Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 52 (28.12.1934)
- Date
- 1934-12-28
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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28. Dezember 1934 Der Israelit Nr. 52 Seite 9 landwirtschaftliche Terrai n s veröffentlicht. Das schon vor längerer* Zeit angekündigte Gesetz enthält 41 Paragraphen, die im Amtsblatt 19 Seiten umfassen. Dru Grund und Boden wird in 16 Kategorien eingeteilt. Die meisten Kategorien sind noch für Steuerzwecke in Unterabteilungen gegliedert; gewisse Kategorien, wie Wälder und unbebauter Boden, bleiben steuerfrei, für die übrigen Bodenarten ist je nach ihrer Güte die Steuer gestaffelt; die höchste Steuer, nämlich 825 Müs pro Dunam, ist für Zitrusböden vorgesehen, jedochmit Ausnahme derjenigen im Unterdistrikt Akko, wo die Steuer pro Dunam bloß 410 Müs betragen soll. Die Verordnung enthält ferner Bestimmungen über die Einsetzung amtlicher Steuereinschätzer, über das Einspruchsverfahren gegen die Steuerbemessung und die Aufteilung der Steuer unter die Eigentümer einer bestimmten Bodenkategorie. Ferner sind Bestimmungen für die Besteuerung von Industriegebäuden in ländlichen Gebieten vorgesehen. Im allgemeinen verfolgt das neue Gesetz, die Tendenz, höher entwickelte Terrains stärker zu besteuern. Pioniersiedlern werden für die ersten Jahre ihrer Niederlassung keinerlei Vergünstigungen gewährt. Auch wird in steuerlicher Hinsicht kein Unterschied zwischen Eigentümern und Inhabern einer langfristigen Pacht gemacht. Personalien. Vermischtes- Berlin, 15. Dez. Im Einvernehmen mit anderen kulturellen jüdischen Organisationen veranstaltet der Centraiverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. eine Büchersammlung, durch welche wertvolle Bücher insbesondere jüdischer Autoren und jüdischen Inhalts aus Privatbesitz gesammelt und den jüdischen Menschen in den Kleingemeinden zur Verfügung gestellt werden sollen. In Anbetracht der' Bedeutung dieser Sammlung werden alle Gemeindemitglieder gebeten, sich zu beteiligen. Die Helfer des Centraivereins sind jederzeit bereit, die Büchel" abzuholen. Nähere Auskunft erteilt die Geschäftsstelle der Ortsgruppe Frankfurt a. M. des Centraivereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Steinweg 9, Zimmer 22. Tel.: 25 403. Berlin, 14. Dez. Zu einer stimmungsvollen Chanukahfeier luden die Kleinen des ersten Schuljahres ,;der Adaß Jisroel-Schule ihre Eltern ein. Der Klassenraum war festlich geschmückt. Eine Ausstellung zeigte lustige Zeichnungen und Schilder, die von den Kindern während des ersten Semesters angefertigt worden waren. Erstaunlich waren die Leistungen der kleinen Schulanfänger, besonders im Hebräischen. In deutschen und hebräischen Liedern, Gedichten und Tanzspielen legten die kleinen Künstler Erstlingsproben ihres Könnens ab. Besonders gefiel eine Kinderspielszene in hebräischer Sprache. Den Abschluß der Feier bildete eine Verlosung, bei der jedes Kind ein nettes Geschenk gewann. — Die wohlgelungene Veranstaltung ließ deutlich die Lust und Liebe erkennen, mit der die Klassenlehrerin ihre Kleinen betreut. Die Eltern nahmen alle Leistungen mit großem Beifall auf. rakterisierte. Jede Rede war ein Bekenntnis zu der Genialität dieser Persönlichkeit, die Jedem, der mit ihr in Berührung kam, ein Erlebnis bedeutete. Als Erster sprach für das Kuratorium Herr Dr. Hirsch, der in sinniger Weise zum Ausdruck brachte, wieso und wie sehr Dr. Auerbach im Kreise der Kuratoren gewirkt hat. Er überreichte ihm zum Zeichen der Dankbarkeit einen silbernen Becher. Für das Dozentenkollegium sprach Herr Dr. S. Grünberg, der in herzlichen