Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1934)
- Date
- 1934-12-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Das zweite Kapitel beginnt mit der hohen Messiasbotschaft des Chofez Chajim und wiederholt mit stärkstem Nachdruck die Forderung der Teschuwah unter dem Gesichtspunkt dieser baldigen Erwartung des Moschiach, deren Gewißheit vielseitig begründet wird. Es wird ferner in diesem Kapitel an Hand von tiefgründigen Deduktionen das Wesen des jüdischen Volkes schlechthin aufgezeigt und nachgewiesen, wie Israel ohne G'tt und ohne Thora dem Untergang ausgeliefert ist und ausschließlich durch sie groß, frei und stark werden kann. So schließt sich die tragische Lebenserfahrung der Vergangenheit und Gegenwart, die Perspektive der nächsten Zukunft und die Erkenntnis von Israels wahrem Wesen zu einer einzigen Gedankenkette, aus der im letzten Kapitel über ,,Antiassimilation" die einzig mögliche Konsequenz gezogen wird, nämlich das Zurückfinden zum eigenen innersten Wesen, das allein dem kranken und leidenden Volkskörper Heilung und Genesung zu bringen vermag. Dieses Zurückfinden wird durch nichts anderes ermöglicht als nur durch Lernen, lernen und lernen. Der Verf. folgt damit der tiefen Linsicht, die unsere Alten in dem Satz aussprachen: „Groß ist das-Lernen, denn es führt zur Tat". Und seine überaus zeitgemäße Parole der „Lernbewegung" wird zweifellos bis weit in die Kreise der lang entfremdet Gewesenen, aber Suchenden der Gegenwart ein williges und aufnahmebereites Ohr finden. Das Echo wird nicht ausbleiben, wenn auch der Verfasser selbst sich darüber keiner Täuschung hingibt, daß ein Buch, das so tief in den heißen Meinungsstreit des Tages hinabsteigt, von vornherein auf schärfste Kritik, Ablehnung und skeptische UngläuKfrgkeit gefaßt sein muß. Der leidenschaftliche Ruf zu einer neuen intensiven Lernbewegung ist freilich noch von einem Unterton begleitet, der gegenüber dem bisher befolgten Thora im Derech-Erez-Programm die Totalität jüdischer Bildung fordert. Der Verfasser stellt die Größe und die Grenzen dieses Programms dar, er weist den bedeutsamen Unterschied zwischen Erlaubnis und Verpflichtung zur Synthese überzeugend nach und gibt den Entwurf eines total -jüdischen Schulwerkes, das eine jüdische Volksschule in inniger Verbindung mit einem eingebauten Jesohiwa- oder Talmud-Thora-Betrieb vorsieht. Die Verwirklichung eines solchen noch in weiter Ferne scheinenden Lehi-planes würde alerdings eine völlige Umwälzung unseres heutigen Bildungsideals bedeuten. Die Herbeisehnung einer derartigen Umwälzung wird all denen unverständlich bleiben, die von der Weite und der Tiefe .der jüdischen Geistesschätze nichts ahnen sowie denen, die unsere bisnerige Synthese von Thora und weltlicher Bildung nient, wie der Verfasser, als durch die Zeit gebotene Notstands- Entscheidung betrachten, sondern als absolut und allgemein gültig. Allein wir möchten die vom Verfasser ausgesprochene Erwartung, daß: „die kommende Zeit für dieses Buch und für seine Ziele werben", auch auf diese Frage erstrecken und der warmen Hoffnung Ausdruck verleihen, daß speziell dieses Programm, in dem die Ideen des ganzen Buches ihren Niederschlag finden, ernsthaft diskutiert und der Verwirklichung näher gebracht werden möge. Möchte dieses wegweisende Buch den reichen Segen tragen, den sein Verf. sich von inm erhofft und seinen Teil zu dem erhabenen Ziele beitragen; ,,Die Thora groß und herrlich zu machen". •2^-•-^i m Korrespondenzen« Deutsches Reich. Mittelstandssiedlung in Erez Jisroel. Frankfurt a. M„ 17. Dez. Die Palästinazentrale der Agudas J i s r o e 1 beabsichtigt, in Erez Jisroel eine Mittelstandssiedlung zu schaffen. Das Projekt ist bereits so weit gediehen, daß Mitte Januar unter Leitung eines ersten Fachmannes eine Gesellschaftsreise für Interessenten an dieser Mittelstandssiedlung stattfinden wird. Weitere Interessenten an diesem Projekt, die noch an der Reise teilnehmen wollen, werden gebeten, sich bei der Palästinazentrale der Agudas Jisroel, Frankfurt a. MM Schwanenstraße 12, anzumelden. Alle näheren Auskünfte werden dort erteilt. Erweiterung des Präsidialausschusses der Reichsvertretung. Berlin, 17. Dez. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Der Organisationsausschuß der Reichsvertretung trat am 16. Dezember zu seiner zweiten Sitzung zusammen. Er beauftragte einstimmig seine Berliner Mitglieder, dem Präsidialausschuß eine Vorschlagsliste vorzulegen, aus der der Präsidialausschuß die Auswahl für die Berufung der zwei neuen Mitglieder vornehmen soll. Es besteht Einvernehmen zwischen Präsidialausschuß und Organisationsausschuß, daß die Berufungen mit sofortiger Wirkung vorgenommen und dem Beirat zur nachträglichen Bestätigung vorgelegt werden sollen. Der Organisationsausschuß beschäftigte sich ferner mit der künftigen organisatorischen Gestaltung der im Zentralausschuß der deutschen Juden für Hilfe und Aufbau zusammengefaßten sozialen und wirtschaftlichen Hilfsarbeit, die nach der übereinstimmenden Meinung aller Mitglieder des Organisationsausschusses in den organisatorischen Rahmen der Reichsvertretung eingefügt werden soll. Ueber die Grundzüge der dadurch sich ergebenden Gestaltung der Arbeit wurde weitgehend Uebereinstimmung erzielt. Die Umgestaltung soll so schnell wie möglich durchgeführt werden. Es wird dann die gesamte zentrale jüdische Arbeit in Deutschland bei der Reichsvertretung einheitlich zusammengefaßt sein. Bei der Fortsetzung seiner Arbeit wird der Organisationsausschuß insbesondere prüfen, inwieweit eine stärkere zentrale Einflußnahme auf die jüdische Schulentwicklung notwendig und möglich ist, sowie welche organisatorischen Aufgaben sich daraus ergeben. Der Organisationsausschuß nahm schließlich eine Reihe von Zuwahlen vor. „Zur Prüfung der Rassenfrage keine ausgesprochenen Wissenschaftler nötig." Berlin, 10. Dez. In einer Kundgebung der NS-Hago, die in der Stadthalle von Hildesheim abgehalten wurde, sprach, wie die dortige „Landespost" berichtet, der Schriftleiter des „Stürmer", Karl Holz, der sich bei seinen Ausführungen über die Juden- und Rassenfrage als Geselle des Meisters Julius Streicher bezeichnete. Von Nürnberg, der Stadt der Parteitage, werde der Kampf gegen das Judentum in das Volk hinausgetragen. Da Nationalsozialismus und Antisemitismus gleiche Begriffe seien, so könne ein Nationalsozialist auch nicht zum Juden gehen. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte der Redner, daß der Wortverwechslung vor. Vielmehr ist IMl nicht als Kai, sondern als Nifal aufzufassen, also wenittan zu lesen und der Satz ist zu übersetzen: ,, so .daß der Scheidebrief (von der Frau) dem Manne und die Quittung (von dem Manne) der Frau übergeben wurde." In völlig analoger Weise ist auch der zweite Satz ZU interpretieren: „so daß der Mann den Scheidebrief (von der Frau) und sie die Quittung (von ihm) nahm." ."6izn!«•> mpn bx bom Kaatz, Hindenburg (O.-S.). Kleines Feuilleton. Und wenn ihr mich fragt: Wohin führt der Weg? Von Fritz Rosenthal (Ben Chorin).**) lind wenn ihr mich fragt: wohin führt der Weg? Dann sage ich zu euch: zu Ihm! — : Aber verweht und verwehrt ist der Steg Von Flammenschwert-Cherubim!" UrcJ wenn ihr mich fragt: was sollen wir tun? Dann sag' ich euch: ringet mit Ihm) — **) Von Fritz Rosenthal erscheint demnächst eine neue Folge von „Liedern des ewigen Brunnens", aus denen hier eine Probe wiedergegeben sei. „Unser ist Ausfahrt und nimmer ist Ruh'n, Eitel all unser Beginn!" Laßt nicht die Arme in tatloser Rast An euren Leibern erschlaffen, Traget sie, waget sie — G'tteslast Sollt ihr erraffen — und schaffen. Rufet nicht „Rache", rufet nicht „Weh", Hammer und Pflug sei Gewaffen. Rufet den Schatten des Gestern: vergeh! Zwinget das Dämmer des Morgens: besteh! Wenn G'tt sich und Israel trafen. („Das ist Tel Awiw!" — Ein neues Palästina-Bilderbuch.) Das im Verlag M. Leßmann erschienene kleine Palästina-Bilderbuch von Annie' Mainz „Das ist Tel Awiw!" erhebt nicht den Ansprtich, eine systematische Schilderung in Wort und Bild auch nur jenes Ausschnitts des jüdischen Palästina zu geben, auf den es sich von vornherein beschränkt hat. Vielmehr sind hier gewissermaßen Momentaufnahmen zusammengefaßt, wie sie sich dem Beschauer bei einem Rundgang bieten, der mehr einen Gesamteindruck von dem eigenartigen Lebensrhythmus der Stadt als einen genaueren Einblick in ihre sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Grundlagen vermitteln soll. Diesen Eindruck dem Leser und Betrachter weiterzuleiten, ist der Verfasserin zweifellos gelungen, die mit Recht einleitend den Augenblickscharakter ihrer Darstellung betont. Die zahlreichen Bilder des Büchleins wirken lebendig und sind technisch gut reproduziert. Briefkasten. E. H. in J. Ein Freund unseres Blattes in Hamburg macht uns darauf aufmerksam, daß in Hamburg- Altona bereits vor 1800 gedruckte Luchaus vorhanden waren. Schreiber selbst ist im Besitz eines gedruckten Luach vom Jahre upn. Anonym. Die beiden ersten Fragen sind zu verneinen, die dritte ist zu beiahen. Wochenkalender. Vom 22. — 29. Dez. 1934 / Vom 16. - 23. Tebet 5695 ■>nr> r\i 22 16 KHp> N33 Samstag b Sonntag 23 17 xb Montag 24 18 2b Dienstag 25 19 A Mittwoch Dez. 26 nnü 20 ib Donnerstag 27 21 nb Freitag 28 22 Y> Samstag 29 23 2nnn p-un msp Mauled : Samstag früh 4 Uhr 20'/is Min.