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Der Israelit · 1934-12-20 · Heft 51 (20.12.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 51 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 Nr. 51 Der Israelit 20. Dezember 1934 Die Zugkraft dieser Bekanntmachungen auf die Orthodoxie scheint aber dem Komitee noch nicht hundertprozentig gesichert, so wendet sich Rev. M. Bloch, Portsmouth, in seiner Doppeleig<?ngchnft als „streng orthodoxer Rabbiner" und prominenter Fußballspieler, mit einem Appell an die jüdische Weltorthodoxie, insbesondere an die orthodoxen Rabbiner aller Länder, die Makkabibewegung, überall wo Juden leben, mit aller Kraft zu unterstützen und sich für den Erfolg der zweiten Makkabiade, „der größten Demonstration jüdischer Jugend und jüdischer Kraft in Erez Israel", einzusetzen. Der Geist nationaler Disziplin und Solidarität, den er auf der letzten Makkabiade bei den jüdischen jungen Helden wahrgenommen hat, werde ihm unvergessen bleiben. So weit der Herr Rabbiner, dessen Orthodoxie und Fußballspielerqualitäten das Makkabikomitee attestiert und legitimiert. Für die Legitimation im zweiten Punkt erachten wir das Komitee auch als zuständig. Wir glauben nicht, daß sich das orthodoxe Judentum, an seiner Spitze die orthodoxen Rabbiner, von dem Reverend, dem es „der Geist der nationalen Disziplin" angetan hat, irgendwie umstimmen lassen. Wir stehen nach wie vor auf dem Standpunkt, daß eine körperliche Ertüchtigung unserer Jugend in einer Zeit, da das Leben nicht zuletzt an den Juden mannigfache Ansrpüche stellt, denen mit Hand und Fuß zu genügen ist, zu empfehlen und nach Kräften zu Von Bezirksrabbiner Dr. EHe Münk in Ansbach. Seit den nunmehr fast verstrichenen zwei Jahren," die für Deutschlands Juden die große Schicksalswende gebracht haben, warten wir sehnlich und voller Ungeduld auf eine umfassende, grundlegende und überzeugende Sinndeutung dieser Wende, die ausschließlich von der hohen Warte der Thora-Wahrheit aus die Dinge anschaut, prüft und sie bewertet. Wir haben gewiß in diesen zwei Jahren eine Flut von Betrachtungen über die Lehren des Zeitgeschehens erlebt, aber die meisten von ihnen ließen sich von parteigebundenen Erwägungen leiten oder von festgelegten Standpunkten, denen die Fähigkeit zur Objektivierung fehlte. Und was von gesetzestreuer Seite hierüber geschrieben wurde, verhallte entweder völlig wirkungslos in verstreuten Zeitungsartikeln oder vermochte, sofern Die Gebeine Joseis als Zeugnis für Thora und Leben.*) .'in D'»^s?n ">n ]ViN dj? "^nn ">n sjdv bv uns „Die Bahre Josefs wandelte an der Seite der heiligen Lade. Und fragten die Völker: Wie kommt der Tote an die Seite des lebendigen G'ttes?, so sagte man ihnen: Der hier in der Bahre liegt, hielt alles, was in der heiligen Lade aufbewahrt ist." Jalkut, Sch'moth 227. Es ist eine bekannte Tatsache auf dem Gebiete der Ethik, daß mit Theorien allein das Ziel nicht zu erreichen ist. Lebendige Vorbilder als Träger und Erfüller der ethischen Grundsätze müssen dem Volke gezeigt werden, denen es nachstreben soll. Moses vermittelte Israel die Thora, lehrte das Volk auch alle g'ttlichen Vorschriften im Verhaltengegen G'tt und Menschen. Aber sollte Moses selbst ein Vorbild für das Volk sein? Moses ragte zu hoch über das Volk hinaus, war ein G'ttesmann, der sich *) Aus dem demnächst erscheinenden D'ISöfl WS von Rabbiner Feuerwerker, dem von uns bereits angezeigten ausgezeichneten Kompendium von Hesped-Motiven, geben wir obige Homilie als Probe in deutscher Uebertragung wieder. unterstützen sei. Das bedingt aber noch lange nicht, daß man getarnte Olympiaden in dem Lande und auf dem Boden veranstaltet, wo die Makkabäer, deren Namen man noch überdies für diesen hellenistischen Sportkult mißbraucht, gegen den