Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 49 (6.12.1934)
- Date
- 1934-12-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450854--80907-2538749- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 14 Nr. 49 Der Israelit 6. Dezember 1934 sitzenden der Stiftung, Rabbiner Dr. Bamberger V"3T und gelobte unter Zustimmung der Anwesenden Fort führung der Anstalt im Sinne des heimgegangenen Gründers. Zum ersten Vorsitzenden wurde Rabbiner Dr. Simon Bamberger, Stuttgart, ein Sohn des verewigten Vorstands, gewählt, nachdem Distriktsrabbiner Dr. Ephraim sich infolge anderweitiger starker Inanspruchnahme außerstande erklärt hatte dieses arbeitsreiche Amt noch mitzuübernehmen. Herr Dr. Ephraim wurde daraufhin zum stellvertretenden Vorsitzenden gewählt, außerdem als' weiterer Kura tor Herr Dr. S. Bamberger in Hamburg. Es folgte die Regelung einiger finanzieller Angelegenheiten, zu denen Kurator N e u m a n n , Bad Kissingen wertvolle Anregungen gab. Mit dem Wunsche, daß das Werk der Wohltätigkeit und Menschenliebe durch edle Spenden auch weiterhin erhalten bleiben möge, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Breslau, 3. Dez. Der Verband der Synagogen Gemsinden der Provinz Niederschlesien und der Synagogengemeindeverband der Provinz Oberschlesien in Gemeinschaft mit der Mittelstelle für jüdische Erwachsenenbildung veranstalten in Bad Salzbrunn vom 27. Dezember 1934 ab eine auf 5—7 Tage bemessene Lernwoche für Personen, die in der jüdischen Erwachsenenbildung tätig sind. Erwachsenenbildung schließt Jugendbildung nach beendeter Schulzeit ein. Mittelsinn, 3. Dez. Bei der am 25. d. Mts. stattgefundenen Gemeindewahl wurde der seitherige Vorstand, Herr Markus Strauß, wiedergewählt. — Am 26. d. Mts. feierte das älteste Gemeindemitglied unserer Gemeinde, Israel Gundersheimer, seinen 82. Geburtstag. Derselbe erfreut sich seltener Rüstigkeit und besucht täglich seinen G'ttesdienst. Ferner feiert am 7. Dezember unser Mitglied Löb Kahn seinen 76. Geburtstag. Möge ihm in unserer Gemeinde ein schöner Lebensabend beschieden sein. v~?H39 Bocholt, 4. Dez. Am 9. Dezember, 16 Uhr, Arbeitsgemeinschaft in Mülheim (Ruhr) im Gemeindehause. Vortrag des Herrn Dr. N e u m a r k und Berachoth 9 a Fortsetzung. Recklinghausen, 3. Dez. In der Nacht zum letzten Freitag wurde auf die Synagoge in A r h a u s ein Sprengstoffanschlag verübt. Das Innere der Synagoge wurde stark beschädigt, die Heilige Lade zerstört, doch blieben die Thorarollen unver-* sehrt. Die Landeskriminalstelle hat im Verein mit den örtlichen Polizeiorganen die Nachforschungen nach den unbekannten Tätern sofort eingeleitet. Bad Kreuznach, 27. Nov. Reges Leben herrscht in unserer Gemeinde. Die Vereine bemühen sich, Jung" und Alt zu den jüdischen Quellen zurückzuführen. Vorbildlich arbeitet der Jüdische Jugendverein [unter Leitung des Herrn Richard Rauner), der in einem groß angelegten Zyklus mit prominenten Rednern in die jüdische Geschichte einführt. In das Thema „Jüdische Geschichte in biblischer Zeit" teilten sich als Vortragende die Herren Rabbiner Dr. Carlebach, Köln, Dr. Philipp, Frankfurt a. M., Rabb. Dr. Wolf, Köln, Prof. Dr. Levy, Bonn-Köln, Rabb. Dr. Bamberger, Mainz. Die außerordentlich großer Besucherzahl eines jeden Vortrages bewies nicht nur das große Interesse, welches man hierfür hatte, es war auch gleichzeitig der Beweis des Dankes für den jeweiligen Referenten und deren Leistungen. Zusammenfassend wird Herr Rabb. Dr. Jakobs, Kreuznach, noch über das gesamte jüdische Schrifttum referieren. — Für 1935 ist eine Fortsetzung mit dem Thema „Jüdische Gegenwartskunde" in Aussicht genommen. Zur Vertiefung des jüdischen Wissens dienen die allwöchentlichen Kurse in Tnach, Dinim, Gemoroh und Mischna unter Leitung