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Der Israelit · 1934-12-20 · Heft 51 (20.12.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 51 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
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20, Dezember 1934 Der Israelit Nr. 51 Seite 7 Polen. Wieder die Frage der Leichensezierung. Warschau, 10, Dez. I^ach langer Pause taucht wieder einmal die Frage der Sezierung jüdischer Leichen auf: Am Donnerstag hing am schwarzen Brett der Anatomie der Warschauer Universität eine Bekanntmachung, daß jüdische Medizinstudenten keine Präparate erhalten können, weil keine genügende Anzahl jüdischer Leichen zur Verfügung stehe. Die Studenten können aber beweisen, daß die jüdischen Spitäler, entgegen einer Entscheidung des Rabbinates, fortdauernd Leichen zu wissenschaftlichen Zwecken der Universität zur Verfügung stellen. Es ist klar, daß die ganze Aktion nur auf eine Verdrängung der jüdischen Studenten hinausgeht. Es geht natürlich nicht an, daß renitente jüdische Studenten jetzt die jüdischen Spitalverwaltungen bestürmen, mehr Leichen herauszugeben, sie sollten ihr Recht an anderer und zuständiger Stelle suchen, wo sie es, wie man hofft, auch finden werden. Ritualmordlegende in Polen. Wilna , 9. Dez. Der Wilnaer Rabbiner und ehemalige Senator Rubinstein hat von Bauern des Dorfes Kobilniki einen Drohbrief erhalten, in dem er aufgefordert wird, als Repräsentant des „jüdischen Kahais" für die Rückkehr eines vor wenigen Tagen aus dem Dorfe verschwundenen christlichen Knaben Sorge zu tragen. Der Knabe sei offenbar von den Juden „für ihre Zwecke" geraubt worden. Sollten die Juden diesem Verlangen nicht entsprechen, so werde es zu denselben Dingen wie im Falle Beilis kommen. Rabbiner Rubinstein hat den Brief, in dem eine Adresse angegeben ist, an die er seine Antwort richten soll, der Polizei übergeben. Vor einigen Jahren wurde in die Ritualmordhetze, die infolge der andauernden Tätigkeit antisemitischer Agitatoren von Zeit zu Zeit in polnischen Dörfern aufflammt, ein Jude verwickelt, der zufällig ebenso wie der Held des berühmten Prozesses Mendel Beilis hieß. Während eines Markttages in dem Dorfe Zaklikow bei Lublin, verschwand das dreijährige' Söhnchen des Mitglieds des Dorfrates Smaloch von der Seite seines Vaters im Gewühl der Marktbesucher, Sofort verbreitete sich das Gerücht, die Juden hätten sich des Kindes bemächtigt, um ein Ritualverbrechen zu begehen. Es meldeten sich Zeugen, die unter Eid aussagten, das Kind sei in das Haus des Mendel Beilis gebracht worden. Kurz darauf wurde das Kind jedoch wohlbehalten auf der Eisenbahnstation gefunden wohin es gelaufen war, nachdem es seinen Vater im Gedränge verloren hatte. Jugoslavien. Die Juden im jugoslayischen Staat, .Belgrad, 11. Dez, Der stellvertretende Vorsitz e;n d e des jugoslavischen Regentschaftsrats, Dr. Radenko Stankovic, hat das Vorstandsmitglied des Verbandes -der jüdischen Gemeinden Jugoslawiens, Dr. Bukic P i j a d e i in längerer Audienz empfangen. Der Regent erkundigte sich mit lebhaftem Interesse nach Einzelheiten der Lage der jugoslavischen Juden und erklärte, er habe stets mit großer Genugtuung •die patriotischen Leistungen der jüdischen Bevölkerung verfolgt; Die' Bedeutung der zionistischen Beilegung schätze er sehr hoch. Die Judenheit habe als Kulturvolk vollen Anspruch auf nationale Eigenexistenz. Zwischen der Treue zum Vaterland und dem Bekenntnis zum Zionismus sehe er keinerlei Widerspruch. Im weiteren Verlauf des Gespräches wurden auch jdie Auswirkungen des jugoslavisch-ungarischen Konflikts auf Juden in Jugoslavien berührt. Dr. Pijade 'wies darauf hin, daß von den Ausweisungen ungarischer Staatsbürger aus Jugoslavien vielfach auch •Juden betroffen werden, die sich dem jugoslavi- I sehen Staat gegenüber stets einwandfrei loyal verhalten hätten. Der königliche Regent, versprach, eine wohlwollende Behandlung derjenigen Fälle zu veranlassen, in denen es sich um Juden handelt, die für ■Jugoslavien optiert haben oder sich bemühten, diejugoslawische. Staatsangehörigkeit zu erwerben. Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. (Nach Palnews.) Tel Awiw. Das Orangenabkommen mit Deutschland ist hoch immer nicht perfekt, da die deutsche Regierung den deutschen Importeuren keine Devisen zur Bezahlung palästinensischer Orangen zur Verfügung stellen kann. Deutschland will den Importeuren palästinensischer Orangen das Recht gewähren, von deutschen Exporteuren nach Aegypten, Indien und dem fernen Osten 50 Proz. der eingehenden Devisen zu kaufen und mit diesen Devisen die Markguthaben palästinensischer Orangenexporteure zu' konvertieren. Man hält dieses Verfahren für viel zu kompliziert und riskant. Außerdem würde damit eine Verteuerung der Orangen in Deutschland um mehr als ein Drittel verknüpft sein. Eine befriedigende Lösung wäre möglich, wenn Deutschland das mit England abgeschlossene Zahlungsabkommen, das sich auch auf die unter englischer Oberhoheit stehenden Länder bezieht, bereit wäre, auf Palästina anzuwenden. Die Citrusbörse in Palästina hat sich an den High Commissioner mit der Bitte um direkte Verhandlungen auf Grund des deutsch-englischen Zahlungsabkommens gewendet. — Tel Awiw. Der sonst regelmäßig durch die Jaffaer Citrusbörse mit den Schiffahrtslinien einheitlich abgeschlossene Kollektivvertrag für die Orangenverschiffung ist in diesem Jahre nicht zustande gekommen. Es besteht daher die ernste Gefahr, daß die Konkurrenz der Exportgruppen und der ihnen nahestehenden verschiedenen Schiffahrtsgesellschaften zu einer vollkommenen Desorganisation in der Beschickung der einzelnen Märkte führt. Der Zustand ist um so gefährlicher, als die Ernte größer als die des Vorjahres ist und der deutsche Markt infolge der oben geschilderten Schwierigkeiten gefährdet erscheint. Tel Awiw. Die türkische Regierung hat die Einfuhr palästinensischer Waren ohne jede Beschränkung bewilligt. Tel Awiw. Die holländische Regierung beabsichtigt, den Orangenzoll zu ermäßigen. Tel Awiw. Die im Laufe des letzten Jahres gegründete Fabrik für Beleuchtungskörper Goldschmidt und Schwabe Ltd., die auch sonstige Metallwaren wie Beschläge, Vitrinen, Haushaltsbedarfsartikel usw. herstellt, wird ihre Produktion demnächst erweitern. Es ist ihr gelungen, größere Exportlieferungen nach Syrien und .dem Libanon zu erhalten. Die Einfuhr von Lampen und Lampenteilen ist, was einen starken Erfolg der inländischen Industrie darstellt, von 1933 auf 1934 von 7600 Lst. auf 5500 Lst. im halben Jahr zurückgegangen. Haifa, In der Haifa-Bay ivird eine Zementplattenfabrik errichtet. Es handelt sich um eine Familien-Aktiengesellschaft deutscher Juden mit einem Kapital von 3500 Lst. Jerusalem. Die Imperial Chemical Industries Ltd. hat der Agency eine Anleihe von 35.000 Lst. gewährt zur Ausstattung der von der Agency neu gegründeten Wasserversorgungsgesellschaften Emek und Gilboa mit Kapital. Die erstgenannte Gesellschaft wird im westlichen Emek, die zweitgenannte im östlichen bohren.. Als Gegenleistung für die Gewährung der Anleihe beziehen die Siedlungen von der JCJ Dünger. Kairo. In Aegypten sind in der letzten Zeit mehrere grö- ' ßere industrielle Unternehmungen; darunter eine Spinnerei, Wdberei, eine Kohlensäure- Fabrik und eine Papierfabrik errichtet worden.;J'ä f f a. Die. Gründung einer arabischen Industriebank mit einem Kapital' von 30.000 Lst. wird beabsichtigt. Tel Awiw, Wie aus Larnaca (Cypern) mitgeteilt wird, soll dort ein unterseeischer Wasserlauf mit einer Ergiebigkeit von mindestens 90 000 Hektoliter täglich entdeckt worden sein. Dem Wasserfund wird große wirtschaftliche Bedeutung beigemessen. Es sollen dadurch in der Umgebung von Nikosia ausgedehnte Obst- und Gemüsepflanzungen ermöglicht werden. Jerusalem. Zwischen dem 22. November und 6. Dezember sind 9 Aktiengesellschaften, 12 Genossenschaften und 40 Teilhabergesellschaften in das Handelsregister eingetragen worden. Namen und Branchen der Gesellschaft sind teilweise durch die Redaktion zu erfahren. Jaffa. Von Beginn der Saison bis zu der am 25. November endigenden