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Der Israelit · 1934-11-29 · Heft 48 (29.11.1934) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 48 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seite 8 Nr. 48 Der Israelit 29. November 1934 In der gleichen Nummer des offiziellen Agudo- Organs ist besonders beachtenswert ein Aufruf Meir Schwarzmanns an die polnischen Rabbonim, sich mehr als bisher der lehrenden Tätigkeit in den Kreisen der Jugend zu widmen und dem Ueberhandnehmen des Amrazus in weiten Kreisen der im Erwerbsleben stehenden Jugendlichen nicht tatenlos zuzusehen. Die Methoden der Zertifikatverteilung bilden dauernd den Gegenstand lebhafter Diskussionen in der agudistischen Oeffentlichkeit. Im ,,Togblatt" macht A. M. Rogowai den originellän Vorschlag, die Führerinnen der Beth Jacob-Bewegung und die Beth Jacob-Lehrerinnen, die sich durch besonderes Interesse für die Organisation auszeichnen, durch sogenannte „Nedan-Zertifikate" zu belohnen, d. h. also die Zertifikate dem weiblichen Teil zuzuweisen, so daß dann der umgekehrte Weg, wie es gewöhnlich der Fall ist, eingeschlagen würde, und nicht fingierte, sondern echt jüdische Ehen auf diesem Wege zustande kämen. Im Wilnaer „Wort" wird vorgeschlagen, künftig bei der Verteilung der Zertifikate unter gleichqualifizierten Bewerbern — die Gesamtheit der Zertifikatbewerber wäre in drei Gruppen einzuteilen — das Los entscheiden zu lassen. Es liegt auf der Hand, daß gewichtige Argumente für und gegen dieses Verfahren sprechen. Unsagbare Not unter den jüdischen Kindern in Warschau, Warschau, 25. Nov. Die Verelendung unter den jüdischen Massen Warschaus steigt von Tag zu Tag. Die Leitungen der Schulen der Jüdischen Gemeinde und der Talmud Thora teilen mit, daß oft unterernährte Kinder während des Unterrichts ohnmächtig werden. In das Magazin der jüdischen Armenbehörde brachen mehrere Kinder aus der Nachbarschaft ein und nahmen Kartoffeln an sich; sie erklärten, sie könnten es nicht mehr mit ansehen, wie ihre jüngeren Geschwister zu Hause verhungern. Der Verwalter des Magazins beschäftigte die Kinder auf ihr Verlangen beim Kohlentragen und gab jedem Kind als Belohnung einige Kilo Kartoffeln mit. Lettland. Wandlung in der jüdischen Erziehung in Lettland. Riga, 25. Nov. Als Direktor des Departements für jüdische Angelegenheiten wurde der Agudavorsteher H. H o d o - k c w ernannt, und schon merkt man die radikale Aenderung und Besserung im gesamten jüdischen Schulwesen. In allen jüdischen Schulen wurden die jüdischen Disziplinen auf dem Lehrplane von 14 auf 31 Stunden in der Woche ausgedehnt, und es wird dabei auf religiöse Führung der Kinder besonders gesehen. Daß die zionistischen Natinoalisten nun einen erbitterten Kampf gegen die Erweiterung des jüdischen Lehrplanes führen, kann man bei uns verstehen, bleibt aber in der nichtjüdischen Welt als Paradoxon unverständlich. Man ging sogar so weit, Schülerstreiks zu veranlassen, mit denen aber die Schulbehörden kurzen Schluß machten. Auch der Widerstand der areligiösen Lehrer wurde von den Gesetzestreuen mit Hilfe der Macht bald gebrochen. Das Bildüngsdepartement ist entschlossen, dem unhaltbaren Zustande, daß antireligiöse Lehrer Religionsunterricht erteilen, ein Ende zu machen. Gegenüber einer irreführenden Meldung der ITA. aus Riga bringen das Warschauer „Jüdische Togblatt" wie das Rigaer Agudablatt obige Mitteilung zur Richtigstellung. Frankreich. Zu den Friedensverhandlungen in den zionistischen Parteien. P a r i s , 26. Nov. Die Gerüchte über ein Friedensabkommen zwischen * Revisionisten und Histadruth werden durch Die Woche. Berlin. Reichserziehungsminister R u s t hat die Behörden nachdrücklichst auf einen Erlaß vom 6. Januar 1934 hingewiesen, worin es heißt, unter keinen