Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1934)
- Date
- 1934-12-28
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Dezember 1934 Der Israelit Nr. 52 Seite 14 Reminiszenzen zum 27, Teweth, Von Rabbiner Ph. Fischer in Sarospatak. /Jim? bv p?iosa nvn ->vyni pvia Wovon ist Moses reich geworden? Von den Abfällen und Splittern der Tafeln, lautete ein tiefsinniger Ausspruch der Weisen. So haben auch kurze Reminiszenzen an große Persönlichkeiten, wenn sie auch an und für sich nicht von größerer Bedeutung sind, doch ihren Wert im Gesamtbilde dieser Großen. Daher wollen wir zum gegenwärtigen 27. Teweth, dem Jahrzeitstage des Meisters, einige solche historische Daten zusammenstellen, die der größeren Oeffentlichkeit unbekannt sind, die aber vielleicht einem künftigen Biographen doch irgendeine willkommene Andeutung darbieten. R. Zwi Hirsch Chajesz und S. R. Hirsch. Einer der hervorragendsten Talmudgelehrten unter den Zeitgenossen S. R. Hirschs war der hochberühmte und gefeierte Oberrabbiner in Zolkiev (Galizien), später in Kaiisch, R. Zwi Hirsch Chajesz, Vfr. des D'X'ajn min mo und anderer hochbedeutsamer Werke. Er war nicht nur einer der größten Meister seiner Zeit auf dem Gebiete der eigentlichen rabbinischen Wissenschaft, sondern auch die Modernen huldigten und huldigen seiner großen Gelehrsamkeit auf allen Gebieten jüdischen Wissens in uneingeschränkter Weise. (S. z. B. Dr. A. Schmiedel, Studien über jüdische Religionsphilosophie usw. S. 212. — Im -Ozar Jisrael, VI s. v. Chajesz, wird wiederum festgestellt, daß Weiß und all die anderen neueren Geschichtsforscher aus den Schriften von Chajesz geschöpft haben). Nun, dieser R. Zwi Hirsch Chajesz gab in den Sturm- und Drangjahren der deutschen Reform unter dem Titel: niKap nma naxa eine die deutschen jüdischen Reformbewegungen betreffende Schrift heraus, worin S. R. Hirschs zweimal in besonders ehrenden Formen Erwähnung getan wird. S. 19 lautet es: ■)?k nai toanp ^ns: nsoa 'iai um -rnna Vnan amb vpjh ]si ia ]m '-i K'»avj dtiob naxp ni ja nvbi aiü nv Tnn? uns? \>~ia ami "iäi flv?a bv »j» aiu Di'a twvnaais^ m 'aö> bz& X'DX .'i3i pipi bv runl Dieses Zitat ist aus der Schrift: 'Vnsa 'Vi/idj Erste Mitteilungen, 2. Ausg., S. 17, Besonders bemerkenswert aber ist das Zitat auf S. 73. Im Jahre 1845 veröffentlichte nämlich R. Zwi Hirsch Lehren in Amsterdam u. d. T. mMpn nim, eine Gutachtensammlung gegen die Reformbeschlüsse der berüchtigten Braunschweiger Rabbinersynode i. J. 1844, In dieser Sammlung befinden sich die Verdikte der größten rabbinischen Kapazitäten der damaligen Zeit, darunter auch ein ausführliches Gutachten des damaligen Landesrabbiner zu Emden, S, R, Hirsch (dieses G, A, wurde vor einigen Jahren als Extrabeilage zum „Israelit" aufs neue abgedruckt). Nun wird an erwähnter Stelle diese G. A.-Sammlung von R, Hirsch Chajesz zitiert, aber nur das klassische G, A, unseres Meisters wird namhaft gemacht: -rat* sn'n T'iina?nan am nsa iroVna ]pwf-ny anaa ds? kxbji ■ni'iani anao^p'3 pyi vax nsni pyi Nach dem Abgange von S. R. Hirsch in Mähren. In mancher Beziehung sehr lehrreich ist ein in ansio niUK (Wien-Budapest) veröffentlichtes Schreiben des R, Simon Schreiber, Rabbiner in Mättersdorf, später Oberrabbiner in Krakau und Reichsratsabgeordneter in Wien, an Hirsch Kollisch in N i k o 1 s b u r g. Dieser H. Kollisch war Vorsteher der Gemeinde in Nikolsburg und er war es, der zuerst die Aufmerksamkeit der mährischen Judenheit auf den Emdener Landrabbiner Hirsch lenkte, um ihn zum Landesoberrabbiner von Mähren zu berufen. Kollischer