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Der Israelit · 1934-12-28 · Heft 52 (28.12.1934) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 52 (28.12.1934)
Date
1934-12-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 Nr. 52 Der Israelit 28. Dezember 1934 durch die französisch© Verwaltung und den Oberkommissar für ihre Anpassung an die Landessitten und das obligatorische Studium der arabischen und der französischen Sprache ausgearbeitet. Ferner hat das Komitee die Assanierung des Amouk-Tales und die Gründung einer Gesellschaft zum Studium der französisch-syrischen Beziehungen moralisch gefördert. Diese Gesellschaft bezweckt die verstärkte Entwicklung der französischen Industrie in den brachliegenden Gebieten Syriens unter Kooperation mit syrischen und französischen Persönlichkeiten. Noch im April d. J. war der französische Oberkommissar von Syrien, Graf de Martel, der Ansicht, daß die Zulassung jüdischer Einwanderung nach Syrien und Libanon, gleichgültig welchen Umfangs diese Einwanderung sein solle, nicht in Frage kommen könne. Das weitere Studium des Problems und fortgesetzte Verhandlungen, die insbesondere auf die Tätigkeit Senator Godarts, Baron Alfred Gunzbourgs und des Generalsekretärs Boris Gourevitsch zurückzuführen sind, bewogen den Quay d'Orsay, den Oberkommissar und eine Reihe syrischer und libanesischer Notabein zu einer Aenderung ihrer Stellungnahme in dieser Frage. Während eines Aufenthalts in Paris im September erklärte der französische Oberkommissar für Syrien, Graf de Martel, in einem Gespräch mit Senator Justin Godart, er stimme im Prinzip der Zulassung von 10.000 jüdischen Einwanderern zu. Am 30. Oktober überreichte das Komitee zur Verteidigung der jüdischen Rechte in Mittel- und Osteuropa dem Außenminister Laval ein offizielles Gesuch um Zulassung jüdischer Einwanderung nach Syrien und Libanon. Am 19. November wurde Senator Godart durch ein in freundschaftlichem Geist gehaltenes Schreiben, das im Namen des Außenministers Laval vom Generalsekretär des Außenministeriums Alexis Leger unterzeichnet war, verständigt, daß das Gesuch des Komitees dem Oberkommissar zur Aeußerung über die Durchführbarkeit des Planes übersandt worden sei. In den letzten Tagen ist nun Dank der entgegenkommenden Haltung der französischen Behörden die Lösung dieses Problesm der Möglichkeit seiner Verwirklichung in bestimmten Formen nahegebracht worden. Die Frage der Entwässerung des Amuk-Tales und des Antiochia-Sees beschäftigt weiterhin das Komitee. .Es liegt ein Plan des Ingenieurs Josef Löwy vor, nach dem der Abfluß der Gewässer des Antiochiasees und die Entsumpfung des Gebietes durch einen durch das Beilan-Gebirge hindurchgehenden Abzugskanal, der ins Mittelländische Meer münden soll, möglich gemacht wird, Die Verwirklichung dieses Planes würde neben der Drainierung von 300.000 Hektar die Möglichkeit der Gewinnung großer Mengen elektrischer Energie, die evtl. ebenfalls bei dem jüdischen Kolonisationswerk verwendet werden könnte, mit sich bringen. Ausgearbeitet wurden ferner Pläne zur Errichtung kleiner Musterwirtschaften, die die Selbstversorgung der Siedler sicherstellen, sie vom örtlichen Markt weitgehend und vom Weltmarkt vollkommen unabhängig machen sollen. In den mit diesen Plänen beschäftigten Kreisen ist man überzeugt, daß mit der jüdischen Einwanderung nach Syrien und Libanon eine Annäherung zwischen Juden und Arabern verbunden sein "wird, deren Auswirkungen sich über die Grenzen der syrischen Staaten hinaus