Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-12-20 · Heft 51 (20.12.1934) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 51 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450856--80945-2538789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Seite 10 Nr. 51 Oer Israelit 20. Dezember 1934 Kaum graute der Tag, da waren auch schon Alle auf den Beinen. Bald war unter Manuels und Josefs Leitung alles zur Flucht bereit. Das Gepäck war auf Pferde geschnallt, für jeden der Flüchtlinge, fünfzehn an der Zahl, stand ein Pferd zur Verfügung und nichts hinderte mehr an einer raschen Flucht. Alles flüssige Geld hatte Manuels Gattin bei der Flucht aus ihrem Hause mitgenommen. Endlich brach man auf. Josef und Elieser schlössen sich dem Zuge an und ließen für ihre abwesenden Genossen die Weisung zurück, ihre Freunde in drei Wochen wieder in der Ruine zu versammeln, in welcher Zeit sie zurück zu sein hofften. (Fortsetzung folgt.) Prinzipielles zu B. Jacobs Genesis-Kommentar. Man schreibt uns: , B. Jacobs großer Genesis-Kommentar*), über dessen Bedeutung wir schon vor einer Reihe von Monaten grundsätzliche Auseinandersetzungen veröffentlichten,**) ist ein monumentales Werk, bei dessen Studium der Sachkenner wie der bibelkundige Laie immer wieder erfreut wird durch die Fülle der neuen Gesichtspunkte, die dem uralten Bibeltexte kaum geahnte Tiefen abgewinnen und die landläufigen Seichtheiten der Alltagskritik ad absurdum führen. Der Theorie der Quellenscheidung mit ihrer ehrfurchtslosen, geistfremden Zerreißung organischer Einheit hat Jacob für jeden Wahrheitsuchenden den Garaus gemacht. Der Genesis — zunächst einmal — ist die Einheit des Seins und damit auch des „Autors" zurückerobert. Aber wer ist dieser „Autor"? Da muß es nun ehrlicherweise ausgesprochen werden, daß Jacobs Buch letzten Endes dem gläubigen Juden, der sich eins fühlt mit der dreitausendjährigen heiligen Tradition seines Volkes, eine noch schmerzlichere Enttäuschung bereitet, als habe er es von vornherein in der Erwartung in die Hand genommen, ein Erzeugnis der nichtjüdischen radikalen Bibelkritik selber kritisch kosten zu müssen. Wenn man sich durch das Buch durchgearbeitet hat und in dem Anhang über die Quellenscheidung allen krummen Wegen der Bibelkritiker über Berge und Schluchten des grimmigsten Judenhasses und des ödesten Rationalismus gefolgt ist, erfährt man als Endergebnis die erschütternde Feststellung, die „Genesis-Erzählungen" stammten „spätestens aus der Zeit Davids", weil einige Kapitel des zweiten Samuel-Buches in ihrer Diktion offensichtlich von dem Text der Jakobs- und Josephs-Geschichte beeinflußt sind und, in ihrer allgemein anerkannten Glaubwürdigkeit, dem „Priester Ebjatar" zugeschrieben werden. Und darum die große Mühe! Wenn die Genesis-Erzählungen sogar aus der Zeit der Richter „stammten", so wäre mit dieser Errungenschaft das Fundament der jüdischen Religion, die Wahrheit, für die unsere Väter und Mütter tausendfach in den Tod gingen, die Wahrheit der von G ' 11 geoffenbarten Thora nicht minder geleugnet, als wenn erst spät im Exil, Esra, der Schreiber, oder sonst irgend ein Priester auf Grund alter Tempelurkunden die Erzählungen des Fünfbuches gesammelt und redigiert hätte. Ja, wenn selbst ein zweiter Jacob käme und mit noch größerem