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Der Israelit · 1935-01-03 · Heft 1 (3.1.1935) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 1 (3.1.1935)
Date
1935-01-03
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Nr. 1 Der Israelit 3. Januar 1935 für Erez Jisroel, sondern auch die bündische Erziehungsarbeit von einheitlichem agudistischem Geiste beseelt sein wird. Gruppenvertreterbesprechung der Agudas Jisrocl-Landesorganisation. Da nicht in allen Gruppen rechtzeitig ordnungsgemäße Delegiertenwahlen durchgeführt werden konnten, beschloß man, der Zusammenkunft den Charakter einer Gruppenvertreter-Aussprache zu geben und die Beschlüsse dann in einigen Monaten durch einen formellen Delegiertentag bestätigen zu lassen. Trotzdem war die Zusammenkunft verhältnismäßig gut beschickt. Es waren — zum Teil durch mehrere Delegierte — vertreten: Altona, Ansbach, Berlin, Breslau, Eschwege, Frankfurt a. M., Fulda, Fürth, Halberstadt, Hamburg, Hannover, Karlsruhe, Köln, Leipzig, Stettin. In das Präsidium wurden die Herren Jacob Levy, Berlin, Rabbiner Dr. Michalsky, Karlsruhe, Iwan Möller, Breslau und Dr. S. Stein, Köln gewählt, welch letzterer die Tagung leitete. Die Verhandlungen waren in der Hauptsache der Neuorganisation der deutschen Landes-Agudo gewidmet, nachdem leider infolge des Wegzugs des bisherigen Vorsitzenden des Landesvorstandes, Rabbiner Dr. Moses Auerbach, Berlin nach Erez Jisroel eine Verlegung des Vorortes erfor derlich schien. Nach gründlicher Aussprache ist Frankfurt a. M. zum neuen Vorort gewählt worden. Der Landesvorstand bleibt in seiner bisherigen Zusammensetzung im Amte, der Vorortsvorstand in Frankfurt wird durch eine von der Versammlung gewählte Kommission in den nächsten Wochen zusammengesetzt werden. Die ausgedehnte Aussprache ergab außerordentlich wertvolle Anregungen für die Gesamtarbeit der Landesorganisation und der Ortsgruppen, über die Bericht noch vorbehalten bleibt. Im Rahmen der Tagung fanden Sonderreferate über die Tätigkeit und Weiterentwicklung des K e r e n Hathora in Deutschland und der Palästina-Arbeit sowie des K e r e n H a j is c h u w statt. Ueber ihre Ressorts berichteten für den Keren Hathora die Herren Dr. Leo Deutschländer, Wien und Henry P e 1 s , Hamburg, für die Palästina-Zentrale Dr. S. E h rmann, Frankfurt a. M., von Seiten der Exekutive der Welt-Agudo Herr Jacob Rosenheim, Frankfurt a. M. Der Präsident der Reichsschrifttumskammer über die Judenfrage. Der bekannte Schriftsteller Hans Friedrich B 1 u n c k , Präsident der deutschen Reichsschrifttumskammer, hat im Dezember-Heft der Zeitschrift „Europäische Revue" eine „Rede an die Jugend der Westländer" veröffentlicht, die sich bemüht, die Ideologie des neuen Deutschland dem Auslande verständlich zu machen und dabei auch die Judenfrage behandelt. Blunck versucht den Kampf gegen den jüdischen Einfluß insbesondere auf die deutsche Kultur zu rechtfertigen, wobei es schon der Mühe wert wäre, die Einzelargumentationen dieser geistig hochstehenden Persönlichkeit einer genaueren Prüfung zu unterziehen. Zu diesen der Nachprüfung bedürftigen Behauptungen gehört insbesondere die, daß der Antisemitismus in Deutschland in weiten Schichten erst Geltung gewonnen habe durch den Boykott des Auslandes und durch die unerhörten Darstellungen deutscher Verhältnisse in der angeblich jüdisch geleiteten Presse des Auslandes. Uns scheint hier eine Verwechslung der Zeitfolge dieser Ereignisse vorzuliegen. Positiv bedeutungsvoll ist jedoch in den Ausführungen Bluncks der Appell an die Emigranten, auf die Lage jener vier Fünftel der jüdischen Bevölkerung Rücksicht zu nehmen, die in Deutschland geblieben sind. Blunck sagt dabei: „Die Bestrebungen gerade des deutschen Schrifttums, zwischen der im Reich verbliebenen jüdischen B.e v ö 1 k e r u n g und der Regierung ein Konkordat zu erzielen, werden immer im entscheidenden Augenblick durch Eingriffe aus dem Auslände verhind e r t." Hierzu ist zu bemerken, daß bisher zwar wiederholt erfolglose Bemühungen im Gange waren, zwischen den maßgebenden Stellen der Reichsregierung und jüdischen Instanzen eine, fruchtbare Aussprache über die positive Gestaltung der rechtlichen und wirtschaftlichen Lage und des religiös - kulturellen Eigenlebens der Juden in Deutschland herbeizuführen, daß man aber bisher nichts davon gehört hat, daß diese Bestrebungen aus der Mitte maßgebender Vertreter des deutschen Schrifttums Unterstützung fänden. Daß das Gelingen solcher Bestrebungen nicht nur im Interesse der deutschen Juden läge, sondern vor allem auch im außenpolitischen Interesse Deutschlands, darauf ist an dieser Stelle zu wiederholten Malen hingewiesen worden. Rabbiner J. Vredenburg zum Oberrabbiner von Holland gewählt. Amsterdam, 28. Dezember. Auf der Versammlung der holländischen Oberrabbiner wurde als Nachfolger