wahrte Hirsch gegenüber die Treue bis ans Ende und wollte sogar nach Dr. D. Feuchtwang, Oberrabbiner in Wien (S. R. Hirsch Jubiläumsnummer des J(I*raelit, S. 25) für jedes der fünf Kinder Hirschs zehntausend Gulden anlegen, um für deren Zukunft zu sorgen, wenn Hirsch seine Stelle in Mähren nicht verlasse. Im Jahre 5614, also knapp zwei Jahre nach der Uebersiedlung Hirschs nach Frankfurt a. M., richtet nun R. Simeon Schreiber eben erwähnten Brief (Igroth Szofrim IX, S. 19) an diesen Kollisch, woraus ersichtlich ist, daß Kollisch nunmehr ihm die Uebernahme des Rabbinates in Nikolsburg angetragen hat. Dort handelt es sich bloß um das Lokalrabbinat in Nikolsburg, nicht aber um Uebernahme des mährischen Landesrabbinates, da das mährische Landesrabbinat nunmehr nicht mehr mit dem Ni- . kolsburger Lokalrabbinate verbunden sein sollte. R. Simeon Schreiber scheint aber zwischen Annahme oder Zurückweisung des Antrages zu schwanken. Allenfalls ist aus dem Schreiben ersichtlich, wie derselbe Hirsch Kollisch, der alles aufgeboten hatte, um in S. R, Hirsch einen zugleich klassisch gebildeten und allerstrengst gesetzestreuen Mann in das Nikols- Wger Rabbinat zu bringen und darin zu halten, nach dem Abgange Hirschs, an dem gewiß auch die Nörgeleien der dem Landrabbiner untergeordneten reformfreundlichen Rabbiner in Mähren, wie z, B. Fasse! in Proßwitz, Dr. Schmiedel usw. einerseits, und ein gewisses Mißtrauen von so manchem Rabbiner aus der alten Schule (S. das Zitat aus nax n"W n*3 ">o 3"n es in der Jubiläumsnummer des „Israelit", S. 11) andererseits, die Schuld trugen, bestrebt war, es mit einem Rabbiner aus der alten Schule, wie es R. Simson Schreiber war, zu versuchen. Doch soll hier nicht unerwähnt bleiben, daß da in Mähren sich die Kunde verbreitete, daß der „Landraw" seine Stelle niederlegen wolle, sämtliche Rabbiner Mährens, mit dem bis dahin schärfsten Opponenten des Landraws, nämlich dem scharfsinnigsten Talmudgelehrten Mährens, R. Salomo Quettscht, Rabbiner zu Leipnik an der Spitze, bei Hrisch erschienen waren und ihn unter Tränen baten, daß er Mähren nicht verlassen solle. Damals ahnten sie alle schon, daß nach dem Weggang Hirschs sich das Wort bewähren werde: Nach ihm die Flut! Wie dies auch Dr. D, Feuchtwang in seinem früher erwähnten Jubiläumsartikel konstatiert (vgl. auch Rede zum Gedächtnis usw. S. R. Hirsch usw. Von Dr. S. Breuer, Raab, 1889, S. 13). Auch soll S. R. Hirsch — wie ich dies noch vor ca. 37 Jahren in Preßburg hörte — nach dem Erscheinen sämtlicher mährischer Rabbiner bei ihm, mit dem gefeierten Gaon R. Salomo Quettscht an der Spitze, sich wie folgt geäußert haben: „Hätte ich im vorhinein gewußt, daß auch der L e i p n i - ker Raw mich unter Tränen beten werde, meine hiesige Stelle nicht niederzulegen, so hätte ich mein Wort in Frankfurt a. M, nicht gegeben. Jetzt aber ist es schon zu spät." Maskilim über Hirsch, einwilligte. Hiergegen reichten aber die Konservativen einen Protest beim Kultusministerium ein und legten auch ein für diesen Zweck eingeholtes Gutachten von Rabbiner Hirsch in Frankfurt a, M. bei, das sich gegen die kleinste Aenderüng im G'ttesdienst als religionsgesetzlich unzulässig ausspricht. Das Memorandum liege zur Zeit im Berliner Kultusministerium und man sei auf die Entscheidung gespannt. So weit jener Bericht. Vor einigen Jahren hatte ich jenen Bericht im Original dem seit damals leider verstorbenen Rabbiner Dr, R, Breuer b"W in Aschaffenburg eingesandt. Doch konnte auch er mir. keinen näheren Aufschluß über jenes Memorandum geben. Im schriftlichen