Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1934)
- Date
- 1934-12-06
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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öeite l iNr. 4y D e Israelit 6. Dezember 1934 bach durch seine Beispiele zu erhärten geglaubt hat. Der Arier Kummer hat ein Menschenalter Hindurch auf den abstraktesten "Gebieten der Mathematik, namentlich dem der Zahlentheorie, gearbeitet und dann erst dem anschaulichen Zweige der Geometrie sich zugewandt, Weierstrass, ebenfalls Reinarier, behandelte die Funktionentheorie bloß analytisch, also durchaus ohne besondere Berücksichtigung der Anschauung. Haben diese Männer etwa „dem Deutschen die Quelle seiner eigenen Kraft versperrt?" Und wie hat es denn — um nur einen flüchtigen Blick in die Philosophie zu werfen — der riesengroße Arier Immanuel Kant mit der Anschaulichkeit seines Stils gehalten, der sicherlich recht viel! ™ ™ü (T'inn O^IT) ^KpTfP Jitn* KriSOin Unbehagen verursacht hat auch außerhalb des -]n:iV "mn "^Tnan" 3*1 ''pOöiaK engen Kreises der Königsberger Studentenschaft? | Diese Tosefta-Ausgabe ist ein staunenswertes 'f-ai^maE* pnan nxo 'x main «nxjn nipan nmp Der Rscensent konnte sich nicht entschließen, über dieses seltsame Heft ein Urteil abzugeben. Es gibt Leute, denen diese tiefehrlich gemeinten Aufschreie eines sehnsüchtigen jüdischen Menschen in dieser lamentierenden Art, gefallen. Vielen wird diese Art auf die Nerven gehen, wenngleich sie auch ehrfürchtig vor der Innigkeit einer edlen religiösen Natur es unterlassen, die Sonde der Kritik an das Büchlein anzulegen. Die vielen Ausrufungszeichen, Gedankenstriche, Sternchen usw. sind Kinkerlitzchen, mit denen man die religiös Suchenden nicht anzuziehen vermag. R. F. War er vielleicht „deutschem Empfinden unerträglich" geworden? Oder ist er wegen seines „lebensfeindlichen unorganischen S-Typus in der bewußten Ablehnung der Anschauung und des Intuitiven als Mittel der Darstellung und als Quelle der Erkenntnis." vom deutschen Volke abgelehnt worden? Den unhaltbaren Vorwürfen gegenüber, die Bieberbach gegen „abstrakte jüdische Denker" (gemeint sind wohl abstrakt denkende Juden) ins Feld führt, sei zum Schluß auf einen Vor- Pn-cht werk. Kritische Gründlichkeit vereinigt sich mit bester litauischer Lerntradition. Der Verfasser ist der frühere Oberrabbiner von S1 u z k in Rußland, der unter unsäglichen Schwierigkeiten, erst nach dem heroischen Erleiden von Aengsten und Gefahren den rettenden Weg nach dem Ausland nehmen konnte. Heute ist er, Raw Abramsky, Rabbiner der „Machsike Hadaß"-Synagoge in London. Dieses Monumentalwerk, das er schuf, von dem jetzt der zweite Band vorliegt, ist eine jüdisch-wissenschaftliche Leistung ersten Ranges. Die Tosefta ist gleichsam Fortsetzung der Mischna, zum größten Teil in den Talmudtext hereingearbeitet. Immerhin liegen noch weite Gebiete dieser halachischen Quellenfastrag hingewiesen, den der Physiker G. T h o m - sung völlig unbeachtet und brach da. Jeder hat die s e n gerade vor Jahresfrist in der mathematisch- Tosefta-Sammlungen am Ende so mancher Talmud- 1 Ausgaben schon oit bemerkt, wahrscheinlich fast naturwissenschaftlichen Fachschaft der Univerimmer übersehen. Auch von den Geistesgrößen unsität Rostock gehalten hat. Der Vortrag, der ter den talmudischen Interpreten ist die Tosefta jetzt in den „Neuen Jahrbüchern für Wissenschaft und Jugendbildung" veröffentlicht ist, hatte zum Gegenstand die Zurückdrängung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer an den Hochschulen. Thomsen weist mit