des hiesigen Rabbiners Die Heimabende belehren über die allgemein jüdischen Probleme. Auch die Kunst kommt zu ihrem Recht. Ein Orchester einheimischer Jugend veranstaltet Musikabende, während der R. j. F. für Jugendliche Turnunterricht erteilt und auch für Sport im Freien sorgt. Außerdem sind, unter Mitwirkung Aller, die Chanukahfestspiele in voller Vorbereitung. Der Frauenverein ist rege an der Arbeit. Sein Hauptziel ist die Wohlfahrt. Nebenbei laufen gemütliche Nachmittage mit Vorträgen. Die Wintersaison' wurde eröffnet mit einem Vortrag von Frau Dr. J ac o b s über ihre Spanienreise, wobei auch auf Rambam, der ja besonders in diesem Jahre das ganz besondere Interesse aller Juden in Anspruch nimmt, hingewiesen wurde, Saarbrücken, 29. Nov. Der bisherige Rabbiner der Jüdischen Gemeinde Saarbrücken, Dr. Friedrich R ü 1 f, der erst vor kurzem in einer öffentlichen Erklärung dem der saarländischen Judenheit gemachten Vorwurf undeutscher Gesinnung entgegengetreten ist, und sich gegen judenfeindliche Tendenzen, insbesondere gegen die Boykottierung jüdischer Unternehmungen und Geschäfte, gewandt hat, verläßt am 1. Januar 1935 seinen Posten, um sich in Palästina niederzulassen. Zu seinem Nachfolger wurde Dr. Lothar Rothschild gewählt, der seine Studien am Breslauer Jüdisch-Theologischen Seminar absolviert hat. Amsterdam, 3. Dez. Königin Wilhelmine von Holland sandte an die Jüdische Gemeinde ein Schreiben, in dem sie ihrem Mitgefühl aus Anlaß des Ablebens des Amsterdamer Oberrabbiners Onderwijzer Ausdruck gibt. Königin Wilhelmine hat den von ihr sehr geschätzten Oberrabbiner oft zu sich eingeladen. Aus Anlaß des Ablebens des Oberrabbiners On derwijzer liefen bei der Gemeinde Beileidstelegramme von Justizrat Dr. von Schalk, vom Gouverneur der Provinz Nord-Holland, sowie von zahlreichen jüdi sehen Spitzenorganisationen des In- und Auslands ein Haifa, 20. Nov. In der Haifa benachbarten aufblühenden Siedlung Kfar Atta, in der eine leb hafte Bautätigkeit sich entwickelt, haben sich eine Anzahl religiöser Gruppen seßhaft gemacht. Ein in der jüngsten Zeit mit der polnischen Agudas Jisroel-Einwanderung nach Kfar Atta gekommener jun ger Talmid Chochom ist zum Rabbiner der Kolonie gewählt worden und entfaltet seine gedeihliche Wirksamkeit. Telschi, 20. Nov. Anläßlich seines 10jährigen Bestehens veranstaltete der „Ose" Telsch eine öffent liehe Kundgebung, auf der über Wesen und Aufgabe von „Ose" referiert wurde. Als Gesellschaft, die an der Gesundung des Volkskörpers arbeitet, steht „Ose" zu religiösen Dingen völlig neutral. Doch konnte Dr, B1 u z, Kowno es nicht unterlassen, darauf hinzuweisen, daß viele onnin» wie Hände- und Nägel-Wa sehen, heute zu leeren Formen wurden, die jeden,, In halts entbehren, und die wieder ihrem ihnen eigenen hygienischen Sinn zuzuführen sind." Dr. Sasersohn, Kowno machte in seinem — übrigens sehr vorsichtig gehaltenen — Referat die etwas merkwürdige Entdeckung, daß gerade in rvn,<5r> besonders, mehr als in anderen Anstalten, für die psychische Hygiene zu sorgen sei. Wir sind der Ansicht, daß ein einziges Blatt m»5 mehr als eine ganze Behandlung bei einem Psychiater selbst vom Rang eines (durch und durch assimilierten) Dr. L. die Reinheit der rttoW fördert. — Bei dem am Abend stattgefundenen Bankett konnte leider das Telscher Rabbinat sowie Zeirei Agudas Jisroel nicht teilnehmen, da das äußere Zeichen für die stete Unterstellung unter das G'ttesgesetz, die Kopfbedeckung, nicht gewährleistet werden konnte. — Das von den Referenten etwas gerügte Beiseitestehen der Orthodoxie ist sofort dann behoben, wemr durch den „Ose" die unumgänglich nötigen Voraussetzungen gegeben sein werden. Die Frankfurter Woche. Tagung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe. Die Agudas Jisroel-Jugendgruppe Frankfurt a. M. veröffentlicht folgenden Aufruf an alle Chawerfm: Zwei Momente bestimmen uns, vom 23. Dezember bis 26. Dezember eine Arbeitstagung der agudistischen Gruppen zu veranstalten. 