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Der Israelit · 1934-12-06 · Heft 49 (6.12.1934) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 49 (6.12.1934)
Date
1934-12-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10 Nr. 49 Der Israelit 6. Dezember 1934 Antlitz vollkommen verändert hat. Ortschaften, die früher vorwiegend händlerisches Gepräge trugen, sind heute ganz und gar zu Zentren der Produktion geworden. Die große Mehrheit der jüdischen Bevölkerung, die früher von Handel und von Luftgeschäften lebte, stellt heute eine arbeitende Masse dar. In vielen Städtchen wurden Fabriken errichtet, in denen der größte Teil der jüdischen Bevölkerung beschäftigt ist. Weniger günstig ist die Lage der jüdischen Stadtrand-Siedlung. Die Siedler leiden unter Bodenmangel und werden von den zuständigen Stellen nicht genug beaufsichtigt und betreut. Die Handwerker- Kollektive leiden an Rohstoffmangel. Hier sei mehr Initiative seitens der Gewerbe-Organisationen geboten. Zum Schluß werden in den Berichten Vorschläge zum endgültigen Umbau des jüdischen Städtchens in eine „hundertprozentig produktive Siedlung" gemacht. Palästina. Krise im Zentralkomitee des Misrachi. — Befriedungsvorschläge vom palästinensischen Misrachi abgelehnt- Jerusalem, 29. Nov. Die bereits seit längerer Zeit im Zentralkomitee des Misrachi-Weltverbandes bestehende Krise ist in ein akutes Stadium getreten. Die Befriedungsvorschläge, die von der auf der letzten Misrachi-Weltkonferenz in Lemberg eingesetzten Sonderkommission vorgelegt worden sind, wurden vom Ausschuß des Misrachi Palästinas abgelehnt. Die Mehrheit des palästinensischen Misrachiverbandes hat sich gegen das in Lemberg entworfene Abkommen ausgesprochen. Diese Entwicklung hat dazu geführt, daß nach dem bereits erfolgten Rücktritt der Zentralkomitee-Mitglieder Sirkis und Cininowski nunmehr auch Rabbi Fishman und der ehemalige Abgeordnete Farbstein zu demissionieren beabsichtigen, Arabische Betriebsamkeit. Jerusalem, 25. Nov. Die arabische Exekutive hat in ihrer letzten Sitzung beschlossen, eine Denkschrift über die derzeitige Lage der Araber in Palästina auszuarbeiten und sie dem Völkerbund vorzulegen. Die Palästinaregierung hat die Abhaltung einer vom 'arabischen Jugendverband in Haifa anläßlich des Jahrestages der Erhebung Ex-Königs Hussein gegen die Türkei geplanten Straßenkundgebung verboten. Der Demonstrationszug sollte sich von der Moschee bis zu dem jüngst errichteten Denkmal fürden früheren König des Irak, Feisal, bewegen. Statt dessen wurde bloß ein G'ttesdienst in der Moschee und die Niederlegung eines Kranzes durch eine Abordnung am Feisal-Denkmal gestattet. Gegen das Verbot der Regierung wurde vom arabischen Jugendverband scharfer Protest erhoben. Gleichzeitig kündigt der Verband an, daß im kommenden Jahr der Tag der Erhebung Husseins als Nationalfeiertag in größerem Ausmaß begangen werden soll. ' Anläßlich der Vermählung des englische'nKönigssohnes Prinz George von Kent niit Prinzessin Marina von Griechenland hat sich die Gattin des bekannten,, arabischen Rechtsanwalts und Mitglieds der arabischen Exekutive Moghanan Effendi Moghanan an den englischen König mit der Bitte gewandt, die nach den August-Unruhen des Jahres 1929 zu lebenslänglichem Kerker verurteilten Araber zu amnestieren. Außerordentlich schwierige Lage der Juden in Persien. Jerusalem, 22. Nov. Das Büro der Jewish Agency in Jerusalem erhielt erschütternde Berichte über die Lage der Juden in Persien, die sich in neuerer