Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1934-12-20 · Heft 51 (20.12.1934) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 51 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2450807-2450856--80943-2538787
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

■MI 1 j< ^P^l s| e1 r:.j; jff*£ * ■If&i - 4 V * Seite 8 Nr. 51 Israelit 20. Dezember 1934 - ,. '• i >, ■> ■; l>f | i" 1 % J 1 i j , 3 \ > ^■kn : «e.£4 iH - jfii' i 4v ä v. - [| I t 's 3' »«» »Mi: i** IM Ii flfl 'S fiw Ii wwIi *l iff-i gfi" Iiis =#f t i '' UÜ S! «? K?" vlll- 'II st^ im lm f I 5 fv. I I rfj' « Sf q /,!\J i1 ••is? ' Hs^ yfi >i " ,7 c »t M 15 '!.;VJ ,«t < '»s i i > it t« " (f <f r tV-i der Tradition und Religiosität. Die Beth Jacob-Schulen wollen die jüdische Lehre in jedes jüdische Haus hineintragen und der Jugend dadurch, neue Impulse, neue Ideale, Lebenswille und Lebensfreude verleihen. Das Publikum lohnte die Ausführungen der Referenten mit reichem Beifall. Frankreich. Plötzliche Ausweisung deutsch-jüdischer Aerzte aus Tunis. — Der Bey von Tunis protestiert gegen die Verletzung des vom Islam gebotenen Gastrechts, Paris, 10. Dez. Wie aus Tunis gemeldet wird, haben ungeachtet des Einspruchs der dortigen Jüdischen Gemeinde drei seit über einem Jahr in Tunis etablierte j ii - dische Aerzte aus Deutschland, die ordnungsgemäß zur Praxis zugelassen wurden, den Befehl erhalten, binnen 24 Stunden das Land zu verlassen. Die jüdischen Gemeinden der vier größten Städte Tunesiens haben sich mit einem Protest nach Paris gewandt. Diesem Protest hat sich auch der Bey von Tunis angeschlossen. Er weist darauf hinr daß der Ausweisungsbefehl dem vom Islam vorgeschriebenen Gesetz der Gastfreundschaft widerspreche. Der sich gegenwärtig in Paris aufhaltende französische Generalresident von Tunis, Peyreuten, erklärt, keinerlei Kenntnis von dieser Maßnahme zu haben. Er werde den Fali überprüfen lassen. Auch der Vorsitzende des Komitees für den Schutz der Rechte der Juden Mittel- und Osteuropas, Senator Justin G o d a r t, hat bei der französischen Regierung zu Gunsten der aus Tunis ausgewiesenena deutsch-jüdischen Aerzte interveniert. Ungeachtet all dieser Proteste wird die Ausweisung ausländischer Juden aus Tunis fortgesetzt. Es wurden abermals zehn Familien verhaftet und dsportiert. Eine Begründung für diese Maßnahmen wurde nicht mitgeteilt. (ITA.). England. Palästinafragen vor dem Unterhaus. London, 12. Dez. Am 12. Dezember interpellierte der Abgeordnete Major Proctor im Unterhause den Kolonienminister über das Verbot der Einfuhr der „Palestine Post" und anderer palästinensischer Zeitungen nach dem Irak durch die dortige Regierung. Er fragte, ob die Palästinaregierung gegen diese Maßnahme protestiert habe und mit welchem Erfolg. Sir Philip Cunliffe-Lister erklärte, Mitteilungen über ein Einfuhrverbot palästinensischer Zeitungen nach dem Irak seien an die Palästinaregierung gelangl. Der Gesandte Sr. Majestät in Bagdad sei auf ihr Ersuchen aufgefordert worden, bei der Irakregierung in dieser Sache offiziell anzufragen. Die Ergebnisse dieser Anfrage seien dem Minister noch nicht bekannt. Auf eine weitere Anfrage erklärte der Kolonienminister, daß die neue Municip als Corporation Ordinance, die seit dem 12. Januar in Kraft getreten ist, in 23 Ortschaften, von denen die wichtigsten Jerusalem, Haifa, Jaffa und Tel Awiw sind, Anwendung finde. Die Verordnung ermächtigt den High Commissioner, Gemeinderäte auch in anderen Orten einzurichten. Dem Minister sei nicht bekannt, ob der High Commissioner von dieser Vollmacht bereits Gebrauch gemacht hatte. Wahlen seien durch einige Monate hindurch vorgenommen worden, das einzige ihm bekannte Ergebnis sei das in Jerusalem, wo in den Gemeinderat 6 Juden, 4 Mohammedaner und 2 Christen gewählt wurden. Den Gerichten lägen in diesem Fall mehrere Wahlbeschwerden vor, die Entscheidungen über sie seien noch nicht gemeldet. Der Abgeordnete J a n n e r fragte nach Einzelheiten über ein etwa getroffenes Abkommen hinsichtlich der Benutzung hebräi-scher Schrift- Die Woche. Berlin. Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände teilt mit: „Der j ü - dische Jugendbund „Schwarzes Fähnlein" hat sich aufgelöst. — Der Reichsausschuß der jüdischen Jugendverbände beabsichtigt, Ende Februar alle in den Bünden und Landesausschüssen führenden Mitarbeiter in einer Tagung zusammenzufassen, die der Durchberatung der für die Gesamtheit der jüdischen Jugend wichtigen organisatorischen und geistigen Fragen gewidmet sein soll. Frankfurt a. M. Wie die „Frankfurter Zeitung" meldet, wurde das Buch eines Hermann Gauch „Neue Grundlagen der Rassenforschung", das durch seine abstrusen rassenpolitischen Darstellungen Aufsehen besonders im Auslande erregt hatte, verboten. Darmstadt. Die „Lampertheimer Zeitung" berichtet: In der Nacht zum Mittwoch wurden durch unbekannte Täter an verschiedenen hiesigen jüdischen Geschäftshäusern Beschriftungen angebracht mit dem Wortlaut: „Kauft nicht beim Juden". Während der eine Geschäftsinhaber die Schrift entfernen ließ, änderte der andere den Schriftsatz, indem er das Wort „nicht" in „doch" abänderte und am Schluß das Wort „billiger" hinzufügte. Infolge dieses Vorganges erfolgte gegen 5 Uhr abends eine Ansammlung vor dem Schuhhaus Mann, die jedoch bald zerstreut wurde, nachdem man den Demonstranten mitgeteilt hatte, daß die hiesige Polizei den Sohn des Inhabers Franz Mann bereits am Nachmittag in Schutzhaft genommen hatte. Bukarest. Auf einer Hachscharah im rumänischen Orte Marasesti sind 20 Chaluzim unter Erscheinungen einer schweren Fleischvergiftung erkrankt, von denen zwei gestorben sind. Der Zustand der übrigen ist besorgniserregend. Posen. An dem Markttage des Städtchens S m 1 g i e 1 im Kreise Posen wurden zahlreiche Marktfahrer aus Kongreßpolen von nationaldemokratischen Jugendlichen überfallen und blutig mißhandelt. Die Waren der Marktfahrer Wurden zum Teil vernichtet. Polizei griff ein und stellte die Ruhe wieder her. Budapest. Der Minister für Kultus und Unterricht sprach sich für. die Zusammenlegung der Kultusgemeinden von Ofen und Budapest aus. Lemberg. Wiederum wurden gegen ein jüdisches Lebensmittelgeschäft und gegen eine jüdische Gastwirtschaft in der Pieotrastraße Bomben geworfen. Spuren führen auf antisemitische Agitatoren zurück. Warschau. Einen zweiten „Abraham Sohn Abrahams" (Namen eines bekannten Schachnowitz'schen Romans) erleben wir zur Zeit in Polen. Ein junger katholischer Priester namens Joseph S u - m i n a aus Lublin trat, allen ihm gemachten Schwierigkeiten zum Trotz, zum Judentum e über. Joseph Sumina erhielt den Namen Abraham ben Abraham. — Das Bialistoker Gericht verurteilte zwei Führer der nationaldemokratischen Jugendsektion wegen Verbreitung illegaler antisemitischer Schriften zu je eineinhalb Jahren Gefängnis. London. Dem ehemaligen Professor an der Universität Freiburg, Dr. E. Fraenkel, wurde der Lehrstuhl für romanische Sprache und Literatur an der Universität Oxford übertragen. Es ist die erste ordentliche Professur, die in England einem jüdischen Gelehrten aus Deutschland zuteil wurde. Jerusalem. Zu Ehren des schwedischen Kronprinzenpaares, das zur Zeit in Palästina weilt, fand eine Galavorstellung der „Habima" statt. — Der High Commissioner, Sir Arthur Wauchope, hat dem jüdischen Kinderdorf Meir Schefeja für Aufbauarbeiten eine Spende von 100 Pfund überwiesen. — Der zwanzigjährige jüdische Wächter von Beth Alpha, Hilel Glaser, der am 31. Mai zwei auf jüdisches Gebiet eindringenden Beduinen mit Flintenschüssen verletzt hatte, wurde, obwohl er nachweisen konnte, daß er selbst angegriffen