Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1934)
- Date
- 1934-12-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 10 Nr. 50 Der Israelit 13. Dezember 1934 ausgeübt — sich lieber der Landwirtschaft als einem städtischen Beruf zu widmen. Darum werden ihnen durch die Siedlungsaktion nur in den landwirtschaftlichen Siedlungen Wohnstätten zur Verfügung gestellt. Wenn die Emigranten nach Palästina kommen, bemerkte Dr. Landauer, dann sind sie keine Emigranten mehr, sondern Siedler. Man könne feststellen, daß sie vielfach sich die hebräische Sprache in erstaunlich kurzer Zeit aneignen und sich bemühen, tief in die hebräische Kultur einzudringen. Die von der Ansiedlungsaktion für deutsche Juden eingerichteten Um- . Schulungskurse werden von ihnen mit großem Eifer besucht und zwei Jahre reichen aus, um aus einem Arzt einen Bauern zu machen. Viele nach Palästina kommende deutsche Juden besäßen keine eigenen Mittel. Diese Menschen würden den bestehenden Kolonien eingefügt. Neue Siedlungen für sie zu er richten, würde weit größere Summen erfordern, als sie gegenwärtig dem Büro zur Verfügung stehen. Auch diejenigen, die zur sogenannten Kapitalistenkategorie gehören, die Leute, die Kapitalien von je 1000 Pfund oder mehr besitzen, seien auf Beistand angewiesen Zu den Arbeiten des Büros gehören neben Ueberwachung der kulturellen Anpassung auch die Organi sierung kollektiven Bodenkaufs durch Gruppen von Kapitalisten, Durchführung der erforderlichen Bewäs serungsarbeiten und Brunnenbohrung. Die Kosten für diese ersten Investitionen werden später von den Siedlern rückerstattet. Zeire Agudas Jisroel in Amerika. New York, 5. Dez. Die Zeire Agudas Jisroel in New York hielten ihre Jahreskonferenz ab. Wie das „Morning Journal" berichtet, umfaßt die Organisation 13 Bezirksgruppen in der Stadt New York. Ihre Tätigkeit erstreckt sich auf das Gebiet des Chinnuch, des Studiums des Dafjaumi, Förderung der Sabbatbeobachtung, Unterstützung der von den Bnos Agudas Jisroel für die Mädchen eingerichteten Fortbildungsinstitutionen und die Herausgabe eines periodischen Blattes unter dem Titel „Agudo-World". Die Konferenz wurde von dem Vorsitzenden, Herrn J. Strahl, geleitet, der an die gesamte orthodoxe Jugend appellierte, der Bewegung sich anzuschließen. Insbesondere die die Jeschiwos besuchenden Kinder hätten die Pflicht, nach Abschluß ihrer Studienjahre sich in die Reihen der Zeire Agudas Jisroel zu stellen. Rabbiner Morgenstern betonte die Notwendigkeit, daß die Zeire Agudas Jisroel für das Recht auf Arbeit unter Wahrung des Sabbats einen Kampf auf breitester Grundlage führten. Vor allen Dingen dürften Juden, die selber Schabbos halten, keine anderen Arbeiter und Angestellte beschäftigen als solche, die ihrerseits auf Grund ihrer Gewissensüberzeugung den Sabbat hielten. Es sprachen noch die Herren Rabbiner F e i - welsohn, Adler, Dr. J. Simon, Rabbiner L. J. Kahane, Die Tagung schloß mit der Annahme des Arbeitsplanes für das kommende Semester und einer Reihe von Resolutionen zu allgemein-jüdischen uifd agudistischen Fragen. Die neue Exekutive besteht aus den Herren Strahl, Simonows, Bernstein, Friedmann, Plotzker und Glück. Afrika. Neuordnung des jüdischen Gemeindelebens in Tripolitanien. Tripolis, 5. Dez. Im Auftrage des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens weilte der Rabbiner Dr. Gustavo Castelbolognesi mehrere Monate in Tripolitanien, um das jüdische Gemeindeleben in dieser italienischen Kolonie zu vereinheitlichen und auf neue Grundlagen zu stellen. Nunmehr ist Dr. Castelbolognesi zum Oberrabbiner und Vorsitzenden des Rabbmerraleo in Tripolitanien gewählt worden. Das neue rabbinische Oberhaupt wird das jüdische Schulsystem, das hier im argen liegt, reformieren und im jüdischen Geist ausbauen. Die jüdische Gemeinde in Tripolis zahlt etwa 15.000 Seelen. Vermischtes. 