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Der Israelit · 1934-11-29 · Heft 48 (29.11.1934) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 48 (29.11.1934)
Date
1934-11-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Nr. 48 D Iii. 29. November 1934 2. Die Reichsvertretung muß sich grundsätzlich auf der Grundlage der jüdischen Gemeinden aufbauen, und sie kann daher auf die organische Eingliederung der Gemeinden nicht verzichten. Die Umgestaltung der Reichsvertretung soll ein getreues Spiegelbild der im deutschen Judentum vorhandenen Kräfte darstellen. Dem ersten Teil dieser Resolution kann man nur mit der größten Entschiedenheit zustimmen; sie besagt keineswegs Selbstverständliches, denn man braucht nur die Pläne Dr. Heinrich Sterns zum Aufbau einer straffen gemeindlichen Einheitsorganisation zur Kenntnis zu nehmen, um zu erkennen, wie rasch die Gemeinde-Autonomie heute irgend einem geschickten Ueberrumpelungs-Versuch zum Opfer fallen kann. Was den zweiten Teil betrifft, so wird er — solange die Gemeinden keine zionistischen Mehrheiten in den Gemeindestuben haben — jederzeit die erbitterte Gegnerschaft der Zionisten finden, die bei der heutigen Zusammensetzung der Reichsvert'retung weit besser weggekommen sind; aber die Logik läßt sich der Forderung nicht absprechen. Auf alle Fälle zeigt sich, wie berechtigt, gegenüber diesem unübersehbaren politischen Wettspiel um die Reichsvertretung, die Bildung der „Vertretung der Unabhängigen Orthodoxie Deutschlands" war, der es obliegt, die religiösen und kulturellen Interessen der deutschen Juden im Sinne der eindeutigen religiösen Ueberlieferung zu vertreten und die zur loyalen Zusammenarbeit mit einer wie immer zusammengesetzten „Reichsvertretung" in wirtschaftlichen und politischen Dingen jederzeit zur Verfügung steht. Die Aktion der Wiener „Schiiüchul." Es ist immerhin ein bedeutungsvolles historisches Ereignis, daß — wie in voriger Nummer gemeldet — die Wiener Schiffschul, 60 Jahre nach Rabbi Salomon Spitzers b'"2h Austritt aus dem Wiener Rabbinat endlich sich anschickt, die Konsequenz aus diesem Schritte ihres ersten geistigen Führers zu ziehen und ihre volle gemeindliche Selbständigkeit im Namen der religiösen Gewissensfreiheit zu fordern. Bis zum Jahre 1919 gab es in Wien keinerlei gesetzliche Möglichkeit des Austritts; sie existiert de lege lata wohl noch heute nicht — aber es gilt, sie auf gesetzlichem Wege unter günstigen Aussichten zu erkämpfen. Die ältere Generation hatte sich während der langen Jahrzehnte daran gewöhnt, geistig-religiös und auch finanziell völlig selbständig zu sein und die formal-juristische Steuergemeinschaft mit der religiös neutralen Kultusgemeinde als Aeußerlichkeit von geringem Belang zu betrachten. Aber die Jugend will, sich damit nicht abfinden; sie drängte und drängt auf offene Entfaltung des Banners der von Menschen-Irrung unabhängigen, G'tt allein und seiner Thora unterworfenen Orthodoxie und sie hat — zunächst einmal nach innen — den Sieg errungen. Das ist in unserer Zeit der Schwäche und Skepsis schon rein symptomatisch ein höchst erfreuliches Erlebnis, ein Ehrenzeugnis für die junge Generation, die in agudistischem Geiste erzogen und von einem stärkeren Gefühl für. die Notwendigkeit öffentlicher Verkörperung der religiösen und sittlichen Ideen durchdrungen ist. Der Wiener Kultusvorstand sollte, wenn er klug ist, dieser Jugend keinen Widerstand leisten. Die „jüdisch-politische" Einheit, die man in Wien durch den Schritt gefährdet glaubt, braucht — soweit sie bisher bestand — keineswegs notzuleiden — im Gegenteil, sie ist um so leichter herzustellen, je bereitwilliger die religiöse Gewissensforderung ' ei'füllt und darauf verzichtet wild, einer religiösen Gemeinschaft das Recht der freien körperschaftlichen Gestaltung nach ihren eigenen inneren Gesetzen zu verweigern. Die Tragödie der Haibjuden, Es gibt heute bekanntlich in Deutschland als