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Der Israelit · 1934-12-06 · Heft 49 (6.12.1934) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 49 (6.12.1934)
Date
1934-12-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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6. Dezember 1934 Der Israelit Nr. 49 Seite 13; Personalien-! Berlin, 28. Nov. Am 10,, Dezember .begeht Fräu Rabbiner Dr. Petuchowski. in voller geistiger ,unä .körperlicher Frische ihren 7 0. G.e burtsta g. Die Jubilarin ist die Witwe des vpr einigen Jahren verstorbenen, Rabbiners Dr. Marcus Petuchowski Vxi» (dem sie aufopferndste Gattin war. . . ., ,. '.' . . wywy. Mannheim, 22. Nov. ' Herr Rabbiher. Dr. Ch. .lauer schreibt-uns: Am 16. Oktober;{7. Marcheschw'an) ist in Berlin Herr; Rabbiner Dr. , j a m p e 1 im 60. Lebensjahre nach .kurzer, schwerer Krankheit verstorben. Sein Tod wird weit über die Reihen -seiner Familie hinaus' tief betrauert; Die Hiobspost von seinem plötzlichen Hinscheiden hat uns alle, seine .zahlreichen Freunde, die den Verblichenen wegen seines edlen vornehmen Charakters schätzten, verehrten und liebten, tief erschüttert. Jampel entstammte einer sehr frommen Familie in Tucholka, Galizien.;Von seiner frühesten Jugend an: widmete er sich dem Talmudstudium, besuchte mehrere Jeschiboth, zuletzt die rühmlichst bekannte ungarische Jeschibah zu Preßburg. Im; Jahre 1894 kam er als Rabbinatsassistent zu, Provinzialrabbiner Dr. Cahn s. A. nach ,Fulda, wo er Sich mit besonderem Eifer der Erziehung der .schulentlassenen. Jugend und dem Studium der Bibelwissenschaft widmete. Jampel war ein ausgezeichneter Assyriologe und Kenner der rabbinischen Literatur, wodurch er besonders die Aufmerksamkeit berühmter Orientalisten auf sich lenkte. Die bekannten Orientalisten, Fritz Hommel, München, Karl Marti, Bern ü. a. verehrten in ihm den tüchtigen Fachgenossen und Freund. Der Verstorbene gehörte zeitlebens der konservativen Richtung in der Bibelwissenschaft an. Er zeichnete sich besonders aus durch seine klare, wissenschaftliche und zugleich populäre Darstellung schwieriger Probleme. Durch seine zahlreichen, in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums und in anderen wissenschaftlichen Zeitschriften in deutscher und hebräischer Sprache erschienenen Aufsätze, in welchen er stets mit Mannesmut seinen konservativen Standpunkt vertrat, hat er sich ein ehrendes .' Denkmal, gesetzt. Von seinen veröffentlichten Schriften nennen wir: „Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden" (1904); „Das Buch Esther auf eine Geschichtlichkeit kritisch geprüft" (1907); „Vom Kriegsschauplatz der israelitischen Religionswissenschaft" (1909); „Haggada aus Aegypten, Israels Bedrückung in Aegypten nach den dortigen zeitgenössischen Inschriften" (1910); „Esther und Purim in der Geschichte" (1911); „Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion" (1913, 2. Auflage 1928). In Fulda verfaßte er eine sehr wertvolle Biographie des Maharam Schiff, der bekanntlich vor 300 Jahren Rabbiner in Fulda war und über den bis heute nur mangelhafte Monographien erschienen sind. Jampel hat seine Arbeit über Maharam Schiff leider' nicht zu Ende geführt. Das Fragment befindet sich in Händen des Schreibers dieser Zeilen und harrt noch der Vollendung. - Seit 1910 war Jampel Rabbiner in Schwedt a. O. Vor zwei Jahren verlor er seinen einzigen, sehr begabten, hoffnungsvollen Sohn. Mit dem Tode des Kindes sank seine Sonne. Von dieser Zeit an war des Vaters Herz gebrochen und fand; nur Trost in der Arbeit an der Seite seiner lieben Gattin, die ihm stets in seinen wissenschaftlichen Forschungen eine treue Gehilfin war. Mit Jämpels Tod verliert die Wissenschaft des Judentums eine der schönsten Perlen ihrer Krone, und wir, die den