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Der Israelit · 1934-12-20 · Heft 51 (20.12.1934) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 51 (20.12.1934)
Date
1934-12-20
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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21.DEZ.-193* Frankfurt a. M. 20. Dezember 1934 14. Tebet 5695 Nummer 51 London, 17. Dezember. In der letzten Sitzung des Board of Dep u t i e s of British Jews gab dessen Vorsitzender, Neville L a s k i, der den Bericht des Joint Foreign Committee vorlegte, einen Ueberblick über die derzeitige Lage der Juden in Mittel- und Osteuropa. Neville Laski hob die Bemühungen der d e u tschen Juden um den Ausbau ihrer sozialen und kulturellen Einrichtungen mit besonderer Anerkennung hervor und erklärte, die jüdischen Stellen in Deutschland dürften mit Hecht erwarten, daß sie für diese öffentliche Arbeit auch in den jüdischen Kreisen außerhalb Deutschlands Verständnis und Förderung finden. Was Oesterreich betreffe, so könne er sich auf das Urteil maßgebender Instanzen berufen, wenn er feststelle, daß Anzeichen für 'eine günstigere Gestaltung der von der Regierung axisgehenden Tendenzen in Bezug auf die Behandlung der Judenfrage vorhanden sind und daß die jüdische Lage für den Augenblick eine 'etwas freundlichere Tönung zeigt. Dagegen hätten in den baltischen Staaten die nationalistischen Tendenzen eine bedrohliche Form angenommen; man suche die Juden aus dem Handel zu verdrängen. Demgegenüber solle darauf hingewiesen werden, daß die öffentliche Meinung Englands, das im Außenhandel der baltischen Staaten die bedeutendste JRolle spielt, für solche Bestrebungen und Methoden kaum Verständnis haben dürfte. In der Freien Stadt D a n z i g ist der Präsident des Senats zurückgetreten. Auf Grund der Verfassung haben die Juden dort dieselben bürgerlichen Rechte wie die übrigen Einwohner, doch seien diese Rechte nicht respektiert und entsprechend gewahrt worden. Zur Aenderung dieses Zustandes seien unablässige Bemühungen erforderlich; es handle sich hier um eine Angelegenheit, bei der der Völkerbund seinen Einfluß geltend machen müßte. Was Polen anbetrifft, so hofft er, daß die eben unterzeichneten Handelsverträge zwischen Polen und England einen Anreiz für den Handelsverkehr zwischen den beiden Ländern bieten würden. Die Beseitigung antijüdischer Diskriminierung bei der Erteilung von Export-Lizenzen würde , es den polnischen Juden in hohem Maße erleichtern, die Interessen ihres L andes wahrzunehmen. Wir wünschen, erklärte Neville Laski, daß es Polen gut gehe; wir wünschen aber .auch, daß es seinen Juden gut gehe. Zum Schluß'warnte der Präsident des Board davor, die Bedeutung der Judenfrage im Rahmen der gesamten Nachkriegsprobleme zu überschätzen. Man müsse die Dirlge in richtiger Proportion sehen und dürfe nicht erwarten, daß die Jucenfrage von den Staatsmännern in allererster Reihe in Betracht gezogen werde, besonders heute, da doch so große allgemeine Problame wie das der Erhaltung des europäischen Friedens, im Vordergrund des politischen Interesses ständen. Man müsse sich darauf beschränken, mit den bescheidenen Hilfsmitteln, die zur Verfügung stehen, das möglichst Beste zu leisten. Flammende Proteste könnten keine befriedigende Wirkung erzielen. Weit mehr könne durch Aussprache von Angesicht zu Angesicht und durch verständnisbereite Besprechungen am Verhandlungstisch erreicht werden. Man könne nicht jedes Mal Protestkundgebungen veranstalten, wenn man Enttäuschungen erlebt. Schließlich kündigte Neville Laski seine und Sir Osmond d'Avigdor