1. Wir können nur durch eine solche Arbeitstagung den Beweis erbringen, daß wir in konzentrierter und intensiver Selbsterarbeitung bestimmter Stoffgebiete, zielstrebig durch ernste stoffliche Gebundenheit, uns zu vervollkommnen bemüht sein wollen. 2. Wir können nur durch eine solche Arbeitstagung den Beweis erbringen, wie ernst es uns mit unserem Hineinwachsen ins agudistische Leben durch Selbsterziehung ist. Wir glauben daher, daß das nachstehende Programm für unsere beabischtigte Arbeitstagung nur dann zu einem Erfolge führen kann, wenn jeder Teilnehmer entschlossen und gewillt ist, mitzuarbeiten. An dieser Arbeitstaoung sollen alle diejenigen teilnehmen, die gleich uns der Auffassung sind, daß es unsere Aufgabe ist. endlich einmal mit der Selbstbesinnung zu beginnen. Wir haben uns bemüht, der erfolgreichen Gestaltung dieser Arbeitstagung dadurch Rechnung zu tragen, daß wir die Bildung einer Gruppe von 15- bis 17jährigen sowie einer Gruppe 18- bis 21 jähriger vorgenommen haben, wobei wir von dem Gesichtspunkt ausgehen, daß stoffliches Wissen nur in kleineren Arbetiskreisen erarbeitet werden kann. Programm: I. AelterengniDpe: a) Pädagogik: Aufbau der Persönlichkeit, b) Literatur: David Reubeni (Max Brod) Problemerörterung, c) Erziehungsarbeit: Agudistisches in der Erziehung. II. Jüngerengruope: a) Lernen: Jungens: Pflichten und Rechte im üdischen Staat. Mädchen: al Tefillo. bl Dinim. b) Literatur: Kampf um G"tt. c) Geschichte: Der Chassidismus. d) Agudismus: Ideologie, Organisation- Vorgesehen ist ferner ein Referat über „Wesen und Wege des Agudismus": ferner Ein Jugendbend und eine Elternversammlung mit Kurzreferaten über: Kind und Schule, Kind und Erziehungsbund, Wir Jungen Menschen. Wir werden Euch nach Eingang Eurer Mitteilung, mit wieviel Teilnehmern der genannten Altersstufen ungefähr zu rechnen ist, in Kürze die Namen der Leiter der jeweiligen Arbeitsgemeinschaften angeben. Es sei nooh bemerkt, daß die drei Themen für die ältere Gruppe nach gründlicher Ueberlegung zusammengestellt worden sind, wobei wir uns durchaus bewußt sind, daß es auch möglich ist, eine andere Themenreihe zu wählen. Wir werden aber am vierten Tag des Treffens seine eingehende Darstellung über den inneren Zusammenhang dieser drei Themen für die gesamte agudistische Arbeit geben. Wir bitten nunmehr um beschleunigte Mitteilung, mit wieviel Teilnehmern wir rechnen können, wobei wir noch erwähnen, daß mit einer Anzahl von Freiplätzen zu rechnen ist, so daß den auswärtigen Teilnehmern außer den Fahrtkosten keine wesentlichen sonstigen Unkosten entstehen dürften. Es sei noch hinzugefügt, daß sämtliche auswärtigen Teilnehmer über den vorangehenden Schabbos als Gäste der Frankfurter Gruppe herzlichst eingeladen sind. Es sei noch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß eine Aenderung des vorstehenden Programmas nicht in Frage kommt, und wir sagen Euch' ganz offen, daß,'1 so dankbar wir auch sonst für Anregungen sind, wir in diesem Falle Euch ausdrücklich bitten, diesmal davon Abstand nehmen zu wollen, damit die einheitliche Linie der Tagung gewahrt und das erstrebte Ziel erreicht wird. Als Ort der Tagung ist ein Platz in der Nähe Frankfurts vorgesehen. Jüdische Krankenhilfe (Bikkur Cholim). Die Jüdische Krankenhilfe (Bikkur Cholim) Frankfurt a. M. zählt zu den führenden jüdischen Wohlfahrtseinrichtungen unserer Stadt. Sie wurde im Jahre 1889 von Dr. Marcus Hirsch s. A. ins Leben gerufen und hat den Zweck, allen jüdischen Kranken, die