Verblichenen näher kannten, verlieren in ihm einen lieben Freund. Wir bewunderten in ihm nicht allein den Wissenschaftler, , sondern vielmehr seinen festen, edlen Cha- . rakter, sein klares Urteil, seinen zielbewußten Arbeitswillen, seine große Bescheidenheit, seine ange- . borene Liebenswürdigkeit,, nie versagende Herzensgüte und.,vornehme Gesinnung. ,'" Königheim i. B., 26. Nov. oAm Ii Oktober,, 1934 waren 50 Jahre verflossen, daß'Lehrer'S. L i c;h t e nst e 11 e r in unseren: Gemeinde wirkte. Aus diesem Anlaß veranstaltete die Gemeinde eine Feier, -die die Verbundenheit zwischen Lehrer und Gemeinde in schönstei Weist zum - Ausdruck-brachte. Herr . Vorsteher Sbmer sprach Begrüßungs- und .Dankesworte im Auftrag der Gemeinde. Herr Bezirksrabbiner Greilsheimer, Mosbach würdigte in trefflicher Weise, die Verdienste des Jubilars und sprach ihm den Dank aus für seine treue Hingabe als Erzieher von zwei Generationen, indem er ihm den "tan -Titel verlieh und im Auftrage des Oberrats der Israeliten Bädens eine künstlerische Plakette überreichte. Der Bezirks-Aelteste, . Herr Leopold K a h n , Wertheim und Lehrer K a u f m a n n , Tauberbischofsheim hielten ebenfalls Ansprachen und dankten für die Bezirkssynagoge und für den Lehrerverein.' Gesänge und Gedichte umrahmten die Feier, zu der zahlreiche Gäste von auswärts erschienen waren. Zum Schluß dankte der Jubilar für die ihm erwiesene Ehre, Wertheini ä. M-, 26. Nov. Lehrer Thalmann a. D., der annähernd vier Jahrzehnte hier amtierte, langjähriger Vorsitzender des Vereins israelitischer Lehrer und Kantoren Badens, verließ uns vor; einigen Wochen und siedelte nach Erez Jisroel zu . seinem Sohne über. Wir wünschen ihm drüben einen heiteren, und glücklichen Lebensabend. ^"»laj? Rhina, 3. Dez. Am 25. Kislew (2. Dez.) feierte man im Familienkreise den 10 0. Geburtstag der Frau'Jettchen Bacharach. Die Jubilarin eröffnete I die' Feier ganz impulsiv mit einem voller Inbrunst gesprochenen U'nne? und schloß daran ein andächtiges Gebet, das alle Anwesenden tief rührte. Ansprachen hielten Provinzialrabbiner Dr. Cahn, Fulda und Lehrer O p p e n heim, Rhina. Als Sohn der Jubilarin sang Kantor Bacharach, Eschwege zwei Lieder. Die Hundertjährige war von einer wunderbaren Geistesfrische und legte erstaunliche Proben ihres Gedächtnisses ab, indem sie Lieder und Bibelsprüche aus frühester Kindheit vortrug. Aus Nah und Fern waren viele Schreiben und Geschenke eingegangen, mv onwy 71K» TS? Tiefeno.rtj 2. Dez. Ein schweres Schicksal hat die Familie Julius L e v o r in Barchfeld a. d. Werra betroffen.' Ihr" einziges Kind, ein hoffnungsvoller ,19 jähriger Sohn, wurde am 21. Kislew der Erde übergeben; Ein Gehirnschlag hatte in einigen Minuten dem jungen Leben ein Ende bereitet. Rabbiner Dr. Cahn aus Fulda.('hielt am Grabe eine ergreifende Rede. rrasan Memel, 3. Dez. Am 1. Kislew starb in Neapel, wo er zur Heilung weilte, Jacob Werblowsky. aus Memel. Er war Repräsentant der Memeler Jüdischen Gemeinde und rührigster Vertreter all ihrer konservativen Einrichtungen. Mit Herz und Hand sorgte er für die jüdischen Interessen Memels und darüber hinaus, insbesondere für die Erhaltung der Lehrstätten zur religiösen Erziehung der jüdischen Jugend. Mit größter Selbstverleugnung und unter unsagbaren Opfern setzte seine Frau, die ihn überallhin begleitete, seine Ueberführung nach Memel durch. Ueberwältigend war, trotz der späten Nachtstunde am 13. Kislew, der Empfang des Heimkehrenden am Bahnhof, wo sich Hunderte einfanden. Noch größer war die Zahl derer, die sich bei der Beerdigung beteiligten; man sah auch .viele Nichtjuden Die Rabbiner von Memel, Dr. Schlesinger und Rabinowicz, wie auch ein Fabrikant aus Kowno, schilderten treffend das Leben dieses Mannes. In der Art, wie er selbst den Sabbat