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Der Israelit · 1934-12-06 · Heft 49 (6.12.1934) · page 19

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 49 (6.12.1934)
Date
1934-12-06
Page
– (sequence 19)
Language
German
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6. Dezember 1934 Der Israelit Nr. 49 Seite 3 Wir müßten Kolonien haben, in denen auch der Jüdische -Geist in Blüte steht. So fahren wir mit gesteigerter Sehnsucht „Machne Israel" entgegen. Nun sind wir schon in A f u 1 e h, der künftigen Stadt des Emek, wo eine Eisenbahnlinie Erez Israel mit Syrien und Transjordanien verbindet. Afuleh hat nicht gehalten, was es zu. Anfang versprochen hat, ist eine in den Kinderschuhen stecken gebliebene Stadt. Aber Afuleh hat eine Zukunft, darüber sind sich heute alle einig. Und kaum sind wir aus Afuleh hinaus, sehen wir schon die Baracken von „Machne Jisrael". Es ist nicht ganz das „Machne Israel" von damals, als es wie eine Treibpflanze hell und hoch aufblühte, um danach ebenso rasch wieder zu welken, Es ist heute nur ein bescheidener Anfang, und Rabbi Mosche Blau setzt uns in warmen und eindringlichen Worten auseinander, welche Hoffnungen wir in der Aguda auf diese Siedlung setzen, was wir mit diesem Stützpunkt zu gewinnen oder, was G'tt verhüten mag, zu verlieren hätten, Da stehen vor uns die Chaluzim, die ersten Bürger „Machne Jisraels", glückstrahlend, im Vollgefühle, erste Pioniere auf wirklich jüdischem Boden zu sein. Sie verrichten ihre Arbeit mit einer Andacht und Inbrunst wie ein Gebet. Mehr als die Baracken und der Boden sind es diese Menschen, diese Idealisten mit starken Muskeln und glühender Arbeitsfreude, die unsere Hoffnungen auf die Zukunft garantieren. Auf. dem Rückwege sind wir zur rechten Stunde wieder in Nazareth. Die arabischen Vorsteher empfangen uns mit ausgesuchter Höflichkeit und Liebenswürdigkeit. Der Gouverneur unterhält sich mit uns sachlich und zeigt sich entgegenkommend auf jegliche Art und Weise. Von besten Hoffnungen gefolgt, sind wir gegen Abend wiede-; in Jerusalem, wo ich mich beeile, Dem heiligen Lande entgegen (Typen auf dem Schiff). diesen Gruß einer werdenden orthodoxan Kolonie an die gesetzestreue Golah hinauszuschicken. Baron Rothschilds fromme Wünsche für das unfromme Palästina* Reminiszenzen palästinensischer Zeitungen. Ueber die religiöse Einstellung des vor kurzem verstorbenen Baron Edijiond de Rothschild hörte man verschiedene, sich widersprechende Versionen. Es ist interessant und bezeichnend, daß gerade in den Nachrufen der linksstehenden Presse Palästinas die Frömmigkeit des Barons und sein Wunsch, daß der Jischuw in frommen Bahnen bleibe, stark betont und unterstrichen wird. „Dawar" erzählt: Die Histadruthführer weilten am vergangenen Sukkothfeste in Faris und bemühten sich um eine Audienz beim Baron. An den Festtagen selbst ließ der Baron nichts von sich hören, am ersten Chol Hamoed-Tage schickte er äber sein Auto ins Hotel, um die Gäste zu holen. Er entschuldigte sich beim Empfang, daß er sie nicht früher empfangen hatte, da er sie doch nicht veranlassen konnte, das Fest durch Autofahren zu entweihen. Der Histadruthführer Tschertok schildert im gleichen Blatt seinen Besuch beim Baron. Es war kurz nach der Befreiung Stavskis. Er traf den Baron ganz aufgelöst vor Zorn, und zwar wegen der Störung des G'ttesdienstes in der großen Schul von Tel Awiw an jenem Sabbat nach' der Befreiung. „Können die Menschen dort gar keinen Frieden geben?", äußerte der Baron erregt. „Solche Vorgänge führen zu einer Entweihung des g'ttlichen Namens und setzen uns dsm Spotte in den Augen der Welt aus." Ein Kolonist von Sichron Jakow gibt eine Erinnerung an den Besuch des Barons in der Kolonie vor dreißig Jahren zum Besten. Es war am Das große Rutenbergwerk vor Tiberias. Freitag. Der