Woche wurden über Jaffa, Haifa und Portsaid insgesamt 321 681 Kisten Citrusfrüchte versandt. Rumänien« 25 Jahre Union rumänischer Juden. Bukarest, IT Dez. Anläßlich des 25jährigen Bestehens der Union rumänischer Juden (Uniunea Evreilor Romani), der großen Rechtsschutzorganisation der Judenheit Rumäniens veranstaltete die Jugendorganisation der Union am 11. Dezember im Bukarester jüdischen Volkshaus Barascheum eine große Jubiläumsfeier, in deren Mittelpunkt eine Ansprache des Führers der Union und Vorkämpfers für die Emanzipation der rumänischen Juden Dr. W. Filderman stand. Auf Grund der Erfahrungen des Emanzipationskampfes gab Dr. Filderman eine Analyse der gegenwärtigen Probleme der jüdischen Bevölkerung Rumäniens und wies auf die Notwendigkeit hin, den Kampf um die Wahrung der erworbenen Rechte in Gemeinschaft mit den aufbauenden Elementen des rumänischen Volkes im Interesse nicht nur der Juden selbst, sondern auch der ungestörten Entwicklung des Vaterlandes gegenüber allen Umsturzversuchen extremistischer Kreise fortzusetzen. Rumänische Landesversammlung der Agudas Jisroel. Dorna-Watra (Bukowina), 7. Dez. Großes Interesse hat die allrumänische Agudo- Beratung, die am ersten Chanuka-Tage hier stattfand, in allen Kreisen der jüdischen Bevölkerung hervorgerufen. Der Delegierte der Welt-Agudo, Herr Meier Schwarzmann aus Warschau, der seit einigen Wochen in Rumänien weilt, um Verständnis für den Agudo-Gedanken in weiteren Kreisen zu wecken, hatte die Versammlung einberufen. Schon auf Schabbos waren zahlreiche Vertreter aus allen Teilen Rumäniens (Beßarabien, Siebenbürgen, Alt-Rumänien, Marmaros und Bukowina) anwesend. Obgleich die Beratung ursprünglich als eine geschlossene geplant war, ließ sich die Absperrung des Publikums angesichts des glühenden Interesses aller religiösen Kreise nicht ganz durchführen. Es wurde daher beschlossen, zunächst einmal die Eröffnungssitzung öffentlich zu gestalten. Die Sitzung wurde eingeleitet durch eine längere zündende Rede des Delegierten Meier Schwarzma n"n, in der die Grundgedanken der Agudas Jisroel entwickelt und vor allen Dingen die praktischen Aufgaben aufgezeigt wurden, die sie unter den jüdischen Massen Rumäniens heute zu lösen hat. Ins Präsidium wurden gewählt die Herren: A b e 1 m a n n (Tighina), A p t e r (Gurahumora), Brettler (Visaul de sus), R a b i n o v i c i (Jasi), Rabbiner Portugal (Sculeni) und Wolanoff (Cernauti). Zu Sekretären: Redakteur Epelboim (Chisinau) und Perl (Szighed). Nach Verlesung zahlreicher Begrüßungen und Glückwünsche von Seiten der oberen agudistischen Instanzen im Auslande und agudistischer Landesorganisationen aus der ganzen Welt, begannen unter Ausschluß der Oeffentlichkeit die eigentlichen Beratungen. Es wurde beschlossen, innerhalb drei Monaten eine größere agudistische Landeskonferenz auf Grund von Delegiertenwahlen einzuberufen, an der die führenden Persönlichkeiten der agudistischen Bewegung teilnehmen sollten. Die Beratungen nahmen den ganzen Sonntag und Montag in Anspruch. . : Am »Mittwoch fand in.Cernauti eine imposante agudistische Firauenversammlung statt, in der Herr S c h w ,a(r z m a n n sowie die Dozentin am Wiener Beth Jacob-Seminar, Frl. Eva Landsb e r g , referierten. Zweck der Versammlung war die Vorbereitung zur Gründung einer Beth Jacob- Schule in Cernauti. Nach allgemeinen Ausführungen des Herrn Schwarzmann entwarf die zweite Referentin, Frl. Landsberg, ein Bild der Beth Jacob- Bewegung und der Beth Jacob-Schulen, Die Juden, so führte die Rednerin aus, das älteste Kulturvolk der Erde, stehen seit 2000 Jahren in einem Kulturkampf. Sie überwanden den Hellenismus und die späteren Kulturströmungen, die ihr eigenes Kulturleben bedrohten. Auch heute drohen fremde Geistesströmungen die jüdische Jugend ihrer Kultur zu entfremden und da ist es die Aufgabe der Beth Jacob- Schulen, der weiblichen Jugend die Schönheit und Größe der jüdischen Kultur zu zeigen und sie vom Wege der Entfremdung zurückzuführen auf den Weg

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