Scharfsinn Mosche Rabbenu selber als „letzten Redaktor" der Thora erwiese oder wahrscheinlich machte, so würde damit ja das wn, das in allen solchen Entdeckungen liegt, nicht um Haaresbreite gemindert. Solange man die Thora als ein Werk der Weltliteratur ausschließlich den Maßstäben der philologischen und historischen Kritik unterwirft, die empirischen Kategorien, des Verstandes, insbesondere die der Zeit, als Letztes auf sie und ihre angeblichen „Autoren" anwendet und sich weigert, die traditio n e 11 e n Voraussetzungen auch nur als diskutabel anzuerkennen, wird der religiösen Erkenntnis des Judentums durch noch so scharfsinnige Kommentare kein wirklicher Dienst geleistet. Wir könnten uns sehr wohl ein Werk wie das von Jacob denken, das zwar den Hypothesen der Bibelkritik nachgeht, sie selbst nnwb — wie es weiland Prof. Hoffmann b~3T getan hat — widerlegt, dabei aber nicht die Hauptsache vergißt: daß dem Juden die ganze Thora von n'Pma bis b&iw> wvb ein zwar von Mosche Rabbenu nach der an sein sinnliches Ohr (na b& ns) erklungenen G'ttesstimme niedergeschriebenes Gefüge von Buchstaben und *) Berlin. Schocken-Verlag. **) Siehe „Gola und Geulla" zu Nr. 25 des „Israelit". Sätzen ist, daß aber der „ A u t o r " dieses Buches, jenseits aller Zeit und alles Raumes, identisch ist mit dem metaphysischen Untergrund der Welt, auf den nun einmal die aus Raum und Zeit und Kausalität geborenen Methoden wissenschaftlich-kritischer Fragestellungen keine Anwendung finden können. Ob in diese rätselvolle Welt der Erscheinung ein solcher Gruß aus dem Transzendenten in Gestalt unsrer Thora in Wahrheit hineinragt, und ob das jüdische Volk, dessen weltgeschichtliches Schicksal sonst kaum verständlich wäre, in der Tat gewürdigt wurde, ewiger Träger dieser G'ttesbotschaft zu sein, so wie es deren Erforschung und Erkenntnis sein ganzes nationales Leben geweiht hat — das ist allerdings eine Frage, an deren positiver Beantwortung die Welt ein erheblich größeres Interesse haben dürfte, als an der um ein paar Jahrhunderte früheren oder späteren Datierung irgendwelcher ehrwürdiger Erzeugnisse der orientalischen Literatur, Kinderecke. Jakobs Reise nach Ägypten und sein Tod. Aus „Eine Mutter erzählt die Bibel". Von Alice Oppenheimer (Philo-Verlag, Berlin). Josef war nun nicht mehr für die Brüder der große Mann, er war ihr Bruder, der ihnen nicht grollte, der die Tat, die sie ihm angetan, als von G'tt gewollt betrachtete. Ihr Bruder, der trotz der langen Trennung von zu Hause in Liebe am Vater hing, dessen ganzes Denken sich darauf richtete, wie helfe ich meinen Leuten, meinem alten Vater, die Hungersnot leicht zu ertragen, Sie beratschlagten lange, dann kamen sie überein, den Vater nach Aegypten zu holen mit allen Kindern und Enkelkindern. Jakob war alt, konnte er nicht, wenn er plötzlich hörte, „Josef lebt", sterben? Wie sollten sie es dem Vater sagen? Da der Weg noch lang nach Hause war, nahmen sie sich vor, es auf dem Wege zu beratschlagen. Josef rfab ihnen Geschenke mit, auch schickte er gleich Wagen und Pferde, um ja bald seinen Vater bei sich zu haben. Die Brüder zogen zur Heimat, aber ehe sie ins Vaterhaus gingen, suchten sie Serach, ein junrfes Mädchen, ihre Verwandte, auf, erzählten ihr alles und baten sie, den alten Vater vorzubereiten. Serach, die