Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 75 (1934)
- Issue
- Heft 44 (1.11.1934)
- Date
- 1934-11-01
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2450807-2450849--80818-2538689- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 10 Nr. 44_ .;. len, die von der Arbeitslosenliste gestrichen werden konnten. Einen bedeutenden Teil der Eingewanderten haben wir nach Palästina weitergeleitet, eine geringere Zahl nach Südafrika, manche nach Brasilien und anderen Ländern, Das Komitee hat es sich zum Grundsatz gemacht, niemanden nach einem anderen Lande weiterzusenden, bevor es gewiß war, daß der Betreffende dort Niederlassungs- und Lebensmöglichkeit finden würde, Otto Schiff schilderte sodann die Hilfsarbeit durch Gewährung von Produktivkrediten zur Gründung einer Existenz und berichtete, daß im Laufe dieses Jahres schon 3347 Pfund zurückgezahlt wurden, ein außerordentlich günstiges Ergebnis nach so kurzer Zeit. Die Umschulungsarbeit der jungen Einwanderer mache gute Fortschritte. Das Arbeitsministerium habe die Einwilligung zur Umschulung von 100 Jugendlichen erteilt. Dank der Unterstützung jüdischer Fabrikanten werden, hauptsächlich im Lande, junge Leute als Automechaniker, Zimmerleute, Schuhmacher, Schneider und in anderen Handwerkszweigen ausgebildet. Zum Schluß richtete der Redner an die Einwanderer-Jugend den Appell, sich stets ihrer Verantwortung für die jüdische Gesamtheit bewußt zu bleiben. Palästina. Allerlei aus Palästina. Jerusalem, 24. Okt. Derzeit sind eine Reihe von Projekten zur Errichtung von Hotels und Sanatorien auf den Hügeln um Jerusalem in Bearbeitung. Bei diesen Plänen wird damit gerechnet, daß die Höhen um Jerusalem im Sommer ein angenehmes Klima aufweisen und als Kuraufenthalt in Betracht kommen. Man erwartet, daß die Umgebung Jerusalmes, sobald entsprechende Einrichtungen geschaffen sind, von vielen Bewohnern Tel Awiws und Haifas, die bisher im Sommer den Libanon aufzusuchen pflegten, als klimatische Höhenstation und Sommerfrische bevorzugt werden wird. Die agudistischen Chaluzim von Machne Jisr o e 1 verbrachten das Sukkausfest in der Stadt des Emek A f u 1 e und rissen mit ihrer Begeisterung für Thora und jüdische Arbeit die ganze Kolonie mit. In der Synagoge wurden Freudenfeste gefeiert, wie sie Afule seit ihrer Gründung noch nicht erlebt hat. In Afuleh fand eine von der Absatzgenossenschaft T h n u w a h einberufene Versammlung von Vertretern jüdischer Siedlungen, die sich mit Gemüsebau beschäftigen, statt, in der festgestellt wurde, daß die Gemüseanbaufläche der jüdischen Siedlungen im Emek, im Nuris-Gebiet und im Jordantal verkleinert worden ist. Der Grund hierfür ist der Arbeiterm a n g e 1 infolge der Einwanderungsbeschränkungen und der verstärkten Arbeiternachfrage auf anderen Gebieten. Es wurde betont, daß der Gemüseverbrauch weitaus höher ist, als die Produktion der jüdischen Siedlungen. Aus dem Umstände, daß die jüdischen Bauern den jüdischen Markt ungenügend beliefern, ziehen arabische Gemüsegärtner und Händler Vorteil. Der Kampf um die jüdische Arbeit in Palästina. Jerusalem, 24. Okt. Der Kampf um die jüdische Arbeit geht lustig weiter. In Kfar Ganim, unweit von Petach Tikwah, sind elf jüdische Arbeiter, die vor dem Pardeß des Herrn Feinstein, in dem nur Araber beschäftigt sind, Wache standen, verhaftet worden. Die Histadrüth hat jede Vermittlung und Verhandlung mit dem Verwalter, Herrn Schreier, abgelehnt, weil er die Polizei gegen Juden angerufen hat. Der Besitzer selbst wohnt in Kowno und soll dort, wie die Arbeiterpresse hervorhebt, eine Rolle in dre zionistischen Bewegung einnehmen. Am gleichen Tage sind in Tel Awiw 8 Juden verhaftet worden, die vor einem Bauplatz gegen die Verdrängung jüdischer und Einstellung arabischer Arbeiter demonstrierten. Bei dieser Demonstration wurden auch vier Araber und zwei Juden verletzt. Ueber die schweren Exzesse in Haifa .wurde