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Der Israelit · 1934-11-01 · Heft 44 (1.11.1934) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 44 (1.11.1934)
Date
1934-11-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
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1.-November 1934 Der Israelit Nr. 44 Seite 9 allein für die Jeschiwa leben. Die große Zahl seiner Anhänger, die dann gewiß zu ihm als zu ihrem Rebben strömen würde, so hoffte er, werde alle erdenklichen Opfer für sein Lebenswerk bringen, da er für sich nichts beanspruchte. Vor seiner Krönung für die neue Würde bedurfte er aber der Sanktion des heiligen Landes und der Kraft der dort ruhenden Väter. Daher sollte die Erez Jisroel-Reise schon bald stattfinden. Effektiv fand man ein Do kument im Nachlaß, das, zwei Monate vor seinem Heimgang abgefaßt, ihn für die Rebbewürde mit Unterschriften von bekannten Persönlichkeiten für die angegebene Zeit prädestiniert. Das Datum 5 6 9 7 wurde in der Jeschiwa wie ein heiliges Ge heimnis von Mund zu Mund weitergegeben. — — Die Zeire Agudas Jisroel in Polen haben zum Andenken an den Lubliner Raw die Tage vom 7. bis zum 21. Marcheschwan als „Lubliner Tek u f a h " proklamiert, die durch Vorträge, Referate, Gedenkfeiern und aktive Arbeit für die P r o p a - ganda zugunsten der Thora und der Agudas Jisroel ausgenutzt werden soll. Die Agudas Jisroel in der polnischen Randprovinz, Wilna, 26. Okt. In Ausführung eines früheren Beschlusses. begab sich eine Delegation der A. J. aus dem Wilnaer Gebiet nach Warschau, um mit der dortigen Landesorganisation über die Angelegenheiten im litauischen Polen zu beraten. Die Delegation kam zurück mit klaren Richtlinien für die9 weitere Arbeit. Das zentrale Organ in Wilna trägt den Titel „Hauptkomitee der Agudas Jisroel für die Ostprovinzen" und repräsentiert das religiöse Judentum in den Randprovinzen. Ein Ob.ersekretariat in. Wilna, dem alle Propagandaarbeit obliegt, untersteht der Warschauer Zentrale. Das Sekretariat, geleitet von Herrn Samuel Czetrowitzki aus Bialistok, ist bereits in Tätigkeit. Aufrufe, Propagandamaterial und Fragebogen wurden an alle Gruppen und alle Gemeinden der Provinz verschickt, Alle Kräfte, die für die Bewegung in Betracht kommen, wurden mobilisiert und herangezogen. Ein großes schönes Lokal wurde gemietet, das mit einer würdigen Feier eingeweiht wurde und von nun ab Herzpunkt der ganzen Agudatätigkeit sein wird. Ein neues Leben zeigt sich auf allen Gebieten. Eine Konferenz der Jeschhvaleiter im Wilnaer Gebiet. Wilna, 29.. Okt. In Bara.no wie ze tagte vorige Woche die Vereinigung der Rabbinen und Jeschiwa leite r der Ostprovinzen von P o le n. An der Spitze des Präsidiums saß Rabbi Elchanan Wassermann, die Sitzung eröffnete Rabbi K a r e 1 i t z. Nach mehreren Begrüßungen berichtete Rabbi Jecheskel Mischkowski über das Arbeitsprogramm der Vereinigung und entrollte dabei ein trübes Bild der Lage der Jeschiwoth und religiösen Schulen. Der Slonimer Raw richtet einen flammenden Appell an die Anwesenden, die letzten. Festungen der Thora zu halten und auszubauen. Nach einem weiteren Referat von Rabbi Elchonon Wassermann wurden verschiedene Kommissionen gewählt, die sofort ihre Tätigkeit aufnahmen. Rumänien. Rumänische Bauern gegen antisemitische Huligans. C h i s i n a u (Kischinew), 25. Okt. In dem Dorfe Straseni im Bezirk Lapusna, überfielen junge Burschen aus den umliegenden Dörfern die jüdischen Einwohner, warfen in jüdischen, Häusern die Fensterscheiben ein und mißhandelten; einige Juden. Dann begaben sie sich zur Synagoge und warfen auch dort die Fensterscheiben ein. Als sie jedoch Anstalten trafen, in das Bethaus selbst einzudringen, wurden sie von der inzwischen alarmierten Bauernschaft des Dorfes daran gehindert. Die Huligans ergriffen die Flucht und wurden von christlichen Einwohnern des Dorfes