Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 48 (29.11.1934)
- Date
- 1934-11-29
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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aerr 1934 29.. November 1934 Der Israelit Nr. 48 Seite 7 ssensmeri .gegen eine angenommenen Entschließung zum Ausdruck brachten (vergl. ITA-Nachrichten vom 13. OUtober Nr. 229), daß „1. die Reichsvertretung die Autonomie der Gemeinden unangetastet lassen muß, 2i 'die Reichsvertretung i sich grundsätzlich auf der Grundlage .der jüdischen Gemeinden aufbauen muß und sie daher auf die organische Eingliederung der Gemeinden nicht verzichten kann.. Die Umgestaltung der Reichsvertretung soll ein getreues Spiegelbild der im deutschen ' Judentum vorhandenen Kräfte darstellen." , , 11 "Wie mitgeteilt Wird, ist die Stellung der Berliner Gemeinde zur Reichsvertretung, obgleich eine > gewisse Zeit seit dieser Sitzung der Repräsentantenversammlung vergangen ist, unverändert geblieben. Tagung des Organisations-Ausschusses der Reichsvertretung. •; .. Berlin, 26. Nov. Die Reichsvertretung der deutschen Juden teilt mit: Am 14. November trat der in der letzten Beiratssitzung der Reichsvertretung der deutschen Juden eingesetzte Organisationsausschuß erstmalig zusammen. Der Ausschuß soll „die organische Weiterentwicklung der Reich'svertretung beraten", also insbesondere die Fragen der Ausgestaltung einer engen Zusammenarbeit zwischen Reichsvertretung, Landesverbänden und Gemeinden und Organisationen behandeln und zu praktischen Arbeitsvorschlägen verdichten. Die erste Tagung war einer grundlegenden Aussprache über die organisatorischen Probleme, die sich aus der Arbeit der Reichsvertretung ergeben, gewidmet. Von den Teilnehmern der Beratung wurde der geschlossene Wille aller Körperschaften des deutschen Judentums betont, die Arbeit der Reichsvertretung tatkräftig zu unterstützen, die Reichsvertretung zu stärken und die Verbindung zwischen Reichsvertretung und den sie tragenden Landesverbänden, Gemeinden und Organisationen durch eine, enge Zusammenarbeit auszubauen. In den nächsten Sitzungen des Ausschusses sollen entsprechend dem. Vorschlag des Vorsitzenden, Ministerialrat i. R., Dr. Kirsch, die organisatorischen Fragen, getrennt nach den einzelnen Arbeitsgebieten der Reichsvertretung, insbesondere Schulwesen, Wirtschaftshilfe und Wohlfahrtspflege durchberaten werden. Oesterreich, i Die Anfechtung der Heimatsrechts-Züsicherungen der Gemeinde Wien. W:ien, 21. Nov. Wie der ITA-Vertreter erfährt, sollen nach der seinerzeit gemeldeten Anfechtung von 76 von der Gemeinde Wien erteilten Heimatsrechts-Züsicherungen beim Bundesgerichtshof durch die österreichische Regierung weitere 410 schon vorbereitete Fälle angefochten'werden, falls die Entscheidung über die ersten'' 76 Fälle, bei denen die Entlassung, aus dem alt^n Staat'sverband bereits erfolgt ist,:- im ■• gewünschten '1 "Sinne^''ausfällt.''■ Die :Betroffenen; werden staatenlos 'sein, wenn die Regierung beim Bundesgerichtshof obsiegt,' was sehr zu: befürchten ist. ' Demnach' sind ca. -5u0 Menschen, . denen die Geineinde'i Wien bereits - die Aüfnahme in den' Heimatverband augesichert' 'hatte, Was man früher äls -fast ^sichere Einbürgerung ' zu betrachten pflegte, da alles weitere nur Formalität war, von einer Annullierung dieser Einbürgerungszusicherungen bedroht. verder ung der ihrem stim- Schweiz. Das Mißverhältnis zwischen der Einwanderung von Männern und Frauen nach Palästina. ' Genf, 18. Nov. Die Genfer jüdische Fraueriliga, Vorsitzende Madame C. Lebach, Generalsekretärin Madame Rosa Aberson, beschäftigte sich in ihrer letzten Versammlung mit der Frage der Einwanderungsbeschränkungen für jüdische Mädchen und Frauen nach Palästina. Frau. Aberson wies darauf hin, daß unter