größtem Nachdruck auf den unvergleichlich hohen Wert hin, den abstraktes Denken auch für den neuen deutschen Staat hat. Es wird genügen, wenn wir nur drei besonders charakteristische Sätze aus diesem Vortrag hier anführen: „die Ueberlegenheit unserer Spezialbildung auch in der rein spekulativen Wissenschaft ist unsere beste, ja vielleicht einzige Waffe in dem Kampf, den wir um unsere Selbstbehauptung zu führen haben." „Wir müssen uns immer wieder daran erinnern, daß auch die entlegenste Mathematik trotz ihrer scheinbaren Weltfremdheit weiter nichts ist als konzentriert aufgespeicherter gesunder Menschenverstand." — ,,Wie die körperliche Erziehung dem jungen Menschen das Erlebnis der Kraft geben soll, so muß das mathematische Grunderlebnis Erlebnis der überwältigenden Kraft des abstrakten Denkens S2in." Bücherbesprechungen. 'ymn d^it 'T'3 'pn imyb mm «KmaimB« I t t: - Jesaias, Von Oberrabb. J. Maarsen, Bd. II. Eine ausgezeichnete kritische Raschi-Ausgabe, die sich würdig ihrer Vorgängerin anschließt. Maarsen reiht seine Arbeit in den. Rang der Prof. Berliner'- schen Raschi-Forschungen kongenial ein. Das elegante Hebräisch Maarsens macht die Lektüre seiner kritischen Vorreden und Einleitungen zu einem Genuß. Sehr richtig sind Ausführungen des Verfassers über die vermeintlichen Widersprüche. zwischen Raschis Interpretationen in seinen biblischen Kommentaren und den häufig anderslautenden Wort- und Verserklärungen Raschis in den talmudischen Stellen. Nicht befreunden können wir uns jedoch mit folgendem: den Umstand, daß Raschi gegen die überlieferte Tonsetzung in Kap. 1, Vers 9 die Worte onoa »yns zusammenliest, veranlaßt den Autor, über die „geistige Freiheit" (rvn »sin) Raschis ein leicht mißzuverstehendes Wort zu verlieren, der „obwohl die Tradition der Väter ihm ein unantastbares Heiligtum war,, hier und da doch seine eigenen Wege gegangen sei, die ihm sein klares Denken gewiesen habe, ohne sich hierhin oder dorthin umzuwenden." Es ist nicht einzusehen, wieso nicht das Wort »3?»3 vielleicht nur aus Versehen ins erste (uns zugängliche) Manuskript hineingekommen sein kann, ein begreiflicher Irrtum des ersten Abschreibers, dem später alle Ausgaben zum Opfer gefallen sind. — Jedem, der exakte Raschi-Kenntnisse zu den prophetischen Büchern sich erarbeiten möchte, ist dieses Werk in die Hand zu geben. Wir sind schon begierig, den angekündigten dritten Band Raschi zum Psalmenbuch kennen zu lernen, S. S. schon leit Jahrhunderten keiner eingehenden Bear beitung gewürdigt worden. Rabbi Elja, der Gaon von Wilna, war seit Generationen der Erste wieder, der sich der Tosefta kommentierend zuwandte, um zunächst einmal aus dem Gestrüpp der zahlreichen falschen Lesarten eine richtige kritisch herauszuarbeiten. Doch wer überhaupt auf tahnudische Geltung Anspruch macht, darf die Tosefta nicht vernachlässigen. Der praktischen Umprägung dieser Erkenntnis für die Lernenden dient dieses neue Werk: pm) OspTn' das zunächst einen reinen Text mit Angabe aller Lesarten-Variationen bietet, ferner einen sehr faßlichen knappen und klaren Kommentar. Durch Scharfsinn und Uebersichtlichkeit ausgezeichnete halachische Novellen unterbauen fortlaufend den gesamten Text nebst Kommentar. Endlich dienen durchgehende Quellenvergleiche und -Nachweise zur Instruierung des Lernenden. Alles in allem ein Meisterwerk, für das man dem ehrwürdigen Verfasser ehrlichen Dank wissen muß. Die technische Aus stattung des Buches durch den Verlag „Darom" in Jerusalem ist — so weit es Druck, Uebersichtlichkeit usw. anbelangt — als überaus