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Der Israelit · 1934-11-08 · Heft 45 (8.11.1934) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 45 (8.11.1934)
Date
1934-11-08
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite H Nr. 45 Der Israelit 8. November 1934 werden. Die überaus guten Resultate der schriftlichen und mündlichen Prüfung legen Zeugnis ab von der ungeschwächten Leistungskraft der Anstalt, deren altbewährte religiöse und pädagogische Tradition in Verbindung mit der in diesem Kurs zum ersten Mal derart intensivierten jüdisch-wissenschaftlichen Arbeit diese schönen Erfolge zeitigten. Nach all dem bliebe nur noch die Frage der praktischen Aussichten für den speziellen Religions lehrer zu erörtern. Da mag denn die Tatsache von Bedeutung sein, daß ein großer Teil der vom Kölner Seminar noch als Volksschullehrer ausgebilde ten Herren der letzten Jahrgänge an Gemeinden berufen wurde, die keine Volksschule mehr unterhalten, sondern nur einen Religionslehrer und Kantor benötigten. Selbst wenn also Kleingemeinden, die noch eine Volksschule unterhalten — daß von solchen neue Volksschulen gegründet werden, ist wohl auch in heutiger Zeit nur in den seltensten Fällen zu erwarten! — die Kosten für einen besonderen Religionslehrer und Kantor nicht aufbringen können, ist nach unseren Erfahrungen die Nachfrage nach tüchtigen Religionslehrern so groß, daß um die Unterbringung der Absolventen einer Religionsleh rerakademie keine Sorge besteht. Im übrigen haben die Absolventen des ersten Kursus der Akademie bereits Anstellung in Kleingemeinden gefunden. So können wir denn davon überzeugt sein, daß die auf der Grundlage konzentrierter jüdischer Bildung, vertiefter Formung der jüdischen Lehrerper sönlichkeit und qualifizierter pädagogisch-methodi scher Schulung aufgebaute Kölner jüdische Religionslehrerakademie zur Hebung unserer Gemeinden, zu einer segensreichen Entwicklung des gesamten deutschen Judentums beitragen wird. Die auditive Methode und der hebräische Unterricht, Von Studienrat Dr. J. Plaut in Frankfurt a. M. In keinem pädagogischen Bezirk ist von jeher mehr gesündigt worden, wird selbst heute noch sträflicher gefehlt als in der Erlernung fremder Sprachen. In keinem Schulfach stand und steht oft heute noch das kümmerliche Ergebnis eines langjährigen Unterrichts in einem größeren Mißverhältnis zu der eingesetzten Energie, zu dem verschwenderischen Aufwand an vertaner Zeit als im neusprachlichen Unterricht. Der Mangel sprachlichen Könnens bedingte jahrzehntelang eine Methodik, die der natürlichen Begabung des Kindes Hohn sprach, seinen organischen Anlagen zuwiderhandelte, jede Spur von Sprachgefühl im Keim erstickte, alle physiologischen wie psychologischen Erkenntnisse vom Wesen einer lebenden Sprache mißachtete, auf den Geist des Lernenden hemmend, ja schädigend wirkte und letzten Endes unproduktiv und ergebnislos blieb. In der Erkenntnis vom wahren Sinn und hohen Ziel des Sprachunterrichts und in dem eifrigen Bestreben, die Sprache zu meistern, haben sich die Besten der Neuphilologen von dem didaktischen Irrweg des unfruchtbaren Uebersetzungsbetriebs abgewandt. Die von ihnen durchgeführte direkte Methode hat zuerst dem fremden Idiom als der Unterrichtssprache zu seiner gebührenden Stellung, zu seiner Ausschließlichkeit, zu seiner vollen Wertung und äußersten Auswirkung verholfen und am konsequentesten unter Ausschaltung der Muttersprache zur Beherrschung des Französischen und Englischen geführt. Doch nicht nur, weil es an einem fähigen, die Sprache meisternden Nachwuchs fehlte, sondern weil man sich nicht energisch genug von dar Sklaverei des Buches zu befreien vermochte, den einwandfreien, von imponierender Geradlinigkeit und Zielsicherheit zeugenden methodischen Gang nicht genügend organisch unterbaute und man vor allem sich der sprachlichen Erziehung des Lehrenden nicht hinreichend annahm, drohte auch das