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Der Israelit · 1934-11-08 · Heft 45 (8.11.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 45 (8.11.1934)
Date
1934-11-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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8. November 1934 Der Israelit Nr. 45 Seite 9 denfeindlichen Politik in Rußland Vorschub zu leisten. Um die angebliche Verschwörung konkreter zu gestalten, habe man sich dabei auf den Baseler Zionistenkongreß berufen. Außerdem bilden sie ein Plagiat des schon vielfach genannten Joly'schen Buches. Als Beteiligte an der Fälschung nennt er Raschko wsky, Manuilow und Golominsky, alle von der russischen Ge heimpolizei. Erst 1905 habe sie Minus in Buchform verbreitet. Baumgarten konnte bei der langen und eingehenden Prüfung der Sache nicht den ge ringsten Anhaltspunkt dafür finden daß in Basel von etwas Anderem als von der Schaffung der jüdischen Heim stätte gesprochen worden ist. Professor Baumgarten kommt zum Schlüsse, daß die Frage ob die von den Angeklagten verbreiteten „Protokolle" als Schundliteratur im Sinne des Gesetzes zu betrachten seien, vollauf bejaht werden muß. Polen. Die RabbinerwaMen in Warschau. Warschau, 5. Nov. Die Wahlkommission hielt bereits mehrere Sitzungen ab. Die definitive Wahl der Rabbinen wird am Sonntag, den 18. November, vor sich gehen. 61 Kandidaten haben ihre Meldungen eingereicht, von denen aber nur sechs gewählt werden können. Der Wahlakt wird vollzogen durch die Wahlkommission im Einvernehmen mit dem Vorstande und ist eine geheime. Die Wahl bedarf auch der Genehmigung der Macht, so daß die Rabbinen erst nach dieser behördlichen Genehmigung ihr Amt antreten können. Beschlüsse des C. K. der Agudas Jisroel in Polen. Warschau, 5. Nov. Auf einer Plenarsitzung des C.-K. der A g u d a s Jisroel in Polen referierte der Vorsitzende, Herr I. M. L e w i n , über alle derzeitigen Probleme der Agudas Jisroel in der Welt und in Polen, besonders über Fragen der Alijah und der Hachscharah, über das neue Organ U3*n das den Beifall der, orthodoxen Welt gefunden hat, sowie über die Propagandaarbeit und die Schaffung eines eigenen Büros im Wilnaer Gebiet. Von der Agudakonferenz in Preßburg, an der er teilgenommen hat, verspricht er eich neuen Auftrieb für die Gesamtarbeit der Agudas Jisroel. Der Sieg der Aguda bei den Stadtratwahlen in Jerusalem sei sehr hoch einzuschätzen. Schon in den nächsten Wochen wolle er sich mit einer Delegation nach Erez Jisroel begeben, um die dort brennenden Fragen einer Lösung zuzuführen. Nach einer kurzen Debatte wurde beschlossen: 1. Die Cklnuchzentrale soll durch Heranziehung neuer Kräfte verstärkt und erweitert werden. 2. Die Verteilung der von der Aguda ausgegebenen Zertifikate soll fortan durch Verlosung erfolgen, um Differenzen zu vermeiden. 3. Die Hachscharahkibbuzim wie die Werkstätten seien auszubauen und auf eine Basis zu stellen, daß sie sich selbst erhalten. Beratungen und Beschlüsse des polnischen Rabhinerverbandes. Warschau, 29, Okt. An einer zweitägigen Beratung des Rabbinerverbandes nahmen Mitglieder aus fast allen Gebieten Polens teil. An erster Stelle stand auf der Tagesordnung die Frage eines Rabbinischen Disziplinar-Gerichts . mit staatlicher Befugnis. Die Initiative dafür ging vom B i 1 d u n g s - ministerium aus, das damit ein Forum schaffen will zur Schlichtung aller Streitfragen zwischen Gemeinden und Rabbinern, wie auch zwischen einzelnen geistigen Führern. Eine Kommission des Verbandes legte der Plenarsitzung ein Regulativ für das Disziplinargericht vor, über das nun lange verhandelt