Worten auf die Innigkeit des kollegialen Verhältnisses hinwies die alle Dozenten in jahrelanger Arbeit verbunden hat. Zum Freunde, der ihm oftmals ein Lehrer gewesen, bekannte sich eindringlich Dozent Dr. J. Weinberg, der darauf hinwies, wie der Scheidende ein Teil seines Ichs bedeute, mit dem er unlöslich verbunden sei. Für die ehemaligen Schüler sprach Herr Rabbiner Broch. Er umriß in prägnanten Worten die hohe Aufgabe, die Dr. Auerbach in Erez Israel harrt. Für die Hörerschaft dankte Dr. K a p u s t i n. Er brachte so recht eigentlich zum Ausdruck, was Dr. Auerbach als Lehrer für alle geleistet hat. Er, wie auch sein Vorredner, gedachte besonders Frau Dr. Auerbach, der treuen Mitarbeiterin am Werke ihres Mannes. Zuletzt drückte der Scheidende selbst in bewegten Worten seinen innigen Dank aus an all die, die ihm mit Liebe und Vertrauen entgegengekommen waren. Er gedachte derer, die ihn in seinem Leben gefördert haben, seiner Lehrer, Kollegen und Schüler. Ein echter Träger Hildesheimer'schen Geistesgutes wies er auf seine unlösliche Verbundenheit mit den in Deutschland gewachsenen jüdischen Kulturwerten hin, die auch in Erez Israel entscheidend am Aufbau mithelfen könnten. Unendlich schwer falle es ihm, von all dem nun Abschied zu nehmen. Aber nur räumlich sei die Trennung und nie werde das geistige Band r.erreißen, das ihn mit hier verbinde. Möge es ihm vergönnt sein, in seinem neuen Wirkungskreis wertvolle Bausteine zur Gestaltung des jüdischen Volkes herbeitragen zu dürfen. Berlin, 17. Dez. Ein in einem städtischen Krankenhaus bis Ende März 1933 tätiger jüdischer Arzt hatte mit Klage seine fristlose Entlassung angefochten und einen Gehaltsanspruch für drei Monate, für die Zeit vom 21. März 1933 bis 30. Juni 1933, geltend gemacht. Die beklagte Stadtgemeinde behauptete demgegenüber, sie habe den Kläger aus wichtigem Grunde entlassen müssen. Die Station, auf der der Kläger arbeitete, habe plötzlich, obwohl ihr Umbau schon längere Zeit geplant gewesen sei, wegen Infektionsgefahr geschlossen werden müssen. Sie habe den Kläger auf anderen Stationen nicht unterbringen können. Außerdem aber habe in jenen Tagen unter den Insassen des Krankenhuases und ganz besonders unter der Bevölkerung des betreffenden Verwaltungsbezirks eine starke Erregung über die Anhäufung jüdischer Aerzte im Gesundheitswesen geherrscht. Der Kläger sei am Tage seiner Entlassung von der SA aus dem Krankenhause entfernt worden. Unter diesen Umständen habe die Beklagte die Verantwortung für eine Weiterbeschäftigung des Klägers nicht übernehmen können. Auch darin habe ein wichtiger Grund zu seiner fristlosen Entlassung gelegen. Das Arbeitsgericht Berlin hat durch Urteil vom 7. Dezember — 5 AC 564/34 — die Stadtgemeinde zur Zahlung des geforderten Gehalts verurteilt. In den Entscheidungsgründen heißt es, daß nach der geltenden Rechtsanschauung die Verantwortung für die Störung im Betriebe immer diejenige Partei trage, aus deren Sphäre die Störung kommt, und der eine Beseitigung der Störung zugemutet werden kann. Berlin, 26. Dez. Die Frauengruppe der Agudas Jisroel Berlin teilt mit, daß der nächste pädagogische Diskussionsabend am Mittwoch, den 9. Januar 1935, abends 8 Uhr, im Siegmundshof 11 stattfindet. Thema: Das jüdische Sprachproblem. Hauptreferent: Dr. Willy Halberstadt. Halberstadt, 4. Dez. Die General-Versammlung der hiesigen Ortsgruppe der Agudas Jisroel fand in der Aula der jüdischen Schule am 12, November ds. Js. statt. Der Vorsitzende, Herr Dr. Schlesinger, erstattete den Bericht über die Tätigkeit der Ortsgruppe in den Jahren 5693 und 5694. Die Zahl der Mitglieder ist annähernd die gleiche geblieben. Im letzten Jahre ist durch den Wegzug bezw. die Auswanderung mehrerer Mitglieder eine kleine Verminderung eingetreten. Im Laufe der Berichtszeit wurden in den Wintermonaten folgende Vorträge gehalten: im Jahre 5693: 1. Herr Wolf S. Jacobson, jetzt Kopenhagen, über: Das agudistische Weltbild der Gegenwart. 