Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 50 (13.12.1934)
- Date
- 1934-12-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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13. Dezember 1934 Der Israelit Nr. 50 Seite 9 digend, aber für entschieden besser als vor einem Jahr. Sie, meine Herren, haben mir zwei Gegenstände genannt; es gibt zwei Gegenstände, die ich meinerseits Ihnen nennen möchte. Der erste betrfft die Huleh-Konzession; ich möchte darüber ein paar Worte sagen, um jeder Möglichkeit eines Mißverständnisses vorzubeugen. Seitdem ich nach Palästina gekommen bin, war ich bestrebt, daß im Huleh-Gebiet Entwässerung und Landentwicklung nach gesunden Grundsätzen und in großem Maßstab in Angriff genommen werden, und dies aus folgenden zwei Hauptgründen: 1. In der Umgebung des Huleh-Gebiets erkranken und leiden mehr Menschen an Malaria als in irgend einem anderen Gebiete Palästinas. 2. Sobald das Gebiet drainiert sein wird, werden viele tausende von Dunam für die, Bebauung auf einem fruchtbaren Boden unter außerordentlich verbesserten sanitären Verhältnissen zur Verfügung stehen. Die ursprüngliche Konzession wurde 1914 erteilt, und ich bin sicher, daß die Konzessionäre bemüht waren, die notwendigen Arbeiten durchzuführen; inzwischen sind jedoch zwanzig Jahre verstrichen und sie konnten die sehr hohen Summen, die zur Durchführung der notwendigen Arbeiten erforderlich sind, nicht aufbringen. Die Konzessionäre haben die Zustimmung der Regierung zur Uebertragung ihrer Konzession an eine andere Gruppe asu vier hauptsächlichen Gründen: 1. Die neue Gruppe hat weitaus größere Fonds zur Verfügung; infolgedessen werden die Drainage- und Malariabekämpfungsarbeiten innerhalb einer angemessenen Frist begonnen werden. 2. Die früheren Konzessionäre waren verpflichtet, 10.000 Dunam für die dortigen arabischen Bauern zu reservieren. Bei Erteilung der neuen Konzession hat de Regierung darauf bestanden, daß 15.000 Dunam ausgesondert werden, falls dies für die dortigen Bauern notwendig sein sollte. 3. Auf Grund der neuen Konzession wird, anders als bei der früheren, der größte Teil der Drainage- und Bewässerungsarbeit in dem Gebiet ohne jegliche Kosten für die Bauern durchgeführt werden. 4. Ich will gegen niemanden eine Beschuldigung erheben, doch wurden in den letzten zwanzig Jahren sehr wenig Drainagearbeiten dort durchgeführt. Als High Commissioner glaube ich, daß es zum Besten des Landes ist, wenn jetzt alle Aussicht besteht, daß etwa 40.000 Dunam Sumpfland, das heute für jedermann nur weng Wert hat, drainiert und der Kultivierung erschlossen werden; wenn die wirtschaftliche Lage der dortigen Araber verbessert wird; wenn die Malaria stark zurückgedrängt, wenn nicht vollständig ausgerottet wird und so die besten Resultate im Interesse von Gesundheit und Glück der Einwohner dieses Gebiets erzielt werden. Ic hmöchte Ihre Aufmerksamkeit auf die in Birkat Ramadan jetzt begonnenen Arbeiten lenken; diese sind bei geringerem Ausmaß analog dem für Huleh geplanten und von der Regierung gebilligten Unternehmen. In Birket Ramadan wird Sumpfland entwässert, der anbaufähige Boden vergrößert, die Malaria wird zurückgedrängt, wenn nicht ausgerottet werden, und all dies geschieht auf Grund gegenseitiger Verständigung, Heute können wir sehen, wie gute Arbeit in Birket Ramadan geleistet wird; ich bin sicher, daß die in größerem Maßstab durchgeführten Drainage- und Landgewinnungsarbeiten im Huleh- Gebiet diese min Zukunft dieselben Vorteile bringen werden. Der zweite Gegenstand ist der des Legislative Council. Ich freue mich, diese Gelegenheit benutzen zu können, um eine Erklärung beireffend die Einsetzung eines Legislative Council abzugeben. Sie erinnern sich an die Ankündigung der Regierung Sr. Majestät i J, 1930 in Bezug auf die Einsetzung eines Legislative Council in Palästina; die Regierung steht zu dieser Ankündigung. Es ist meine Ueberzeugung, daß unter Bürgschaften, durch die eine