Zeit wiederum infolge des feindlichen' Verhaltens der Behörden und der Bevölkerung gegen sie sehr verschlechtert hat. In einer besonders katastrophalen Lage befinden sich über 200 jüdische Familien, die vor den Judenverfolgungen in Buchara nach Persien geflüchtet waren. Das Einwanderungsdepartment der Jewish Agency, das vor einiger Zeit 100 Zertifikate für die Buchara-Flüchtlinge nach Teheran gesandt hat, hat nun weitere 25 Zertifikate den Buchara-Juden zur Verfügung gestellt. Arabische Notabein verpflichten sich durch Eid, an, Juden keinen Boden zu verkaufen. Jerusalem, 29. Nov.. In Beerseba trat auf Initiative und unter Vorsitz des Großmufti von Jerusalem eine Konferenz beduinischer Scheichs und arabischer Notabeln aus der Umgegend zusammen, die bei Schwert und Koran einen heiligen Eid leisteten, daß sie nie ihren Boden an Juden verkaufen werden. Außerdem nahm die Konferenz eine Resolution an, bei der Mandatarmacht in London ein Verbot der jüdischen Einwanderung und des Bodenankaufs in Palästina durch Juden zu bewirken. werden. Der Gegenkandidat Herbert H. Lehmäns, Moses, kehrt auf seihen Posten als Parkkommissar von Newyork zurück. Auffallend war der Mißerfolg des von antisemitischen Kreisen unterstützten Kandidaten der „Recovery Party", John F. H y 1 a n , der kaum 10.000 Stimmen erhielt. In den Kongreßwurden alle fünf jüdischen Kongreßmitglieder des¬ Staates Newyork wiedergewählt. Der Staat Connecticut entsandte zwei Juden in den Kongreß. Große Genugtuung hat in jüdischen Kreisen die Niederlage Louis T. McF a d d e n s hervorgerufen, der zwanzig Jahre lang dem Kongreß angehört hatte und nun von Demokraten C. Emier Dietrich geschlagem wurde. Antisemitische Aeußerungen, die McFadden. im. Januar ds. Js. im Kongreß tat, hatten ihn in weiten Kreisen stark mißliebig gemacht. Wiedergutmachung für Kriegsschäden in Palästina. Die neue Palästina-Arbefteremwanderungs- Schedule. J erusalem, 25. Nov. Im Zusammenhang mit der Nachricht betreffend die Arbeitereinwanderungs-Schedule für das kommende Halbjahr wird die ITA. von der Palästina- Exekutive ersucht, darauf hinzuweisen, daß die Zahl der tatsächlich bewilligten Zertifikate nur 7500 beträgt, obwohl die Aufnahmefähigkeit des Landes im kommenden Halbjahr von der Palästinaregierung auf 9700 Einwanderer geschätzt worden war. Hierzu ist zu bemerken, daß bereits in der ersten ITA-Meldung über die neue Schedule berichtet wurde, daß nicht 9700 Zertifikate, sondern mit Rücksicht auf die etwaige Legalisierung des dauernden Aufenthalts von „Touristen-Einwanderern" um 2200 weniger tatsächlich ausgegeben werden. Die Schulen in Tel Awiw. Tel Awiw, 28. Nov. Die Irijah hat beschlossen, das ganze städtische Schulwesen unter Abschaffung des Schulgeldes auf den Etat zu übernehmen, was natürlich durch eine Schulsteuer wieder ausgeglichen wird. Dagegen wäre an sich nichts einzuwenden, Schlimm aber ist es, ungerecht und unlogisch, daß zu diesem Schulnetze lediglich die unter Aufsicht des zionistischen „Waad Hachinuch" stehenden areligiösen Schulen gehören. Die selbständigen orthodoxen Erziehungsinstitute bleiben draußen. Wer sein Kind in die Talmud Thora usw. schickt, hat hier Schulgeld zu zahlen und dort die Schulsteuer, obwohl er von der städtischen Schule keinen Gebrauch macht noch machen kann. Daß hierin auch eine eminente Gefahr für die religiösen Schulen, mit Hinsicht auf die Eltern, deren Gesetzestreue nicht so stark fundiert ist,-um dieses doppelte Opfer zu bringen, ist klar. Gerade in letzterer