Spezialität einen „Reichsbund nichtarischer und „nicht reinarischer Christen", dessen. Vorsitzender, ein Herr Alexander Katz, jüngst die Kühnheit hatte, zu behaupten, es gäbe, in Deutschland 5—6 Millionen solcher „Mischlinge", also fast ein Zehntel der gesamten deutschen Bevölkerung. Demgegenüber stellt im „Westdeutschen Beobachter" Walter Ewald gründliche Berechnungen zu dem Problem dieser Täuflings- und Mischehe-Nachkommen an und kommt dabei zu dem Ergebnis, daß im ungünstigsten Falle höchstens 400 000 Halb- und Viertelsjuden unter der christlich-arischen Bevölkerung vorhanden seien. Ewald beginnt seine Untersuchungen mit dem Emanzipationsjahre 1812 und berücksichtigt sowohl Taufen als Mischehen, allerdings nur. für Preußen, woraus dann die entsprechende Ver¬ Hilfe durch eigene Kraft! Erwerbt die blaue Beitragskarte für Hilfe und Aufbau! wmmmmmmMBmmmtmmmmKtsmBmmmä hältnisziffer für das ganze Deutsche Reich errechnet wird. . Er schließt seinen Artikel wie folgt: Naturgemäß stehen Mischlinge unserm Herzen näher als Juden, da sie ja auch deutsches Blut in. ihren Adern haben. Und doch müssen wir noch unerbittlicher unsern Grundsatz hier verfechten: Rassescheidung.' Dem Juden gegenüber können wir immer Abstand halten, bei dem Mischling ist diese Grenze verschwommen und droht gar zu leicht sich mit Deutschem zu verfilzen! Aus 400 000 Mischlingen werden ohne Gegenwehr 1 200 000 morgen und 5 000 000 übermorgen, um das Jahr 2000 wäre also dann die Zeit gekommen, von 5 Millionen. Fremdblütigen zu sprechen. Bei Judenstämmlingen finden wir einen sehr hohen Prozentsatz Asozialer; alle aber sind Menschen zweier Rassen, zerrissen und unstet, Anbeter von Paneuropa, Anhänger des Marxismus und Vorkämpfer der Anarchie. Tragen sie dazu, einen deutschen Namen, da der jüdische Blutseinschlag von mütterlicher Seite 'kommt, so gelten sie im Volke als Deutsche und richten so größten Schaden an. Zum Abschluß seien noch einige typische Vertreter der Mischrasse angeführt. Der Verfasser des „Fröhlichen Weinberg", ein Schweinestück eigener Art, Zuckmayer, ist Mischling, ebenso der berüchtigte Walter Hasenclever, der in „Ehen werden im Himmel geschlossen" alles Christliche durch den Schmutz zieht. Erschreckend deutlich zeigt sich aber der Weg des Mischlings bei Düsterberg. Man mag die persönlichen Qualitäten dieses Mannes anerkennen, wenn man sich ihn als obersten Herrn des Deutschen Reiches, als welcher er 1932 bei der Reichspräsidentenwahl von den Deutschnationalen ausersehen wai, vorstellt, so wird man nicht den Eindruck los: So hätte es ohne Hitler im Jahre 2100 ausgesehen, ein Mischling als Herrscher, ein Volk von Mischlingen und die letzten, aussterbenden Deutschen als Sklaven!" Wir haben keinen Grund, für die Abtrünnigen, die uns verließen, und für ihre — an sich unschuldigen — Nachkommen im dritten und vierten Geschlecht eine Lanze zu brechen, uns ist ja die Reinheit des jüdischen Stammes über alles Nationale hinaus höchste religiöse Gewissensforderung. Immerhin muß ausgesprochen werden, daß der hier angewandten Methode, die sittliche Verderblichkeit der Rassenmischung durch ein paar herausgegriffene Beispiele zu erhärten, wissenschaftliche Beweiskraft gerade nicht innewohnt. Es wird auch Mischlinge geben, die keine Schmutzstücke geschrieben und Reinrassige, die mancherlei Anderes auf dem Gewissen haben. Dreifaches Denken — und Tun für die Thora. Von Rabb. W. S. Jacobson in Kopenhagen. Es ist die Wunderwirkung eines jeden Schabbos, „von den bedrängten Seelen den Druck zu nehmen"; ein Schabbos vmu na 13 D'aians? pflegt durch die Gebete, mit -denen dem neuen Monat entgegengeeilt wird, diese Wirkung doppelt auszuüben. Aber dreifach dürfen wir auf Ruhe und Belebung und Aufrichtung hoffen, wenn wir am kommenden Schabbos den neuen Monat segnen und dabei einen Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft tun! Denn eine ereignisreiche Woche schließt sich diesem Schabbos