Umständen dürfe ein Zwang auf die Schulen und Schüler zum Bezüge bestimmter Zeitschriften, Zeitungen usw. ausgeübt werden. Im Uebertre.tungsfalle werde er die Schuldigen zur Verantwortung ziehen. — Von einer Firma wurde einer Angestellten gekündigt, weil sie an einem Verlöbnis mit einem Nichtarier, das seit vier Jahren schon bestand, festhielt. Nach einem Tarifabkommen stand ihr ein Uebergangsgeld zu für den Fall, daß sie ihr Ausscheiden nicht selbst veranlaßt oder verschuldet habe. Das Landesarbeitsgericht Berlin hat, wie jetzt bekannt wird, entschieden, daß die Entlassung nicht als „verschuldet" anzusehen sei. — Amtlich wird mitgeteilt: „Reichsminister Rust hat den beamteten ordentlichen Professor der evangelischen Theologie in Bonn, Dr. Karl Barth, der sich geweigert hat, den auf Grund des Gesetzes über die Vereidigung der Beamten vom 20. August 1934 vorgeschriebenen Eid auf den Führer und Reichskanzler zu leisten, vom Amt suspendiert und ein D i sziplinarverfahren gegen ihn eingeleitet." Kiel. Ein Redner der „Deutschen Glaubensbewegung", Orlowski, ist, wie die „Kölnische Volkszeitung" meldet, in Kiel vor einer Kundgebung „Nordisches Heidentum — deutscher Glaube" verhaftet worden. Die Verhaftung erfolgte auf Anzeige der Kirchehbehörde zu Magdeburg. Orlowski habe in Ausführungen erklärt, daß „Christentum, Kapitalismus und Bolschewismus aus, einer Wurzel, dem Judentum, stammten" und daß „das Christentum nichts anderes sei als ein jüdischer Minderwertigkeitskomplex." Fulda. Auf dem Viehmarkt zu Fulda wurden, nach einer Mitteilung des „Deutschen", mehrere jüdische Viehhändler angezeigt, daß sie das Vieh um acht Uhr morgens noch nicht gemolken hätten, so daß die Kühe Schmerzen erdulden mußten. Einer der Händler sei deswegen in Schutzhaft genommen worden. Wien. Wie offiziell mitgeteilt wird, ist das Oesterreichische Konsulat in Jerusalem zum Generalkonsulat erhoben worden. Warschau. Das Lodzer Stadtgericht hat einen gewissen Adam Z i e 1 i n s k i, der am 6. August an einem Ueberfall auf Juden teilgenommen, und zwei von ihnen durch Messerstiche verletzt hat, zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Die übrigen Teilnehmer an dem Ueberfall konnten nicht ergriffen werden. — Im Städtchen W a r n z e bei Warschau wurde eine Bombe gegen eine jüdische Apotheke geworfen, die die innere Einrichtung zerstörte und den Apotheker Grünberg er schwer verletzte. Bombenanschläge von weniger ernsten Folgen wurden auch in K i e 1 c e verübt. — Eine Reisegesellschaft von 600 Personen, darunter 30 bekannten Industriellen, begab sich dieser Tage nach Palästina, um dort die Möglichkeiten neuer Industriegriindungen zu studieren. Krakau, Auf dem Krakauer jüdischen Friedhof haben unbekannte Täter eine große Anzahl von Grabmälern verwüstet und Denksteine zertrümmert. Prag. Der Streit um die „Jehuda Halevi- Straße" in Munkacz ist in ein neues Stadium dadurch geraten, daß sich nunmehr das Unterrichtsministerium mit der Sache befassen wird. Bekanntlich hat Oberrabbiner S p i r a beim Gemeinderat von Munkacz die Umbenennung der Straße durchgesetzt, wogegen die Zionisten Einspruch erhoben. Nun ist die Entscheidung ' der höchsten Stelle abzuwarten. Es ist für den Außenstehenden schwer zu ersehen, was den Oberrabbiner bewogen hat, den Namen Jehuda Halevi aus dem Straßen Verzeichnis zu streichen, Jerusalem. Im Oktober ds. Js. sind nach den amtlichen Ziffern 6376 "Einwanderer nach Palästina gekommen, von denen 6138 Juden waren. 