Baron war einer der ersten im Bethause der Kolonie beim Abendg'ttesdienste. Nach dem G'ttesdienst begab er sich in die Frauenabteilung und hielt dort eine kurze Ansprache, in der er sagte; „In den Händen der Mütter ist das größte Kleinod aufbewahrt, die Zukunft unseres Volkes. Hütet es, indem Ihr Eure Kinder zum Judentum erzieht. Schickt sie fleißig in die Synagoge und gewöhnet sie daran, daß sie täglich beten." Als am Sabbat der Baron beim großen Empfang unterm freien Himmel vor dem Spital einen Jungen bemerkte, der eine Blume abriß, um sie ihm, dem Baron, zu reichen, legte er freundlich die Hand auf das Haupt des Kindes und sprach: „Ich danke Dir, lieber Junge, aber das darfst Du nicht machen. Die Ehre G'ttes steht über der Ehre eines Menschen, und der liebe G'tt hat verboten, am Sabbat Blumen und Blätter abzureißen." Die linksstehende Presse druckt diese Erinnerungen und noch mehr ab, ohne zu merken, welche Anklage darin gegen einen Teil des heutigen Jischuw, gegen die Schützlinge des Baron von früher und heute, enthalten ist. Bei dieser Gelegenheit sei noch wiedergegeben, was ein Freund unseres Blattes, Inhaber eines bekannten Buch- und Kunstantiquariats uns mitteilt. Baron Edmond hat sich bis in die letzten Jahre und Tage seines Lebens hinein für alles, was irgendwie mit dem jüdischen Palästina zusammenhängt, so lebhaft interessiert, daß er beispielsweise seine Büchersammlung zuletzt nur noch in dieser einen Richtung ausgebaut hat. Als vor vier Jahren der Streit um die Klagemauer tobte, kam ihm zu Ohren, daß bereits Benjamin von Tudela in seinem Reiseberichte aus dem Mittelalter erwähnte, wie die Juden ihre Gebete an der Ruine der Westmauer verrichteten. Sofort beauftragte^ er unseren Gewährsmann, ihm eine französische Ausgabe der Reiseberichte des Benjamin von Tudela zu besorgen. Er war ganz glücklich, als ihm schon nach wenigen Tagen diese französische Uebersetzung zugestellt werden konnte. Oberrabbiner Onderwyzer ^">J7. Amsterdam. (Siehe Artikel und Beisetzungsbericht in Nr. 47 u. 48 des „Israelit"). Vom östlichen Humor. „Was macht Euer Sohn in Tel Awiw?" „Es geht so, ist einmal hoch oben, einmal tief unten." „Wieso das?" „Er bedient nämlich den Aufzug in einem großen Hotel." „Ich hörte, Ihr seid sehr verschuldet, stimmt das?" „Pure Verleumdung, das haben meine Gläubiger ausgestreut." In einem Warschauer Vortragssaal wird einem Redner mitten in seiner Wahlrede etwas Weiches an den Kopf geworfen. „Wissen Sie, meine Herren," pariert der Redner, an die Gegenseite gewendet, „das sind wirklich faule Argument e." „Kennst du den Bankier Daleschow? Ich erinnere mich, wie er vor 25 Jahren nach Warschau mit einem halben Rubel in der Tasche kam, und heute hat er 300.000 Zloty — Schulden." Ein kompletter Ignorant läßt sich einmal in der Preßburger Schul einfallen, nach Art der Gelehrten das Talith über den Kopf zu ziehen. Das erweckte Aerger in der Gemeinde. Da tritt der ob seines Witzes vielgeehrte und gefürchtete Rabbi Groß an den Anmaßenden heran und sagt ihm sehr freundlich: „Wenn Ihr, Reb Mosche, Talith über den Kopf zieht, so seid Ihr doch gewiß ein großer Gelehrter. Ein Gelehrter muß doch aber wissen, daß ein Am Hoorez so etwas nicht tun soll . , ," „Ich war heute bei zwei Aerzten, und beide sagten das Gleiche." „Was sagten sie?" „Ich müßte zehn Zloty vorausbezahlen." „Kannst mir hundert Zloty auf nur zwei Tage leihen." „Dann schon lieber zwei Zloty auf hundert Tage." Der junge Arzt ruft in das Wartezimmer: „Wer von den Herren wartet am längsten?" „Ich, nämlich schon seit einem Jahre," meldet sich einer. Es war der Schneider. * * „Wo ich auch hinkomme, bittet man mich, ich möchte wiederkommen." „So beliebt?" „Ich besorge das Inkasso verschiedener jüdischer Vereine." 0

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