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Der Israelit · 1934-12-20 · Heft 51 (20.12.1934) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 51 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1934 20. Dezember 1934 Der Israelit Nr. 51 Seite 11 Personalien. Leipzig, 18. Dez. In den nächsten Tagen verläßt Herr Rabbiner Feldmann, einem ehrenvollen Rufe nach Manchester folgend, unsere Stadt. Mit dem Wegzuge dieses Mannes, mit dessen Namen ein Vierteljahrhundert segensreichen jüdischen Wirkens in unserer Gemeinschaft aufs engste verknüpft ist, vollzieht sich eine weitere, sehr bedeutsame und schmerzliche Veränderung im Leipziger Rabbinat, unter deren Zeichen die letzten Monate standen. In Rabb. Feldmann sieht nicht nur der gesetzestreue Teil unserer Gemeinde einen markanten Vertreter tiefgründiger und umfassender jüdischer Gelehrsamkeit, einen östlichen Raw großen Formats, der sich durch die Herausgabe diverser Werke, insbesondere des rühmlichst bekanntgewordenen und weitverbreiteten „Feldmannschen Kizzur" einen „Namen unter den Großen" gemacht hat, aus seiner Mitte scheiden. Es verlieren vielmehr die Synagogen „Ahawas Thora" und „Chewra Mischnajoth" ihr geistiges Oberhaupt, ihren Rabbiner, dem sie in aufrichtiger Liebe, Verehrung und Dankbarkeit zugetan waren. Darüber hinaus bedauert auf das lebhafteste seinen Wegzug der große Kreis derer, die durch Umgang oder Berührung mit ihm Gelegenheit fanden, dessen hohe menschliche Qualitäten, seinen klaren Verstand, sein gesundes " Urteil, seinen Realitätssinn, seinen überlegenen und doch liebenswürdigen rabbinischen Humor, seine Bescheidenheit und sein zugängliches Wesen, das sich niemand versagte, zu bewundern. Den größten Verlust, erleidet jedoch jene von ihm ins Leben gerufene und von ihm geleitete Lehranstalt, für deren Bedeutung erst die heutige aufwühlende Zeit bei vielen das Verständnis schuf, das zur Zeit ihrer Gründung noch völlig fehlte; die Talmud-Thora. Der jüdischen Jugend galt seine ständige, vornehmliche Sorge, ihr eine Stätte zu sichern, in der sie an die Quellen .der jüdischen Lehre herangeführt werden sollte, galt sein unablässiges, edles Mühen, dem der Erfolg nicht versagt blieb. Dieses Institut, das die Krönung seines Lebenswerkes darstellt, dessen Erhaltung und Ausbau seine ganze aufopfernde Liebe und Hingabe gehörte, stellt heute einen nicht wegzudenkenden Bildungsfaktor in unserer Gemeinde dar, so -daß man sich zu der Hoffnung berechtigt glaubt, daß sein Weiterbestand nicht gefährdet ist. Sein segensreiches Fortwirken wird immer für den Mann zeugen, der sich mit seiner Gründung ein dauerndes Denkmal setzte. Unlösbar mit seinem Namen verknüpft ist aber auch eine andere, für eine jüdische Gemeinde lebenswichtige Institution, deren Entstehen und Fortbestand ihm zu verdanken ist: die Mikweh. So sind es die zwei so überaus wichtigen Gebiete, das der jüdischen Erziehung und das der Pflege der jüdischen Familienreinheit, für die Rabbiner Feldmann sein großes Können und seine ganze Kraft stets eingesetzt hat. Es lehren unsere Weisen: „Wer die Gesamtheit im Guten fördert, dem wird kein Fehltritt zustoßen, wer ferner in reiner Frömmigkeit die Gesamtheit zum Frommen führt, dem wird das Verdienst der Gesamtheit angerechnet" (Spr. d. Väter V, 21). Möge darum auch diesen um die jüdische Allgemeinheit sehr verdienten Mann der Segen G'ttes auf seinen weiteren Lebenspfaden geleiten und der Erfolg sein neues