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Der Israelit · 1934-11-29 · Heft 48 (29.11.1934) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 48 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1 29. November 1934 D e l s i a e l i t Nr. 48 Seile 5 ie „verbesserte" biblische Geschichte. " Von Rabb. Dr. J. Merzbach in Darmstadt. (Schluß.) Noch eine ganze Reihe solcher sachlicher flinrichtigkeiten finden sich im Prinz'schen Buch und seien — in Parenthese — hierbei berichtigt: Daß Josefs silberner Becher zum goldenen ruird, ist weiter nicht tragisch. Schlimmer schon Samuel, den Leviten, im Priesterrock erscheinen zu lassen. Daß Isaak und Rebekka „bald" Kinder bekommen, ist nur eine Ungenauigkeit. Daß aber Mose auf dem Berg das Geschrei des Dienstes am Götzen für Kriegsgeschrei erst hält, dann G'tt ihm vom goldenen Kalb erzählt und Mose beim Abstieg Josua trifft, der ihm, was Geschehen war, rasch erzählt, ist eine grobe Verfälschung des Thora-Berichts. Israel hätte in der Wüste wahrlich nicht 40 Jahre irren müssen, hätte es nur auf den Tod aller ungläubigen Kundschafter — also nur 10 Menschen warten müssen. Daß die Kinder Israels Mose begruben, aber sein Grab, als sie es besuchten, nicht mehr fanden, — was doch recht dumm von ihnen gewesen wäre — ist eine Aenderung des Thora-Berichtes wik nap^« Bei der Aufzählung der 7 noachidischen Gebote zu schreiben „er aß kein Fleisch, das noch warm von Blut war" ist ein Bruch mit der Tradition, die den Thora-Vers auf Tin |» "13K bezieht. Aber im Zehngebot das Tl»nn N7 mit „du sollst deine Hand nicht ausstrecken nach . . ." und im zweiten Wort, noch dazu sinnlos, zu schreiben: „denn G'tt wacht darüber, daß die Menschen Gutes tun und ihn lieben — bis ins tausendste Geschlecht sind Entstellungen und willkürliche Veränderungen heiliger G'ttesworte. In der Davidsgeschichte schreibt Prinz über die Verstellung als Wahnsinniger in Gath, „er fing an zu toben* taumelte so, daß er alle Türen einriß". Wie ist die Verwechselung mit Davids alle Türen bekritzelnden Einritzen zu erklären? Prinz gibt die Jordan-Ueberschreitung Josuas, den Einzug ins heilige Land, nicht als Wunder, sondern als Durchzug durch die Furt. So viele andere Wunder er bringt, will er wohl auch hier den Einzug der Nation ins Land, den Beginn der Geschichte Palästinas als nationaler Heimstätte möglichst irdisch wunderlos erscheinen lassen, widerspricht aber damit derselben Geschichte der Bibel, die er der Jugend erzählen wollte und verfälscht sie so. Das nationale Moment ist es, daß die Geschichte der Volkszählung durch David, die doch , wegen der Auswahl des Tempelplatzes schon wichtig zu bringen wäre, im Prinz'schen Buche nicht zu finden ist. Hier hätte er ja sonst auf ein Verbot der Thora zurückgreifen müssen, die er nicht anführen wollte; hier wäre ja zu deutlich gewesen, daß irdische Machtbegriffe bei Israel nicht anzuwenden sind. Um' die Thora nicht zu erwähnen, wird auch Sauls Befehl, die Wahrsager zu töten, als Sauls eigener Wille, nicht in Befolgung des Thora-Gebots, hingestellt, während es „damals noch Sitte" war, daß die Menschen Wahrsager befragten. Den eigentlichen Zweck des Stiftszeltes, von dessen Schönheit und von dessen heiliger Lade -Prinz erzählt, verschweigt er der jüdischen Jugend. Nur daß Arons Stamm zu Kohanim „ernannt wurden" (von wem, bleibt unklar) und daß für das Stiftszelt „ein G'ttesdienst" (welcher Art, bleibt unklar) „eingerichtet worden ist" (von wem, bleibt unklar), erzählt Prinz. Ueberhaupt das Opfern! Hören wir, was Prinz vom ersten Opfer zu berichten hat: „Wann die Menschen früher zu G'tt beten wollten, brachten sie ihm ein Opfer, Sie nahmen etwas von dem, was sie erarbeitet hatten und