Nachlasse des Meisters befinde sich keine Kopie oder Andeutung davon. Man müßte im Archive des Kultusministeriums danach recherchieren, oder evtl. im Archiv der Jüdischen Gemeinde zu Berlin. Es sei bemerk*., daß auch das Gutachten des seligen Dr. M. Sachs gegen die Einführung der Orgel in die Berliner Synagoge erst vier Jahrzehnte später durch Dr. A. Berliner dem Staube des Berliner Gemeindearchivs entrissen und publiziert werden konnte (S. A. Berliner, Zur Lehr und zur Wehr, S. 12 u. f.). Folgende zwei Daten scheinen von ganz geringfügiger Bedeutung zu sein, und doch sind sie bei besserem Zusehen sehr charakteristisch für das Verhalten gewisser Kreise seit jeher gegenüber S. R. Hirsch. In dem Jahrbuche sj'osn vom Jahre 5646, herausgegeben von Nachum Sokolow, befindet sich ie der literarischen Revue über das Jahr 5643/44 auf S. 65, folgende Notiz: 'x pbn -\isb K'xin »"Jj? mwpjjnsa bmw mvb an pimn .a -rm ."»"jy tnispamsa Vkib" my bv d'bvi '"tan ü-iispjxm •>3a"i.. naoa ma?n oyn psiw,»xya j/h« 'd hk? x>xin s>nn Tjra »a & n a i n ■"nwisrpya mbbsvv jy^ipxao ix uix Mtttjro» bis Dies ist die ganze Anzeige über die glänzende polemische Schrift des Meisters: „Die Beziehungen des Talmud zum Judentum und zu der sozialen Stellung seiner Bekenner.", Diese Schrift wurde nach authentischer Mitteilung in der Jubiläumsnummer dieses Blattes, S. 32 u. f. „S. R. Hirsch und das jüdische Rußland", auf Veranlassung eines dem russischen Hofe nahestehenden deutschen Prinzen verfaßt und kam in die Hände des damaligen russischen Kaisers, der sich bei dem Prinzen dafür bedankte. Diese Schrift soll viel dazu beigetragen haben, daß der damalige judenfeindliche Ministerpräses Ignatiew gestürzt wurde. Was die Bedeutung der Schrift betrifft, so genügt es, darauf hinzuweisen, daß, als Jahre später auf einer Generalversammlung des Deutsch-Israelitischsn Gemeindebundes in Berlin der Wunsch ausgesprochen wurde, zur Verteidigung der Sittenlehre und Ethik des Talmuds gegenüber den Angriffen der Antisemiten eine entsprechende Schrift zu veranlassen, der Präses jener Versammlung, Prof. Lazarus, der gewiß nicht zu den Anhängern und Verehrern Hirschs zählte, erklärte, eine neue Verteidigungsschrift sei ganz überflüssig, da die Rabbiner Hirschs aufs glänzendste ihrem Zwecke genüge. Und da kommt nun N. Sokolow an erwähnter Stelle und berichtet bloß, daß 'JP.T am. der „zweite Rabbiner in jener Stadt" eine Schrift über den Talmud herausgegeben habe. Ja, nicht einmal der Name des Autors wird erwähnt! Vielleicht hundert größere und kleinere literarische Neuerscheinungen werden in jener Revue erwähnt und einzig und allein bei dieser Schrift Hirschs fehlt die Namensangabe des Autors! Ja, der zukünftige Zionistenführer Sokolow hatte schon damals eine ausgezeichnete Spürnase! . . . In der Zeitschrift ^nafsn, herausgegeben von Dr. E. Günzig 1899, S, 27, heißt es in einem Aufsatze von Dr. S. Rubin unter der Ueberschrift: owni O'sru: (Die in Klammern beigefügten Worte sind von uns, denn der Autor bediente sich nur der Anfangsbuchstaben oder Andeutungen). (prn) 'asn nxn mipn rp-un .