gleich, ob sie in einem öffentlichen, Schlachthause, in einer Privatmetzgerei oder im ländlichen oder städtischen Haushalt vollzogen wird. Der Reichs-Tierschutzbund macht erneut darauf aufmerksam, daß die Vorschriften des; Gesetzes zu beachten sind. Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10.000 Mk. bestraft. Anzeigen von Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz seien an die zuständige Polizeibehörde zu richten. Neue Bestimmungen über Rechtsanwälte. Berlin, 28. Dez. Das Gesetz zur Aenderung der Rechtsanwaltsordnung vom 20. Dezember. 1934 ist im Reichsgesetzblatt veröffentlicht worden. Es bringt eine Neufassung der Bestimmungen über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft und sieht weiterhin die Möglichkeit vor, eine Zuzugspere für Großstädte anzuordnen. Im Artikel 2 des Gesetzes wird ausdrücklich bestimmt, daß die Vorschriften des Gesetzes über die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft vom 7. April 1933, die insbesondere für die Zulassung von Nichtariern zum Rechtsanwaltsberuf gelten, durch das neue Gesetz nicht berührt werden. Für jüdische Rechtsanwälte, die durch dieses Gesetz vom 7. April 1933 in der Liste der Rechtsanwälte gelöscht worden sind, ist w.esent- , Ifch, daß in einem neuen § 24a der Rechtsanwaltsordnung bestimmt wird; frühere Rechtsanwälte dürfen die Bezeichnung „Rechtsanwalt." auch mit einem auf das Erlöschen der Zulassung hinweisenden Zusatz nicht führen. > ( Ein bedeutsamer Vortrag. t Hamburg, 30. Dez. , , Den kurzen hiesigen Aufenthalt des Herrn Rabbiner Wolf S. Jacobson, Kopenhagen' benutzte die, hiesige Agudas Jisroel-Jugend-" und Mädchengruppe zu einem Vortrag ihres Gründers und langjährigen Vorsitzenden. Die Mitglieder der Orts- und Frauengruppe, die von dem Vortrag in Kenntnis gesetzt wurden, waren auch fast vollständig erschienen, sp!(daß eine sehr zahlreiche Hörerschaft den höchst aktuellen Ausführungen beiwohnte, die der Referent unter dem Thema „Modernes und altmodisches Judentum" machte. Modernes Judentum: unter diesem. Stichwort entwickelte der Referent die Gefahren,1 die für die orthodoxe Jugend — und nur zu' dieser und, für diese wpIUe der Redner sprechen — daraus entstehen, daß sie den Lehren derer lauscht, die den „Heimkehrern" den Weg erleuchten mögen, für die, welche stets in der Heimat waren, aber eine ungeheure Gefahr bedeuten. 1 _ .