schön die Laute spielte, eilte hin, die Laute unterm Arm, um ihrem alten Großvater vorzuspielen. Wie oft hatte Serach so bei Jakob gesessen. Immer, wenn er traurig war, wenn er an Rahel und Josef dachte, wenn ihm so heimlich die Tränen aus den Augen liefen, holten die Brüder Serach. Serach spielte, und das Gesicht Jakobs klärte sich auf. Vater Jakob saß in seinem Lehnstuhl, den Blick zum Fenster hinaus, die Gedanken bei den Söhnen, bei Benjamin. Immer noch nicht heimgekehrt waren sie. Wenn G'tt sie nur gesund heimkommen ließ! Da öffnete Serach leise die Türe, und ohne daß Jakob sie bemerkte, setzte sie sich ihm zu Füßen, spielte und sang, und sang und spielte und redete von Josef. Ein Liedlein klang von Josef, der lebte, ein Stimmchen sang von Josef als König, die Saiten, sie tönten. Da brach die Laute ab, kling, klang. — Und weiter sang Serach: „Es lebt dein Sohn Josef, er lebt fürwahr!" „Wie," rief Jakob, „was singst du da, hör auf, Serach, hör auf! Josef, mein Josef!" Immer wieder fing Serach zu spielen, zu singen an, bis Jakob langsam den Kopf ihr zuwandte und sie fragte: „Was redest du da von Josef?" Da kamen die Brüder, da kam Benjamin, da kam das Glück ins Haus Vater Jakobs. Nun hörte er von Josef, doch er wollte das Glück nicht glauben. Da kamen aber die Wagen Josefs, seine Geschenke wurden gebracht. „Auf, laßt uns zu Josef eilen, daß ich meinen Sohn sehe, ehe ich sterbe." So kamen sie nach geraumer Zeit nach Aegypten. Josef war seinem Vater entgegengefahren, die Sehnsucht zog ihn hin. „Laßt mich Euch, Kinder, die Freude, die Vater und Sohn hatten, als sie sich wiedersahen, nicht erzählen. So was fühlt man. Auch Ihr wißt, wie so etwas ist, wie Euer kleines Herze in Freude hüpft, habt Ihr die Eltern nach einem Tage des Fortseins wieder, wie glückstrahlend sind Eltern, wenn sie ihre Kinder nach kurzer Abwesenheit wiedersehen; denn das Glück der Eltern sind die Kinder." Jakob hatte nun alle seine Kinder um sich. G'tt schenkte ihm diese Freude seines Alters noch einige Jahre'. Langsam nahmen dann die Kräfte Vater Jakobs ab. er fühlte, daß G'tt ihn bald sterben lasse. Er rief Josei mit seinen zwei Söhnen zu sich, um sie zu segnen. Auch seine anderen Söhne segnete er. Als Josef mit seinen Söhnen kam, da lag Jakob zu Bett, fühlte sich schlecht .und elend, doch er richtete sich bei ihrem Eintritt auf, ließ seine zwei Enkel ans Bett treten, legte ihnen die Hand aufs Haupt und segnete sie mit den Worten: „Hamalach, Hagauel . . . der Engel G'ttes, der mir beigestanden, der mich befreit von allem Bösen, er segne die Knaben; er stehe ihnen immer bei. Er gebe ihnen Kinder und ihre Kinder mögen wieder Glück haben, G'ttes Segen sehen, indem auch sie Kinder haben," * ' . * „Schon fertig, Mutter,, mit Erzählen, schon fertig? Wie schade! Aber Mütter, eins sage mir noch, das Hamalach beten wir doch jeden Abend, wieso denn?" „Ben, weißt du, wenn Eltern ihre Kinder segnen, dann ist das ein schöneres, ein reicheres Geschenk, als wenn ich dir morgen, denn morgen ist ja dein Geburtstag, einen ganzen Tisch voll Geschenke gäbe." Vater Jakob, von dem ich dir so viel erzählte, der so viel Trauriges, der so viel Schönes an seinen Kindern erlebte, er war es, der das Hamalachgebfet zum erstenmal dichtete. So wie er Manasse und Ephraim, den Söhnen