gehalten und seinen 300 Angestellten die Heiligung desselben ermöglicht hat, war und wird er ein Vorbild für alle bleiben. Herr Oberkantor Keiles von der Adaß- Gemeinde in Berlin, der Schwiegervater des Verstorbenen, verrichtete bewegt und erschüttert das V»K -Gebet am Grabe, und der 11jährige Sohn sprach das Kaddischgebet. n-axan Zürich, 26. Nov. Am 11. Kislew wurde hier unter großer Beteiligung auf dem Friedhof der J. R. G. Frau Golde Binder zur letzten Ruhe geleitet. In ergreifenden Worten schilderte Herr Rabbiner Kraus' (Baden) das Leben und Wirken der Entschlafenen. Sie führte ein echt jüdisches Haus, wo die Grundpfeiler des Judentums verankert waren. Auf dem Wege zu einem nnt* bv rrna wurde sie von einer heimtückischen Krankheit überrascht, von der sie sich' nicht mehr erholen konnte. Nach kurzer Krankheit hauchte sie ihre reine Seele, erst 56jährig, am 9. Kislew aus. 7\"2XM Lissa, 27. Nov. Ein tragisches Geschick ereilte den bekannten Arzt und Schriftsteller, Sanitätsrat Dr. Sc herbei, Lissa am 76. Geburtstage. Als Sanitätsrat Scherbel von einem Krankenbesuch in seine. Wohnung in Lissa zurückkehrte, überraschte er dort mehrere Einbrecher. Er wurde von den Banditen zu Boden geschlagen, und erlag kurz darauf seinen schweren Verletzungen. Mit dem Ableben von Simon Scherbel erleidet das Judentum einen großen Verlust. Trotz seines hohen Alters war Dr. Scherbel geistig noch vollkommen auf der HöheY Er ist der .älteste Sohn. des konservativen Predigers und Dichters Moritz Scherbel, der gleichfalls in Lissa geboren ist. Simon Scherbel erhielt schon im Elternhause;eine hervorragende jüdische Ausbildung. Während seines Studiums in Berlin war er Schüler von Virchow, Mendel,und anderen berühmten Professoren. In den .letzten Jahren bereitete Simon .Scherbel ein Standardwerk „Berühmte jüdische Aerzte, der Neuzeit" vor. Schou früher erschienen von""ihm neben zahl-, reichen populär-medizinischen Büchern: „Jüdische Aerzte und ihr Einfluß auf das Judentum" und „Ehen zwischen Blutsverwandten", dessen jüdischer Teil grundlegendes Material bringt. Simon Scherbel ist ein Opfer seiner Treue zur Posener Heimatprovinz geworden. Als . Lissa durch den Versailler Friedensvertrag polnisch wurde, blieb er, gleichsam als letzte Säule des Posener Judentums, in Lissa und wir hörten auch in. den letzten Jahren oft von ihm. Sanitätsrat Scherbel gehörte viele Jahre dem Vorstand der Lissaer Jüdischen Gemeinde an, er war lange Zeit Vorsitzender des Repräsentanten-Kollegiums, dirigierender Arzt und Kurator des jüdischen Kranken- und Siechenhauses (Wollheim'sche Stiftung) und Vorsitzender des Lissaer Vereins für jüdische Geschichte und Literatur, der infolge seiner unermüdlichen Arbeit noch heute in hoher Blüte steht und in dem er selbst zahlreiche Vorträge über die verschiedensten jüdischen Wissensgebiete gehalten hat. — Die Beisetzung gestaltete sich zu einer Wallfahrt der jüdischen Gemeinde Lissa. rrawn Kaschau, 28. Nov. Mittwoch -abend, 7; Kislew, verschied unerwartet Frau Gisella Gutmann., Gattin unseres gewesenen Gemeindepräses, Herrn M. Gutmann, und unter Teilnahme aller Schichten der jüdischen Gesellschaft wurde sie am 8. Kislew nachmittag zur letzten Ruhe getragen. Als erster ergriff der schwergeprüfte Gatte das Wort, um von der Hingeschiedenen Abschied zu nehmen. Im Namen der orthodoxen Gemeindeleitung hielt dann Herr Sekretär Ludwig Wiesenberg einen warmen Nachruf, den Schmerz und die Teilnahme unserer Gemeinde Ausdruck verleihend. Außer dem Gatten betrauern zwei Töchter und ein Sohn ihre Mutter, deren Andenken in unserer Gemeinde in Ehren bleiben wird. rraxin Vermischtes. Berlin, 4. Dez. Die Agudas Jisroel-Gruppsn Berlin und der Noar Agudati Chug Berlin veranstalten einen Erez Jisroel -Abend Sonntag, den 16. Dezember, 20 Uhr präzise im Logenhaus, Kleiststr. 