Lebenswerk krönen, denn auch von ihm gilt das biblische Wort: „Das Recht G'ttes hat er gewirkt und seine Vorschriften an Israel." Vermischtes. Berlin, 18. Dez. Von der Agudas Jisroel- Frauengruppe, Berlin wird bekanntgegeben, daß der nächste Vortrag nicht am Mittwoch, den 26. d. Mts., sondern erst am Mittwoch, dem 9, Januar 1935 stattfindet. Berlin, 13. Dez. Mehrere Gesellschafter einer Textilfirma hatten mit einer Klage den Ausschluß von zwei jüdischen Mitgesellschaftern „wegen Gefährdung des Geschäftsbetriebes" , verlangt, nachdem die jüdischen Gesellschafter auf eine gütliche Auseinandersetzung und Abfindung nicht eingegangen waren. Die Klage war auf § 140 in Verbindung mit § 133 HGB. gestützt. Danach kann, wenn in der Person eines Mitgesellschafters einer offenen Handelsgesellschaft ein wichtiger Grund vorliegt, der dazu berechtigt, die Auflösung der Gesellschaft zu verlangen, das Gericht statt dieser Auflösung die Ausschließung des. Gesellschafters aussprechen, wenn die übrigen Gesellschafter die Ausschließung beantragen. Im vorliegenden Falle hat das Oberlandesgericht Hamm auf Ausschluß der jüdischen Gesellschafter erkannt. Auf die Revision hin hat das Reichsgericht durch Urteil vom 11, Dezember 1934 — II 148/34 — diese Entscheidung aufgehoben.. In der Begründung des Vorsitzenden des erkennenden Senats heißt es, daß die Judeneigenschaft der beklagten Gesellschafter ein in ihrer Person liegender Grund zur Auflösung der Gesellschaft im Sinne des § 133 HGB. an sich sei. Die Judeneigenschaft eines Gesellschafters einer offenen Handelsgesellschaft ist aber für sich allein nicht ausreichend, einen wichtigen Grund zur Ausschließung zu geben. Es kann dahingestellt bleiben, ob bei anderen Gesellschaftsformen eine andere Beurteilung möglich ist. Zur Stützung des wichtigen Grundes zum Ausschluß muß hinzukommen, daß die Existenz der Gesellschaft und damit auch die der übrigen Gesellschafter wirtschaftlich gefährdet wird. Die Frankfurter Woche- Zur Jahrzeit von Rabbiner S. R. Hirsch ^"3JT- Aus Anlaß des Jahrzeitstages von Rabbiner Hirsch ^"ST findet am Donnerstag, den 3. Januar 1935, abends 8.30 Uhr, im Vereinshaus Eschersheimerlandstr. 27, ein Vortrag von Herrn Dr. Isaac Breuer über das Thema: „Rabbiner Hirsch als Wegweiser in die jüdische Geschichte" statt. Reservierte Plätze Mk. 1.—. Eintrittspreis Mk. 0.50. Vorverkauf: Büro der Rabbiner Hirsch - Gesellschaft, Frankfurt, Hanauerlandstraße 15, 1. Jugend-Schiur des Herrn Gemeinderabbiners. Der im Rahmen der Veranstaltungen der. Jugendkommission der Israelitischen Religionsgesellschaft eingerichtete Gemoro-Schiur findet nunmehr dreimal wöchentlich statt und zwar: Schäbbos, Sonntag und Donnerstag, jeweils von 20.30 bis 21.30 Uhr, im Hause des Herrn Gemeinderabbiners Fichtestraße 5. Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft, Am Freitagabend, den 21. Dezember, 20.15 Uhr, sprechen im Hörsaal, Friedbergeranlage 6, Herr Dr. Fritz Homburger und Herr Adolf B o k o r. U. a. wird Herr Leo Heuberger einige Solostücke vortragen. Sijum-Hagodaul der „Chewro Schaß". Es wird nochmals darauf hingewiesen, daß der Sijum Hagodaul an diesem "»m 'D 'j? na» ■>8xi», Samstag, den 22. Dezember, in der Aula der Samson Raphael- Hirsch-Schule, Tiergarten 8, stattfindet. Beginn des Hadron — gehalten von Herrn Rabbinats-Assessor Dr. Schlesinger — präzise um 7 Uhr abends. Einlaßkarten Freitag bei Herrn B, Rachelsohn, Sandweg 6 a und, soweit