den im Zeitraum 1919—1933 nach Palästina 'eingewanderten Juden 43 Proz. heiratsfähige Männer, 34(2 Przo. Frauen und 22,8 Proz. Kinder waren. Auch .im Jahre 1933 sind viel mehr Männer als Frauen nach Palästina eingewandert, so daß ein großer Mangel an heirats- Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez Jisroel. i (Nach Palnews.) ' ' T e 1 A w i w. Zu den schwebenden palästinensisch-deutschen Verhandlungen über den Abschluß eines Orangenabkommens in Berlin ist mitzuteilen, daß die Besprechungen noch immer zu keinem Ergebnis geführt haben. Die Verhandlungen dauern an, ' gestalten sich aber außerordentlich schwierig. Der Abschluß eines Abkommens ist fraglich. Tel Awiw. Eine Gruppe slovakischer Juden errrichtet in Nachlath Jehudo auf Nationälfond-Boden eine neue Silicatziegelfabrik, in die Lst. 30.000 investiert werden. Die Produktionskapazität beträgt 80.000 Stück täglich. Die zweite neue Fabrik wird mit einem Kapital von Lst. 15.000 und einer Produktionsmenge von täglich 20.000 Stück von polnischen Juden bei Rischon l'Zion gegründet. Die bisher bereits bestehenden Fabriken in Mikwe Israel und in Haifa^, arbeiten mit einer Produktionskapazität von täglich 100.000 bis 140.000 Stück. Bei der Absatzmöglichkeit handelt es sich um eine Preiskonkurrenz mit den billigeren Zementziegeln. An sich ist der Bedarf für die Produktion stark erweiterungsfähig. Jaffa. Die fortwährenden Schwierigkeiten bei der Löschung von Ladungen, die infolge der Unzulänglichkeit der palästinensischen Häfen entstehen,^ hat nun dazu geführt, daß eine Reederkonferenz in Anvers beschloß, in ihre Verträge die Klausel aufzunehmen, daß' bei Ladungen nach Jaffa oder Haifa im nächstgelegenen Hafen (Port Said oder Beirut) nach Wahl des Kapitäns gelöscht werden kann, wenn die Entladung nicht in Haifa oder Jaffa durchführbar ist. Dadurch können dem palästinensischen Importeur natürlich große Zeitverluste und Kosten entstehen. Für die Regierung sollte dies ein Anlaß sein, den Hafenschwierigkeiten mit energischeren Maßnahmen zu begegnen. Jerusalem. Die September-Einnahmen der Regierung stellen sich — wohl infolge der jüdischen Feiertage — auf Lst. 342.000 gegen 396.000 im August. "Haifa. Zur Versorgung der Haifaer Industrie und zur Befriedigung des steigenden Strombedarfs in Landwirtschaft wird der Bau einer neuen elektrischen Kraftstation energisch betrieben und soll bis Ende des Jahres fertiggestellt sein. Etwa 400—450 Arbeiter sind an dem Bau beschäftigt.. Haifa. Die neue Eisengießerei, über die jüngst berichtet wurde, hat am 4. November ihren Betrieb aufgenommen, vorerst zur Anfertigung von Regenröhren und Verbindungsstücken. Vom 1.. Januar an werden auch emaillierte Badewannen hergestellt. Tel Awiw. Die palästinensische ' Automobileinführ beläuft sich im ersten Halbjahr 1934 auf 1777 Automobile und Lastwägen, etwa das. Dreifache der •Einfuhr im, ersten Semester des Vorjahres. Tel. Awiw. Das( Zentralbüro für induy sfrielle und landwirtschaftliche Informationen des f,'iAme'rican' Economic Committee" teilt mit, -daß ' sich im dritten Vierteljahr 1934 insgesamt 250 Kapitalisten, die zusammen ifber eine halbe Million Pfund Kapital verfügten, wegen Informationen an es wändteri; Das Interesse an schwerindustriellen Gründungen ist beträchtlich gestiegen. Tel Awiw. Soweit sich voraussehen läßt, wird der gesamte Import des Jahres 1934 sich auf annähernd 14—15 Millionen Pfund belaufen, während der Export infolge der geringeren Orangenausfuhr in der zweiten Jahreshälfte auf kaum mehr als 4 Millionen- Pfund, steigen wird, so daß für 1934 mit einem Importüberschuß von etwa 10 Millionen' zu ] rechnen ist. ': >•'• fähigen jüdischen Frauen in Palästina herrscht. Trotzdem werden von der Palästinaregierung der Einwanderung von Frauen und