auf Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, ohne Unterschied der Gemeindezugehörigkeit beizustehen. Der Vorsitzende, Herr Sigfrid Rosenberger, steht seit acht Jahren an der Spitze des Vereins. Er hat während dieser Zeit gemeinsam mit der Leiterin des Vereins die Institution wieder zur vollen Entwicklung gebracht. Es ist Sorge getragen, daß* jeder arme Kranke Unterstützung" findet'. Der Verein verabreicht Milch, Kutter, Eier, Wein, gelegentlich Barunterstützung. Auch erfolgt Belieferung von rituellem Essen an Patienten, die in nichtjudischen Krankenhäusern (besonders Nervenklinik) untergebracht sind. Es werden Beihilfen für orthopädische Waren, Brillen und dergl. verabreicht. Die Jüdische Krankenhilfe beschränkt sich nicht nur allein auf Hilfeleistung für akut Erkrankte, sondern hilft den Rekonvaleszenten durch Kräftigungsmittel in weitgehendem Maße. Die Organisation dieser segensreichen Einrichtung wird von dem Vorsitzenden, einer Vorstandsdame und Vertrauensärzten geleitet. Die einzelnen Fälle werden durch Recherchen auf ihre Dringlichkeit geprüft. Die Zusammenarbeit mit der Jüdischen Wohlfahrtspflege sowie allen anderen verwandten Institutionen ist ein besonderes Arbeitsgebiet dieses Vereins. Ebenso die Betreuung der an ihrer Kriegsverletzung leidenden jüdischen Frontsoldaten. Der Not des verarmten Mittelstandes wird besonders Rechnung getragen. Dieses Gebiet erfordert individuelle Behandlung. Die Leistungen nach dieser Richtung sind besonders lobenswert. Wenn in diesen Tagen die Gönner dieses Vereins die sinnreiche Ghanukahgäbe zugestellt erhalten, sc* mögen sie sich bewußt sein der Worte, die dem Bilde beigegeben sind: „Lichter erstrahlen, Erst eines, Dann acht. Als ewige Flamme Im Herzen der Kranken. Dir zum Segen, Ihnen zur Heilung"." (Postscheckkonto 2 5 3 9 6.) Sijum-Hagodaur der Chewro-Schaß. Der diesjährige Sijum-fTagodauI findet s. G. w. am Wi 'B p"»s». Samstag, den 22. Dezember in der Aula der Samson Raphael-Hirsch-Schule, Tiergarten 8, statt. Beginn des Sijüms ist präzise 7 Uhr abends. Für den Hadron ist Herr Rabbinatsassessor Dr. M. Schlesinger gewonnen. Einlaßkarten sind bei Herrn B. Rachelsolln, Sandweg 6a erhältlich. Chanukahfest und Anderes in der Agudas Jisroel- Jugeindgruppe. Zu der am Samstag, den 8. Dezember, 19.45 Uhr in der Aula der S, R. Hirsch-Schule stattfindenden Chanukah-Feier der Schülergruppen ist wegen Ueberfüllung des Saales aus polizeilichen Gründen kein Zutritt mehr zu erlangen. Die Angehörigen der Mitwirkenden, soweit Ausweise ausgestellt wurden, sind herzlichst eingeladen. Die Aufführung wird voraussichtlich wiederholt. Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß die „Keren Hajischuw-Woche" am 9. Dezember beendet ist und die Hameasef-Täschchen am Sonntag um 15 Uhr mit den Ausweisen abzugeben sind. Anschließend Preisverteilung der Sieger des Wettbewerbs im Heim Schwanenstraße 12 pt. Im Rahmen des agudistischen Lehrkreises spricht am Donnerstag, den 13. Dezember, 20 Uhr, im Heime Herr David U 11 m a n n über das Thema „Vom Sinn der jüdischen Geschichte". Gäste willkommen. Die Freitagabendveranstaltungen der Israelitischen Religionsgesellschaft. Der gute Besuch, besonders stark aus jugendlichen Kreisen, bewies auch am zweiten Abend, daß diese Einrichtung einer Notwendigkeit netspricht. Am kommenden Freitag Abend, Schabbos Chanukah, .20.15 Uhr, im Hörsaal, Friedbergeranlage 6, sprechen: Herr Rabbinatsassessor Dr. Elieser P.o s e n und Herr Markus W eil. Dem Charakter des Abends entsprechend, wird die Veranstaltung eingeleitet durch Rezitationen. Zwischendurch werden die Brüder Großmann Sologesänge vortragen, Chanukahveranstältungen in Frankfurt. Es war eine festreiche Woche. Größe' Veranstaltungen und auch solche in engerem Rahmen mühten