(opai?K3'b bw am) rann urvnnai nsn n« OpVnyaa) "iaa spvi nvnb aw'/Opsa ünspiiriBa) a-sa .i>8"it!»a i3p ib nn inbsb ima 'mxa (n"m?sn?8iap "i) Zu Deutsch: „In unserem Zeitalter hat J. Michael Sachs, der früher von Hirsch aus Frankfurt a, M. verfolgt wurde, in Berlin Samuel Holdheim, nach dessen Tode verfolgt, indem er ihm kein Grab in Israel geben wollte." Der letzte Teil dieses Satzes bezieht sich wohl auf die allgemein bekannte Tatsache, daß M. Sachs?"ST» als die Berliner Gemeinde dem Radikalreformer Dr. Holdheim nach dessen Sterben ein Ehrengrab auf dem Rabbinerplatz im dortigen 'alten jüdischen Friedhof anwies, seine Stelle niederlegen wollte. Worauf bezieht sich aber die erste Satzhälfte? Wo und wann „verfolgte" S. R. Hirsch Michael Sachs? Hierauf werden die Wenigsten eine Antwort wissen? Nun aber befindet sich in der „Allgemeinen Jüdischen Zeitung" von Philippsohn, in einem der sechziger Jahrgänge des vorigen Jahrhunderts (die betreffende Nummer liegt mir momentan nicht vor) ein Bericht aus Berlin, der diesen Punkt behandelt. Dort wird nämlich berichtet, daß der selige Michael Sachs dem Drängen des Vorstandes der damals noch „einheitlichen" Gemeinde in Berlin nachgebend, in die Verkürzung der Pijutim Gute Worte, Der Frankfurter Baron Wilhelm v. Rothschild weilte einmal um die Zeit der „Trauerwochen" auf einem Kurplätze. Ein dort gerade anwesender bekannter Rabbiner aus dem Osten bemerkte, daß der Bart des Barons nicht wie sonst gepflegt war und er glaubte ihn darüber belehren zu müssen, daß ein Mann seiner Art, der iroi>»? anp ist (Königen nahesteht), es mit dem Verbote des Bartscherens in den „drei Wochen" nicht so genau nehmen müsse. „Ich rrabnb anp?» gab der Baron zurück. „Das ni3?a ist mir anp, die Könige suchen meine Nähe und nehmen mir das Geld ab auch bei ungepflegtem Barte," Warum heißt es im Tischgebete ,t? k? uanxn Vri öil l»a nana und nicht einfach ms? Gemeint ist, G'tt möge unser Schicksal so gestalten, daß wir auch von denen unabhängig bleiben, die Fleisch von unserem Fleische und Blut von unserem Blute (an "ltfa) sind. Ungenießbar ist das Ei, in dem sich e i n Tröpfchen Blut befindet. Und -das Gut, an dem das Blut deines Bruders haftet? BMI 1*ik Hb lautet eine kalendarische Regel (Auf Sonntag, Mittwoch und Freitag kann Roschhaschono nicht fallen). Ein bekanntes Witzwort sagt: „Wo du mit den Menschen auf „Du und Du" stehst, (rix) kannst du nicht als Oberhaupt (pm) wirken. Vom ostjüdischen Humor. „Nun habe ichs satt," beschließt Mosche, „ich kann meine Daagaus nicht mehr tragen, ich stelle mir einen Daagaus-Träger an." „Und womit willst du ihn bezahlen?" „Das soll eben seine erste Daago sein." * „Du solltest es machen wie ich," rät Boruch seinem Freunde Sorach, „solltest deine Sorgen im Weine ertränken." „Nützt nichts," meint Sorach, „meine Sorgen können schwimmen." * Auf der „Polonja", die von Constanza nach Palästina dampft, großer Alarm um die Mitternacht. Sturm auf See, alle Mann an Bord. Es bricht eine Panik aus. Nur ein junger Mann pendelt in aller Gemütsruhe heran. „Sehen Sie, Herr Kapitän, Hauptsache ist Ruhe und Fassung. Ich erhob mich beim Glockenklang, wusch und frisierte mich, band mir ordentlich die Kravatte und kam ruhig herauf. Nur nicht den Kopf verlieren in der Gefahr," .„So ist es," bestätigt der Kapitän, „nur hätten Sie nicht vergessen dürfen, die Schuhe anzuziehen." * Ein wegen seiner scharfen Feder und Zunge rühmlich bekannter bundistischer Journalist begegnet in Warschau einem alten Juden, der mit Talithbeutel unter dem Arm daherkommt, „Nun Onkel," spottet der Zeitungsmann, „im Besharnidrasch gebrütet? „Ich komme von der Hunde ausstellun g," „Da habt Ihr . sicherlich einen Preis erhalten," meint der Alte. * In der Warschauer Kehilaverwaltung ruft ein Ratmann seinem Kollegen zu: „Eselskopf!" Der so Bezeichnete ist wütend, „Herr Präses, Sie haben es gehört und werden es vor Gericht bestätigen," „Bin gern bereit, vor Gericht die Behauptung des Ratmann B, zu bestätigen," verspricht der Präsident höflich.