Goldsmids unmittelbar bevorstehende Abreise nach Amerika an. Wegen der bürgerlichen Feiertage erscheint die nächste Nummer des „Israelit" am Freitag, den 28. De2ember 1934. Aus dem Inhalt; Judenfrage auf dem internationalen Faschistenkongreß .......Seite 2 Der Berner Prozeß um die „Protokolle" Seite 2 Die Rabbinerwahlen in Warschau . . Seite 2 Zusammenschluß aller jüdischen Kooperativverbände in Polen . . Seite 2 „Gerechtigkeit" gegen „Erfüllung" . . Seite 3 Heimkehr ins Judentum Von Rabbiner Dr. Ehe Münk . . Seite 4 Mittelstandssiedlung in Erez Jisroel . Seite 5 Ritualmordlegende in Polen.....Seite 7 Die Juden in Jugoslavien......Seite 7 Rumänische Landesversammlung der Agudas Jisroel .........Seite 7 Palästinaberichte ......Seite 7 u. 8 Kinderecke............Seite 10 neg Von Dr, Maximilian Landau in Berlin, I. In der jüdischen Oeffentlichkeit ist in der letzten Zeit eine lebhafte Diskussion über den Sabbat im Gange. Dank dem Erlaß der Schulverwaltung, der die Möglichkeit einer Dispensierung jüdischer Schüler an Samstagen vorsieht, haben die Vertreter der deutschen Judenheit und der jüdischen öffentlichen Meinung Gelegenheit bekommen, sich auch einmal über den Sabbat Gedanken zu machen. Die Reichsvertretung hat einen eindringlichen Aufruf erlassen, und in der jüdischen Presse aller Richtungen wird gar viel über eine würdige Ausgestaltung des Sabbattages gesprochen. Auch das Hamburger Familienblatt hat etwas zu diesem Thema zu sagen. In'einem Leitartikel: „Um den siebenten Tag" (in Nr, 47) müht es sich mit Ernst und viel gutem Willen um das Sabbatproblem und spricht dabei eine Reihe von treffenden Ansichten aus, denen man die Zustimmung nicht versagen kann. Um so frappierender wirken dann im weiteren Verlauf des Artikels Aeußerungen, die wieder einmal zeigen, wie schlecht es bei den Hütern unserer öffentlichen Meinung um das Verständnis auch der elementarsten Begriffe und Tatsachen bestellt ist, sobald es-sich um religiöe Dinge und um das altgläubige Judentum handelt. Beim Sabbat des streng-religiösen Juden — meint das Blatt — lag und liegt die Betonung nicht auf dem O n e g, sondern (zum Unterschied von den Liberalen) auf dem Schabbat im ungeschmälert-altjüdischen Sinne, in dem er, der Sabbat, an religiöser Bedeutung vielen unserer Feste sogar überlegen, zwar auch der Tag der Gefühlsaufwallung, i n erster Linie jedoch der. des gedanklichen ,,Sich-Vertiefens in die Lehre" ist. ..Ebenso abträglich" — kann das Familienblatt nicht umhin, es „offen" (und in fetten Lettern) auszusprechen — „war dem deutschen Judentum die zum ausschließlich Gefühlshaften hinlenkende Entwicklung wie die andere, die die Orthodoxie in der Prägung eines Samson Raphael Hirsch zur Begründung ihrer Separatgemeinden veranlaßte. Dieses Oneg oder Schabbat drohte die Glaubensgemeinschaft des deutschen Judentums in zwei Gemeinschaften zerfallen zu lassen. Lebendes Judentum aber, das Judentum des ..Gefühlischen" (wie die Zeit Schleiermachers solche „fortgeschrittenen" Religionen gerne nannte) und des Lernens — ein solches Judentum hat uns deutschen Juden gefehlt." •Wieso gerade die unabhängige Orthodoxie in der Prägung eines Samson Raphael Hirsch für etwas verantwortlich gemacht wird, was eine Zeile vorher als zeit- und raumloses Charakteristikum des strengreligiösen Juden schlechthin dargestellt wird, ist für den an logisches Denken Gewöhnten nicht leicht ersichtlich — es sei denn, daß von der schönen, zur Tradition gewordenen Gewohnheit, unter allen Umstän- (Fortsetzung auf Seite 3,)

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