Gefährdung von Frieden und Sicherheit im Lande, sowie eine Behinderung der Durchführung des Mandats ausgeschlossen werden, ein Die Woche- Paris. Eine aus Deutschland ausgewanderte russische Jüdin namens Szerwonag u r s k a , die aus Frankreich ausgewiesen wurde, sprang nach Erhalt des Ausweisungsbefehls mit ihrem acht Monate' alten Kind in die Seine. Sie wurde gerettet, ist aber infolge der ausgestandenen Leiden geistig zerrüttet. Eine andere ausgewiesene Frau, die ebenfalls in die Seine sprang, konnte nur noch als Leiche geborgen werden. — Oberst Alfred D r e y f u s , der Held der berühmten Dreyfus-Affäre um die Jahrhundertwende, hat sich einer Operation unterziehen müssen. Die Aerzte erklären, daß der Patient, der 75 Jahre alt ist, sich außer Gefahr befindet. Brüssel. Die von einem Teil der belgischen Presse in letzter Zeit gegen den jüdischen Finanzminister G u 11 betriebene Hetzkampagne hat die Behörden zu energischen Gegenmaßnahmen veranlaßt. Die nationalistische Zeitung „Renovation'-' wurde von der Staatspolizei beschlagnahmt, Gleichzeitig wurden die übrigen Blätter unter Androhung scharfer Maßnahmen aufgefordert, Angriffe gegen den Minister wegen seiner Zugehörigkeit zum . Judentum zu unterlassen. Warschau. 600 Palästina-Wanderer begaben sich mit einem Sonderzug von Warschau nach dem rumänischen Hafen Constanza, von wo sie die Seereise nach Palästina antreten. Nach amtlichen Schätzungen wandern jährlich etwa 30.000 Juden aus Polen aus, was der Zahl des natürlichen Zuwachses entspricht, so daß die Zahl der Juden in Polen nicht zunimmt, im Verhältnis zu den christlichen Bewohnern sogar abnimmt, WÜna, Im Zusammenhang mit einem Bombenanschlag, der am 9. November auf die Synagoge in der Poplawecstraße verübt wurde, wurden zwei Männer namens Jan> Bobrawiczew und Eduard Leawka, sowie weitere vier der Mitschuld verdächtige Personen verhaftet. Die Bombe, die am Freitag nachmittag gelegt worden war, sollte offenbar während des G'ttesdienstes zur Explosion .kommen, entlud sich jedoch schon früher, so daß nur Sachschaden entstand. Moskau. Wie der Vertreter der ITA. aus zuverlässiger Quelle erfährt, wurde die Moskauer Repräsentanz der Jewish Colonisation Association (ICA) vom Comzet, der Regierungskommission für Zuführung der Juden zu Landwirtschaft und Industrie, verständigt, daß beschlossen worden sei, die gesamte Tätigkeit der ICA in den jüdischen Rayons der Sowjet-Union zu 1 i q u i d i e r e n. Dieser Beschluß wird damit begründet, daß die ICA in den letzten zwei bis drei Jahren dia Aufbauarbeit nur noch zum Schein fortgeführt und in Wirklichkeit eine Selbstliquidierung eingeleitet hatte. Budapest. Die neologe Landesk'anzlei hat ein Rundschreiben an die Distriktspräsidenten gerichtet, in dem auf die Feier des 800. Geburtstages Moses Maimonides' am 14; Nissan 5695 (17. April 1935) hingewiesen wird. Nach dem Beschluß der Landeskanzlei soll der ganze Monat Nissan (4. April bis 3. Mai 1935) als Maimonides-Monat gefeiert werden. Prag. Der Präsident der Prager jüdischen Kultusgemeinde und Vorsitzende des Verbandes der tschechischen Juden, Rechtsanwalt Dr. Maxim Reiner, ist aus der Nationaldemokratischen Partei ausgetreten. Dieser Schritt Dr. Reiners steht im Zusammenhange mit dem Prager Universitätsstreit, in dessen Verlauf gewisse Führer der Nationaldemokratie auch eine antijüdische Haltung eingenommen hatten. Rom. Der Verband der jüdischen Gemeinden Italiens erläßt einen Aufruf an die jüdische Bevölkerung Italiens, sich an den Sammlungen für das Hilfswerk zu Gunsten deutscher Juden zu beteiligen. In dem Aufruf wird darauf hingewiesen, daß das Ergebnis der bisherigen Sammlungen — rund eine halbe Million Lire — bereits seiner Bestimmung zugeführt wurde und weitere Mittel für das Hilfswerk erforderlich sind. Es wird betont, daß die italienische Regierung dieser Hilfsaktion mit Sympathie gegenübersteht, Triest, Etwa 40 Wohnhäuser und Nebengebäude, die einst das Judenghetto in