erstrecken dürften. Die Verschiedenartigkeit der Bewohner der vier syrischen Staaten und des autonomen Sandschaks von Alexandrette, in dem es etwa, ein Dutzend Kirchen verschiedener Glaubensbekenntnisse gibt, werde die Anpassung der jüdischen Kolonisten an die örtlichen Verhältnisse erleichtern und lasse erwarten, daß die extremistischen Führer, die Unfrieden zwischen den syrischen und libanesischen Arbeitern einerseits und den jüdischen Einwanderern andererseits stiften wollen, keinen Erfolg mit ihren Bemühungen haben werden. "is *m £m £p "^Hk* Korrespondenzen. Deutsches Reich. Betäubungszwang auch für Kleintiere und bei Hausschlachtungen. Berlin, 24. Dez. Die Reichszentrale für Schächtangelegenheiten macht auf folgende, in der Fachpresse erschienene Notiz aufmerksam: „Vielerorts ist noch nicht genügend bekannt, daß die Vorschriften des Gesetzes über das Schlachten von Tieren" vom 21. April 1933 sich aul das ganze Reich und auf alle Tierarten, also auch auf sämtliche Geflügelarten, und für jegliche Schlachtung erstrecken, ganz gleich, ob sie in einem öffentlichen Schlachthause, in einer Privatmetzgerei oder im ländlichen oder städtischen Haushalt vollzogen wird. Der Reichs-Tierschutzbund macht erneut darauf aufmerksam, daß die Vorschriften des Gesetzes zu beachten sind, Zuwiderhandlungen werden mit Gefängnis bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 10.000 RM bestraft. Anzeigen von Zuwiderhandlungen gegen das Gesetz richte man an die zuständige Polizeibehörde." , Oesterreich. Etat der Wiener Kultusgememde, Wien, 25. Dez. Der Vorstand der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat einstimmig einen Etatvoranschlag für das Jahr 1935 genehmigt, der Ausgaben in der Gesamthöhe von sechs Millionen Schilling vorsieht. Die Ausgaben für das Fürsorgewesen der Gemeinde sind Pharao Rikajon regierte'mit Kraft und Weisheit über Aegypten und erhob eine Steuer von allen Bewohnern des Landes. Darum nannte man ihn Pharao. Das ganze Volk liebte ihn sehr und ein Gesetz bestimmte, daß jeder König von Aegypten für alle Zeiten den Titel „Pharao" tragen müsse. Wann und wo erschien der erste Luach? Nach einer Briefkastennotiz in Ihrer Nummer 50 i ist der erste Luach in Rödelheim im Jahre 1800 gedruckt worden. Das soll doch wohl nur heißen, daß der erste Rödelheimer Luach 1800 erschienen ist. Unrichtig wäre aber, zu glauben, daß der erste Luach überhaupt erst 1800 erschienen sei. Ich besitze nämlich einen in Metz gedruckten Luach von 5569 1789, und auch der ist wohl nicht der erste. Es ist vielleicht nicht einmal uninteressant, eine kleine Beschreibung desselben zu geben: Format 8/5 cm. Typen: Quadratschrift, Raschi und Jüdisch-deutsch. Sprache: Deutsch mit sehr vielem Hebräisch vermischt. Außer den üblichen kalendarischen Angaben enthält dieser Luach sämtliche Jahrmärkte im damaligen Westdeutschland und Ostfrankreich. Besonders interessant sind die Angaben der vier letzten Seiten. 1. Abgang der Diligence (oJKP'?jrrn JJKaatt) von Metz nach Paris, Frankfurt a. JVL, Nansich, Saarlouis, Diedenhofen, Vie und Etain. 2. Abgang die Posten von Metz nach Paris, Nansich (Nancy), Strasbourg (n-oir) und Diedenhofen und umgekehrt. Auf drei kleinen Seitchen war der ganze Fahrplan der damaligen Zeit enthalten. Allerdings brauchte die Diligence damals für die Reise von Metz nach Paris 3% Tage (genauer: von Dienstag 7 Uhr morgens bis Freitag Abend); und von Metz nach Frankfurt a. M. vier Tage (genau von Samstag 10 Uhr morgens bis Mittwoch 6 Uhr.) Und die Voraussagen für den Jahrgang 5549 nach den Astrologen (o'aawn nin): Der Winter lang und kalt. Der Frühling flucht und Wind. Der Sommer graüsse Hitzen. . Der: Herbst liblich, [ /' Hathevuoth (das Getreide) /ziemlich. Der Wein gut aber nicht" viel. ■ ' J. Bl. " Wochenkalender. Vom 29. Dez. 1934 b. 5. Jan. 1935 / Vom 23. Tebet b. 1. Scheb. 