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Der Israelit · 1934-12-06 · Heft 49 (6.12.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 49 (6.12.1934)
Date
1934-12-06
Page
– (sequence 5)
Language
German
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6. Dezember 1934 Der Israelit Nr. 49 Seite 5 latt von der radikalen Assimilation scheidet, il das nationale Moment, das Verneinen der individuellen Assimilation zugunsten der kollektiven im eigenen Nationalheime. Wieder ein anderes Blatt stellt Glaubens-. uden gegen Schicksalsjuden und beiden gegenüber den T a t j u d e n. Und weiß scheinbar nicht, daß die Makkabäer, die all diese Phrasen mit ihrem Namen zu decken haben, zu allererst und zu allerletzt Glaubens] uden aren, und aus diesem Glauben heraus zu Tatjuden wurden, als ihre Schicksalsgestaltung von Außen her ins Seelische hinüberoriff. Der „Schild" schließlich, das Organ des R. }. F., legt im Lichterscheine der Menora „ein religiöses Bekenntnis zum Heidentum" ab. Es ist'der tapferen Männer im R. j, F. gutes Recht, ja auch heilige Pflicht, der Welt, die uns nicht kennen will, zu zeigen, wie rein und ehrenvoll auch der jüdische Schild im großen Ringen, wie groß auch das jüdische Blutopfer war, Religion mit Heldentum zu ein em Bekenntnis zu vermengen, wäre aber, mit Verlaub Ihr Herren, eine Begriffsverwirrung, mit der man weder der Religion noch dem Heldentum diente. Ein „religiöses Bekenntnis zum Heldentum" gibt es nicht, wohl aber ein Bekenntnis zum religiösen Heldentum, zu einem Glaubensheldentum, das der wahre Sinn des Chanukafestes ist. Und an dieser einfachsten und heute einzig aktuellen Sinndeutung sind die meisten Blätter leider achtlos vorübergegangen. „Als Joden wollen wir ihn lesen!" Ein Nachwort und vielleicht ein Vorwort. Von Rabbiner Dr. Hermann Klein in Berlin. In den letzten Wochen und Monaten entbrannte in den jüdischen Blättern ein Streit um Hirsch und sein Werk, dessen Niederschlag wir auch in diesen Blättern verfolgen konnten in der vortrefflichen Artikelserie, die in ganz hervorragender Weise die Artikel der Scho- 1 e m s und Konsorten und ihre Angriffe auf ihren Wahrheitsgehalt hin prüfte und es blieb wirklich wenig übrig von all den Vorwürfen, die gegen den großen Wegweiser des orthodoxen Judentums der Neuzeit von den neuen Juden der Jetztzeit erhoben werden. Hervorgerufen wurden diese Kritiken der Hirsch'schen Devise durch Kritiken, die eigentlich dem Enkel des großen Mannes, dem Verfasser des „neuen Kllsari", der sich als Interpret und Fortsetzer Hirsch'schen Wahrheitsgutes begreift, galten, und es zeugt von der großen Bedeutung 'des neuen Werkes und von seiner geistigen Stärke, daß all die Gegner das Gefühl haben, daß man diesem Werk nur beikommen kann, wenn man auch die geistige Quelle, aus der es schöpft, als trübe oder als ganz vertrocknet hinstellt. Lebt das Werk des Meisters, so ist auch das Werk des Jüngers lebenskräftig, und ich will hier gleich feststellen, daß ich das Werk des Jüngers für ein höchst bedeutsames und großes halte. Ich mache diese Feststellung schon gleich hier, wiewohl ich nicht die Absicht habe, des näheren auf die Einzelheiten des neuen Buches vorerst einzugehen, damit ich konstatiere, daß es durchaus nicht stimmt, daß die „thoratreue Judenheit das Werk und die neue. Devise des Verfassers ablehne." Vielleicht die thoratreue Judenheit des „Israelitischen Familienblattes"! Ich würde es als einen Makel an der thoratreuen Judenheit betrachten, wenn dies nicht sofort ausgesprochen würde. Doch davon ein anderes Mal. Was mir aber bei allen Auseinandersetzungen fehlte, war ein Hinweis auf dasjenige, was mir als ein Hauptmerkmal Hirsch'schen Geistes und vielleicht als das Hauptverdienst Samson Raphael Hirschs V'XT erscheint, nämlich sein Stolz auf sein Judentum und darin erblicke ich auch den tiefsten Sinn des Hirsch'schen N"T D$? mifT Prinzips, Wie lagen denn die Verhältnisse, als