Triest gebildet haben, werden demnächst abgetragen werden, unter ihnen die 1798 erbaute Synagoge, von der aber wertvolle Teile dem Museum der Altertümer einverleibt werden sollen. Council eingesetzt werden kann und sich als eine Einrichtung zum allgemeinen Wohl des ganzen Landes erweisen wird. Vor zwei Jahren gab ich in Genf bekannt, daß die Regierung Schritte zur Bildung eines Legislative Council tun wird, sobald die neue Verordnung über örtliche Selbsverwaltung in Kraft sein wird. Ich bedaure, daß dies länger' gedauert hat, als ich annahm. Als ich im vergangenen Monat in England war, haeb ich diese Frage mit dem Staatssekretär erörtert. Seine Ansichten stimmen mit den meinigen vollkommen überein. Demnach wird die Schaffung des Legislative Council nach Ablauf einer angemessenen Frist in Angriff genommen werden, während welcher ich mit Führern verschiedener Parteien Aussprachen herbeiführen werde, in denen der Plan der Regierung für die Errichtung eines Legislative Councils erwogen und die Form des vorgeschlagenen Council im Einzelnen erörtert werden sollen. Ich bin überzeugt, daß Sie meiner Ansicht beipflichten, daß solche Aussprachen die Regierung bei den notwendigen Schritten zur Bildung eines Legislative Council unterstützen werden." Urteilsrevision im Birjonim-Prozeß. Jerusalem, 9. Dez. Das Berufungsgericht hat in dem auf Verlangen der am 19. Juni d. J. vom Jaffaer Kreisgericht verurteilten Abba Achi-Meir und Chaim Dwiri eingeleiteten Revisionsverfahren das Urteil gesprochen. Die ursprünglich über Achi-Meir verhängte Zuchthausstrafe von 21 Monaten wurde auf 18 Monate, die Strafe Dwiris von 18 Monaten auf 15 Monate herabgesetzt. Die Verurteilung in dem sogenannten Birjonim-Prozeß war wegen „Verschwörung mit aufrührerischer Absicht, Ermutigung und Befürwortung ungesetzlicher Handlungen, Zugehörigkeit zu einer illegalen Vereinigung und Besitz umstürzlerischer Dokumente" erfolgt. Der Anklagevertreter, Dr. Bardaky, hatte den „Brith Habirjonim" für die Kundgebungen gegen den seinerzeitigen Unterstaatssekretär für die Kolonien, Dr. Drummond Shiels, i. J. 1930 in Tel Awiw die Störung einer Vorlesung Prof. Norman Bentwichs an der Hebräischen Universität über „Weltfrieden" und andere öffentliche Gewaltakte verantwortlich gemacht. In einem der Schriftstücke, die dem Bericht vorlagen, wurde Achi-Meir als Oberhaupt des „Sikari" und „Birjon" bezeichnet. Die Verteidigung wies darauf hin, daß eine Verschwörung nicht nachgewiesen werden konnte und daß eine Verabredung zu einer gemeinsamen revolutionären Handlung nicht bestand. Amerika. Aktion in Amerika für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina. New York, 5. Dez. In New York sind der Generalsekretär des Zentralbüros für die Ansiedlung deutscher Juden in Palästina, Dr. Georg Landauer, Jerusalem und der Leiter des Londoner Büros, Dr. Martin Rosenblüth, eingetroffen, um in einer Reihe von Massenversammlungen die amerikanisch-jüdische Oeffentlichkeit über das Siedlungswerk für Juden aus Deutschland zu informieren. In einer Unterredung mit einem Newyorker Vertreter der ITA. teilten die Herren folgendes mit: Bis heute wurden in Palästina etwa 20.000 Juden aus Deutschland an verschiedenen Punkten untergebracht. Dies sei die größte Zahl von Menschen, die seit dem Einsetzen der verstärkten jüdischen Einwanderung aus Deutschland von irgend einem Lande in der Welt aufgenommen wurde. Dennoch müsse betont werden, daß dies nicht die Höchstzahl sei, die von Palästina aufgenommen werden könne, sondern bloß jenes Maß von Erfolg darstelle, das mit Hilfe der beschränkten Mittel, die zur Verfügung standen, erzielt werden konnte. Von den 20.000 Einwanderern gehörten 6000 bis 8000 zur Kategorie der Personen mit einem Eigenkapital von mindestens 1000 Pfund. Die übrigen waren Handwerker und Arbeiter. Wenn die Einwanderer nach Palästina kommen, dann werden sie ermutigt —, und es wird in dieser Beziehung sogar ein gewisser Druck auf sie fi 1 ±