10. Es sprechen die Herren Rabbiner Dr. Moses Auerbach, Berlin und Rechtsanwalt Dr. Isaac Breuer, Frankfurt a. M., über „Religiöse Erziehungsprobleme". — Gäste willkommen, Unkostenbeitrag 25 Pfg.! Berlin, 12. Nov. Wie der „Württembergische Pressedienst" meldet, erklärte Ministerialrat Stähle in einem Vortrag im NS-Lehrerbund des Kreises Stuttgart, man dürfe bei der Bemühung, das deutsche Volk von allem Fremdrassigen zu säubern, nicht in einen .Rassenmaterialismus verfallen, „konkret gesprochen, nicht dem gegenwärtig grassierenden „Blondfimmel" huldigen", dem jetzt schon Ströme von Wasserstoffsuperoxyd geopfert würden. Das äußere Erscheinungsbild brauche keineswegs dem inneren Erbbild zu gleichen, Nicht jeder und jede Hochblonde sei innerlich ebenso reingermanisch und in vielen Dunkelhaarigen stecke eine heldische Seele. Berlin, 16. Nov. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat beschlossen, einen besonderen Kursus zur Erlangung der Befähigung, jüdischen Religionsunterricht zu erteilen, für konservative Bewerber einzurichten, falls eine genügend große Zahl von Anmeldungen erfolgt. Zur Teilnahme sind, ebenso wie an dem bereits bestehenden Kursus, nur solche Herren und Damen berechtigt, die eine staatliche Lehrerprüfung abgelegt haben. Der Kursus soll gegebenenfalls, ebenso wie der bereits laufende, in Berlin an zwei Nachmittagen pro Woche im Umfange von je zwei Doppelstunden stattfinden und zwei "Jahre dauern. Anmeldungen konservativer Bewerber werden an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden, Berlin-Charlottenburg 2, Kantstr. 158, erbeten. Berlin, 20. Nov. Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden teilt mit: Der Preußische Landesverband jüdischer Gemeinden hat beschlossen, ein Bezirksrabbinat mit dem Sitz in Schi v elbein zu begründen, dem die folgenden Gemeinden angeschlossen werden sollen: Labis-Wangerin, Regenwalde, Dramburg, Bad Polzin, Belgard, Kolberg. Köslin, Bublitz, Pollnow, Neustettin, Bärwalde, Falkenburg und Tempelburg. Der Bezirk dürfte damit 1000 Seelen umfassen. Würzburg, 29. Nov. Am 1. November wurde in schlichter Weise das Altersheim, Konradstr. 3 in den Räumen der Anstalt seiner Bestimmung übergeben. Der Vorsitzende, Herr Sigmund S e 1 i g s - berger, gab einen kurzen Einblick in die Geschichte der Stiftung, welche in diesem Jahre ihr 50jähriges Bestehen feierte und schilderte vor allem den Werdegang des neuen Heimes. Das Altersheim, welches 50 Personen faßt und bis auf wenige;Plätze belegt ist, ist ein geschmackvoll ausgestattetes, praktisch angelegtes und direkt mustergültig geführtes Haus. Die Weiherede hielt tiefdurchdacht und zu Herzen gehend, Herr Bezirksrabbiner Dr. H a n o v e r. Namens der Israelitischen Kultusgemeinde beglückwünschte der erste Vorsitzende, Herr Justizrat Dr. Haas, die Verwaltung zu diesem Werk edler Menschenliebe und im Auftrag der Stiftungsverwaltung dankte Herr Ignaz Rindskopf dem Vorsitzenden, Herrn Seligsberger, für seine, mit unermüdlichem Fleiße und zielbewußter Führung, geleistete Aufbauarbeit. An die Eröffnungsfeier schloß sich unter Führung von Herrn Reg.-Baumeister Schwab, der in gewissenhafter Weise die Umbauten leitete, ein Rundgang an. Bad Kissingen, 3. Dez. In den früheren Amtsräumen des heimgegangenen Vorsitzenden der Anstalt, Rabbiner Dr. S. Bamberger-Wr« fand eine Sitzung des Kuratoriums statt, auf deren Tagesordnung die Neuwahl der Vorstandschaft, Ergänzungswahlen zum Kuratorium und Regelung finanzieller Fragen stand. Der durch Zuruf gewählte Vorsitzende der Versammlung, Kurator B u x b a u m , Würzburg gedachte vor Eintritt in die Tagesordnung in verehrungsvoller Dankbarkeit des dahingeschiedenen Vor-

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