direkte Unterrichtsverfahren einer — wenn auch unverdienten — Niederlage anheimzufallen. Vor diesem Schicksal hat es schließlich rechtzeitig die klare Erkenntnis der elementaren Fehlerquellen beim Sprachenlernen bewahrt. Die eigentliche Ursache jedes Mißerfolgs im neusprachlichen Unterricht habe ich von Anfang an in einer Ueberinanspruchnahme des Auges und in einer Vernachlässigung der auditiven Fähigkeiten des Menschen und besonders des Kindes erkannt. Der energische Appell an das Ohr, das zur Erlernung von Sprachen ursprünglichste, wichtigste und intuitivste menschliche Organ, und die Anerkennung des Auditiven als des Primären im didaktischen Aneignungsprozeß des fremden Idioms waren Grundlage und erster Ausdruck eines neuen Wollens, das mich schon vor einem Jahrzehnt zur Begründung der auditiven Methode führte. Sie allein nutzt die akustisch-motorischen Fähigkeiten des Kindes erschöpfend aus. Sie allein stellt das starke Imitationsvermögen des werdenden Menschen in den Dienst der Spracherlernung. Sie allein vermittelt und pflegt am besten und intensivsten das gesprochene Wort. Sie allein verhütet jede visuelle Verbildung, befreit uns von den Fesseln des Drucks und der Schrift, unterbindet die widernatürliche und darum katastrophale Wirkung des sprachtötenden Buchstabens und führt so allein zur Meisterung des verlebendigenden Tons, zur Beherrschung der gesprochenen Sprache. Der Erfolg der Methode ist die erstaunlich rasche, intensive und solide sprachliche Ertüchtigung des Kindes, ihr steter Antrieb, die freudige Hingabe des Lernenden in einem alle Fähigkeiten ausnutzenden, gesteigerte Spannkraft fordernden, an fruchtbaren Improvisationen reichen, lebhaften Unterricht. Die Anwendung der auditiven Methode bleibt keineswegs auf den Unterricht der neueren Sprachen in unseren höheren Schulen beschränkt, Sie geht weit über diesen Rahmen hinaus. Sie betrifft zwangsläufig den Sprachunterricht schlechthin, um welches Idiom es sich auch handeln mag. So muß für den konsequenten Methodiker das, was vom Englischen und Französischen gesagt worden ist, auch für das Hebräische gelten. Das Ziel eines jeden Sprachunterrichts ist die Erlernung der Sprache, und jede Unterweisung im Hebräischen müßte sich auf die Erkenntnis dieses Idioms als eines lebenden Organismus gründen, müßte genau nach den Prinzipien der auditiven Methode erfolgen, wenn sie Sinn und Erfolg haben soll. War man früher diesen Forderungen gegenüber taub, so werden heute wenigstens die Juden, denen Palästina Lebensraum geworden ist oder werden wird, längst die Wahrheit erkannt haben, daß das Hebräische als ein lebender Organismus gewertet und als gesprochene Sprache angeeignet werden muß. Es wäre endlich an der Zeit, von dem jedes Sprachgefühl, die Schüler nur langweilenden, indirekten, grammatischen und überaus unproduktiven Uebersetzungsverfahren abzurücken, und man täte auch gut daran, sich nicht länger der Erkenntnis zu verschließen, daß 'die bisherige Aussprache des Hebräischen bei uns zu sehr in den Bezirk traditionsmäßiger Gebundenheit eingefangen, vor allem der Beeinflussung durch die Muttersprache unterworfen, nicht zuletzt aber bis zu einem gewissen Grade durch die intonatorische Unzulänglichkeit unserer synagogalen Gesänge bedingt war. Es mag ein Widerspruch sein, daß der Jude, ein ganz besonders auditiv begabter Mensch, durch das gedruckte Wort sprachlich so sehr zu seinem Nachteil stark visuell gebunden ist. Es ist eine schmerzliche Erkenntnis, daß er, der alte Weisen in unverlierbarer Treue von seinen Ahnen übernommen hat und an seine Kindeskinder weitergibt, im Grunde oft so wenig vom Sinn des gesungenen und auch des gesprochenen Wortes versteht, mag er auch noch so sehr von dessen Zauber erfüllt sein, und nur in den allerseltensten Fällen zu einem leidlichen Können des Idioms fortschreitet, mag er Tag und Nacht beten und interpretieren, lernen und lehren. Der Quell