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Der Israelit · 1935-01-03 · Heft 1 (3.1.1935) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
76 (1935)
Issue
Heft 1 (3.1.1935)
Date
1935-01-03
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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«sejfyj Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum / Begründet von Dr. Lehmann in Mainz Frankfurt a. M. 3. Januar 1935 28. Tebet 5695 Nummer 1 Die Tagungen der Deutschen „Agudas Jisroel". ^Vorläufiger Bericht.) L e i p z i g , 2. Jan. Leipzig verdankt es seiner zentralen Lage und der Gastfreundschaft seiner jüdischen Bevölkerung, daß es in den letzten Wochen mehrfach große jüdische Tagungen von besonderer Bedeutung in seinen Mauern beherbergte. In der vorigen Woche versammelte sich hier die Vereinigung traditionell-gesetzestreuer Rabbiner zu ihrer Generalversammlung (siehe Bericht Seite 5 dieser Nummer), und in den Tagen vom 29. Dezember bis 1. Januar fand eine Delegiertentagung der Agudas Jisroel-Jugend- Organisation und eine Landesversammlung der Agudas J i s r o e 1 hier statt. Delegiertentag der Jugendorganisation, j Der Delegiertentag, der aus allen Teilen des Landes sehr gut besucht war, brachte bereits am iSchabbos seinen Teilnehmern wertvolles pädagogisches Material für die Pirchim-Arbeit, darunter einen Vortrag von Herbert Sonn über „Methodik der Erez Jisroel-Arbeit". Am Sonntag referierten Erich Eisemann über, das Thema „Wie erziehenwir zumAgudism u s ", Dr. Kaiman K a h a h , der bisherige Leiter des Organisationsvorstandes über „Weltanschauliche Erziehung" und Hugo .He ine mann über „Aelt eren -Arb ei t", woran sich angeregte Aussprachen über jüdischgeistige Arbeit außerhalb des Bundes anschlössen. Der Abend war der Diskussion einer Satzungsänderung gewidmet. Hauptgegenstand der Tagesordnung, der fast •den ganzen Montag und Dienstag nebst einem großen Teil der. dazwischen liegenden Nacht in Anspruch nahm, war die Beschlußfassung über die von den Landesinstanzen der Agudas Jisroel (Rabbinischer Rat, Landesvorstand und deutscher G. A.) angeregte organisatorische Züsaumenfassung der bestehenden agudistisch orientierten Jugend hünde: Agudas Jisroel -Jugendor- .ganisation nebst Pirchimgruppen Esra und Npar Agudati. Das Hauptstück •der Auseinandersetzung bildete dabei natürlich die in der Presse früher häufig erörterte Esra- Pirche Agudas Jisroel-Frage. Das Ergebnis der Beratungen, an denen sich auch die Führer des Esra und .des Noar Agudati beteiligten, war die e i n s t i m tni g e Annahme einer Resolution, gemäß der die Vorschläge der Lan-, desinstanzen, bis auf eine im folgenden ange^e- Tjene Modifikation, akzeptiert wurden. Hiernach stellt sich das Bild der neueii Organisationsform wie folgt dar: \ ' Unter dem einheitlichen Namen „jA'g u d o - Jugend" wird eine Arbeitsgemeinschaft der vorhandenen Organisationen gebildet, die sich in •vier Säulen gliedert*. j/ 1 , 11 ' ./ 1. Agudas Jisroel-Jugendorganisation, 2. Esra, 3. Pirche Agudas Jisroel, 4. Noar Agudati. Jede Säule wählt sich ihre Leitung und ihren eigenen Bundesleiter. Die vier Bundesleiter stehen gemeinsam an der Spitze der Arbeitsgemeinschaft. Diesen ivier Leitern tritt mit beratender Stimme das von der Landesleitung der Deutschen Aguda neti zu bildende dreigliedrige Jugendressort zur Seite, damit auf diese Weise eine engere Verbindung als früher mit der Gesamt - Agudo hergestellt werde und insbesondere dem Rabbinischen Rate der gebührende Einfluß auf die Gestaltung der Erziehungsarbeit gesichert wird. Es