an: an ihrem ersten Tag beginnt Chanukoh, an ihrem vierten Tag die nbxvf an ihrem sechsten Tag der Monat T e w e s! 1. Chanukoh hat allen jüdischen Zeiten viel zu sagen gehabt, weiß aber unserer Gegenwart besonders so unendlich viel zu bringen, daß vor seinen kleinen Lichtern alle Dunkelheit und alle Verzagtheit der Herzen weicht. Wir wollen hier den Sinn des Chanuka der Gegenwart nicht ausdeuten, jedem Denkenden, jedem Fühlenden ist er klar und nah. Nur auf eine Frage, auf eine alte Frage wollen wir hinweisen und die Antwort auf sie, die auch gewiß wenigen nur unbekannt ist, hier festhalten, weil sie uns an unsere Pflicht gemahnt! Die alte Frage: Warum feiert man acht Tage? Wenn doch Oel für einen Tag vorhanden war und das Licht acht Tage brannte, dann hätte doch siebentägige Festesfeier genügt? Drei Antworten darauf gibt der Bes Jausef zum Tur Kap. 670. Wir wollen sie hier nicht anführen, man mag sie dort nachlesen. Der Tas lehnt alle diese Begründungen ab und gibt eine neue, die sich auf eine Deutung des Sauhar zu Mlochim II, Kap. 4, 2 stützt. Es kann in der ersten Nacht nicht alles Oel schon verbrannt gewesen sein, sonst wäre in den weiteren Nächten das Oelwunder unmöglich geworden: „denn Er, der Gesegnete, tut nur dadurch ein Wunder, daß Er Seinen Segen auf eine Sache gibt, die schon in der Welt ist. Und ist es nur ein Geringes, dann gibt Er Sei-, nen Segen, daß aus dem Geringen ein Großes wird." Aber ein Geringes muß da sein, damit der Segen Platz greifen, das Wunder sich verwirklichen kann!" Diese Tatsache wollen wir festhalten, sie ist für uns wichtig, lebenswichtig! 2. Chanuka führt uns aus der Gegenwart in die Vergangenheit und durch die Vergangenheit zurück zur Gegenwart! Die vbtO? führt uns aus der Diaspora hin zum Heiligen Land und vom Heiligen Land zu-. rück in die Länder unserer Zerstreuung! Das Heilige Land ist es, das jetzt .den Regen braucht, um des Heiligen Landes willen beten wir hier um Regen, denn wenn auf heiligem Boden die Saaten üppig blühen, dann tragen wir hier Dürre und Nöte leichter! Soll es in der Stube nur halbwegs w,arm sein, dann muß der Ofen glühen! pflegte Rabbi Jizchok Halevy Vxt zu sagen. Nehmen wir das Heilige j Land als geographische Tatsache oder begreifen wir es in übertragener Bedeutung: ist dort Reichtum, dann sind w i r nie ganz arm, ist dort Armut, dann sind wir doppelt arm! Wenn wir heute um Chanuka herum um Regen bitten, dann ist es nicht, oder doch nicht allein, weil die fromme Sehnsucht immer zum Heiligen Lande hineilt, dann ist's um unseretwilTen! Sewulun kann draußen nur reüssieren, wenn Jissochor drinnen glücklich und zufrieden ist. Diese Erkenntnis wollen wir uns vor Augen halten, denn auch sie ist für uns wichtig, lebenswichtig! 3. Und nicht minder bedeutsam, auch für unsere Gegenwart, ist das, was uns am Rausch Chaudesch ins Bewußtsein kommt, wenn wir an die drei Gedenktage des Tewes — den 8. und 9. und 10. des Monats — uns erinnern! Der Dichter der Slicho matK sagt es uns in poetischen Worten, .der Schulchan Oruch sagt es uns in schmuckloser Prosa und darum doppelt eindringlich: „Am 8. Tewes wurde in den Tagen des Talmi die Thora ins Griechische übersetzt und drei Tage hüllt« sich die Welt in Dunkel; welches Unglück am 9. geschah, weiß man nicht!" (Aurach Chajim Kap. 580}. Wir wissen; was an diesem zweiten der Tewesfasttage geschah: Esro Hasaufer starb an diesem Tage!! ""Und am 10. Tewes: nun, das wissen alle, das war der Anfang vom Ende, der Anfang' der -ersten Zerstörung Jerusalems! Gerade vor einem Jahre habe ich vom verehrten Frankfurter RawK'B'Vw die Deutung gehört: Wenn man das Heilige profahisiert, wenn hian G'ttes heilige Thoraweisheit zur Wissenschaft degradiert, an der die Uebersetzungskunst sich, versucht, in der, die Textkritik und Ueütun'^ucht Orgien feieH; djänn wird es in ü n s « r c r Welt so» 'dunkel', daffi man den

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