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Der Israelit · 1935-01-03 · Heft 1 (3.1.1935) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 1 (3.1.1935)
Date
1935-01-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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3. Januar 1935 D e r ~ I s r a e i i t Nr. 1 Seite 5 Aufschub des Kapitaltransfers, der aber im Interesse vitaler palästinensischer Wirtschaftsinteressen notwendig ist. Zu einer Verhandlung mit Deutschland über ein Orangenkompensationsabkommen ist es infolge der strikten Weigerung der deutschen Regierung, sich mit Palästina auf ein Kompensationsabkommen einzulassen, überhaupt nicht gekommen. Dieser natürliche Verhandlungsweg würde durch einen unglücklichen Gedanken verbaut, der aus den Kreisen der Haavara bezw. der hinter ihr stehenden Persönlichkeiten hervorgegangen ist. Dieser ebenso unglückliche wie kühne Gedanke war der, das Haavara-Abkommen nicht auf Palästina zu beschränken, sondern auf Afrika und Asien auszudehnen. Den deutschen amtlichen Stellen bot sich so-eine Aussicht auf Förderung des deutschen Exportes nach Aegypten, Indien und dem Fernen Osten. Ein Teil der hieraus sich zugunsten Deutschlands ergebenden Exportdevisen sollte zur Bezahlung der nach Deutschland exportierten palästinensischen Orangen dienen. Die deutschen amtlichen Stellen griffen naturgemäß diese Möglichkeit zur Exportförderung deutscher Waren auf und zeigten sich bei den Verhandlungen nicht geneigt, auf Basis direkter Kompensation unter Aufschub des Kapitaltransfers ein Abkommen abzuschließen. Der Afrika-Asien-Vertrag, über den zur Zeit noch verhandelt wird, ist aber ein sehr schwer realisierbares Instrument, mit dem sich praktisch kaum etwas anfangen läßt. Wie soll plötzlich der deutsche Export nach Asien und Afrika gesteigert werden? Außerdem wäre das Anrechnungs- und Verrechnungssystem derartig kompliziert und schwierig, daß mit dem Vertragsinstrument praktisch nur wenig zu erreichen sein wird. Inzwischen ist die Zeit aber bis Mitte Dezember fortgeschritten. Ein direktes Kompensationsabkommen unter teilweisem Aufschub des Kapitaltransfers wäre, wie uns von wohlinformierter Seite dargelegt Die 12. Hauptversammlung der Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner in Leipzig, die aus allen Teilen Deutschlands besucht war, hat sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung "und zu einem einzigartigen Erlebnis für alle Beteiligten gestaltet. Die freudige Anteilnahme von Tausenden jüdischer Brüder hat ihr das Relief Sorge Beweggründe. „Denn Ich werde mit Dir sein"; und später heißt es: Und Ich "OlKl. werde mit Deinem Munde sein. „Ich bin dieselbe g'ttliche Kraft, •die sich unter dem Ausdruck „Onauchi" den Vätern offenbart hat. Als „Onauchi" habe Ich Jakob zugeschworen; Ich werde mit dir hinuntersteigen, und Ich werde mit dir wieder hinaufsteigen." Und diese g'ttliche Erlöserkraft wird mit dir sein vor Pharaos Thron." — Auch seinen zweiten Einwand entkräftet G'tt. „Und dieses soll dir das Zeichen sein, daß Ich, Onauchi, dich geschickt habe. Wenn Du das Volk aus Aegypten herausführst, werdet Ihr G'tt an diesem Berge dienen." „An diesem Berge" erklären unsere Weisen ^'"st ,.än diesem niedrigsten aller Berge." Der Sinai war der kleinste Berg von allen umliegenden Gebirgsgruppen, bescheiden hielt er sich zurück und war weit entfernt davon, sich als Ruhestätte für G'ttes nxöir bestimmt zu glauben. Den bescheidensten Berg, den bescheidensten Menschen wählte .G'ttes Vorsehung. Du zweifelst, ob Du dem Volke als Führer Segen bringen kannst, Du bringst ihm G'ttes heilige Lehre an diesem Berge. Und dies sei Dir zum Zeichen. Nicht der äußerliche, glänzende Rahmen einer, majestätischen Landschaft, nicht der gewaltige, mitfortreißende Fluß der Rede soll von maßgebendem Einfluß auf Israels Geschick