ist zu hoffen, daß im Rahmen der neuen Or- .ganisationsform die immer noch vorhandenen Nuancenunterschiede zwischen Esra und Pirche Agudas Jisroel allmählich verschwinden und nicht nur die Aelterenarbeit und die Hachschara (Fortsetzung siehe Seite 2.) Aus dem Inhalt: Der Präsident der Reichsschrifttumskammer über die Judenfrage.......Seite 2 Züricher Kantonalrat fordert Verbot judenfeindlicher Kundgebungen . . Seite 2 Unwetterkatastrophe in Palästina . . Seite 2 Der Vorsitzende des Faschistenkongresses über die Judenresolution .... Seite 2 Das jüdische Handwerk.......Seite 3 Zehn Fragen an das Kind......Seite 4 Die deutsch-palästinensische Orangenverhandlung ..........Seite 4 Rabbinertagung in Leipzig......Seite 5 Palästinaberichte .......Seite 2 und 7 Betäubungszwang für Schlachttiere . . Seite 7 Ungarische Nachrichten.......Seite 3 Kinderecke ........Seite 9 und 10 iickblick und Ausblick, Von Studiendirektor Dr. M. Elias in Frankfurt a. M. Das bürgerliche Jahr 1934 liegt hinter uns. Wir müßten blind oder gedankenlos sein, könnten wir das neue beginnen, ohne zurückzublicken und unsere heutige Situation mit der zu vergleichen, in der wir vor Jahren uns befanden. Damals standen wir vor drei Mauern. Wir waren gewohnt gewesen, den Boden, auf dem wir standen, lebten, arbeiteten, unser zu nennen, nach dem Raum, den er in unserer Seele einnahm. Wir waren gewohnt gewesen, Stellung und Achtung, die wir im privaten und öffentlichen Leben genossen, als etwas Selbstverständliches anzusehen, mit dem der Einzelne nach Maßgabe seines Tuns und Könnens rechnete. Kurz, wir hatten den Staat und seine Einrichtungen als den Raumbefrachtet, auf dessen geschichtlichem Boden, wie unseren Mitbürgern, auch unsere Pflichten \und Rechte erwachsen waren. Das war auf ein- /mal anders geworden. Der feste Boden schien über Nacht unter den Füßen hinweggezogen worden zu sein, aus „deutschen Juden" wurden wir zu ,jNichtariern". Die Rassenverschiedenheit wurde /zu einerunüb ersteigbaren Mauer, die das Gestern vom Heute in unerreichbare Ferne wegrückte. Das war nur die Außenmauer. Innerhalb dieser Mauer aber erhob sich noch eine zweite, beengender©, dicht um unsere Familie. Zwischen Mensch und Mensch. Wir waren gewohnt gewesen, mit den Menschen unserer Umgebung (Juden wie Nichtjuden) als Menschen zu verkehren, als Menschen zu sprechen und als solche von ihnen angesprochen zu werden. Dämonisch sahen wir plötzlich am 1. April zwischen uns und ihnen eine Mauer des Mißtrauens und der Verständnislosigkeit aufgerichtet, die alle Beziehungen, die sich zwischen den Menschen eines und desselben Landes sonst anspinnen, mitten entzweischnitt. Diese zwei Mauern, die sich wie ein drohendes Gespenst an der Türe eines jüdischen Hauses erhoben, hatten zur Folge, daß bald auch eine dritte auftauchte. Die jüdische Not wurde zur persönlichen Not; die schicksalshafte Erfolglosigkeit des guten Willens und die Vergeblichkeit jeder Anstrengung, den Weg zu gehen, der nach Anlage, Neigung und Leistung gegeben schien, brachte Existenzsorgen in unzählige Häuser, die darauf gar nicht vorbereitet waren. Armut, Krankheit und Tod hatten zwar schon immer, wo sie einkehrten, das Lebensgefühl erschüttert, aber da es etwas Alltägliches, allen Menschen Bevorstehendes war, hatte man sich an sie gewöhnt. Man richtete sich ein. Was sich mit der deutschen Revolution, ganz unabhängig von ihrem politischen Sinne, enthüllte, war ein unberechenbares, abgrundtiefes, rätselhaftes Ver- (Fortsefzung auf Seite 3»V

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