Geist des Oiympos das Schwert führten. Wir finden es übrigens ganz stilgerecht, daß die Sportanbeter sich den Stützpunkt ihrer Organisation nicht im alten Modin, der Heimat der Hasmonäer, errichten, sondern ein ganz neues Makkabäerdorf gründen. Damit wollen sie wenigstens ehrlicherweise bekunden, daß die Makkabäer von heute nicht die von damals sind; daß der Name noch gerade gut genug ist für den Versuch, jüdische Menschen, denen Matisjahu und seine Söhne etwas bedeuten, mit Hilfe eines ad hoc zum Orthodoxen geadelten Rabbiners anzulocken. Im übrigen weiß man aber, daß es nicht der Geist von Modin ist, der die Hände und Füße des heutigen Makkabi bewegt und in Schwung bringt, es ist ein neues Dorf, ein neuer geistiger Bezirk, von dem aus keine Wege nach dem alten Modin führen . . , Die Alten aus Modin waren keine Spieler, sie kämpften nicht mit Fuß und Hand, sondern mit der Glut ihrer Seele, für die Seele des jüdischen Volkes. Die Heutigen spielen — spielen mit den heiligsten Gefühlen und Begriffen des jüdischen Volkes. Das muß zu einer Niederlage führen, auch wenn die Jury ihnen die ersten Preise zusprechen sollte. Erez Jisrael in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt wurde, keine unmittelbare Wirkung auszuüben. Denn für die Masse der in Deutschland bleibenden Juden stellt Erez Jisrael keine greifbare Realität dar und zudem bleibt die rein geschichtliche Folge, die sich in einem politischhistorischen Vorgang vorbereitet, für uns immer problematisch. So blieb denn bis heute selbst innerhalb der Orthodoxie alles so ziemlich beim alten, weil die Sinndeutung unseres Erlebens und die damit verbundene neue Marschroute gänzlich fehlte. Es ist das große Verdienst des jungen Bezirksrabbiners von Ichenhausen, Simon Schwab, endlich den Versuch gewagt zu haben, in einer großangelegten Schrift voll ernster, unerbittlicher und unbestechlicher Selbstkritik zunächst den Sinn des tragischen Geschehens zu zuweilen zur Engelshöhe erhob. Ein Mann, der vierzig Tage und vierzig Nächte auf Speis und Trank verzichten konnte, er konnte nicht Muster und Beispiel für Menschen sein, die mitten im Leben, vom Kampfe dieses Lebens stets bedroht sind und von den Unzulänglichkeiten des Daseins in ihrem Streben behindert sind. Moses zeigt eine Hohe an, die ein gewöhnlicher Sterblicher nicht erreichen kann, und SO könnte man zu der irrigen Auffassung gelangen, daß die Thora nur für erkorene Mosesnaturen bestimmt sei und sich mit dem täglichen Leben nicht vertrage. Anders aber Joseph. Er stand mitten im Leben und kannte das Leben in. all seinen Schattierungen, von den Sklavenketten bis zum Königsthrone. Er beherrschte die Kunst, mit allen Menschen in ihren Zungen zu sprechen und hatte auch Gelegenheit, in die Niederungen sittlicher Verkommenheit zu schauen. Und bei all dem blieb Joseph durch alle Wandlungen seines Lebens ein würdiger Sohn Jakobs, ein Träger abrahamitischer Traditionen. Die Lichtgestalt des großen Vaters stets vor Augen, übertrug er die Lehre der g'ttlichen Weisheit und Wahrheit auch auf seine Kinder. Gerade Joseph war wie kein Anderer dazu geeignet, dem Volke als leuchtendes Beispiel voranzuziehen, als Bild und Beispiel dafür, daß Thora und Leben keine Gegensätze sind, sondern eng zusammengehören. Das der Sinn jener Jalkutstelle von dem Zusammengehen der Bahre Josephs mit der heiligen Lade des Weltenschöpfers. Das dürfte auch der Sinn des Psalmsatzes 81 sein /D'isn pK Vy iriKsn ini? t]DW3 rvny Josef wird als Zeugnis dafür angerufen, daß die Thora auch und erst recht im Leben betätigt werden kann und muß. D'tsa p« bv lnsxa, sein Lebensweg ermitteln und sodann das sich hieraus ergebende Programm des künftigen Weges zu entwerfen. Wir sagen Versuch, weil derartige Umwälzungen ihren letzten Sinn oft