Mädchen große Schwierigkeiten hi den Weg gelegt., , Die Genfer jüdisch?. > Frauenliga will sich an die Mandatarmacht, mit einem Appell wenden, diese'möge ein Gleichgewicht der Einwanderung von Männern und Frauen herbeiführen und die Einwanderung von 15.000 jungen jüdischen Frauen bewilligen. Holland. Die Beisetzung des Amsterdamer Oberrabbiners. Amsterdam, 23. Nov. Zu einer gewaltigen Trauerkundgebung der holländischen Judenheit gestaltete sich die Beisetzung des Oberrabbiners A. S. O n d e r w i j z e r. Seit dem Tode des früheren Oberrabbiners D. J. H. Dünner i. J. 1911 hatte man in Amsterdam nicht mehr eine so imposante Leichenfeier gesehen. In den Straßen des jüdischen Viertels, durch die die Bahre am Beth Hamidrasch und am Gebäude des Rabbinats vorbei zur Großen Synagoge getragen wurde, hatten sich mindestens 60.000 Menschen angesammelt, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Der Weg konnte nur mit Mühe durch ein großes Polizeiaufgebot freigehalten werden. Jüdische und nichtjüdische Ge* schäfte hatten die Rolläden herabgelassen. Vor den Theatern und Kinos brannten florumhüllte Laternen. Die holländischen Flaggen waren auf Halbmast gehißt. Als Vertreter der Stadt Amsterdam nahm der Stadtälteste Dr. I. H. J. Vos neben zahlreichen anderen Vertretern nichtjüdischer Behörden an der Trauerfeier teil. In der Großen Synagoge hielt das älteste Mitglied des Rabbinats, Rabbi L. H. Sarlouis, eine ergreifende Ansprache. Die Trauergesänge wurden von Oberkantor I. E. Maroko vorgetragen. In der Wohnung des Verstorbenen, auf dem Wege und in der Synagoge, wurde der Schofar geblasen. Die Beisetzung erfolgte auf dem jüdischen Friedhof Muiderberg bei Amsterdam, wo Rabbiner Ph. Coppenhagen, Oberrabbiner J. Vredenburg, Arnhem, der Vorsitzende des aschkenasischen Gemeindeverbandes Hollands, A. Asscher, der Rabbiner der sephardischen Gemeinde, Dr. B, J. Ricardo und Rabbiner S. Sohlberg Ansprachen hielten. Die Amsterdamer Zeitungen bringen ausführliche Berichte über dieses von ihnen als wahrhaft königlich bezeichnete Begräbnis. Unter allen für hervorragende Persönlichkeiten in Amsterdam veranstalteten Beerdigungsfeiern sei diese die eindrucksvollste gewesen. Wie der Amsterdamer ITA-Vertreter erfährt, werden die Funktionen des durch den Hingang Oberrabbiner Onderwijzers verwaisten Rabbinats für Amsterdam und Nordholland provisorisch durch die Rabbiner L. H. S a r 1 o u i s, Ph. Coppenhagen und G. de Lange ausgeübt werden. Polen. Aus der polnischen Agudas Jisroel. Warschau, 25. Nov. Die Warschauer Palästina-Zentrale hat für Polen den Monat Kislew zu einer besonderen Sammelaktion unter dem Namen fftf] ^S?g)ö bestimmt, deren Erträgnis insbesondere für Siedlungszwecke in Erez Jisroel bestimmt 'ist.'' Als' Einheitsmünze,!;flT' gilt ein Zloty. Daneben'wird ein-stfgenannter'jüp T1T im'Werte von 25 Groschen' erhoben' und es werden dazu alle Schüler und Schülerinneril:der;,Chadorim, Beth Jacob-Schulen im ganzen Lahde herangezogen. Durch große "Volksversammlungen ist eine begeisterte Stimmung für die Aktion geschaffen worden.; Der Leiter der Warschauer Palästina-Zentrale, Pinchas L e w i n , hat sich heute zu kurzem Aufenthalt nach Erez Jisroel begeben, um insbesondere den Stand der Arbeiten in Machane Jisroel zu inspizieren. Starkes Interesse in den agudistischen Kreisen des Landes beansprucht die immer schärfer werdende Tonart in den Auseinandersetzungen zwischen 2 e i - r i m und P o a 1 i m. Die Aufsätze, die den Gegenstand in der letzten Nummer der „Jugendblätter" behandelten, veranlassen eine Anzahl führender Persönlichkeiten, jetzt in der neuesten Nummer des ,,Darkejnu" zu Frieden und Eintracht zu mahnen und das Eingreifen des Madezes Gedaule Hathaurp zur endgültigen Schlichtung des Konfliktes zu fordern.