Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 51 (20.12.1934)
- Date
- 1934-12-20
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 Nr. 51 Der Israelit 20. Dezember 1934 Judenfrage auf dem internationalen Faschistenkongreß- Genf, 17. Dezember, Auf dem ersten internationalen Faschistenkongreß, der am 17. Dezember in Montreux zusammentrat, und an dem Vertreter von 16 faschistischen Verbänden aus 14 Ländern teilnahmen, beschäftigte sich der Vertreter der antisemitischen rumänischen Organisation „Eiserne Garde", Jan M o t a , mit der Judenfrage, für die er eine internationale Lösung im antisemitischen Sinn verlangte. Er wurde von dem Präsidenten des Kongresses, einem italienischen Faschisten, mit dem Bemerken unterbrochen, daß die Judenfrage im gegenwärtigen Augenblick nicht besprochen, werden solle. Nach einem in der „Frankf. Ztg." veröffentlichten Berichte der D. N. B. wurde aber nach ziemlich heftigen Erörterungen eine von den der „Weisen von Zion". Bern, 16. Dezember. Der in dem Berner Prozeß um die „Protokolle der Weisen von Zion" von den Angeklagten benannte Sachverständige, Oberstleutnant a. D. Fleischhauer aus Erfurt, hat im Ge- D a n z i g , 13. Dezember. Dieser Tage ist das Hafenabkommen Danzig-Polen um ein weiteres Jahr verlängert worden. Dieses Abkommen enthält eine besondere, die Juden in Danzig betreffende Klausel, in der es u, a. heißt, daß die jüdischen London, 13. Dezember. Wie aus Cypern der ITA. gemeldet wird, wurde dort ein Gesetz erlassen, durch das jeder Erwerb von Grund und Boden in Cypern von einer vorher zu erteilenden Erlaubnis des Gouverneurs ab¬ London, 16. Dezember. Der polnische Gesandte in London, Graf Raczynski, empfing eine Abordnung der Agudas Jisroel, bestehend aus den Herren H. A. Goodman, Rabbi Twersky und Rabbi Dr, Schönfeld. Herr Goodman, der ehrenamtliche politische Sekretär der Agudas Jisroel- Weltorganisation, begrüßte in deren Namen den neuen Gesandten und gab der Hoffnung Ausdruck, daß Graf Raczynski die Bemühungen zur Verbesserung der Lage der polnischen Judenheit unterstützen werde und daß die guten Beziehungen, die unter seinem Vorgänger, Graf S k i r - mu n t, zwischen der Aguda und der polnischen Gesandtschaft in London bestanden, auch unter ihm fortgesetzt werden würden. Der Gesandte gab seiner besonderen Genugtuung über diese Zusammenkunft mit einer Abordnung der Aguda Ausdruck, da zwischen dieser Organisation in Polen und der polnischen Regierung stets freundschaftliche Beziehungen bestanden hätten. Er sei stets der Ansicht gewesen, daß Schwierigkeiten durch Verhandlungen in freundschaftlichem Geist leichter behoben werden könnten als auf andere Weise. Er sei überzeugt, daß es den Wünschen der polnischen Regierung entspreche, wenn er die freundlichen Beziehungen, die von seinem Vorgänger zwischen der polnischen Gesandtschaft und der Agudas französischen, belgischen und norwegischen Vertretern unterbreitete Entschließung einstimmig angenommen, die besagt, daß jedes Land souverän sei, über Fragen der Rasse und Moral zu urteilen, daß die jüdische Frage jedoch nicht zu einem allgemeinenFeldzug des Hasses und der Verfolgung Anlaß geben könne, daß sich aber zahlreiche Juden und gewisse Gruppen von Juden „im eroberten Lande" wähnen und den moralischen und materiellen Interessen ihres Landes Schaden zufügen. Sie bildeten eine Art von Staat im Staate und benutzten die wohltätigen Einrichtungen, ohne an den Pflichten teilzunehmen. Auch hätten diese Elemente die Weltrevolution unterstützt. Daher wende sich der Kongreß gegen die vei'nichtende Tätigkeit dieser Elemente und verpflichte sich, sie zu bekämpfen. rieht Einsicht in die Akten genommen. Gerichtspräsident W. Meyer hat dem Experten eine Fristverlängerung bis zum 15. Januar gewährt. Unter diesen Umständen ist mit der Wiederaufnahme der Verhandlung vor Ende Januar oder Anfang Februar nicht zu rechnen. Kaufleute volle Freiheit für die Ausübung ihrer geschäftlichen Tätigkeit im Danziger Gebiet genießen und daß der Senat darüber wachen wird, daß diese Freiheit in keiner. Wei se angetastet oder eingeschränkt wird. Post" gibt der Meinung Ausdruck, daß mit dem neuen Gesetz beabsichtigt sei, die jüdische Einwanderung nach Cypern einzuschränken, obwohl diese Einwanderung die wirtschaftliche Entwicklung der Insel gefördert habe. Jisroel hergestellt wurden, auch weiterhin fortsetze. Die Rabbinerwahlen in Warschau. Für den letzten Sonntag war die definitive Wahl der vorgeschlagenen Rabbiner und damit verbunden die Konstitution des Warschauer Rabbinates mit einem Oberrabbiner an der Spitze angesetzt. Obwohl die orthodoxe Majorität alle