Die Woche. Berlin. Wie das Gesundheitsamt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin mitteilt, ist auf Anordnung der zuständigen Stellen das Krankenhaus der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Exerzierstraße IIa, in das Verzeichnis der Privatkliniken aufgenommen worden, in welche Angehörige der V e r b an d s k r a n k e n k a s - sen eingewiesen werden können. — Die Arbeitsgemeinschaft deutsch-arischer Fabrikanten der Bekleidungsindustrie kündigt für die Zeit vom 3. bis zum 19. November eine große Propaganda-Aktion unter der Aegide führender Persönlichkeiten an, an der sich ohne Ausnahme alle Einzelhändler Groß-Berlins beteiligen werden. Fulda. Auf dem jüdischen Friedhof des kurhessischen Städtchens Rhina wurden von unbekannter Hand zehn Gräber geschändet. Die Synagogengemeinde setzte eine Belohnung für" die Ermittlung des Täters aus. London. Samuel Samuel, der englische Petroleumkönig genannt, ist im Alter von 79 Jahren gestorben. Er gehörte seit 1913 als Mitglied der Konservativen Partei dem britischen Unterhause an. Sein Bruder und Teilhaber, Viscount Bears t e d, war 1902—03 Lord Major von London und machte seinerzeit von sich reden, als er in dieser Eigenschaft sich weigerte, den Gesandten von Rumänien, wegen der damaligen rumänischen Judenverfolgungen, zu empfangen. Cypern. Von einer Gruppe englischer Juden wurde hier dieser Tage ein neuer Bodenkomplex von 3000 Dunam zur Anlage von Orangenpflanzungen erworben. Es sind zur Zeit bereits " so viele Juden in der Hafenstadt Larn a r c a , daß dort eine jüdische Gemeinde gegründet werden konnte. In der jüdischen Schule wirken zwei Lehrer aus Palästina, die von der Regierung von Cypern besoldet werden. Bagdad. Die in Palästina erscheinenden Zeitungen „Palestine Post" und „Jewish Chronicle" wurden infolge ihrer Haltung zur arabischjüdischen Frage für das Gebiet des Königreichs Irak auf unbestimmte Dauer verboten. Jerusalem. Das Gericht in Haifa hat 60 Juden, die Mitte Oktober illegal eingewandert und seitdem verhaftet sind, zur Ausweisung verurteilt. Unter den Deportierten befindet sich ein Rabbiner aus Rußland und fünf ältere Frauen. Zwölf Männer werden noch erst ein Jahr Gefängnis absitzen müssen, weil sie bereits zum zweiten Male illegal ins Land gekommen sind. — Die Verhandlungen mit dem Komitee belgischer Juden für die Anlegung eines Waldes in Palästina auf den Namen des« Königs Albert von Belgien sind nun zu Ende geführt, und sollen die Arbeiten demnächst aufgenommen werden. — Im September sind 4804 Personen, unter ihnen 4535 Juden, in Palästina eingewandert. Nur 459 zählten zur Kategorie der „Kapitalisten" mit einem Vermögen von mindestens 1000 Pfund. — Am 16. Oktober fand die Grundsteinlegung zu der Rothschild-Hadassa-Universitätsklinik auf dem Skopusberg statt, die mit Hilfe des Verbandes der jüdischen Aerzte Amerikas errichtet wird. — Der Bewegung zur H e - bräisierung der jüdischen Namen will eine Kommission dienen, die in jedem einzelnen Falle die nötigen Vorschläge macht. — Als Handelsflagge Palästinas, die von den Schiffen der vor kurzem gegründeten jüdisch-palästinensischen Schiffahrtsgesellschaften geführt werden wird, wurde der Union Jack (britische Flagge) mit einem Kreis, in dem das Wort „Palästina", usw. bloß in englischer Sprache, steht, bestimmt. — Nach einer neu aufgestellten Statistik hat die Industrie in Palästina in den letzten sieben Monaten 115 Neugründungen zu verzeichnen. — Der 2. November, für den die arabische Exekutive auch dieses Jahr zum Protest gegen die Balfourdeklaration den Generalstreik proklamiert