Zeit hat die A g u d a s J i s r o e 1 eine vortrefflich geleitete Talmud Thora und eine Bes Jakow-Schule eröffnet, die durch die neue Verordnung der Irijah natürlich in größte Gefahr geraten. Freilich ist zu hoffen, daß sich die Tel Awiwer Ortohdoxie zur Wehr setzt und einmütig ihr unbestrittenes Recht auf jüdische Erziehung ihrer Kinder, ohne, dafür mit doppelten Gebühren bestraft zu werden, einsetzt. Amerika. Elf Juden im amerikanischen Repräsentantenhaus. New York, 28. Nov. Auf Grund des Gesamtergebnisses der Neuwahl der amerikanischen Staatsgouverneure und des Kongresses, bei der bekanntlich der bisherige Gouverneur, Oberst H. Lehman, mit weit über zwei Millionen Stimmen und einem Vorsprung von über 800.000 Stimmen vor seinem republikanischen Gegner Moses, der ebenfalls Jude ist, wiedergewählt wurde, ist festzustellen, daß dem Repräsentantenhaus des 74. amerikanischen Kongresses 11, dem Newyorker Staatsparlament 23 jüdische Mitglieder angehören Washington, 16. Nov. Ia der nächsten Woche wird zwischen den Vereinigten Staaten und der Türkei ein Vertrag unterzeichnet werden, in dem die Türkei sich verpflichtet, .1.300,000 Dollar zur Wiedergutmachung von Kriegsschäden in Palästina zu bezahlen. Damit findet ein langjähriges Verfahren seinen Abschluß, das von den. durch die Kriegsoperationen geschädigten zum großen Teil jüdischen Eigentümer von Pflanzungen im Vorkriegs-Palästina gegen die türkische Regierung: angestrengt worden ist. Eine Anzahl der Personen, die Wiedergutmachungsansprüche angemeldet haben, sind amerikanische Staatsangehörige, Mexiko. Rechtssicherheit für die Juden in Mexico. 1 Mexico-City, 19. Nov. Die jüdische Bevölkerung Mexicos hat mit großer Genugtuung von einer Erklärung des neu gewählten' mexicanischen Staatspräsidenten General Cardenas Kenntnis genommen, in der dieser versichert, er sei entschlossen, es zu verhindern, daß den Juden in Mexico Unrecht zugefügt werde. Diese Erklärung; hat General Cardenas vor einer Deputation abgegeben, die erschienen war, um ihn zu seiner Wahl zu beglückwünschen und der Loyalität der Bürgerschaft zu versichern. Bei dieser Gelegenheit lenkte ein jüdisches Mitglied der Abordnung die Aufmerksamkeit des Präsidenten auf die von manchen Kreisen gegen die Juden inszenierte Hetze. Daraufhin erklärte General Cardenas: ,.Sagen Sie der jüdischen Bevölkerung, daß ich ihr Freund bin und es nie zulassen werde, daß gegen die Juden ein Unrecht verübt wird. Alle Bewohner Mexicos sind vor dem Gesetze gleich. Jede gegen Juden verübte Ungesetzlichkeit wird ebenso streng bestraft werden wie Ungesetzlichkeit gegen Mexicaner." (ITA.) Kanada« Montreals Bürgermeister wehrt sich gegen den Verdacht des Antisemitismus. Montreal, 19. Nov. Der Bürgermeister von Mon t r e a 1, Camilien H o o d, hat in einer großen jüdischer Versammlung eine Ansprache gehalten, in der er versicherte, die über ihn verbreiteten Gerüchte, er sei Antisemit, seien unzutreffend. Bürgermeister Hood erklärte, er sei ein Freund der Juden und werde sich stets für die Interessen der Verteidigung der Minderheiten einsetzen. Gegen den jetzigen Bürgermeister war schon während seiner vorangegangenen Amtsperiöde der Vorwurf erhoben worden, er begünstige - antisemitische Tendenzen; dieser Verdacht wurde insbesondere deshalb ausgesprochen, weil die Maßnahmen des Bürgermeisters in dem jetzt nicht mehr erscheinenden antisemitischen Blatt ,,Le Goglu" besonders lobenJd hervorgehoben wurden.

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