Vorrat reicht, am Saaleingang erhältlich. Frau Sarah Jakob fiT« Unter sehr ansehnlicher Beteiligung wurde am 28. November auf dem Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschaft Frau Sarah Jakob zur letzten Ruhe gebettet. Das große Ansehen, das diese Frau in allen Kreisen genoß, gründete sich auf ein goldenes jüdisches Herz, eine echt jüdische, im Boden der Tauroh tiefwurzelnde Gesinnung und — auf eine mit weltlicher Klugheit gepaarte Tatkraft. Als Gattin des allverehrten, ihr vor 8 Jahren in den Tod vorausgegangenen Hirsch Jakob aus Stuttgart, lebte sie daselbst nahezu 40 Jahre und entfaltete eine sehr segensreiche Wirksamkeit. Das Haus Jakob war in Stuttgart der Ort, wo viele sich Rat holten und Hilfe suchten. Ohne daß es eine gewerbsmäßige Gaststätte war, konnte jeder, der auf ~mo reflektierte — auch der Unbemittelte — sich dort an Speis und Trank laben. Wie es Frau Jakob verstand, produktive Hilfe zu leisten, dafür sprechen Beispiele, die Vielen noch in guter Erinnerung sind, so ein Fall, in dem sie im Einvernehmen mit ihrem Manne ihre letzten Ersparnisse als zinsloses Darlehen hergab, um die Existenz einer Familie aufzurichten. Frau Jakob verstand es auch, trotz mangelnden Milieus, ihre vier Töchter in ihrem Geiste zu erziehen. Da ihr Mann vor 8 Jahren von Stuttgart aus nach Frankfurt auf den Friedhof der Israelitischen Religionsgesellschaft überführt wurde, war es auch ihr Wunsch, hier ihren Lebensabend zu verbringen. So übersiedelte sie zu ihrer Tochter und ihrem Schwiegersohn nach Frankfurt, wo sie leider die letzten drei Jahre schwerkrank darniederlag und von ihrer Tochter in aufopfernder Liebe und Treue solange gepflegt wurde, bis sie im Alter von £4 Jahren ihre reine Seele aushauchte. An der Bahre entwarf ihr Schwiegersohn, Herr Rachelsohn, ein ergreifendes Bild von der Verblichenen und stattete ihr heißen Dank für alle gespendete Liebe ab. rrnxin Einer Philantropin zum 60. Geburtstag. Am 3. Dezember feierte in Paris Frau Clem C r a m e r ihren 60. Geburtstag. Der Name Clem Cramer ist für die Frankfurter ein Programm, das Programm der jüdischen Wohltätigkeit. Was sie hier in den kritischen Jahren des Krieges und nach dem Kriege in der jüdischen Wohlfahrt wie an privater großer und kleiner Wohltätigkeit geleistet hat, gehört schon der Geschichte der schweren Zeit an. Wesen und Wirksamkeit' dieser Frau mit Worten zu schildern, erübrigt sich, da Hunderte dankbaren Herzens für sie zeugen. Möge es uns gegönnt sein, diese seltene Frau bald wieder auf ihrem ureigensten Gebiete, auf dem der jüdischen Bruderliebe, in voller Frische und Regsamkeit zu sehen. e?"jn»5? Ein Konzert im Reichsbunde jüdischer Frontsoldaten. Es ist eine trübe, harte Zeit, Wie die Kunst darauf zu reagieren hat, darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Sie habe sich so leicht und so lustig, so hell und so heiter wie nur möglich zu geben, um uns von der Trübnis abzulenken, meinen die Einen. Sie muß Ausdruck der Zeit und ihrer Wehen und darum selber schwer, ernst-, weihe- und wehevoll sein, sagen die Andern. Daß man im ersteren Punkte zu weit gehen kann, dafür hat der Winter mit mannigfachen verfehlten Veranstaltungen Beweise genug geliefert. Daß man aber auch aus letzterer Anschauung leicht übertreiben kann, zeigt der Abend des RjF. im großen Saalbau am letzten Sonntag. Zu viel Weihe, zu viel Andacht, zu viel „Stimmung", ein Uebermaß an Anspannung von Ohr und Sinn. Eine