2. Herr Dr. Harry Abt, Berlin, über: Kastein, eine jüdische Geschichte. 3. Herr Dr. Frankl, Halberstadt, über: Die Vierländer-Synode. 4. Herr Dr. B, Cohen, Friedrichstadt, über: Die heutigen jüdischen Nöte in psychologischem Lichte. Im Jahre 5649: 1. Herr Rabbiner H. Auerbach, Halberstadt, über: „Ist das jüdische Volk eine Nation zu nennen?" 2. Herr Wolf S. Jacobson, Kopenhagen, über: Die Großen, die von uns gegangen. 3. Herr Dr. Moses Auerbach, Berlin, über: Reise-Eindrücke aus Palästina. 4. Herr Dr. Isaac Breuer, Frankfurt, über: „Erez Jisroel" und „Agudas Jisroel". Der Vor¬ Berlin, 14. Dez. Am 25. Dezember beging in selten guter Gesundheit und Geistesfrische Frau Henriette N e 1 a b geb. Muskat, beliebte Insassin des \1~ tersheimes Berlin, Lietzmannstr., ihren 8 0. Geburtstag. Wir wünschen der frommen Greisin einen schönen Lebensabend. W'jnny Groß-Zimmern, 20. Dez. Am Schabbos kiki nens vollendet Herr Lehrer Maier S p i e r sein 70. Lebensjahr und wird er diesen Tag n"'« bei bester Gesundheit und Frische im Kreise seiner Gemeinde begehen, in welcher er schon über ein halbes Jahrhundert seines Amtes als Lehrer und Kantor waltet. Wir wünschen dem um die nn»K verdienten Lehrer weiter gesegnete Tatkraft. vyyav Buttenwiesen, 21. Dez. Im 71. Lebensjahre verstarb völlig unerwartet Isak Schloß, 15 Jahre war er Mitglied der Kultusverwaltung, 9 Jahre leitete er als Vorstand die Geschicke der Gemeinde (1909— 1918). Jahrzehntelang war er Kassier des Chewroh Gemilus Chesed und Dowor tauv. Auch ist er Mitbegründer des hiesigen Veteranenvereins. Herr Lehrer LewkowitZ rühmte am Grabe sein mutiges Eintreten für die Belange des thoratreuen Judentums, sein G'ttvertrauen und tiefe Religiosität nach ~~ rraxjn Abterode, 22. Dez. Am 25. Tebet, dem 31, Dezember, können bei seltener geistiger und körperlicher Frische Herr Heß M. Oppenheim und Frau das Fest der Goldenen Hochzeit feiern. Der Jubilar übt seit ungefähr 50 Jähren ehrenamtlich das Amt des Vorbeters an den d~v und aus und viele, die diese Zeilen lesen, werden sich erinnern, mit welcher Andacht Herr Oppenheim die Gebete zu verrichten versteht. Auch andere Ehrenposten innerhalb der jüdischen und früher auch in der politischen Gemeinde sind dem Jubilar seit Jahrzehnten übertragen. — Möge es dem Jubelpaar vergönnt sein, noch viele Jahre zu wirken. vvmv Londoin, 19. Dez. Am 19. Dezember fand in London die Beerdigung des im 60. Lebensjahr verstorbenen Honorarprofessors für indo-iranische Philologie an der Universität Oxford, Dr. Isidor Scheftelo- WitZ, statt. Der Verstorbene hatte sich frühzeitig als Gelehrter in jüdischen und nichtjüdischen Kreisen einen großen Ruf erworben, Im Jahre 1908 ging er als Religionslehrer an die Synagogengemeinde in Köln, nachdem er eine Berufung an die Universität Königsberg abgelehnt hatte, weil sie an die Bedingung seines Austritts aus dem Judentum geknüpft war. Bald darauf wurde er zum Rabbiner der konservativen Synagoge in Köln-Ehrenfeld gewählt. An der Universität Bonn hielt er wiederholt Gastvorlesungen. Im Frühjahr 1919 wurde er als H Onorarprofessor auf den Lehrstuhl für indo-iranische Philologie und Sanskrit an die Universität Köln berufen. Seine Hochschullehrertätigkeit nahm ihn schließlich so stark in Anspruch, daß er sich" seit 1926 ausschließlich