bereits berichtet. (Siehe auch Wochenrundschau.) Der Israelit Die Woche. Berlin. Die alttestmentlichen Texte in Händeis Chorwerken sind vom Präsidenten der Reichskulturkammer geprüft worden. Nach der amtlichen, in Fachblättern veröffentlichten Mitteilung der Reichskulturkammer „geben sie zu Ber anstandungen keinen Anlaß". — Die Stettiner Zweigstelle des Palästina- Amtesin Berlin für die Beratung jüdischer Auswanderer nach Palästina ist durch den Reichsinnenminister als gemeinnützig anerkannt worden. Eine gewerbsmäßige Tätigkeit als Berater ist nicht statthaft. — Die Volksbank „Iwria" hat zur* Förderung von Konversionsgeschäfte, die heute für den Export besondere Bedeutung haben, eine Warenabteilung eingerichtet, \ die sowohl den Informationsdienst, als alle ,f. , mit dem Export und Import zusammenhän-'; v .genden bankmäßigen Geschäfte übernimmt. Mannheim. Die in Neustadt (Haardt) erscheinende „Rhein NSZ Front" berichtet aus Ludwigshafen: „Am Samstagabend kam ' es im Ufa-Palast im Pfalzbau zu einem Tumult, als. während der Propagandafilmvorführung auch der' Werbefilm einer jüdischen Firma vorgeführt wurde, so daß das Theater schließlich geräumt und für den Abend geschlossen werden mußte. Altona. Der „Brith Chaluzim Dathiim" hält in der Zeit vom 2. bis zum 5. November in Altona- Blankenese ein großes Treffen ab. Im Mittelpunkte der Verhandlung stehen Erez Israel- und Hachscharahfrägen. Wien. Im 85. Lebensjahre ist in Wien Ing, Johann Kremenetzky, ein Mitbegründer des politischen Zionismus unter Herzl, gestorben. — Der ehemalige Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, ist im Alter von 92 Jahren verstorben. Hofrat Dr. Rappaport ist fast vierzig Jahre lang im Staatsdienste tätig gewesen und fungierte zuletzt als Stellvertreter des Finanzprokurators. Kattowitz. Am 6. November wird hier die 5 0. Wiederkehr des Tages, an dem in Kattowitz die Partei der „Chowewe Zion" ■ (Vorläuferin des politischen Zionismus} gegründet wurde, feierlich begangen werden. Prag. Der erste große Transport von Palästinawanderern aus Karpathoruß- 1 a n d, 35 Familien mit 140 Seelen, wird am 8. November über Konstanca die Reise nach Palästina antreten. Es sind gut ausgebildete Handwerker, Landwirte und Straßenbauarbeiter. Zu ihnen gesellen sich noch 60 slovakische Chaluzim. — Kurz vor Jomkippur beschlagnahmten in B i 1 k y in Karpathorußland Steuerbeamte in der dortigen Synagoge, um einen Gebührenrückstand einzutreiben, die Bänke und Betstühle, ebenso Leuchter und Gebetbücher, die aus dem G'tteshause fortgeschafft wurden. Die Gemeinde war dadurch in ihrem G'ttesdienste am heiligsten Tage behindert. Das führte am 24. Oktober zu einer Interpellation des Abg. Dr. G o 1 d s t e i n im Prager Parlament. Warschau. Mitglieder der Kriegsteiln-ehmervereinigung Brith H e - c h a j a 1 wurden bei der Ortschaft N o w em i e s t o in der Gegend von Warschau von mit Messern bewaffneter Dorfjugend überfallen. Die Angegriffenen setzten sich gegen die starke Uebermacht zur Wehr und hielten stand, bis Polizei herankam und sie aus ihrer bedrohten Lage befreite. Zwei Mitglieder des Brith Hechajal wurden erheblich verletzt. Sundel Josko.wicz ist seinen Verletzungen erlegen. Er hatte durch seinen heldenmütigen Widerstand die, ganze jüdische Abteilung gerettet. Eine Blutvergiftung als Folge der schweren Kopfverletzung führte seinen Tod herbei. — Es sollen hier demnächts fünf Vizebürgermeister ernannt werden. Voraussichtlich wird einer von ihnen der jüdische Stadtrat, Moritz Meisel sein, der auch in der letzten Stadtverwaltung dieses Amt bekleidete. Die Vermehrung der Zahl der Vizebürgermeister bezweckt eine bessere Bekämpfung der nationaldemokratischen Opposition in der Stadtverwaltung. Newyork. In der Zeit vom 1. Januar bis zum 30. September 1934 sind 5048 Juden in Amerika eingewandert, von denen gut die Hälfte aus Deutschland kamen. ..... ,-■ '.. ._ 1. November 19^34' Der Zusammenstoß zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilern in Haifa.; Jerusalem, 24. Okt. Ueber den Zusammenstoß zwischen Revisionisten und Arbeiterparteilern in Haifa am späten Abend des 19. . Oktober wird von der Haifaer Polizei ein Bericht ausgegeben, der folgendes besagt:f Im Makkabi-Saal in der Haifaer Vorstadt Hadar Hacarmel veranstalteten die Revisionisten. eine Zusammenkunft, zu der nur Personen mit Billet; Zutritt erhielten. 