954 von ihnen waren sogenannte „Kapitalisten" mit einem Mindestkapital von 1000 Pfund. Der Oktober brachte mit dieser Zahl einen Rekord an jüdischer Monatseinwanderung. Bagdad. Zu den Zeitungen, deren Einfuhr in Irak verboten ist, gehört ■ auch. das. orthodoxe Jerusalemer Wochenblatt „Kol Israel". eine Erklärung des Pariser E x e k utivekomitees der Revisionisten stark gedämpft. Es werden in dieser Erklärung alle Pressemitteilungen über die Friedensbeschlüsse als unrichtig erklärt. Positives könne das Komitee nicht mitteilen, da die Verhandlungen vertraulicher Natur sind. Demgegenüber aber teilte Ben Gurion, der Unterhändler der Histadruth, Pressevertretern mit, daß ein provisorisches Abkommen getroffen worden sei, über welches später noch Näheres bekannt gegeben wird. Seine Partei, die die größere und stärkere «ei, wolle den Frieden unter allen Umständen, da der Kampf für die Interessen des Jischuw eine lückenlos geeinte Front erheische. Daß sich die Mitglieder der einen wie der anderen Partei an die Parole ihrer Führer nicht halten würden, glaubt Ben Gurion nicht, da er zu der Disziplin in der Arbeiterschaft das größte Vertrauen hat. Wie wenig aber die Straße in Palästina von jenen akademischen Verhandlungen am grünen Tisch Notiz nimmt, ist aus einem Bericht des Korrespondenten des Warschauer „Jüdischen Togblattes" zu ersehen. In Jerusalem künden rote Plakate einen Schneiderstreik an. Und sieht man sich die Geschichte genau an, erfährt man, daß es hier nicht um die Awodah Iwrith geht, sondern um den Streit zwischen Histadruth und Revisionisten. Histadruth wünscht in ihrer diktatorischen Art das alleinige Recht auf Vermittlung von Arbeitsstellen im Schneidergewerbe, während der Jerusalemer Schneideryerein, der auch viele Revisionisten als Mitglieder zählt, das Wort „Awodah iwrith" in dem Sinne deutet: Arbeit für alle Juden ohne Rücksicht auf die politische Einstellung. Also: In London und in Paris verhandelt man, und in Jerusalem und Tel Awiw arbeitet man mit Streik und Boykott — gegeneinander. Palästina. Trauerkundgebungen in Jerusalem. Jerusalem, 20. Nov. Als auf telegraphische Veranlassung der Pekidim und Amarkalim in Amsterdam noch in den Instituten der Pekidim wie auch an der Tempelmauer für die Genesung des Amsterdamer Oberrabbiners gebetet wurde, kam am 11. Kislew das Telegramm über dessen Ableben, das große Trauer auslöste. Bekanntmachungen luden für Dienstag, um die Zeit, da in Asmterdam die Beisetzung vor sich ging, zu einer Hespedkundgebung in der großen Synagoge der Bothe Machse ein. Der Aufforderung folgte eine zahlreiche Gemeinde, darunter auch viele Olim aus Deutschland und Holland. Herr Rabbiner Jonathan H o r o w i c z schilderte in trefflichen Worten den gewaltigen Verlust für das heilige Land durch das Ableben dieses großen Zionsfreundes, der als Ehrenpräsident der Pekidim Hervorragendes für Jerusalem geleistet hat. Nach ihm sprach der frühere Nürnberger Dajan, Rabbi Jehuda Bergmann. Mit dem TBK-Gebet eines in den Bothe Machse domizilierenden Rabbiners fand die Kundgebung ihr Ende, der nach den Schiwohtagen eine zweite folgen wird. In der gleichen Synagoge fand auch eine Gedenkfeier zu Ehren des Baron Edmond de Rothschild statt. (Der Frankfurter Baron Wilhelm Carl von Rothschild war einer der Begründer der Bothe Machse.) Auch bei dieser Kundgebung sprach Herr Rabbiner Jonathan H o r o w i c z und zeichnete ein getreues Bild des großen Philantropen und seiner Werke für Erez Israel, seinen Wunsch und sein Bestreben, das Leben des neuen Palästina in religiöse Bahnen zu lenken, besonders hervorhebend. In der Synagoge der Bothe Machse würde ein täglicher Schiur mit nachfolgendem Kaddisch durch die rabbinischen Insassen zum ehrenden Andenken an den großen Wohltäter eingerichtet. Die Verwaltung der Bothe Machse sandte ein Kondolenztelegramm an die Witwe und Familie des Barons nach Paris. Gui und Dillial # »a Benzin 31 flg. pro Liier la Oei 80 Pig. an Auto-zuDehör Garagen Konstattier,- Franhfurt a. m.. GeWirsctisir.;

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