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Der Israelit · 1934-12-13 · Heft 50 (13.12.1934) · page 1

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 50 (13.12.1934)
Date
1934-12-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Frankfurt a. M. 13. Dezember 1934 7. Tebet 5695 Nummer 50 Mitglieder der nationalen Front verliaüel- Zürich, 11. Dez. Nach eingehenden Erhebungen ist es der Kantonspoiizei gelungen, einige Burschen zu ermitteln, die in der vorigen Woche am unteren Eingang zur orthodoxen Synagoge an der Freigutstraße in Zürich eine Petarde zur Explosion gebracht hatten, wodurch einige Fensterscheiben zertrümmert und sonstige Sachschäden angerichtet werden waren. Verhaftet wupden im ersten Stadtkreis ein 19jähriger Handlanger, in Altstetten ein 15jähriger Bursche und in Albisrieden ein 20jähriger Kommis. Sie erklärten, Mitglieder der „Nationalen Front" zu sein und an jenem Abend an der Frontenversammlung in der Stadthalle teilgenommen zu haben. Gegen die Verhafteten wird Anklage wegen böswilliger Eigentumsbeschädigung zum Nachteil der Jüdischen Kultusgemeinde erhoben. Der Anschlag gegen die Züricher orthodoxe Synagoge war wohlvorbereitei gewesen. Kurz vorher hatte der Pförtner einen Rundgang um die Synagoge gemacht und nichts Verdächtiges wahrgenommen. Diese Rundgänge hatten sich seit einiger Zeit als notwendig erwiesen, da Be-' Schädigungen an der Synagoge, Einwerfen von Fenstern Ankleben von Zetteln mit antisemitischen Losungen usw. zu einer häufigen Erscheinung geworden waren. Als bald nach dem Rundgang die Explosion erfolgte, eilten der Pförtner und sein Sohn auf die Straße und verfolgten zwei verdächtige junge Burschen, auf die sie von Passanten aufmerksam gemacht wurden. Die Burschen konnten jedoch in der Dunkelheit entkommen. Diffamierung von Juden und Judentum in der Schweiz verboten. Basel, 11. Dez. In Basel besteht seit einiger Zeit eine kleine politische Gruppe, die eine antisemitische Zeiiung unter dem Namen „Volksbund" herausgibt, Der Regierungsrat des Kantons Basel- Stadt hat nun der Zeitung und ihren Hintermännern unter Androhung strafrechtlicher Ahndung jede gemeine Schmähung oder Verunglimpfung der jüdischen Rasse oder des jüdischen Glaubens verboten. Unter dieses Verbot fallen insbesondere der öffentliche Gebrauch der bekannten Verwünschungen, die öffentliche Verbreitung des Anwurfs, daß die Juden zu rituellen Zwecken Menschen töten, die öffentliche Aufforderung, sich des Verkehrs mit Juden als etwas Entehrendem zu enthalten, jede gemeine Verspottung oder böswillige Verunglimpfung der Gegenstände, die von den Juden aus religiösen Gründen verehrt ° werden oder ihrem Kultus dienen. * Aus dem Inhalt: Rasse und Wirtschaft......Seite 1 u. 2 Aguda und Misrachi.........Seite 2 Jüdische Einwanderung nach Syrien . Seite 2 Jüdische Kinder in allgemeinen Schulen Seite 3 Das Begräbnis des „Jüdischen Weltkongresses" Seite 4 Die Mission der „Mission".....Seite 4 Eine dringende jüdische Frage Von Hermann Seckbach.....Seite 5 Jüdische Schiffahrtslinien nach Palästina Seite 6 Agudas Jisroel in Ungarn......Seite 6 Palästinaberichte ......Seite 7, 8 u. 9 250 Jahr-Jubiläum in Altona . Seite 10 u. 14 Bekanntgabe von Namen wegen Einkaufs bei Nichtariern, Hildes heim, 10. Dez. In einer stark besuchten öffentlichen