wurde und in Notwehr gehandelt hatte, vom Kreisgericht in Nablus zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung gegen zwei andere jüdische Wächter wurde vertagt. zeichen in Telegrammen, insbesondere welche Postämter für. diesen Zweck zur Verfügung stehen würden. Der Kolonienminister antwortete, er habe aus Pressemeldungen ersehen, daß Vorkehrungen für' die Uebermittlung von Telegrammen in hebräischen Schriftzeichen in Palästina getroffen wurden. Er sei noch nicht im Besitz einer offiziellen Bestätigung dieser Meldung und werde dem Interpellanten Einzelheiten mitteilen, sobald ihm solche zugegangen sein würden. Palästina. Die Aufteilung der neuen Palästinaeinwanderungs-Schedule. Jerusalem, 11. Dez. Die Exekutive der Jewish Agency hat nach einer Beratung mit der Alijah-Kommission des Jischuw die ihr für das laufende Halbjahr von der Regierung zur Verfügung gestellten 7500 Arbeiter-Einwanderungszertifikate auf die einzelnen Länder folgendermaßen vertei.'i: Polen:. 2280 (1300 für Chaluzim, 850 für Angehörige von Palästina-Einwohnern und 130 für qualifizierte Facharbeiter); Deutschland und aus Deutschland ausgewanderte Juden: 1250 (1000 für Chaluzim, 150 für Angehörige und 100 für Facharbeiter); Rumänien: 370 (davon 30 für Angehörige und 50 für Facharbeiter); Litauen: 230 (20 für Angehörige und 10 für Facharbeiter); Lettland: 150 (10 Angehörige und 10 Facharbeiter): Tschechoslowakei: 135 (5 Angehörige und 10 FacrarbeSter); Oesterreich: 117 (12 Angehörige, 15 Facharbeiter); Rotterdam: 20; Ungarn: 27; Antwerpen: 18; Paris-Straßburg: 54; London: 7; Danzig: 12; Jugoslavien: 30; Saloniki: 150; Newyork: 50; Kanada: 5; Bulgarien: 30; Estland: 5; Sowjetrußland: 30; Aden: 75; Syrien: 15; Aegypten: 3; Jemen: 285; Türkei: 200; Irak: 35; Aleppo: 15; Tripolis: 9; Persien: 10; Afghanistan: 88; Italien: 15; Schweiz: 10. Je einige Zertifikate erhalten Argentinien, Brasilien, Chile, Havanna, Mexiko; Südafrika, Australien, Portugal, Finnland, Schweden, Charbin, Tientsin. Die Chaluzim-Zertifikate sind hauptsächlich für Personen bestimmt, die sich verpflichten, sich mindestens zwei Jahre landwirtschaftlicher Arbeit in den Kolonien zu widmen. Beim Verteilen der Zertifikate für Facharbeiter wurden in erster Reihe die Fächer berücksichtigt, nach denen im Lande Nachfrage besteht, z. B. Bauarbeiter, Tischler, Betonarbeiter, Zimmermaler, Schlosser, Installateure, Elektrotechniker, Maschinisten, Weber, Lederarbeiter, Hafenarbeiter, Schneider, Schuster und Bäcker bester Qualifikation. Zur Verteilung gelangten 7050 Zertifikate, während 450 bei der Regierung in Reserve bleiben, davon sind 260 für Männer und 190 für Frauen bestimmt. Von den 2800 Zertifikaten für Landarbeiter sind 2900 für Männer und 900 für Frauen, von den 1400 Zertifikaten für Industriearbeiter sind 1050 für Männer und 350 für Frauen, von 1100 Bauarbeiter-Zertifikaten 1025 bezw. 75, sonstige Facharbeiter 365 bezw. 385 bestimmt. Eine Sturmflut in Palästina. Jerusalem, 16. Dez. In ganz Palästina gab es dieser Tage große Regenmengen. Auf dem Wege von Haifa nach Tul Kerem unterspülte die Sturmflut die Eisenbahnschienen, was zur Entgleisung eines Güterzuges führte, der Vieh und Nafta transportierte. Der Sachschaden beträgt viele Tausende. Zum Glück erforderte das Unglück keine Menschenopfer. In einem danebenliegenden arabischen Dorfe wurden aber zwei Araber unter ihrem infolge des Flutregens eingestürzten Hause begraben. Auch in Tel Awiw verursachte der Regen einige Sachschäden. In Jaffa wurde ein Araber mit seinen drei Eseln vom Blitz erschlagen. Ein Fellache kam mit seinen beiden Eseln hinter Jaffa in der Sturmflut um. Im übrigen füllte der Regen die Zisternen und brachte reichen Segen für den Boden und die Menschen. ■ unog

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.