sprachlicher Erkenntnis ist verschüttet. Das Ohr ist verstopft. Das Buch ist ihm zur unentbehrlichen Krücke geworden. Erst wenn er zum gesprochenen Wort vordringt, wenn sich sein Ohr dem Klang des lebendigen Idioms öffnet, beschreitet er den einzig wahren Weg zu einer erfolgversprechenden Spracherlernung. Nur wenn der hebräische Unterricht restlos den Prinzipien der auditiven Methode folgt, wird er im Kinde wie im Erwachsenen wahres Sprachgefühl wecken, zu einem achten und soliden Können, zur Beherrschung des Hebräischen führen. So muß es vom Standpunkt des auditiven Neusprachlers und Methodikers lebhaft begrüßt werden, daß die Zentralstelle für das phonographische Unterrichtswesen Otto Sperling in Stuttgart nach einem deutschen, englischen, französischen, holländischen, italienischen und spanischen Schallplattenkursus nunmehr auch mit einem neuhebräischen Grammophonlehrgang hervorgetreten ist. Die Schallplatte ist in das auditive Unterrichtsverfahren als das einwandfreieste und zuverlässigste Hilfsmittel, als der unentbehrliche Förderer und der beste Freund des Lernenden und des Lehrenden, als der die Persönlichkeit des Lehrers stärkende und den Unterricht besonders belebende Faktor eingebaut worden. Wird der Sprachlehrer, der das fremde Idiom wahrhaft meistert, diesen echten Träger der Sprache nicht missen wollen, so wird derjenige, dessen Können nicht ganz vollkommen ist, ja der sich im Unterricht des Idioms gar nicht bedienen kann, nicht nur um seiner Schüler, sondern eher noch um seiner selbst willen auf die Schallplatte nicht verzichten können. Besonders im Hebräischen bedarf der Lehrende selbst der Schallplatte als seines besten pädagogischen Freundes, als des gleichbleibenden Regulativs seiner Aussprache und Intonation. Gerade angesichts der gesteigerten Ansprüche des hebräischen Unterrichts und der berechtigten Forderungen aller sich für Palästina sprachlich Vorbereitenden, sollte nicht nur der Autodidakt, sondern auch jeder Lehrende zu diesem ersten Schallplattenkursus freudig greifen. Diese vorliegende auditive Erstlingsarbeit auf dem Gebiet des Hebräischen umfaßt 6 nach dem modernsten elektrischen Verfahren aufgenommene Schallplatten, deren Texte einem kleinen Unterrichtswerk von Rabbiner Dr. Cohn, Berlin zugrunde liegen und die von vorzüglichen Kennern des Neuhebräischen gesprochen worden sind. Der Kursus führt in die Elemente der Grammatik ein, deren Grundbegriffe und wichtigsten Formen in einem lebendigen Zwiegespräch zwischen Lehrer und Schüler vermittelt werden, umfaßt einen Dialog zwischen einem Touristen und einem Einwohner Palästinas und enthält kleine, vielseitige Gespräche aus dem täglichen Leben. An den Dialog mit einem Chauffeur reiht sich eine Unterhaltung auf einer Fahrt im heiligen Land. Der Einkauf von Lebensmitteln, der Besuch beim Arzt, die Hauptbegriffe des Geldverkehrs, des Briefwechsels, Gespräche über Seefahrt, Landung, Sprache, Wetter und Zeit erfüllen eine vierte Platte. Mit einer Unterhaltung auf der Post wechselt ein kurzer Dialog auf der Eisenbahn ab. Die notwendigsten Redensarten einer Empfehlung und eines Besuchs fehlen nicht. Knappe Gespräche beim Friseur, im Hotel und beim Handwerker sind phonographisch gut fixiert, und Dialoge, über Wäschekauf, über das Rauchen, im 'Speisesaal, über_ die Erkundigung, in der Kolonie und über einen Anzugskauf beschließen die Fülle des reichhaltigen, vortrefflich dargebotenen Stoffes. Dieser Schallplattenkursus stellt einen wohlgelungenen und vielversprechenden Anfang dar. Es ist nicht verwunderlich und darum verzeihlich,- daß er auch die Unzulänglichkeiten einer Erstlingsarbeit zeigt. Das gilt besonders und fast ausschließlich in methodischer Hinsicht und bezieht sich auch darin nur auf den grammatischen Teil, der bei seiner auditiven Darbietung in seiner visuellen Bindung — nicht vom Laut, sondern vom Buchstaben ist ausgegangen — einen grotesken Widerspruch