verfolgt. Eine behördliche Untersuchung ist eingeleitet. Neueste Wirtschaftsnachrichten aus Erez JisroeL (Nach Palnews.) Jerusalem. Der Kaufpreis für die Huly-Konzession beträgt nicht Lst. 150.000, sondern Lst. 200.000. Tel A w i w. Eine Reise des Präsidenten der palästinensischrumänischen Handelskammer in Tel Awiw nach Rumänien hat mancherlei Ergebnisse gezeitigt. Die rumänische Regierung hat gestattet, die Guthaben der palästinensischen Exporteure in Rumänien, die sich auf 17.000 Lst, beliefen, auszuzahlen. Ferner wurde entschieden, daß im kommenden Jahre wiederum 113.800 Kisten Citrusfrüchte auf das Kontingentsystem nach Rumänien exportiert werden können. Jerusalem. Die Palestine Potash Cy. Ltd. plant eine Neuemission von Shares im Werte von Lst. 400.000. Haifa. In der Haifa-Bay ist die Gründung eines Metallwalzwerkes in Vorbereitung. In das Fabrikationsprogramm werden nicht nur Walzprodukte, sondern auch Vorprodukte für Armaturen (gepreßte Messingstangen) aufgenommen. Durch die Aufnahme der Fabrikation von Halbzeug wird die Zollfrage aktuell. Der Halbfabrikatzoll ist mäßig. Die palästinensische Industrie wird aber nun daran interessiert, daß der Zoll auf Fertigfabrikate entsprechend erhöht wird. In Rischon le Z i o n wurde in der vergangenen Woche der Grundstein zu einem großen Unternehmen der Möbel- und Holzindustrie, der Tirsah Ltd., gelegt. Das Aktienkapital beträgt Lst. 18.000. Die Fabrik wird Tischlerplatten, die bisher importiert wurden, und' Wiener Möbel sowie auch Türen und Fensterrahmen herstellen. 50 Fachleute aus Wien (darunter drei Nichtjuden), für die die Zertifikate bereits erteilt sind, werden die Fabrik in Gang setzen und zunächst 100 palästinensische Arbeiter anlernen. Die Fabrikation soll am 1. Januar aufgenommen werden. Haifa. Das Motorschiff „Atid" befindet sich zur Zeit auf seiner zweiten Fahrt von Palästina Donau-aufwärts. Die „Atid" hat 720 Tonnen und ist mit den modernsten Maschinen und Deckeinrichtungen ausgestattet.' Im November will die Barnett Brother u. Borchardt Ltd. einen Neubau von der Größe der „Atid" in Dienst steilem Das neue Motorschiff soll den Namen „Awoda'N führen und den Küstendienst an der ägyptischen, palästinensischen und syrischen Küste aufnehmen. Die Besatzung ' der „Atid" besteht fast ausschließlich aus deutschen und palästinensischen Juden. Bei der Hamburger Stammfirma werden seit dem Sommer 1933 Chaluzim auf ihren Schiffen als Seeleute ausgebildet. Tel Awiw. In Kirjath Arje, das nach Verlauf von drei Jahren ein industrielles Zentrum von 36 Fabriken darstellen soll, befinden sich zur Zeit zwei Unternehmungen, die Eimerfabrik D 1 e e und die Speiseölfabrik von Lebovich in Betrieb. Drei Fabriken sind im Neubau fertiggestellt. Die Eimerfabrik Dlee stellt Artikel aus verzinktem Schwarzblech her, wobei der Import belgischer Eimer eine starke Konkurrenz bildet. Bei genügendem Zollschutz könnte die Fabrik doppelt bis dreimal so viel Arbeiter beschäftigen. Tel Awiw. Aus der Einwanderungsstatistik für die ersten acht Monate des Jahres ergibt sich, daß auf einen Kapitalisteneinwanderer knapp zwei Arbeiter-Einwanderer kommen, ein unmögliches Verhältnis. Man schätzt die jüdische Bevölkerung am 1. September 1934 auf 222.000 Seelen in den Städten und auf 61.000 Seelen auf dem Lande und in Landstädten. Eine ausführlichere Darstellung der statistischen Ziffern folgt. Tel Awiw. Obwohl es in Palästina vier Marmeladefabriken gibt, werden jährlich für viele Tausende von Pfund ausländische Marmeladen aus spanischen Orangen eingeführt. Die Einführung eines angemessenen Zolles auf Marmeladen ist unvermeidlich, damit insbesondere auch der nichtexportfähige Teil der Citrusfrüchte in der palästinensischen Marmeladefabrikation Verwendung finden kann. Tel Awiw. Ein Unternehmer aus Lodz hat eine Teerpappenfabrik errichtet, die zunächst 12—15 Arbeiter beschäftigt. Die