seinen wissenschaftlichen Studien widmete. Im Sommer 1933 erhielt er einen Ruf an die Universität Oxford, Durch seine wissenschaftlichen Veröffentlichungen ist Prof. Scheftelowitz in weiten Kreisen bekannt geworden, Briefkasten« B. M. in K. 11. Februar 1911 entspricht dem jüdischen Datum 13. Schewat 5671 und fiel auf Samstag. Berlin, 14. Dez. Die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden weist darauf hin, daß für die Aufnahme von erholungsbedürftigen und tuberkulosegefährdeten Kindern und Jugendlichen u. a. auch die besonders gut ausgestatteten unter ständiger fachärztlicher Aufsicht stehenden Heime: Friedrich Luisen-Hospiz in Bad Dürr heim (bad. Schwarzwald) und Heim des Jüdischen Frauenbundes in Wyk a. Föhr (Geschäftsstelle; Berlm-Charlottenburg 2, Kantstr. 158) in Frage kommen. — Während in Wyk als besonderer Heilfaktor das Nordseeklima hervorzuheben ist, ist D ü r rheim durch das voralpinische Klima (es liegt über 700 m hoch) besonders begünstigt und hat die Möglichkeit der Verabreichung von Solbädern im Hause. Für die Aufnahme in beiden Heimen kommen in Frage Kinder und Jugendliche mit Skrofulöse, Rachitis, Erkrankung der Atmungsorgane, Rheumatismus, Schwartenbildung und Knochentuberkulose. Ausgeschlossen von der Aufnahme sind aktive Hilusdrüsen, Lungen- und Darmtuberkulose, sowie Infektionskrankheiten aller Art. Das Heim in" Dürrheim nimmt Jungen und Mädchen im Alter von 3—16 Jahren s.owie weibliche Jugendliche bis zum 25. Lebensjahre auf; das Heim in Wyk a. F. Mädchen von 4—18 Jahren und Jungen von 4—14 Jahren. — Besonders weist die Zentralwohlfahrtsstelle darauf hin, daß Winterkuren durchaus zu empfehlen sind und daß daher eine Verschickung um diese Jahreszeit in die ganzjährig geöffneten Heime angeraten werden kann, Um SO mehr, als die Unterbringung im Winter infolge des Entgegenkommens der beiden Heime zu einem mäßigen Preise ermöglicht werden kann. Berlin, 20. Dez. Ein Erlaß des Preußischen Staatskommissars für die Regelung der Wohlfahrtspflege vom 22. März 1934 (IV W. 6105/12. 3) und ein Becsheid des Reichsschatzmeisters der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei vom 3. November 1934 hatten klargestellt, daß Sammlungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft nicht als öffentliche anzusehen sind. Nach einem Bescheid des Reichs¬ und Preußischen Minister des Innern vom 6. Dezember 1934 (VW 6105/13. 11) hat sich die Rechtslage durch das neue Sammlungsgesetz vom 5. November 1934 (RGBl. I. S. 1085 — s. Informationsblätter Nr. 7/8 S. 98) nicht geändert. Danach sind Sammlungen innerhalb der jüdischen Gemeinschaft nicht öffentliche und folglich nicht genehmigungspflichtig. Es empfiehlt sich aber, mit Rücksicht auf die große Bedeutung des Winterhilfswerks während seiner Dauer von allen Werbungen in der jüdischen Presse und durch eigens dazu veranstaltete Versammlungen Abstand zu nehmen und im übrigen den Anklang an die Sammlungen des Winterhilfswerks zu vermeiden. Berlin, 17. Dez. Einen würdigen und erhebenden Abschluß der Abschiedsfeiern anläßlich der Uebersiedlung des Dozenten, Herrn Rabb, Dr. Moses Auerbach, nach dem Heiligen Lande bildete die Feier des Rabbinerseminars, dem der Scheidende 12 Jahre seiner besten Arbeitskraft geschenkt hat. Was er in diesen Jahren als Lehrer, als politischer Führer und als Mensch geleistet und geschaffen hat, fand noch einmal seinen lebendigsten Ausdruck in den Reden des Abends, Aber es war nicht bloß der Gehalt der einzelnen Worte, es war vielmehr ihre Wärme und die persönliche Verbundenheit jedes Einzelnen mit dem Menschen Dr, Auerbach, die die Feier cham&^&7*?*;K..