Josefs, wünschte, sie möchten stets von einem Engel G'ttes umgeben sein^ so wünschen wir des Abends, wenn wir uns hinlegen zum Schlafen, nicht wissend, was mit uns geschieht: Hamalach hagauel aussi mikol rah ... Auflösung des Rätsels aus der vorigen Kinderecke. China, Habimah, Armreif, Ninive, Uri, Kohle, Kelter. — Chanukkahfeier. Richtige Lösungen sandten ein: Sally Kohn, Sulzburg i. B., Julius und Max Dukas, Bernhard Tachauer, Marktbreit, Naftali, Moritz und Siegfried Wagschal, Berlin; E. und Ph. Pfeffer, Dresden; Alfred und Jean Jacques Donath, Yverdon; Max Bodenheimer, Eva Bodenheimer, Darmstadt; Dina, Ernst und Hermann Hirsch, Frankfurt a. M.; Frieda, Toni und Saly Hasenkopf, Frankfurt a. M.; Manfred Heinemann, Berlin; David Wilder, Dresden; Rebeka Dimant, Istambul (Türkei); Mirjam Hofmann, Jerusalem; Esther Plaut, Freiburg i. Br,; Helen und Lilli Lidzbarski, Frankfurt a. M.; Josef Tay er, Frankfurt a. M. Personalien. Strümpfeibrunn, 12. Dez. In den letzten Monaten wurden zwei betagte Frauen unserer Gemeinde in die Ewigkeit abberufen. Die Frau unseres Vorstehers Götz Israel, Sophie Israel, und die Gattin des Herrn Josef Monatt, Malchen M o n a 11, haben nach einem arbeitsreichen, in nKT> und npx geführten Leben, ihre Seele ausgehaucht. Sie entstammten frommen Häusern und haben diese Ideale in ihrer Ehe weitergepflegt. An der Beerdigung nahmen neben der jüdischen Gemeinde und vielen auswärtigen Verwandten und Freunden die ganze bürgerliche Gemeinde Strümpfeibrunn teil, ein Zeichen für das gute Einvernehmen mit der nichtjüdischen Bevölkerung und für die .Beliebtheit der Dahingeschiedenen, Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach zeichnete ein getreues Bild dieser frommen Frauen, die eine Zierde unserer altehrwürdigen, den Traditionen treuen Gemeinde Strümpfeibrunn bildeten, rraxan Tauberbischofsheim, 12, Dez. Bei der stattgefundenen Synagogenrats - W ahlen wurden gewählt die Herren Louis Kraft, Max Sauer und Lehrer Alfred Kau f m a n n. Bödigheim i. B., 12. Dez. Lehrer Schwarzenb erger, der seit 15 Jahren hier und in den Filialgemeinden Eberstadt und Sindolsheim amtierte, starb im Alter von 67 Jahren und wurde in Ladenburg a. N. zur letzten Ruhe gebracht. Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach sprach Dankesworte im Auftrag des Oberrats der Israeliten, des Bezirksrabbinats, der Gemeinden und der man und würdigte die Verdienste des Entschlafenen als Forscher des Gesetzes, als Lehrer und Verwalter des altehrwürdigen Bezirksfriedhofes Bödigheim. Lehrer Kaufmann, Tauberbischofsheim sprach Dankes¬ und Abschiedsworte im Namen der Kollegen rraxan- Malmö (Schweden), 17. Dez. Am W'i nims p»m wurde hier der Religionslehrer Charim Schlome Schönkopf, eine markante Persönlichkeit des orthodoxen Judentums in Schweden, zu Grabe getragen. Durch seine aufrichtige Frömmigkeit, sein gediegenes jüdisches Wissen und seinen biederen Charakter hat er die Wertschätzung aller Kreise gewonnen. Diese Verehrung zeigte sich am deutlichsten bei der großen Beteiligung an der ''iV- Der ausgezeichnete Mann hat nach vielen Kämpfen eines mühevollen Lebens, dank der Fürsorge seiner Söhne, die seine höchsten Freuden, ms» zu üben, förderten, einen schönen Lebensabend genossen. 'rrasan

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.