Vorbereitungen so getroffen hatte, daß die Nominierung nur noch eine Formalität schien, gelang es doch im letzten Augenblick den Zionisten, mit Hilfe des Misrachi und den sogenannten unparteiischen Baalebattim, welch letztere sich im entscheidenden Momente als unentschlossen zeigten, die Sache' hinauszuschieben, Der Wahltermin mußte noch einmal vertagt werden. Man darf aber hoffen, daß schon in kürzester Zeit die Angelegenheit im Sinne der orthodoxen Mehrheit ihre definitive Regelung erhält, um so mehr als die Machenschaften^ der Gegenparteien immer mehr in sich zusammenfallen. Abschiedsvortrag von Dr, M. Auerbach in der Berliner Agudas Jisroel, Berlin, 19. Dez. Rabbiner Dr. Moses Auerbach, Berlin sprach vor seiner Uebersiedlung nach Erez Jisroel "in einer großen Versammlung der Berliner Agudas Jisroel und des Noar Agudati über „Religiöse Erziehungsproblemein. Erez Jisroel". Der Abend gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Abschiedskundgebung für den verdienten Vorsitzenden der deutschen Landesorganisation der Agudas Jisroel, Dr. Auerbach schilderte eingangs in beredten Worten die widerspruchsvolle Lage in der Judenheit des heiligen Landes. Vor kurzem nur das Land der Tauroh, ist Erez Jisroel heute. Brennpunkt der verschiedensten jüdischen Richtungen. Dem Jischuw joschon mit seinem starken Willen zur Behauptung in der Geisteswelt des Taurohlernens steht der Jischuw hechodosch mit bewußtem Streben nach Neuem gegenüber. Der Gegensatz zwischen alten und neuen Einwanderern bringt eher noch Verschärfung dieser geistigen Spannungen. Sie prägen sich im Erziehungswesen besonders aus: Antireligiöse Schulen — ohne Gedanken an G'tt —, religiös-neutrale — mit kaum verdeckbarer innerer Leere —, religiös-orientierte Schulen — nicht alle Lehrer sind vom eigentlichen Wert des Religiösen überzeugt» Es gibt aber nur, so führte Dr. Auerbach aus,, ein Entweder-Oder, Religion oder Materialismus. In den rein religiösen Schulen müssen die Kinder für Tauroh und Awaudo leben. Auch im heiligen Lande müssen wir mit dem Leben rechnen — der Wirtschaft, der Politik und dem Sozialen. Es gilt einen Weg zu bahnen, daß dies alles von der Tauroh beherrscht wird. Das jüdische Volk kann nicht leben ohne taurohgestaltete Erziehung, die das Weltliche religiös gestaltet, — nicht das Religiöse verweltlicht. Der Jischuw Erez Jisroel al pi hatauro muß geschaffen werden. Das Volk der Tauroh kann nicht darauf verzichten, die Intelligenz in den Dienst der Tauroh zu stellen. Die Ueberzeugtheit von der g'ttlichen Wahrheit ist vor allem zur Erziehung nötig, soll sie dem Aufbau des heiligen Landes dienen. Die häufige Abgewandtheit von diesen Dingen führt zu einer Verantwortung des Nichtstuns, die schlimmer ist als die Verantwortung des Tuns. Wir wollen unsere Kinder zu einem Streben nach Keduschoh erziehen, dem nichts „nur profan1* erscheint. Herr Jacob L e v y dankte dem verehrten Redner namens der Berliner Agudas Jisroel für seine langjährige Tätigkeit. Als schlichtes äußeres Zeichen dieses wohlverdienten Dankes überreichte er einen silbernen Kidduschbecher. Herbert Sonn (als Vertreter der Jugend) feierte Dr. Auerbach als den innerlich beglaubigten Führer und stets hilfsbereiten Ratgeber. Nur die agudistische Tat kann unser Dank sein. Als letzter Redner sprach Herr Rabbiner Dr. Esra Münk für die zentralen Körperschaften der Agudas Jisroel. Seine begeistert aufgenommenen Ausführungen knüpften an die Bedeutung des 10. Tewes an und schlössen mit der Hoffnung auf das Fortbestehen der geistigen Beziehungen zwischen Dr. Auerbach und seinen Freunden in Deutschland. Herr Kantor Apfel brachte zwei religiöse Gesänge gefühlvoll zum Vortrag und beschloß damit die Versammlung. Sie war ein würdiger Abschied für den überaus verdienstvollen und verehrten Herrn Rabbiner Dr. Auerbach. Zusammenschluß aller jüdischen Kooperativverbände in Polen« Warschau, 18. Dezember. Nach längeren Verhandlungen wurde ein Zusammenschluß sämtlicher jüdischer Kooperativverbände Polens des Allgemeinen Kooperativverbandes in Warschau, des Kooperativverbandes; für Galizien und des Kooperativverbandes der Aguda zustandegebracht. Hierdurch sind die jüdischen Kooperativgenossenschaften in der Lage, das für ihre Fortexistenz wichtige Recht der Bestellung eines eigenen Revisionsverbandes, das nach dem neuen Kooperativgesetz an eine bestimmte Größe des Mitgliederstandes gebunden, ist, für sich in Anspruch zu nehmen. Der Berner Prozeß um die Protokolle Judenklausel im Hafenabkommen Polen-Danzig. Erschwerung des Bodenerwerbs in Cypern? hängig gemacht wird. Die „Morning Aguda-Abordnung beim Londoner polnischen Gesandten