gelungen zu bezeichnen. (Zu erhalten ist das Werk beim Verfasser: Rabbi J. Abramsky, 1 Mark st. Aldgate London E. 1). Man darf zuversichtlich und mit freudiger Neugier auf das baldige Erscheinen der übrigen Teile hoffen. S. S. •Tun Vsia© jsiH p»» *"a) abi»a T>n» aM *s ini»V»a mipxnn ossa «x> p in -pyxn -non -pra d'-ps? nnsm nmpn dj? (vspn ''0 »xo'tnx'j'iNrj oism »i-naopiK V'xt iipp m p jkö'Vo &"xb 's? toet XLVIII. p"sV i"x~,n 15. sh. Humphrey Milford 1934. Die Tatsache, daß in diesem Werke 1743 Gedichte eines der größten Männer der jüdischen Geschichte veröffentlicht sind, von ihnen 1500 zum ersten Mal, spricht für sich selbst und läßt jeden ahnen, welch ungeheure Bedeutung dieses Werk für die Jüdische Geschichte im allgemeinen, für, die Erforschung der jüdischen Dichtung des Mittelalters' und die hebräische Sprachwissenschaft im besonderen hat. In einer längeren Einleitung werden wir mit der dem Herausgeber vorgelegenen Handschrift genau bekanntgemacht, biographische und bibliographische Angaben schließen, sich an, auch sind die nötigen Register vorhanden. Wenngleich die Leistung des Herausgebers damit allein schon über jedes Lob erhaben ist, zumal auch der Druck sehr sorgfältig und ziemlich übersichtlich, so muß man es doch im Interesse der Sache bedauern, daß der Text der Gedichte ohne Vokale und ohne erläuternde Anmerkungen erschienen ist, was der Herausgeber damit verteidigt, daß sich in diesem Falle die Herausgabe wesentlich verzögert hätte. Wer die Gedichte R. Schlomoh Gabirols in der trefflichen Ausgabe von Bialik-Rawnitzki kennt, wird sehnlich wünschen, daß auch den Gedichten R. Schmuel Hanagids solche Erlöser erstehen. Denn selbst der Kundige bedarf bei der Lektüre dieser Poesie, die ja doch zum Herzen sprechen soll, einer solchen Hilfe, die es ihm erspart, dem äußeren Verstehen seine Aufmerksamkeit zu widmen — ganz abgesehen von der sprachwissenschaftlichen Auswertung und Hterargeschichtlichen Würdigung, die in den Erläuterungen geboten wird. Das vorliegende Werk wird aber schon heute, ehe es noch gehörig, ausgewertet ist, eine Korrektur des Urteils über die literarische Bedeutung R, Schmuel Hanagids (man vgl. einmal alte und neue Urteile bei Karpeles, Brann, Waxmann) erzwingen, Das Poetische der Vergangenheit wird von Literarhistorikern - oft recht einseitiggegenwartsgebunden gesehen. Wie gut hat Franz Rosenzweig in seinem Nachwort zu der von ihm unternommenen Verdeutschung der Hymnen R. Jehuda Halevis die Forderung zu vertreten verstanden, sich der Distanz im Verstehenkönnen der Poesie bewußt zu bleiben und gerade darum das Eigenartige mittelalterlich-jüdischer Poesie, was durch den Begriff „Musivstil" mißverstanden wird, nachzuerleben. Daß die drei Teile des .Werkes — Ben T'hillim, Ben Mischle, Ben Koheleth — ganz als Kinder des T'nach begriffen sein wollen, sieht man nicht nur am Wortschatz, sondern an der uns Heutigen kaum faßbaren Tatsache, daß ein vielbeschäftigter Politiker und. Heerführer seine privaten und allgemeinen Sorgen, seine Freuden und Leiden, sein Danken und. sein Bitten immer wieder im Liede zum Ausdruck bringt. Das Lied ist ihm stets heilig, weil es gedanklich oder gemüthaft stets die gereinigte! geadelte Sprache ist. Und welche Sprache hinwiederum ist nur das ewige- Lied: was jüdische N'gidim einmal für allemal als Quintessenz des Lebens in eine durch Poesie geheiligte Form gössen! In dieser Unmittelbarkeit vom mit G'tt Erlebten, zum durch G'tt Gesprochenen liegt das große Geheimnis jüdischer Poesie des Mittelalters. Wie tief mag R. Schmuel Hanagid