der ganz junge Oldenburger Rabbiner seine 19 Briefe erscheinen ließ? Ein etwas tieferer Blick in die Geschichte der Aufklärungsperiode nach Mendelssohn zeigt uns, daß im Grunde genommen nicht die Verbreitung der durch und durch unjüdischen Prinzipien der Reformer, nicht die Leugnung des g'ttlichen Ursprungs der Thora, nicht die Bibelkritik und nicht die gefälschte jüdische Wissenschaft der Grätz und Genossen den geistigen Zusammenbruch der damaligen Judenheit herbeigeführt und verursacht haben. Die gefälschte jüdische Wissenschaft war eher eine Folge des geistigen Zusammenbruchs, aber gewiß nicht ihre Ursache. Die Quelle der Krankheit war, daß man schon zur Zeit Mendelssohns anfing, sich seines Judentums zu schämen, daß man das Bedürfnis empfand, das Judentum verschönern zu wollen, es den Ansprüchen einer verfeinerten Kultur entsprechend auszugestalten, es zu erneuern, es vom alten Rost zu befreien; man wollte die Runzeln der Mutter beseitigen, auch auf die Gefahr hin, daß die Mutter bei dieser Operation stirbt. Als schön galt, was unjüdisch war, und man versuchte, so viel als möglich von seinem Judentum zu verbergen, damit man nur keinen Anstoß errege. „Sei Jude in deinem Hause, aber nur Mensch auf der Straße," so lautete die Devise der aufgeklärten Juden. Ich erinnere mich eines Vortrages von Dr. J. Wohlgemuth ">"$> in dem er einen Freitag Abend im Hause Mendelssohns schilderte. Es waren nichtjüdische Gäste da und da Verschwand zuerst die Frau, um in irgend einer versteckten Ecke diz Sabbatlichter zu entzünden, dann verschwand er, um irgendwo im Hause unbeobachtet sein Gebet zu verrichten. Bei Tisch unterhielt man sich über ästhetische, literarische und philosophische Fragen. Die christlichen Besucher fanden es sehr gemütlich, da man gar nicht merkte, daß man in einem jüdischen Hause war. So sah ein Freitag Abend im Hause Mendelssohns aus! Ist es dann ein Wunder, wenn Kinder und Enkzl sich taufen ließen?! Wenn das Jüdische etwas war, dessen man sich zu schämen hatte, das man sorgfältig verbergen mußte, wozu überhaupt dann noch Judentum! Die Anbetung des Fremden und die Sucht, das Judentum zu reformieren, zeitgemäß, d. h. dem nichtjüdischen Zeitgeschmack entsprechend umzumodeln, ertöteten den jüdischen Stolz, das jüdische Selbstbewußtsein und durch diese Ertötung des jüdischen Stolzes ward auch die sprichwörtliche jüdische Widerstandskraft, die jüdische Hartnäckigkeit so geschwächt, daß in ganz kurzer Zeit kaum etwas vom alten Judentum übrigblieb. War die nichtjüdische Kultur, die nichtjüdische Bildung der allgemeingültige Maßstab und die Norm, denen sich alles anzupassen hatte, warum sollten sich die Juden für die Erhaltung ihres Judentums aufopfern, warum und wozu die unerhörten Anstrengungen etwas zu erhalten, was doch minderwertig war. Diese Minderwertigkeitsgefühle führten zur Reform und sie sind auch die Väter der jüdischen Wissenschaft, die in dieser Periode entstand, die ja keinen anderen Zweck hatte, als die Berechtigung der Reform zu erweisen. Es wurde im ganzen jüdischen Volke die Meinung vorherrschend, daß sich allgemein weltliche Bildung und altes Judentum gegenseitig ausschließen, daß Liede aufgeführten vielen Leckerbissen für Sabbat Chanuka backen, braten, kochen solle, na WS. *ns»V wäre also zu übersetzen „um ein Küchenhaus zu mieten." Aus dem Umstand, daß, wie oben bemerkt, das Lied zuerst in Sammlungen mit aschkenasischem Ritus gedruckt ist, dürfte hervorgehen, daß der Verfasser ein Aschkenasi war; Unter Aschkenasim verstand man zum Unterschied von den zumeist in Süd-Europa wohnenden Sefardim die in Mittel- und Osteuropa lebenden Juden. Unser Lied wurde, wie Davidson a. a. O. bemerkt, später von den Sefardim für Purim umgedichtet und lautet dort: oms rmyoi> imin omsx »r» Vsi anin xypnoa inwi u1«»» •tfo« Aber die ursprüngliche Fassung gehört dem aschkenasischen Ritus an. Daraus kann man folgern, daß der Verfasser in