aufweist. Wie in jeder anderen Sprache, so geht es auch im Hebräischen besonders in grammatischer Beziehung nicht nur darum, die Sprache anders, sondern eine andere Sprache zu lehren. Da man dies im Hebräischen noch gar nicht erkannt zu haben scheint, geschweige denn dazu fähig wäre, aus einer solchen Erkenntnis die. notwendigen sprachlichen und methodischen Folgerungen zu ziehen, hätte man auf den grammatischen Teil, der kaum mehr als eine Platte umfaßt, am besten ganz verzichtet. Gegen alle übrigen Darbietungen die Gespräche aus dem täglichen Leben, ist sowohl methodisch wie stofflich nicht das Mindeste einzuwenden. Sie müssen als besonders geeignet und vortrefflich gelungen angesprochen werden. Auch in stilistischer Hinsicht sind die Texte — von einigen wenigen geringfügigen Germanismen abgesehen — sehr brauchbar, und sie werden den Lernenden in den Geist der Sprache bestens einführen. Den größten Nutzen zieht der Unterricht aus den Schallplatten für die sprachlich unmittelbarsten Bezirke: die Aussprache und Intonation, die ganz ausgezeichnet sind und jedem Lernenden als vorzügliches und unentbehrliches Vorbild dienen können. So kann man nicht nur vom methodischen, sondern auch vom sprachlichen Standpunkt aus diesem Schallplattenkursus weiteste Verbreitung wünschen. Diesem ersten imponierenden Versuch müßte nicht nur allseits mit Interesse, und Verständnis begegnet werden, nicht nur der Dank aller Lernenden und Lehrenden gewiß sein, sondern ein ausgiebiger Gebrauch der Schallplatten, der allein beste Gewähr für eine vortreffliche Aneignung des hebräischen Idioms bietet, müßte dem mutigen Verlag Ansporn für weitere, umfangreichere und vollkommenere auditive Werke im Dienste aller Juden und der hebräischen Sprache sein. Bücherbesprechungen. Lehrbuch der Psychologie. Von Rudolf Hauser.' F r e i b u r g (Breisg.) 193 3. Herder u. Co. Leinen 3.—. 136 S. Dieses bereits in Oesterreichs Mittelschulen eingeführte Werk ist das erste seiner Art, das wir in deutscher Sprache besitzen. Ich habe nach solch einem Werk lange Ausschau gehalten, ohne ein geeigneteres ausfindig gemacht zu haben. Die Universitätswerke von Messer und von Külpe sind zu schwer für unsre Schüler, wenngleich gut aufgebaut. Die Heftchen ,,In Natur und Geisteswelt" zu unpädagogisch, zu knapp und oberflächlich gehalten. Ein vorzügliches Lern buch,, schade nur, daß die Köhler- Wertheimer'sche Gestalttheorie nicht etwas näher behandelt ist. Im Uebrigen werden alle wesentlichen Richtungen der modernen Psychologie in jugendgemäßer, leicht einprägsamer Weise zur Darstellung gebracht. Das Wort „Instinkt" sollte doch beibehalten werden, „Gespür" klingt ungewöhnlich. Die Kunst des Denkens. Von Ernst D i m n e t, übertragen aus dem englischen und bearbeitet von Clotilde T. Schweiger. 2. Auflage. Freiburg. 193 4. Herder u. Co. Geh. 3.40. Leinen 4.60. 292 S. Ein Buch, das unsrer Lehrerschaft wertvolle Dienste zu leisten vermag. Ein Vademecum für jeden Menschen, der erzieherisch zu wirken hat. Ein tiefes und geistvolles und dennoch leicht geschriebenes Buch, das auch unsrer reifen Jugend unbedenklich in die Hand gegeben werden kann; aber auch viele Anknüpfungspunkte für den Unterricht. Im ganzen: ein Erzieher zu klarem und logischem Denken! Goethes Allseitigkeit. Von Oscar W a 1 z e 1, Univ.- Prof. F r e i b u r g (Breisg.) 1 9 3 2. Geh. 1.40. 64 S. Goethe behält seine überragende Bedeutung im Wandel der Zeiten. Wir jüdischen Pädagogen werden vor allem Goethes G'ttesbegriff zu erfassen und im Unterricht zu präzisieren haben. Die Auseinandersetzung Goethes mit dem G'ttesbegriff durch sein gesamtes literarisches Schaffen hindurch zu:. verfolgen, wird an Hand der Lektüre des neunten Kapitels dieses Werkes ungemein erleichtert. Gibt dem Religions-, Deutsch-, Geschichtslehrer wertvolle Belehrung. Ernst Lewy, Dominium Lad in Polen.

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