250 Jahr-Feier der „Großen Synagoge" in Altona. Hamburg, 10. Dez. Unter großer Beteiligung der Dreigemeindori Hamburg-Altona-Wandsbeck beging am Sonntag die „Große Synagoge" in Altona die Feier des 250jährigen Bstehens. Ueber 1000 Menschen waren in dem äußerlich unansehnlichen, innen aber um so schöneren und würdigen G'tteshause versammelt. Vertreter verschiedener Organisationen waren erschienen. Nach einleitendem Chorgesang sprach der Altonaer Gemeindevorsitzende, Sanitätsrat Dr. F r a n c k, Worte der Begrüßung. Rückschauend auf die seit der Gründung der Synagoge abgerollten Schicksale unserer jüdischen Gemeinschaft betonte er dankerfüllt, daß in dieser langen Zeit der Strom der Andächtigen niemals versiegte und das Wort G'ttes in schwerer Zeit starker als je in der Altonaer Gemeinde gehört und gelebt werde. Sanitätsrat Dr. Franck sprach das Seelengebet für die Verstorbenen und führte sämtliche Rabbiner, die seit 250 Jahren in der Synagoge amtiert hatten, namentlich auf. Die Festrede hielt Oberrabb. Dr. Ca r 1 e b a c h , Altona, der die Synagoge als das Heim des jüdischen Menschen feierte, den Ort, an dem er sein eigenes Ich leben könne. Für die Reichsvertretung sprach Rabbiner Dr. H o f m a n n aus Frankfurt. Mit dem Schlußgesang des Hallelujah endete die würdige Feier. (Siehe auch Seite 14.) Berlin, 9. Dez. Ein Nationalsozialist in führender Stellung, schon seit langem entschiedener Antisemit, hatte, wie die „Deutsche Zeitung" meldet, einen jüdischen Geschäftsmann schärf angegriffen und ihm vorgeworfen, er wolle sich mit Hilfe eines jüdischen, nicht einwandfreien Zeugen auf typisch jüdische Art um seine Zahlungsverpflichtung drücken. In dem Zivilprozeß, der von dem jüdischen Geschäftsmann gegen den Nationalsozialisten angestrengt wurde, amtierte ein jüdischer Richter. Der Nationalsozialist beantragte, den Richter auf Grund jenes Sachverhalts wegen Besorgnis der Befangenheit nach § 42 ZPO abzulehnen, da er berechtigtes Mißtrauen gegen dessen Unparteilichkeit haben müsse. Das Kammergericht in Berlin, hat den Standpunkt des beklagten Nationalsozialisten gebilligt und die Ablehnung des jüdischen Richters als berechtigt anerkannt. In den Gründen der Entscheidung heißt es: ,.Es ist zu verstehen, wenn der . . . Nationalsozialist im Hinblick auf den geschilderten Sachver-1' halt behaupte, er könne sich nicht denken, daß der abgelehnte Richter, der ebenso wie der klagende jüdische Geschäftsmann Jude und infolge der neuen Beamtengesetzgebung an das Landgericht versetzt worden ist, solange im Gleichgewicht .geblieben sei und ihm als Nationalsozialisten gegenüber dieselbe Stellung einnehme wie gegenüber . . . seinem jüdischen Rassegenossen. Im übrigen ist auch im Dienstwege festgestellt worden, daß sich der abgelehnte Richter durch die entschiedene Ablehnung des Judentums, die der Nationalsozialist geäußert hatte, schwer getroffen und verletzt gefühlt