das Wort Davids nachempfunden haben: „Des Tags entbietet G'tt seine Liebe . . . und des. Nachts, ist sein Lied mit mir . . ." Geschrieben aber steht: n'T!? ■ - Die Größe der Lieder ist verschieden, meist sind sie jedoch nur von wenigen Zeilen. Wie sehr das Lied gewissermaßen der Registrator allen seelischen Geschehens für R. Schmuel Hanagid war,' geht besonders aus der Serie 33—51 des Ben T'hillim hervor, in der von der Erkrankung seines von ihm sehr geliebten Bruders Jizchak bis zur Beendigung des Trauerjahres alle Schmerzensstadien im Liede festgehalten sind, auch zur Stunde, da er Kriah riß, faßte er seinen Schmerz im Liede, auch für das Hineinlegen in die Gruft war ein besonderes Gedicht der Begleiter (39). Und wenn es nun scheint, als ob gerade die Gedichte, die tiefster Erschütterung entquollen sind, zu uns weniger sprechen als die Klagen, die in einem gewissen Stadium der Beruhigung gesprochen sind (37, 41 46),' so erschließt sich uns gerade in dieser Gegensätzlichkeit eine bedeutsame Erkenntnis: daß einem Nagid diesen Formates poetische Kunst nicht Eingebung, Stimmung, ein selbstisches Müssen (und darum willkürliches Tun und Lassen) war, sondern ein Müssen außer und über, allem. Selbst: g'ttgewolltes Registrieren menschlichen; Erlebens — einmal ist das Selbst in dieses Müssen schon ganz eingetan, ein anderes Mal ist eine Distanz da, die nur literarhistorische Voreingenommenheit amusisch heißen kann. R. Schmuel Hanagid aber wollte nur ehrliches Lied, seelische Registratur, nichts anderes also als was die Weisen wollten, als sie für den Tod die Brachah: Dajan Emes, für den Antritt der Erbschaft die Brachah: Sch'hechejanu festsetzten. Nur Sentimentalität kann hiervor zurückschrecken, nicht Naivität, nicht ein Kind der T'nach-Poesie! Wie gesagt: viel Arbeit ist noch zu leisten, um das Werk dieses Großen in das Haus des ewigen jüdischen Geistes gebührend einzuführen. Hoffen wir, daß es mit der Unvoreingenommenheit geschieht, die wissenschaftliches und allgemeinjüdisches Interesse zugleich ist. Hoffen wir, daß in der Auswertung dieses literarischen Schatzes nicht absichtlich und unabsichtlich das Grundmotiv ältjüdischer Dichtung; übersehen wird, wie das oft genug zum Wohle des „jüdischen Volksgeistes" geschieht, jene Grundtatsache, daß R. Schmuel Hanagid ein durch und durch treuer Jude der Thora war. , Es verdient besondere Erwähnung, daß Sassoön 'am Ende seiner Einleitung, dies besonders unterstreicht. Er hat damit den echtjüdischen Stempel i unter iseine epochale Leistung gesetzt. ■ : A. W. Some Ancient Safeguards' of Civilisation by R. Trav e.r s t Herfor d. London. 1 9 3 3. T h e :;. L in d s e y P r e s s. ' ' ' Wir kennen den Verfasser bereits aus seinen Meisterwerken „Pharisaism, its Aim, its Method" und „The Pharisees", in denen zur Evidenz erwiesen wird, daß das Vorurteil der Welt gegen die Pharisäer auf völlig irrtümlichen Vorstellungen aufgebaut ist und wie gerade sie es waren, die durch heiliges Leben und' tiefes Wissen das jüdische Volk ehrlich im Sinne der Thora erzogen und durch ihre Tätigkeit am meisten dazu beitrugen, die nationale Katastrophe der Tempelzerstörung zu überstehen. . Im oben angegebenen zu besprechenden opus ist von drei „Schutzwachen" die Rede, die etwa zur selben Zeit entstanden und deren Errichter ganz unabhängig von einander sich zum Ziele setzten, d}e Schätze der Vorzeit der Nachwelt zu überliefern, um die Welt vor Verfall zu bewahren. Es handelt sich nach Herford um drei historische Vorgänge, in denen die edelste Kraft menschlichen Geistes zum