Deutschland oder in einem slavischen Lande lebte. Ich glaube nun, daß es nicht zu kühn ist, wenn ich die Vermutung wage, daß das Lied auf ein slavisches Land hinweist und zwar aus folgendem Grunde. Der Stil des Refrains ist überaus auffallend, insbesondere die Wahl und die Häufung von Worten, die auf "in endigen. Ich vermute, daß in ihnen wie in dem "»sn n?n eine scherzhafte Anspielung zum Ausdruck kommen soll und zwar auf berauscht. Im Slavischen heißt tschi drei. Das Wort TiatP könnte also scherzhaft nach dem Slavischen als 3 Kor gedeutet werden. In Anspielung darauf beginnt der Verfasser den Refrain mit m ns' was auch als 2 Kor gedeutet werden kann, also gleichsam den Gegenklang . von iiaw bildet. Dali hebräische Worte nach dem Klang, den sie in anderen Sprachen haben, gedeutet werden, kommt bekanntlich im Talmud häufig vor, und es könnte daher nicht wunder nehmen, daß sich der Verfasser dieses Mittels in dem launigen Lied bedient habe. Kleines Feuilleton. Zum Andenken an Oberrabbiner Onderwijzer in Amsterdam. Eines historischen Tages, der in seine Alutsepoche fiel, sollte bei dem Heimgang des Oberrabbiners Onderwijzer i'Xl wieder gedacht werden. Es war Ende Februar 1924, als der Bürgermeister von Amsterdam den Vorstand der Israelitischen Gemeinde wissen ließ, die Königin habe den Wunsch geäußert, die Große Synagoge zu besuchen. Absprache und Vorbereitungen waren getroffen und am 1. April 1924 kam die Königin Wilhelmina, der" Prinzgemahl und Prinzessin Juliana zum Besuch in die im Festglanz strahlende Große Synagoge. Nach Ansprache des Vorsitzenden des Rates und dem darauf folgenden Chorgesang aus Psalm 21 hielt Oberrabbiner Onderwijzer t>*ST, eine Rede über die religiösen und ethischen Wahrheiten des Judentums, wie sie ihm am Sinai offenbart wurden. U. a. sprach Oberrabbiner Onderwijzer auch von dem Gebet, das allsabbatlich bei geöffneter Lade für das Glück und das Wohlergehen der Königin und des königlichen Hauses gesprochen und von Männern und Frauen stehend angehört werde. Als nach Beendigung seiner „Rede, der die Königin mit gespannter Andacht lauschte, der Oberrabbiner die Lade öffnete, um das nmn tnun vorzutragen, sagte die Königin: „Nun steht die Gemeinde sicher auf, dann müssen wir auch aufstehen" — und mit der Königin erhob sich der Prinzgemahl und die Prinzessin. Es war eine weihevolle Stunde, die sich weit über die dafür vorgesehene Zeit ausdehnte und für die die Königin der Gemeinde später noch ihren besonderen Dank aussprechen ließ. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß dieser Besuch aus dem königlichen Hause nicht der erste war. Bereits am 3. Juni 1768 besuchte Prinz Wilhelm V. und seine Gemahlin Wilhelmina von Preußen die Große Synagoge, worüber das noch vorhandene GemGindeprotokoll der Königin bei ihrem Besuch vorgelegt wurde. St. Germanen. Eine interessante Auslegung bietet Midrasch Bereschit rabba 86, 3 in seiner Erklärung der Josephsgeschichte. Zu dem Satze 1. M. 39, 1 ,, . . . und es kaufte ihn Potiphar, der Oberste der Leibwache, ein ägyptischer Mann, aus der Hand der Ismaeliten . . ." sagt der Midrasch-. „Ein ägyptischer Mann, das bedeutet ein kluger Mann. Worin bestand seine Klugheit? Er sagte: Ueberall verkauft der Germane ''MD) den Mohren hier aber verkauft der Mohr den Germanen. Das kann kein Sklave sain . . ." Der Hebräer Josef wird also hier vom Midrasch als Germane bezeichnet, ein Ausdruck, der im talmudisch-rabbinischen Schrifttum zwar eine Rassebezeichnung ist, aber in einem übertragenen Sinn auch weiß bedeutet wegen der weißen Hautfarbe der Germanen. In diesem Sinne wendet z. B. auch Mischna Negaim 2, 1 das Wort Germane an. Allerdings sagt Maimonides in seinem Mischnakommentar z. St., daß '»J'i^S von smi Knochen abzuleiten sei. Aber diese volkstümliche Ethymologie dient lediglich zur Veranschaulichung des Begriffs weiße Hautfarbe. K,

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