zündeten es an. Wenn dann der Rauch gerade emporstieg, glaubten sie, daß G'tt sie liebte. Stieg der Rauch aber nicht, dann glaubten sie, daß G'tt sie haßte." Und das Kind fühlt: welch törichter Brauch ist dieses Opfern gewesen. Und die Jugend lernt: G'tt kann auch Menschen „hassen". Und so stoßen wir sogar auf Stellen, die auch G'tt nicht, wie es sein soll, schildern. Nach der Sünde der ersten Menschen erzählt Prinz: „Von diesem Tage an gab es keinen Frieden mehr im Paradies, Daran merkte G'tt, daß Adam und Eva von der verbotenen Frucht gegessen hatten." — Soll s o das jüdische Kind G'ttes Allwissenheit, vor der es kein Verbergen gibt, empfinden und fürchten lernen? Wehen Herzens legen wir das Prinz'sche Buch aus Händen. Ein Buch mehr in Deutschlands Judenheit, das uns den wahren Weg der Bibel — nicht zeigt. Ein Buch mehr, das überall gelesen und das auch unserer Jugend von frommen Lehrern und Eltern, die sich durch die wunderbare Sprache und Erzählungskunst des Verfassers und durch die jedes Kind beglückenden Bilder beeindrucken lassen, gereicht werden wird und das falsche Begriffe von G'tt, Thora und Judentum im Denken und Fühlen des kommenden Geschlechtes entstehen läßt. Man kann eben nicht, wie Prinz es tut, die ganze biblische Geschichte nicht als wahr anerkennen (siehe sein Werk über die jüdische Geschichte) und sich gleichzeitig unterfangen, eben dieselbe Geschichte nach dem biblischen Bericht der jüdischen Jugend zu erzählen, Wohl könnten viele jüdischen Erzieher aus dem Prinz'schen Buche lernen, wie man anschaulich und mitreißend unsere biblischen Geschichten erzählt. Aber unsere Weisen haben Recht behalten: Ohne rmöX und ohne riKT* kann auch der beste Stoff und Text nur schwere Gefahren stiften. Und je verlockender ein solches Buch, um so nötiger die Vorsicht. •nupa it 'DDin1? 'ins -nwn a1?! So müssen wir also weiter auf „das" 'Buch der biblischen Geschichte warten, das unseren Kindern die hehren Gestalten unserer Vergangenheit in Lebensnähe und in Geistesgröße, in ihrer Verwurzelung mit dem irdischen Sein und in ihrer Erfüllung der niin-Pflichten zeigt. Das Buch, welches allen früheren Büchern unserer Geschichte fehlt, das die in Talmud und Midrasch angeführten wahren Ueberlieferungen verwertet und der heiligen Schrift ihre Feinheiten der Andeutung abzulauschen versteht, das Vergangenheit zur lebendigen Gegenwart gestaltet,*) Einige Beispiele mögen deutlicher zeigen, was wir meinen: Ein Buch müßte es sein, das jene gewaltige Szene schildert, wie der greise, in Weitabgewandtheit seinen Priesterdienst in D^wn1 als p"lX 'D^a verrichtende Sem dem ihm gegenüber ,.jugendlichen" Abraham entgegentritt, der für öon 2>np mit Weltenkönigen kämpfte, wie er geweihten Wein und Brot ihm reicht. Ein Buch, das Sarahs schwere Sorge schildert, ihr priS1' könnte unter den Einfluß des mit G'ttesglauben und Sittlichkeit seinen Scherz treibenden 'itänw* geraten. Oder Jakob, den es treibt, vor seinem großen einsamen Weg ein Nachtgebet an heiliger Stätte zu verrichten; der bei Laban im Dienst, mehr als jeder andere Hirt, selbst für die Nacht volle Pflicht der Hütung frei übernimmt, Mose müßte lebendig uns vor Augen gerückt werden, wie er erschüttert durch das Wunder des Manna, nachdem er sich daran gesättigt hat, *) Ein bloßer Schreibfehler dürfte es wohl sein, wenn das einen König fordernde Volk auf Samuels Einwurf: G'tt ist euer König, erwidert: wir wollen sein wie alle anderen Völker. Unser G'tt — statt wie im Urtext: unser König — soll unser Richter sein. Maren Blick für das wahrhaft Große verliert: dann stirbt Esra Hasaufer und man merkt es gar nicht/ Dann ist damit auch die jüdische Selbständigkeit erschüttert und längst entschwundene