sein. Meines Volkes Kleinod, sein höchster Schatz soll der Inhalt, das Gesetz in seiner schlichten Erhabenheit sein. Weiter kündet ihm G'ttes Wort von den Wundern, die an Pharao vollbracht werden sollen und von dem Auszug der mit reichen Schätzen beladenen Kinder Israels. Doch der Mann der Demut, vermag es noch immer nicht zu glauben, daß er zu solcher g'ttlicher Sendung berufen sein soll. „Sie werden nicht auf meine Stimme hören." Jetzt fragt ihn der I wird, erreichbar gewesen, wenn das etwas phantastische Projekt der Einbeziehung Afrikas und Asiens ins Clearing die Verhandlungen nicht in eine verfehlte Richtung gelenkt hätte. Es muß auch heute noch das Ziel alier amL Orangenexport beteiligten Wirtschaftskreise sein, zu einem direkten Kompensationsabkommen mit Deutschland zu gelangen. Wenn ein solches Abkommen für dieses Jahr vielleicht auch verspätet kommt, so muß mindestens rechtzeitig für das nächste Jahr vorgesorgt werden, damit auch im nächsten Jahre die Lösungen nicht wieder — wenn überhaupt — verspätet gefunden werden. Problematisch sind auch private Kompensationen im. palästinensisch-deutschen Geschäft, die von einzelnen Gruppen angestrebt bezw. getätigt werden. Ueberhaupt sind uns Fälle bekannt, in denen Einzelpersönlichkeiten oder Gesellschaften neben der Haavara — aber mit ihrer Autorisierung — sozusagen Privatclearinggeschäfte betreiben. Wenn in Anbetracht der handelspolitischen Verhältnisse die Regelung von Clearingabkommen mit anderen Ländern schon privaten Institutionen überlassen werden muß, so sollte diese Privatinstitution wenigstens dafür sorgen, daß sie den Gesamtkomplex der Clearingtransaktionen in Händen behält, kontrollieren und regulieren kann. Aus dem Nebeneinanderarbeiten vom Haavaraclearing und privaten Einzelclearingtransaktionen, müssen sich Miß- Stände ergeben, die das ganze Verfahren diskreditieren können. Für die Zukunft ist jedenfalls ein deutschpalästinensisches Kompensationsabkommen mit Unterstützung aller beteiligten Kreise und Institutionen anzustreben, das angesichts des lebhaften deutschen Palästinaexportgeschäftes die natürliche und sicherste Basis für die Abwicklung des Orangengeschäftes darstellt. Wir erfahren auch, daß sich die deutscherseits mit Bulgarien, an deren südosteuropäischen Ländern und der Türkei abgeschlossenen Kompensationsverträge sehr bewähren und den Export dieser Länder nach Deutschland günstig beeinflussen. gegeben. Die offiziellen Körperschaften wie die Einzelnen der Gemeinde bezeigten gegenüber ihren Gästen eine K'waud rabbonim, die als Ausdruck der Thorabegeisterung in unseren Tagen jedem wohltun mußte. In dieser hohen Ehrung der Versammlung erblickten alle Gäste ein Echo der Liebe und Achtung, die sich der Ortsrabbi- Alleswissende: „Was ist dies in Deiner Hand?" — „Ein Stab". — „Wirf den Stab zu Boden, diesen Stab der Herrschaft, der Strenge!" Und als der Stab zur Schlange wurde, heischt G'tt von ihm: „Fasse sie am Schweife." Ein weises Wort der Belehrung! Die Schlange, das Sinnbild der Tücke, Hinterlist und Falschheit, sie soll kennzeichnen, daß ein unter hartem Drucke stehendes Volk instinktmäßig auf krumme Wege getrieben wird, daß unedle Berechnung, List und Schlauheit es gar leicht zu unrechtem Tun treiben kann. „Fasse diese Schlange am Schweife," habe Geduld und Nachsicht mit diesem durch übermäßige Bedrückung zu unedlen Taten drängenden Sündern. Das möge das Macht- und Erziehungsmittel in Deiner Hand sein. (Schluß folgt.) Wochenkalender. Vom 5. — 12. Jan. 1935 / Vom 1. — 8. Schebat 5695 •>nv sp Samstag 1 R»f> NM 5 na m«i vtn «rta Sonntag 6 2 na Montag 7 3 in naipn Dienstag Jan. 8 tttv 4 T!3 Mittwoch 9 5 na Donnerstag 10 6 aa Freitag , 11 7 3 Samstag 12 8 83 X3 ner, Herr Dr. Ephraim Carle b ach, in den Herzen seiner Gemeindemitglieder erworben hat. Den Auftakt erfuhr die (Versammlung in dem