hat. Ist das aber der Fall, so sind die Bedenken des Nationalsozialisten gegen die Unparteilichkeit des jüdischen Richters, selbst wenn dieser den besten Willen haben sollte, volle Sachlichkeit zu wahren, doch gerechtfertigt. Mainz, 7. Dez. Die Unterrichtsanstalt der Israelitischen Religionsgesellschaft Mainz begeht demnächst die Feier ihres 75jährigen Bestehens und plant aus diesem Anlaß am 20. Januar eine festliche Veranstaltung und die Herausgabe einer Festschrift. Um sämtliche früheren Schüler zu dieser Feier einladen und ihnen die in Aussicht genommene Festschrift zustellen zu können, werden alle Schüler und Schülerinnen der Anstalt gebeten, ihre derzeitige Adresse dem Schulleiter, Herrn Rabbiner Dr. Bamberger, Mainz, Neubrunnenstraße 19 gefl. sofort aufgeben zu wollen. — Bei dieser Gelegenheit sei noch bemerkt, daß unsere Schule, gemäß den Anforderungen der Zeit, ausgebaut wurde. Anmeldungen zum neuen Schuljahr, auch aus den Nachbargemeinden, werden schon jetzt entgegengenommen. Bad Kreuznach, 5. Dez. Am Sabbat von Chanukah hat die Jüdische Kinderheilstätte Bad Kreuznach, die bis dahin eine eigene Thorarolle nicht besessen hat, eine solche mit Schrein und Silberschmuck erhalten. Das prachtvolle Sefer mit Zubehör entstammt ursprünglich dem Hause des in Köln unvergessenen Bankherrn und Gemeindevorstehers Simon Simon. Vor Jahresfrist ist es in den Besitz des Gemeinderabbiners Dr. Rosenthal übergegangen und hat nunmehr, als Schenkung des Rabbiners und seiner mit der Kreuznacher Anstalt seit deren Gründung aufs engste verbundenen Gattin, in dem mit Naturschönheit wie mit Menschengüte in gleicherweise begnadeten Kreuznacher Heim die würdige und bleibende Stätte gefunden. — Der G'ttesdienst am Freitagabend wie auch am Sabbatmorgen war von dem jungen Lehrer Mordechai K o h n geleitet, einem Zögling der Jawne und des Seminars in Köln, der, als „Kind" der Heilstätte, dort sein jüdisches Wissen und Streben' in den letzten Jahren in fruchtbarer Weise zur Geltung hat bringen können. Vor ,,Baui bescholaum" wurde"* die Thora zu ihrem Schreine gebracht. Dr. Rosenthal begrüßte sie mit bewegten Worten und übergab sie der Obhut der Schwester Oberin Sophie. — Rechtsanwalt J o ii a s , Köln, der erste Vorsitzende des Kuratoriums, dankte darauf in herzlicher Weise den Geschenkgebern und betonte, daß damit das Band zwischen ihrem Hause und der Anstalt, wenn überhaupt möglich, noch Qnger geknüpft worden sei. Im Mittelpunkt des Sabbatmorgeng'ttesd'enstes, dem auch Mitglieder der Kreuznacher Gemeinde beiwohnten, stand die festliche Vorlesung der Sidrah aus dem neuen Sefer; dem G'ttesdienst schloß sich ein „Lernen" an. Bei der Mittagstafel kam treues Bekenntnis zu Thora und Judentum zum beredten Ausdruck in den klassisch hebräischen und musterhaft deutschen Ansprachen aus dem Kreise der Jugendlichen, die durch das Kreuznacher Heim hindurchgegangen sind. — Welche Feierstunden sich noch angeschlossen haben: der Oneg Schabbat der jungen Leute am Nachmittag; die erste Chanukahfeier am Sabbatausgang; das Kinderfest am Sonntagnachmittag mit reicher Beschenkung durch hochherzige Freunde der Anstalt, unter freudiger Anteilnahme weiter Kreise aus Kreuznach und Umgegend — das soll nur angedeutet sein. Aber nicht verschwiegen sei, daß alles, das Größte wie das Kleinste, den Stempel jener jüdischen Verinnerlichung, jener hingebungsvollen