Versammlung der NS-Hago gab der NS-Hago-lvreisamtsleiter Schlotter die Namen von zwei Einwohnern Hildesheims bekannt, die beim Einkauf Fremdrassigen vor Deutschen den Vorzug gegeben hätten. Der Hauptredner des Abends, stellvertretender Gauleiter Holz (Nürnberg), erklärte, derartige Namensveröffentlichungen seien sehr zu begrüßen, und regte die Auflegung von Listen an. Mit Hinblick auf diesen und viele ähnliche Fälle im Reiche schreibt die ,,Frankft. Zeitung" vom Donnerstag, den 13. Dezember u. a.: ,,Es ist ziemlich deutlich, daß das gegenwärtige Weihnachtsgeschäft so manche Vorgänge (Fortsetzung siehe Seite 2.) Ein Nächklang. Wenn die Chanukahlichter erloschen sind, dann hallt ihre Begleitmusik noch lange nach in den Finalen der Festreden und Betrachtungen, die auf dem Wege der Presse an unser Ohr gelangen, Zu Berg türmen sich die Festberichte auf unserem Redaktionstisch, aus denen Chanukah 5695 in allen denkbaren Sprachen zu uns spricht. Ist die Sprache anders wie sonst? Es ist festzustellen: das Chanukahfest dieses Jahres ist überall und im Ganzen jüdischer begangen worden, es wurden ihm mehr jüdische Töne abgewonnen denn sonst. Wäre Juda Makkabi noch vor wenigen Jahren in einen" Festsaal getreten und hätte die ihm zu Ehren gehaltenen Reden gehört, die zu seinem Ruhme auf der Bühne entzündeten Lichter gesehen; er hätte wahrlich nicht gewußt, ob er sich auf dem Oiympos oder im Tempel befinde. Heute wüßte er es: Olympus und Walhalla ist es nicht, aber der gänzlich gereinigte Tempel und das Licht aus dem unberührten heiligen Oel auch noch nicht. Also, würde sein Ruf noch waiter lauten: Auf zur Reinigung und Heiligung! „Vor allem," so würde. Juda im Anschluß an manche: Festrede das Wort zur Berichtigung ergreifen, ,,weg mit der Heldenkrone! Feiert mich und meine Schar nicht als die Meisterboxer, die sich zum großen „Länderspiele" rüsteten. Mein Fall liegt so klar wie kaum ein anderer in der Geschichte. Es drohte Gefahr von außen und von innen. Von außen: Durch die kleinen Epigonen des großen mazedonischen Königs, die Judäa wie einen Spielball von Hand zu Hand schleuderten. Von innen: Mit der Siebzigübersetzung zur Zeit von Ptolemäus II. begann der geistige Hellenismus, der auch bald den politischen und religiösen nach sich zog. Und die eine Gefahr griff in die andere, vervollständigte sie, sie vereinigten sich zu einer Doppelgefahr. Die Abtrünnigen riefen die Syrer ins Land, auf daß sie mit ihrem Schwerte ihren, der Hellenisten, Machtgelüsten und areligiösen Forderungen Nachdruck verleihen. Da griffen wir aben zu den Waffen, — weil es nichts mehr zu verlieren gab. Das war alles. Helden? Die D'H'OJ waren die Anderen, wir die D'^n« Und wir führten die Waffe keine Minute länger als unumgänglich notwendig war, um das Licht zu retten und zu schützen. Wir waren von Haus aus Priester und keine Krieger. Und kaum war der erste schwache Sieg errungen, da streckten wir die Waffen und zogen in den Tempel. Es galt nicht, uns einen Namen zu machen, sondern Ihm. "ftl JVWX? "]l?V Und, Ihr wißt es, Freunde: was Euch unser Schwert erobert hat, Land und Tempel, es war bald alles wieder restlos verloren, das von uns wieder entzündete Licht, es blieb. Ihr wäret sonst nicht hier! ... (Fortsetzung auf Seite 3.)

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