eingelegte Nummer fürs Auge oder für die Lachmuskeln hätte erlösend gewirkt, So aber saß man drei volle Stunden da und hörte Kol Nidreklänge, Gesänge aus dem Rosch Haschonoh-Gebet, Gebetslieder und Psalmen. Der zweite Teil brachte wiederum schwere Kost mit Tagore, mit Liedern über Elend und Frieden. Das war alles in allem etwas zu viel des Guten. Des Guten wollen wir aber betonen, denn der Wille zum Judentum und zur ernsten Kunst als einem der Wege zu diesem Ziele war bei der Veranstaltung unverkennbar. Das ganze Programm war von Anfang bis zu Ende Ausdruck dieses Willens, und das muß anerkennend hervorgehoben werden. Und neben dem ausgezeichneten Wiesbadener Chor unter Leitung von S. Lilienthal waren auch alle Solokünstler von diesem Willen und Bestreben ausgefüllt, Herr Naumow Fleischmann sowohl wie die Herren Fritz Blum-Wilhelmi, Dr. Ritter als Rezitator, Siegfried Würzburger an der Orgel und Selmar Victor als ausgezeichneter Beherrscher der Geige in all ihren Lagen. Nicht minder gut bei der Sache waren die Damen Herta Hirsch-Bramssen, Hanna Stein, Erika Schleyer und Vera Wels am Klavier. Der Reingewinn des Abends floß in die H i 1 f s - kasse für jüdische Kriegsopfer und Kameradenhilfe 1934/35, und wir wollen gern hoffen, daß das vollbesetzte Haus dem guten Zwecke in erwarteter Weise gedient hat. Jüdische Musik. Samstag, den 5. Januar findet in der Frankfurt- Loge ein Abend jüdischer Musik statt. Mitwirkende sind: Heinrich Bornstein (Baß), Käte E 111 i n g e r (Sopran), Theo R a t n e r (Violine), Rudolf Döblin (Cello), Ruth Weil (Klavier), Dr. Willy S a 1 o m o n (am Flügel). Kulturbund deutscher Juden. Das dritte Orchester-Konzert des Kulturbund- Orchesters Rhein-Main unter Leitung von Hans Wilhelm Steinberg findet am ersten Feiertag, Dienstag, den 25. Dezember, abends 8 Uhr im Vereinshaus, Eschersheimerlandstr. 27 statt. Herr Prof. Hans Bassermann spielt das Konzert D-dur für Violine mit Orchesterbegleitung von Beethoven, die Hadibuk-Suite von Engel geht voraus, die Symphonie mit dem Paukenschlag von Josef Haydn beschließt den Abend. In der Wiederholung des dritten Orchester-Konzertes am Dienstag, den 1. Januar, abends 8 Uhr, werden als Solisten Ernst Drucker (Violine) und Richard K a r p (Bratsche) die Concertante Symphonie für Violine und Bratsche von Mozart spielen. Am Mittwoch, den 26. Dezember, findet nachmittags 4 Uhr im Vereinshaus, Eschersheimerlandstr. 27 ein Konzert des Kulturbund-Orchesters Rhein-Main für die Jugend statt. Warnung. Von der Geschäftsstelle für Körper- und Sehbehinderte Frankfurt a. M., Bleichstr. 8 pt„ Tel. 23912 wird uns geschrieben: „Ein von uns nicht beauftragter Mann mittleren Alters sammelt bei Frankfurter Firmen „Spenden" für jüdische Körperbehinderte. Wir bitten den Brief mit unserem Stempel und. die Sammelliste einzuhalten, die Person festzustellen und uns sachdienliche Mitteilung zu. machen." Berichtigung. Im Artikel „Rasse und Wirtschaft" in der jüngsten Nummer wird in einer Wiedergabe einer Glosse der „Frankfurter Zeitung" auf Seite 2, Spalte 2 im Zusammenhang mit einer Verordnung gegen nichtortsansässige Juden die Stadt Fürth genannt. Es beruht dieses auf einem Versehen des Setzers. Es handelt sich nicht um Fürth, sondern um Förth in Bayern. Strümpfe [nur aus unserer großen Spezial-Abfeilung f\P^SC*t 7uvr~ uvn - bELLHORNS^ Handschuhe nur aus unser.umfanßr.Spezial-Abteilt

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