Menschlichkeit, jener umsichtigen Weisheit trug, aus denen Schwester Oberin Sophie mit ihren Helferinnen die Kreuznacher Anstalt be-' treut und beglückt. Straßburg, 4. Dez. Sonntag, den ersten Tag Chanukah, veranstaltete das hiesige Komitee des m-Ti einen gemütlichen Abend. Einleitend". sprach Herr Strauß einige warme Begrüßungsworte, worin 4 er vor allem die Abwesenheit des eigentlichen Begründers der ,,Erez Jisroel"-Aktion in Frankreich, Rabbiner C. Bloch, Mulhouse "»"J. bedauerte. Unser Gesinnungsgenosse, Herr Weiß, ein Schüler der berühmten Neutraer n^w und jetzt Schüler der hiesigen na'Er, sang dann die "dtik ixapri"- Danach ergriff Herr Rabbiner Brunschwig das Wort. In geistsprühender Rede entwickelte er die großen Linien agudistischer Arbeit und agudistischer Idee. Wie das mun-Licht nicht zu hoch stehen darf (nicht über 20 Ellen), so dürfen auch die Größen und Leuchten des Judentums nicht in unerreichbarer Höhe verharren, sondern müssen zur Jugend hinabsteigen, deren Aktivitätsdrang nur dann sich segensreich auswirken kann, wenn er sich von der Erfahrung und der Autorität des Alters leiten läßt. Wenn bisher in unseren Kreisen der Geist das Materielle zu sehr verdrängt hat, darf nun aber auch nicht andererseits das Materielle die Stelle des Geistigen einnehmen. Nur die wahre Synthese von und n»2?3 kann zum Ziele führen. — Im Mittelpunkt des Abends stand jedoch der äußerst interessante Vortrag des Herrn E. H. Lehmann über seine Eindrücke von Erez Jisroel. Sich sorgsam von jeder Politik fernhaltend, entwarf er ein fesselndes Bild von dem Lande der Bibel, so wie es sich einem unvoreingenommenen Privatmanne darbietet. In bunter Folge ließ Herr Lehmann Jerusalems Altstadt, den farbenprächtigen Orient, das unvergeßliche Erlebnis an ':iy» bnnr den Oelberg, die Grabstätte der' Größten in Israel, den Deutschen Platz u. v. a. m. an uns vorüberziehen. Er sprach auch eingehend über die mustergültigen Institutionen grade des alten Jischuws. — Es würde zu weit führen, auf alle Einzelheiten dieses so reichhaltigen Vortrages einzugehen. Doch all dies Schöne, fuhr Herr Lehmann fort, verdeckt nicht die Kehrseite, das weniger Schöne. Es ist vieles, leider sehr vieles, nicht in Ordnung in Erez Jisroel. Ob es sich ums nnwa h oder irgend ein anderes Problem handelt, es stehen uns religiösen Juden noch große Aufgaben bevor. Die Agudas Jisroel hat Gewaltiges geleistet, gemeinsam mit anderen religiösen Institutionen. Darum muß es Aufgabe eines jeden Juden sein, die Aguda und den 2W>n pj? zu stützen, die uns Erez Jisroel vorbereitet, auf daß es würdig sei der rist'a rppan! — Es folgte dann ein Kassenbericht unseres Sekretärs, Herrn Erich Müller. Trotz seiner sehr großen Jugend erfüllt er in musterhafter Weise die Aufgaben des Kassierers und Sekretärs*. Ein kurzer Bericht über die Tätigkeit des nwn pp» während der letzten Monate beschloß die Veranstaltung. — Hebräische und jiddische Gesänge des Herrn Weiß, der über eine ausgezeichnete Baßstimme verfügt, umrahmten die Feier, die einen für hiesige Verhältnisse sehr starken Besuch aufwies. Die K o n d i t o r e i. und Cafe Julius Loeser, seit nahezu 25 Jahren Große Eschenheimerstr. 72, weitesten Kreisen Frankfurts bekannt, teilt mit, daß sich ihre vergrößerten Lokalitäten ab heute Börnestraße 22 befinden. Geöffnet bleibt das Lokal von nun an bis in die späten Abendstunden. (Siehe Inserat.)