Eröffnungsakte in der Synagoge Otto Schillstraße. Diese war bis auf den letzten Platz gefüllt. Es war, als wenn sich hier eine große Gefolgschaft um die Gesamtheit ihrer Rabbinen, die in den Vorderreihen Platz genommen hatten, scharen wollte. Vom Almemor schallte den Gästen aus dem Munde des stimmgewaltigen Oberkantors Wilkomirski der Gesang: „Be~ ruchim haboim" entgegen. Der Moro deaßre gab dann in feierlicher Rede von der Kanzel dem Ausdruck, was zuerst in Melodie und Sang ausgesprochen worden und was in der gehobenen Stimmung aller Leipziger Teilnehmer sich spiegelte; die Gemeinde grüßte in den Rabbinen: „ein Parterre von Königen," von Männern des Geistes,; von Führern unseres armen Volkes in schwerer und ernster Zeit, weil jeder wisse, daß sie im Namen G'ttes kommen. Wie Jakob seine Väter schaute als die Wegebereiter und Pioniere G'ttes, dem sie vorauszogen, wie er im Hinblick auf sie seine Kinder und Enkel segnet, so blicke die Leipziger Kehilla in Ehrfurcht und Freude auf diejenigen, die durch das Studium der Halacha Israel den Weg des Lebens bahnen, und segnet sich in ihnen für alle Gegenwart und Zukunft als den Garanten der wahren und einzigen Lebensbestimmung unseres Volkes. Dann trat der Vorsitzende der Vereinigung, Herr Rabbiner Dr. Unna, Mannheim auf die Kanzel, dankte zunächst in hebräischer Ansprache dem Rabbiner und der Gemeinde für den gastlichen Empfang und hielt daran anschließend eine Rede über „die Lage des gesetzestreuen Judentums in der Gegenwart". Der Zusammenbruch der liberalistisch-kosmopolitischen Epoche und das mit dieser Schicksals- und Geisteswende verbundene Wieder erwachen des jüdischen Bewußtseins bedeutet zwar einen großen Sieg des thoratreuen Judentums. Aber die beginnende Tschuwa habe Viele dennoch nicht den Weg zur Thora zurückfinden lassen, weil der Zionismus ein neues Auffangbecken bildete, in welches man eine Zuflucht nehmen konnte, ohne die große grundsätzliche Lebensänderung vorzunehmen. Damit ist dem gesetzestreuen Judentum aber eine neue Aufgabe erwachsen, nun auch wie früher das assimilatorische Lager der Reform so jetzt das nationale mit dem Geist der Thora zu durchdringen. Alle materielle Schwäche kann uns nichts an der Kraft innerer Ueberzeugung mindern, daß über alle noch so großartigen Zeitverirrungen das ewige sinaitische Judentum siegen wird. Im engen Anschluß an diese Worte legte dann der ehrwürdige Nürnberger Raw, Dr. A. Klein, die Situation „des Thorastudiums in unserer Zeit" dar, wie im vergangenen Jahrhundert die Hauptarbeit der Frommen eine polemisch-weltanschauliche war, die Besiegung einer gedanklich-feindlichen Welt durch den jüdischen Derech Erez, wie sich dann aber immer mehr das Bewußtsein herausbildete, daß nur im selbständigen Schöpfen aus den Quellen von Schaß und Poßkim der Durst der jüdischen Seele gelöscht werde. Aller Religionsunterricht habe sich als ein Surrogat erwiesen und nur echte Talmud Tauroh könne letzte Befriedigung schaffen. Schon haben aus dieser Erkenntnis heraus Viele aus unserer Jugend den Weg zur Jeschiwa wieder entdeckt, um nun aus voller Brust den Atem der G'tteslehre in sich zu ziehen. Dieser Weg bleibe immer für die gesetzestreue Judenheit das Hochziel, und in ihm soll unsere Jugend die Ergänzung zu der Leistung der Vergangenheit schaffen, wie im Prophetenabschnitt Jakob als Erlöser Abrahams gefeiert wird. Zu diesem Ziele rufe auch die Erinnerung an die rabbinischen Autoritäten, deren Verlust wir in den vergangenen Jahren seit der letzten Hauptversammlung zu beklagen haben. Dann wurde vor dem geöffneten, in Weiß erstrahlenden Thoraschrank von dem Oberkantor ergreifend die Haskara auf den Chofez Chajim, den Lubliner Raw und den Czortkower Rebbe als den Weltgrößen des rabbinischen Judentums, Rabbinertagung in Leipzig.

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