80 oder 90 Revisionisten waren zugegen. Noch vor Beginn der Versammlung, um 9.15 Uhr abends, hatten sich etwa 1500 Angehörige der Histadruth versammelt. Während der erste Redner im Saale zu sprechen begann, wurden die Saalfenster von außen eingeworfen. Die Außenstehenden riefen zehn Minuten lang „Nieder!", es folgte ein heftiges Steinbombardefnent durch die' Fenster von der jvest- Hchen, unbeleuchteten Seite des Gebäudes her,' dann wurde das Gebäude von allen Seiten bombardiert. Die Polizei, die am Gebäude ^stationiert war, machte von ihren Knütteln Gebrauch und säuberte schließlich die Umgebung des Gebäudes und der umliegenden Straßen. Um Mitternacht mußte die Polizei nochmals eingreifen, um eine angesammelte Menge zu zerstreuen. 23 Personen, Angehörige beider Parteien, wurden als Verletzte ins Hadassah-Krankenhaus gebracht; zwei waren erheblich verletzt und mußten im Krankenhaus verbleiben. Am Donnerstag abend wurden 7, am Freitag 8 Personen verhaftet. Dr. von Weisl wurde von einem' Stein am Auge getroffen, seine Verletzung ist «nur leichter Natur. Von den Polizisten wurden 7 leicht verletzt. Das Hauptbüro der Palästina-Polizei in Jerusalem dementiert die von der revisionistischen Zeitung „Hajarden" veröffentlichte Meldung, daß die Arbeiterparteiler bei ihrem Angriff auf die Haifaer Revisionisten-Versammlung Gas- und Tränengasbomben genutzt haben.; Die Zentralisation des Erziehungswesens in Palästina. Tel Awiw, 26. Okt. Die Frage, die zur Zeit alle Gemüter erregt, ist die der E r zi e h u n'g s z e n t r a 1 i s a t i o n , d. h. die Frage, ob das Schulwesen wie bisher von der Zentrale des Waad Leumi einheitlich betreut werden, oder in die Hand der einzelnen Stadtverwaltun-, gen gelegt werden soll. Waad Leumi und Stadtrat in TeLAwiw möchten gerne diese Würde und Bürde von ihren Schultern abwälzen, die „Histadruth" dagegen fürchtet bei einer eventuellen Dezentralisation um die Subventionen für ihre Schulen. In diesem Zusammenhange interessiert besonders ein Artikel von D i z e n g o f f , dem Bürgermeister von Tel Awiw, im ,,Dawar", darin ausgeführt wird, daß es auch bisher keine Zentralisation, sondern nur die Illusion einer S chu 1 z e n tr al e" gab. In Wahrheit hielten sich gerade die Histadruth-Schulen niemals an die Verordnungen der Zentrale und richteten sich in ihrem Hause ganz nach eigenem Wunsch und Geschmack ein, ohne sich vom WaadLeumi hineinreden zulassen. Nur aber schreien sie nach der Zentralisation, da wo sie um das Budget fürchten. Für diese Kreise gilt das Wort: „Waad Leumi absolut, solange er unseren Willen tut!" , Herr Dizengoff entwirft ein packendes Bild vom geistigen Trümmerhaufen, den das Erziehungssystem der Linken geschaffen hat. Wie will er aber dem abhelfen? Die Schulen sollen fortan in ihrer inneren Struktur autonom bleiben, während die Zentrale nach wie vor sich das Recht vorbehält, über die äußeren Voraussetzungen, wie sanitäre Einrichtungen usw. zu wachen. Man muß sich aber fragen: Wenn einmal die Gefahr erkannt ist, wie wollte man sie durch solche negativen Mittel bannen? Nicht Zentralisation oder Dezentralisation wird hier helfen, sondern eine Reform an Haupt und Gliedern, ein Eingreifen mit einem eisernen Besen, um von der Jugend und der Zukunft Palästinas, zu retten, was noch zu retten ist. < gui ünd.DHiig! » la Benzin 31 Pig. pro Liier,. # la oei 80 pig. an. fr fluto-zupeftör ff Garagen Konsiaoier, Frankfurt a. m~mWi