Teerpappe mußte bisher importiert werden, wobei man um den Gewichtszoll zu sparen, möglichst leichte Pappen einführte. uT* . Diese Haltung rumänischer Bauern bildet eine Illustration zu den Aeußerungen des ehemaligen Senators und Generalsekretärs des jüdischen Gemeindebundes für Altrumänien, Horia Carp, in der letzten Nummer des „Curierul Israelit" über die „klassische Toleranz" des rumänischen. Volkes. Das Landvolk, schrieb Carp, kennt keinen Antisemitismus; nur durch Demagogen wird der Antisemitismus auch aufs Land getragen. Es läge durchaus in der Macht der Regierung, dem antisemitischen Treiben ein Ende zu setzen. (ITA.) Griechenland. Eine Warnung des Generalgouverneurs, Saloniki, 25. Okt. In einer öffentlichen Erklärung richtet der Generalgouverneur von Saloniki, Pericles R h a 11 i s , eine Warnung an die in letzter Zeit wieder sehr rührigen antisemitischen Kreise in Saloniki, ihre Hetze nicht zu weit zu treiben, da die Regierung gegen jeden Versuch, judenfeindliche Ausschreitungen zu begehen, mit den schärfsten Mitteln vorgehen werde. Unter Hinweis auf eine vom antsiemitischen Studentenverband soeben verbreitete Flugschrift erklärt der Generalgouverneur, daß die Aufreizung gegen die Juden, wie sie in derartigen Schriften geschieht, unbedingt verbrecherisch sei. Die Studenten, sagt Generalgouverneur Rhallis, wollen offenbar einen zweiten Campbell-Fall (Niederbrennung des jüdischen Campbell-Viertels im Jahre 1931) provozieren, wir werden es jedoch nicht zulassen, daß es zu solchen Ereignissen kommt. Die Vorstellung, daß es den Antisemiten gelingen könnte,^ nochmals solche Ausschreitungen zu begehen, ist absurd. Die antijüdischen Ausschreitungen in Thrazien. Saloniki, 19. Oktober. . Der türkische Außenminister Tewfik RuschdiBey, der die türkische Regierung bei den Feierlichkeiten anläßlich der Beisetzung König Alexanders II, in Belgrad vertreten hat, empfing auf der Durchreise in Saloniki Vertreter der jüdischen Presse, die ihn über die antisemitische Bewegung in Türkisch-Thrazien befragten. Der Minister erklärte, die Ausschreitungen in diesem Gebiet seien ein bloßer Zwischenfall gewesen, der endgültig der Vergangenheit angehört. Aus dem von der türkischen Regierung veröffentlichten Communique sei zu ersehen, mit welcher Schnelligkeit die Regierung den antijüdischen Ereignissen entgegengetreten sei. In ainserem Lande, schloß der Minister, ist es niemandem erlaubt, unter welchem Vorwand immer, Ruhe und Ordnung zu stören. Wir lieben Frieden und Disziplin; bedauerliche Ereignisse wie die judenfeindlichen Ausschreitungen in Thrazien können sich nicht mehr wiederholen. England. Aus Deutschland ausgewanderte Juden in England London, 24. Okt. Der bekannte Philanthrop Otto M. Schiff hielt s Vorsitzender des Jew's Temporary Shelt e r (Vereinigung für Obdachbeschaffung) auf der Jahrestagung des Vereins eine Ansprache, in der er sich ausführlich mit der Unterbringung und wirtschaftlichen Einordnung aus Deutschland eingewanderter Juden in England befaßte, wobei er betonte, daß sich diese Einwanderer durch ihre bisherige Tätigkeit auf wirtschaftlichem und wissen- | schaftlichem Gebiet als ein Gewinn für das Land erwiesen hätten. Es hat sich gezeigt, führte Otto Schiff aus, daß I die Einwanderer tatsächlich einen Gewinn für unser Land bedeuten. Abgesehen von den Akademikern, die hier Forschungsarbeit leisten und schon dadurch selbstverständlich eine Bereicherung sind, haben sich auch diejenigen als wertvolle Elemente für das Land erwiesen, die erfolgreich Betriebe ins Leben gerufen I haben, in einigen Fällen Dutzende, in anderen Hunderte von Arbeitern beschäftigen und damit zur Milderung der Arbeitslosigkeit beitragen. Es hat sich gezeigt, daß auf jeden Einwanderer, den wir in Brot und Erwerb gebracht haben, zehn Engländer entfal-

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