Vergangenheit wird zur grauenvollen Gegenwart: der Feind beginnt sein Zerstörungswerk an der Heiligen Stadt!! Dies Wissen soll in uns lebendig sein, denn es ist wichtig, lebenswichtig für uns! 4. Nicht um der Fülle der Chanukabetrachtungen eine weitere anzuschließen, haben wir das zu Papier gebracht.' Chanukabetrachtungen sind billig und Festartikel nicht teuer! Wir haben es niedergeschrieben, uns und allen Freunden es ins Herz zu prägen: alle Erkenntnis ist leer, alles Wissen tot, alle Betrachtung müßig, wenn sie nicht zur Tat führen! Zur Tat sollen uns diese Gedanken aufwecken, zu einer Tat. Das sagt uns Chanuka: G'tt segnet uns nur, wenn w i r durch unsere Leistung Ihm die Möglichkeit geben, uns zu segnen, uns und unseren geringen Beginn: aber beginnen müssen wir! Das sagt uns die nVair: Soll es uns gut gehen, dann muß es im Heiligen Land blühen! Und heiliges Land, nicht minder heilig wie die Fluren drüben, is't jede Stätte, da nun gelernt wird in reiner Absicht, jede Jeschiwoh, jede Talmud Thora, jedes Beshamidrasch! Ihre Blüte ist unser Glück, ihr Gedeihen unsere Ruhe! Und das sagen uns die Teweserinnerungen: nur unverfälschtes, altes Judentum, nur Trinken a u s d e r Quelle hält gesund und jung; sollen unsere Saufrim leben, söll unser geistiges Jerusalem aus Ruinen heu blühen; dann < gilt es, alle Kräfte zu. konzentrieren, daß die Stätten des Lernens und Lehrens uns erhalten bleiben, die Stätten in Deutschland auch, ja, s'i© dopp-elt und dreifach! Und darum: e i n Instrument hat sich das deutsche gesetzestreue Judentum geschaffen, diese Stätten zu erhalten und zu unterstützen: dien deutschen Keren HatorahJ Das Instrument ist stumpf geworden: wir alle wollen dafür sorgen, 'daß es wieder scharf wird: wir wollen Chanuka, wie in den alten Zeiten — sie Hegen erst wenige Jahre zurück — dazu nützen: Alle Kraft, alle. Hingebung, alle Bereitschaft für den deutschen Keren Hatorah! Dann richtet die Erinnerung uns auf, dann wird nicht nur Chanuka uns zum Segen, die nVsff uns zur Erfrischung, dann ist auch aus den drei dunkeln Tewestagen in uns hineingeflossen Licht und Helligkeit, dann segnet G'ttu nsern Anfang und macht aus dem Geringen ein Großes,___ Kleines Feuilleton. Wächter, wie spät ist's in der Nachi..,?*) Wächter, wie spät ist's in der Nacht? — Es lohen die Feuer vor den Toren — Du, am Söller,' sind wir verloren? Du, Alter der Wacht, Rest unsrer Macht, Wächter, du, wie spät ist's in der -Nacht? Spät ist's, Frager von untenher: Ich sehe dich nicht, aber den Orion, G'ttes leuchtende Sternenwelt, die seh' ich Schon! *) Aus „Die Lieder des ewigen Brunnens." Von Fritz Rosenthal. Verlag R. Löwit, Wien und Leipzig. Spät ist's, Frager von untenher: Hörst du das Warnen im Mitternachtsmeer? Siehst du den Mond schimmern am Speer, Spät ist's, Fragetvon untenher. Wächter, trägst du das alte Horn An deiner Seite, im Kampf uns zu blasen? — Frager, ich hab' das Horn müssen lassen! Selbst hab' ichs zerbrochen im Zorn! Du bist so still, Wächter, du schweigst! Nur die Winde rauschen in mondblauen Wolken, Aus den Himmeln wird Feuer und Krieg gemolken, Ueber die Häuser schreitet der Tod und geigt. Hat nicht dort einer gelacht? . . ■ Wächter, wie spät ist's in der Nacht?! . . . Wochenkalender. Vom 1. — 8. Dez. 1934 / Vom 24. Kislew bis 2. Tebet 5695 >nr> 5p ennn rsnaa asni ' x»p«aa 13 Mauled Donnerst, nachm. Samstag 1 24 3 Uhr 36 Min. j ■ (.•.' Sonntag 2 25 i il Montag 3 *lVö3 26 - R' Dienstag Dez. 4 27 3> '"■ i' Mittwoch 5 28 i"> > n 3 i i n j'i Donnerstag 6 29 T 'nVRwn i? Ii! Freitag 7 nao i «9 . vitt!■] Samstag 8 2 TD iiaisn na» fpa Ii *) Man schaltet -joai ^t3 «n im Abendgebet vom 4. Dezember. 1

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