5695 •>DY> 5]T fcvrnn pia» ni»8> Samstag Dez. 29 23 xapxiss .. :■ TV Mauled: Samstag früh 4 Uhr 20V,8 Min. Sonntag 30 roü 24 ,; nb a"iab n'jyn Montag 31 25 vb Dienstag Jan. 1 26 ja-.- Mittwoch 2 27 :, «n , V ' Donnerstag 3 28 ,3» . S.JBp 11B3 OV : < Freitag 4 üiv 29 vW- Samstag 5 1 , "TO ku0 snfi ptn mit zweieinhalb Millionen Schilling präliminiert. Für das Schulwesen snd 600.000 Schlling eingesetzti Ein umfassendes Programm wurde für die Gebiete der Berufsumschichtung, der Hebraisierungs- und der übrigen Kulturarbeit aufgestellt. Holland. Das Auswandererhilfswerk in Holland. Amsterdam, 19. Dez. Das Komitee für besondere jüdische Interessen hat einen Finanzbericht für die Zeit von März 1933 bis Ende Oktober 1934 veröffentlicht. Für Auswandererhilfe, insbesondere Bezahlung von Reisekosten, wurden 617.000 Hfl. ausgegeben. Die Einnahmen betrugen 749.812 Hfl., davon 340.000 aus Holland selbst, 160.000 aus Amerika, 47.000 aus England und 5000 aus anderen Ländern. Sammlungen und Lotterien ergaben 75.000 Hfl. Der Jüdische Senator Dr. Henri P o 1 a k hat den Justizminister um Einleitung eines Gerichtsverfahrens gegen Major K r u v t und D u i n k e r , die Herausgeber einer Wochenschrift, in der behauptet wurde,, es gebe einen jüdischen Ritualmord, wegen Schmähung der jüdischen Religion ersucht. Gleichzeitig fordert© Senator Polak ein Verbot der Verbreitung solcher Behauptungen. Der Justizminister hat die Prüfung des Falles zugesagt. Polen, Intervention Senator Borahs zugunsten eines greisen Rabbiners aus Sowjetrußland, Warschau, 17, Dez. In Warschau weilt zurzeit der greise Rabbiner Kalmanowitsch aus Anapol in Sowjetrußland, der wegen der Fortführung von Jeschiwoth einigemale eingekerkert worden war. Seinem Sohn, der Rabbiner in dem polnischen Städtchen Tiktin ist, gelang' es nach fünfzehnjährigen Bemühungen, die Uebers^edlung seines Vaters in ein anderes Land zu erwirken. Ausschlaggebend hierbei war eine von dem Tiktiner Rabbiner vor einiger Zeit unternommene Reise nach Amerika, wo er das Interesse Senator Borahs für den Fall gewann, Senator-Bprah erlangte in direkten Verhandlungen mit dem Kommissar für auswärtige Angelegenheiten Litwinow ,die Ausreisebewilligung : für;Rabbi Kalmanowitsch.;; In Palästina intervenierte Oberrabbiner'K u k ^beinx Einwand er ungsdepartment im Interesse des greisen Rabbiners aus Sowjetrußland und es gelang ihm, ein Einwanderungs-Zertifikat, für diesen zu erhalten..7. Das Zertifikat wurde sogleich nach Warschau. gesandt. Rabbi"Kalmanowitsch .übersiedelt nunmehr mit seiner Gattin nach Palästina, Wo ihm durch Vermittlung Oberrabbiner Kuks ein Rabbinat übertragen wird. Polnischer Tierschutzverband fordert Schächtverbot. Warschau, 19. Dez. Auf einer in Posen abgehaltenen Tagung des polnischen Tiers cl u t, zv e r b a n d e s wurde beschlossen,^ einen ^scharfen, JKampf gegen das jüdisch-rituelle, Schächtverfahren auf- 1 zunehmen.' Zu. diesem* Zweck soll eine eigene Zei- < tung herausgegeben werden. Ferner wurde eine Kommission eingesetzt, die entsprechende Schritte tun soll, um ein gesetzliches Schächtverbot in Polen herbeizuführen.

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