erst nach Jahren und Jahrzehnten offenbaren. Allein die unmittelbare Wirkung, die selbst das unbegreiflichst scheinende Leiden sinnvoll gestaltet und nicht nur ertragbar macht, sondern bereits innerlich überwindet, besteht immer in der inneren Läuterung und Erhebung. Diese unmittelbare Wirkung hervorzurufen hat Rabb. Schwab in seinem soeben erschienenen Buch „Heimkehr ins Judentum" (Hermon-Verlag, Frankfurt) den Versuch unternommen. Er hat zur rechten Zeit die rechten Worte gefunden. Mit schonungsloser Offenheit deckt er die Sünden der Vergangenheit auf, den religiösen Verfall Israels, sein Abirren vom Wege, seine Schuld und seine Schmach. Es ist eine erschütternde große Abrechnung, die er mit seinem Volke hält. Und wenn sich dei Verfasser als einen der allerjüngsten Söhne seines Volkes bezeichnet, worin er offenbar für die Wirkung seiner Worte einen Nachteil erblickt, so sehen wir hierin vielmehr den gewaltigen Vorteil, daß er frei von allen Hemmungen und Bindujigen, die oftmals die Erfahrenen beschweren, die ganze nackte Wahrheit furchtlos und rücksichtslos hinauszurufen den wunderbaren Mut findet. Niemand kann diese Seiten lesen, ohne ihre Berechtigung innerlich zu bejahen, Sie werden Viele aufwühlen, packen, , ergreifen und begeistern. Indessen bietet dieses Bekenntnis der eigenen historischen Schuld nur die Voraussetzung für den nachkommend kurz kizzierten Gedankengang des Verfassers. Ein dreifaches Joch lastet auf Israels Schultern, das Joch des Golus, das die G'ttesnähe bannt, das Joch der fremden Herrschaft, das Israels stolzen Wahn einer nationalen Souveränität bricht und endlich das Joch der fremden Kultur, das Israels geistige Hoheit niederbeugt. Ist aber Israel vom Geiste der Thora erfüllt und durchdrungen, dann gewinnt es die G'ttesnähe. die sein ganzes Dasein mit Würde und Weihe umgibt, es sammelt sich in freudiger Bereitschaft unter G'ttes alleiniges Königtum und findet seine ihm eigene weltbefruchtende Kultur wieder. Darum kann das Programm der Gegenwart nicht anders lauten als: Teschuwah!, allgemeine, entschlossene, radikale Umkehr und Heimkehr ins Judentum. Die Vorbedingungen für diese Teschuwah und vor allem ihre konkrete Verwirklichung, die in der Forderung einer umfassenden Lernbewegung gipfelt, behandelt der Verfasser in drei aufschlußreichen Kapiteln, die sowohl die führte ja durch Mizrajim, durch alle „49 Tore der Tumah" in Aegypten und dennoch bewährte er sich in Treue zum Gesetze. Darum na nvjmi '»y WH „höre mein Volk, ich stelle dir einen Zeugen," — Josef als Zeugen dafür, daß Thora und Leben eng zusammengehören. Zur D'^fo^-Lesart Zu der in der Literarischen Notiz des Herrn Rabbiner Dr. Dünner, Köln in Nr. 50 des „Israelit" vorgeschlagenen Korrektur zur Rambamstelle: K"' na^n pB j'pitj rmbri' verweise ich auf die Erklärung des muena zu 'n r\wn 'n jns pou» in der es heißt: oa ]nyo awns? /pn ffvsi ,rremV ->awi es jmi o'U o^ann •■pna sVs ns?y sV Kin ^ax ,nv»b "laipi wxb Bartenora faßt, wie es scheint, diese Stelle so auf: Wenn der Sofer in seiner Absicht, den Get dem Manne und die Quittung der Frau zu geben, sich geirrt hat, d. h. sein Irrtum bestand eben in der Verwechslung. Daß diese Lesart Schwierigkeiten bereitet, hat x-nstm durch den Nachsatz: sin pmm zugegeben. Daß es sich aber tatsächlich um eine andere xo*va und nicht bloß um einen "ibio rnyu handelt, scheint rmima aus dem D"aann B?wa zur angeführten rufen in entnommen zu haben, wo D*ani im Sinne seiner kdt'J in min nwn kommentiert, Dr. Jacob Kohn. j Zum gleichen Thema wird uns ferner geschrieben: 1. Die Lesart in Rambam H. Ger. 10, 11 wird von Bartenora im Kommentar zu Mischna Gittin 8, 8 besprochen. 2. Meines Erachtens liegt keine Heimkehr ins Judentum.

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