des verstorhenen Amsterdamer Oberrabbiners A. S. Onderwijzer der Oberrabbiner von Arnhem J. Vredenburg zum Vorsitzenden des Rats der holländischen Ober Rabbiner gewählt. Züricher Stadtrat fordert von der Kantonalregierung Verbot judenfeindlicher Kundgebungen. Zürich, 30. Dezember. Der Züricher Stadtrat hat beim Regierungsrat (d. h. bei der Kantonalregierung) die Prüfung der Frage eines Erlasses angeregt, durch den, ähnlich wie in Basel, ein besonderes Verbot judenfeindlicher Kundgebungen ausgesprochen werden soll. Dieser Schritt erfolgte im Zusammenhang mit mehreren Interpellationen über antisemitische Kundgebungen anläßlich von Theater- und Kabarett-Aufführungen in Zürich. In Beantwortung dieser Interpellation erklärte Polizeivorstand Dr. Buomb erger, der Stadtrat bedauere jene Vorfälle, die keineswegs geeignet seien, dem Ansehen der Stadt zu dienen. Er werde auch bei kommenden Gelegenheiten die durch die Umstände gebotenen Maßnahmen treffen und jeder Verwilderung der öffentlichen Stellungnahme, komme sie von welcher Seite immer, mit den ihm zu Gebote stehenden Mitteln entschieden entgegentreten. Der Polizeivorstand bemerkte, er habe ursprünglich persönlich mit der „Nationalen Front" sympathisiert, doch habe sich diese durch ihr Vorgehen diese Sympathie verscherzt. — Auf Grund des vor einiger Zeit von der Regierung des Kantons Basel herausgegebenen Erlasses gegen antisemitische Hetzpropaganda wurde die soeben erschienene Nummer der fronüstischen Zeitung „Volksbund" wegen Fortsetzung ihrer antisemitischen Hetze beschlagnahmt. Gegen den verantwortlichen Herausgeber wurde ein Strafverfahren eingeleitet. Der Vorsitzende des Faschistenkongresses von Montreux über die „Judenresolution" des Kongresses» Rom, 28. Dezember. Der Vorsitzende des vor kurzem in Montreux, abgehaltenen Kongresses verschiedener faschistischer Verbände, Abg. Eugenio C osels chi, hat dem Vertreter der ITA. in Rom über den Verlauf des Kongresses und insbesondere über das Zustandekommen der von diesem einstimmig; gefaßten sogenannten „Judenresolution" folgende Aufklärungen gegeben; Der Kongreß in Montreux hat sch in seinen Beschlüssen an die Grundsätze des italienischen. Faschismus gehalten und in seiner Resolution zur Judenfrage den Gedanken der Bekämpfung der Juden auf Grund des Rassenprinzips abgelehnt. Diese Haltung wurde als allgemeiner Grundsatz festgelegt. Andererseits aber hat der Faschistenkongreß auf Verlangen verschiedener Delegierter die Haltung bestimmter jüdischer Gruppen in manchen Ländern behandelt, die, statt sich als loyale Bürger zu bekennen, unter dem Einfluß der verschiedenen Internationalen stehen, die der Faschismus aufs heftigste bekämpft. Die Teilnehmer an den Beratungen von Montreux bekannten sich ferner zu dem Grundsatz, daß jede faschistische Organisation berechtigt ist, ihre inneren Angelegenheiten gemäß den örtlichen Bedingungen zu regeln und ihr feindliche Gruppen zu bekämpfen. Arbeit der Jerusalemer Stadtverwaltung infolge des Wahlprotests Nashashibis gehemmt. Die jüdischen Mitglieder des rieugewählten Jerusalemer Stadtrats haben dem Distriktskommissar für Jerusalem, Major Campbell, ein Memorandum zur Weiterleitung an Sir Arthur Wauchope überreicht, in dem gefordert wirdr daß der neue Stadtrat in sein Amt eingesetzt werde, ohne daß die Gerichtsentscheidung über den Wahlprotest des bisherigen Bürgermeisters Rhageb Bey Nashashibi und von zwei anderen früheren Stadträten abgewartet wird. Vor wenigen Tagen sind von den acht noch im alten Stadtrat verbliebenen Mitgliedern weitere drei zum Protest gegen die Mißwirtschaft Nashashibis ausgeschieden, so daß der Stadtrat nicht mehr beschlußfähig ist. Nach der neuen Gemeindeordnung ist zur Beschlußfähigkeit die Anwesenheit von mindestens mehr als der Hälfte der Gemeinderatsmitglieder notwendig. Somit für Jerusalem, wo die Zahl der Stadträte 12 beträgt, von mindestens sieben. Durch den Austritt von drei Stadträten ist jedoch diese Körperschaft jetzt auf fünf zusammengeschmolzen, so daß keine Sitzung einberufen werden kann, wie dies auf Grund der Gemeirideordnung mindestens einmal im Monat geschehen muß. Neue schwere Unwetterkatastrophe in Palästina. Eine plötzliche Wetterkatastrophe hat in Palästina zu Ueberschwemmurigen großen Umfangs in vielen Gebieten geführt. In Tel A w i w und den Kolonien wurden etwa 100 Häuser so schwer beschädigt, daß sie dem Einsturz nahe sind. Auch in den Pardessim der Küstenebene wurde außerordentlicher Schaden angerichtet. Viele Kolonien sind von jeder Verbindung mit der Außenwelt abgeschnitten, da Straßen- und Eisenbahndämme übeHlütet und unpassierbar .sind. Die Wasser- und' Lichtleitungen wurden vielfach in Mitleidenschaft gezogen. Nach den bisherigen Erhebungen beträgt der Schaden über 1000 Pfund.; ' """"'

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