hatte, ist ruhig und ohne merkliches Zeichen der Arbeitsruhe verlaufen. wurde. Der Entwurf sieht für das geplante Gericht 23 Mitglieder vor. Des weiteren werden Erziehungsfragen wie auch Regelung der Schechitah und anderer Gemeindeinstitutionen zur Beratung kommen. Es kam ferner die katastrophale Lage der jüdischen Bevölkerung in Sowjetrußland zur Sprache, und es wurde beschlossen, den Lubawitscher Rabbi und Rabbi Chaim Oser Grodzenski zu ersuchen, gemeinsam eine Weltaktion zu Gunsten der Juden in So-wjetrußland, insbesondere der verfolgten Rabbiner und sonstigen religiösen Funktionäre, einzuleiten. Ein scharfer Protest soll gegen die von den Nationaldemokraten in Polen getriebene Hetze gegen die rituelle Schächtung gerichtet werden. England. Der Parteiirieden im Zionismus. London, 1. Nov. Wie bereits in letzter Nummer kurz mitgeteilt, ist auf der zwischenparteilichen Konferenz der Zionisten in' London ein Abkommen getroffen worden, das so viel wie den Frieden oder mindestens Waffenstillstand zwischen den Allgemeinen Zionist e n und den Revisionisten bedeuten soll. Die Führer beider Richtungen, Ben Gurion und J a - b o t i n s k i, haben ihre Unterschrift unter den Friedensvertrag gesetzt. Die zionistische Presse feiert dieses Ereignis in gehobenen Worten. Wie sich aber dieser Vertrag in der Praxis auswirkt und ob mit jenem Federstrich in London die wilden blutigen Attacken, wie man sie erst kürzlich in Haifa erlebt hat, unmöglich gemacht werden, muß erst die Zukunft zeigen. Man weiß, die Heißsporne auf beiden Seiten sind ja schon längst über die Intentionen ihrer Führer hinausgeschritten, und so steht zu befürchten, daß sich die Streitaxt in Palästina von der Feder in London nicht dirigieren läßt. Der Friedensschluß ist auf Initiative der zionistischen Exekutive herbeigeführt worden. Nun, sie hat ja immer den Frieden gewollt und gewünscht, ohne leider sich die Menschen, die diesen Frieden gewährleisteten, zu erziehen. Nun soll, wie der „Haolam" mitteilt, der zweite Schritt nach diesem Friedensschluß zwischen Allgemeinen Zionisten und Revisionisten eine Abmachung zwischen den beiden Arbeiterorganisationen auf Grund der Hauptprinzipien der in London getroffenen Verständigung sein. Ferner soll ein zionistisches Regime geschaffen werden, das eine kraftvolle Tätigkeit nach außen ohne innere Störungen sichern kann. Lord Cecil über die Erfordernisse des Hilfswerks für die aus Deutschland Ausgewanderten. London, 4. Nov, Die Tagung des Verwaltungsrats des Internationalen Auswandererhilfswerks, die in den letzten Tagen in London stattfand, wurde t einer Ansprache des Vorsitzenden, Lord Cecil of Chelwood, abgeschlossen, in der er die Erfordernisse des Hilfswerks zusammenfaßte und die Notwendigkeit einer endgültigen Lösung der Auswandererfrage betonte. Eine solche Lösung könne nur auf zwei Wegen gefundenwerden. Der eine bestehe darin, daß man in den sogenannten vollbesiedelten Ländern Arbeitsmöglichkeiten für die Auswanderer suche, was gegenwärtig sehr schwer fallen dürfte, wenn man auch hoffen könne, daß mit der Belebung der internationalen Wirtschaft das Problem etwas leichter werden würde. Der andere Weg sei der der Auswanderung, möglicherweise einer verstärkten Auswanderung nach Palästina oder in kleinen Gruppen nach südafrikanischen und anderen Ländern, wo die Uebervölkerung nicht so groß ist wie in der alten Welt. Die Durchführung all dieser Aufgaben erfordere große Mittel, die bereitgestellt werden müssen, wenn die Arbeit fortge- ■lfiWMh»:Mi»4jil{*MhWtWillMiMMbliNfclil8lL.mi

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