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Der Israelit · 1934-11-01 · Heft 44 (1.11.1934) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
75 (1934)
Issue
Heft 44 (1.11.1934)
Date
1934-11-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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1; November 1934 Der Israelit Nr, 44 Seite 7 offenes Wort, über die Frage der frühzeitigen .Ehe. Junge Menschen müssen hier ernste Verantwortung bewähren. Die Eheschließung ist ein .Schritt nicht für heute, sondern für morgen, für das Leben. Jede Heirat ein Ereignis in der jüdischen Geschichte. Bei; der Forderung des Erwerbs einer agudistischen Erez Jisrael-Ideologi'e wurde vor Schlagworten gewarnt. Die Schriften;über ägudistische Ideologie sollen nur Wegweiser sein. Man muß sich seine Stellungnahme erarbeiten. Neben einer wirklichen. Vertrautheit mit der Welt des Lernens, der Kenntnis!des heutigen, Palästina, wurde auf die heute bestehende Notwendigkeit einer geistigen Schulung (Lektüre, Aufsätze) hingewiesen und eindringlich die Bedeutung der Kenntnis der jüngsten jüdischen Geschichte betont. In jedem Stadium des Heranreifens der Ideologie, muß klar-'sein: ., Warum Aguda, warum; Noar Agudati? •< Nachmittags gab Chawer Sami S t o 1 b e r g einen allgemeinen Ueberblick über das Gebiet der Palästina-Kunde und die wichtigsten Fragen- : Komplexe, die mit dem Palästina-Aufbau zusammenhängen. Er verband damit die Forderung an alle Chawerim und Chawerpth in den Hachschara-Zentren und Shif-Gruppen, die intensive Beschäftigung mit den Erez Jisrael-Fragen in die Tarbuth-Arbeit stärkstens einzubeziehen. „Eine; sachgemäße Beurteilung der derzeitigen Verhältnisse in Palästina erfordert eine gründliche Kenntnis der Voraussetzungen,' die — un-; ter Berücksichtigung der geographischen und klimatischen Verhältnisse — von den Kolonisationsuranfängen zu den modernen Siedlungsbestrebungen geführt, haben, Von den Hauptpunkten seien genannt: Die Bedeutung Palästinas, geographisch und 'historisch — die Geschichte der Alijoth — Palästina heute: Verwaltung, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur. Der organisatorische und kulturelle Aufbau der verschiedenen. Arbeiterorganisationen, Kapazitäten des Landes, Konjunkturentwicklung, gegenseitiges Verhältnis der Juden,' Araber und Engländer, :— der kolonisatorische Aufbau, Siedlungsformen — die allgemeine politische Entwicklung in. Erez Jisrael, speziell die innerjüdisch-politische. Man muß sich darüber klar sein, daß die uns erwartenden Schwierigkeiten groß genug sind, um eine gründliche Vorbereitung unserer Menschen als unbedingte Notwendigkeit zu erkennen. Am Abend nach dem Essen, sprach Herr Rabbinatsassessor Dr. M. S c h 1 e s i n g e r über den richtigen Sinn des Begriffes' „Awodath Haschern", seine zentrale Stellung im Judentum und die Notwendigkeit, seine Haltung als unser bewußtes, richtig verstandenes, höchstes Ziel, gerade in der N, A.-Bewegung zu erneuern. Die durch zahlreiche Beispiele aus der Thora und dem praktischen Leben belegten Ausführungen werden s. G. w.; in Kürze veröffentlicht werden. Am Sabbat Vormittag zeigte Chawer Herbert S o n ii in seinem Referat den Standort des Noar Agudati im Verhältnis zu den anderen Erez Jisrael-Richtüngen, . ■' / : Eine' Darstellung des geistigen Standortes einer jungen Gemeinschaft setzt voraus die klare' Erkenntnis de.r; geistigen Umwelt. Wir. stehen in-,-der Realität/ in der Wirklichkeit. Wir ] erstreben,, uns , mit einem; geschichtlichen Situationsbewußtseih zu erfüllen. Nur die Geschichte b'ffeiibart uns das Wesen'des Juden-! tums und des 1 jüdischen Volkes.: Die' deutsche Nach- Emanzipationsjudenheit gab dem Judentum nur sehr geringen Lebensraum in der geistigen Umwelt. Nicht nur äußere Faktoren, seelische Momente führen zu einer nationalen Emanzipation, zur Entstehung des Zionismus. Der Gedanke der Einheit des jüdischen Volkes ist die Wurzel.. Aus einem Objekt der Geschichte soll das jüdische Volk wieder Subjekt der Geschichte werden. Doch der politische' Zionismus schöpfte seine Begriffe zur Deutung des jüdischen Volkes;; des jüdischen Staates, aus dem westeuropäischen Kulturkreis. Darin aber scheidet sich der Zionismus von der jüdischen Weltanschauung. Auch das Zurückgreifen auf die Thora geschah nur zur lebensgemäßeh Umgestaltung, nicht aber sollte das Leben thorägemäß gestaltet werden. —. Mehrheitsentscheidung auch in kulturellen Fragen. „Religion ist Privatsache". Hiergegen konnte der Misrachi nur protestieren, nichts daran ändern. Der Misrachi betrachtet unsere Selbständigkeit als Austritt aus dem jüdischen Volk. Ist dies etwa richtig? Der Zionismus ist anti-historisch, er ist futuristisch, er will jüdische Geschichte überwinden, nicht durch sie sich verpflichten lassen. Hingegen der Misrachi mit bewußt betontem Historismus, Verpflichtung durch die Geschichte. — Eine Synthese aus Futurismus und Historismus, aus diesen beiden Seinsformen ist undenkbar. Es entstünde etwas Neues, nicht mehr jüdische Weltanschauung, die ganz gestalten will. Der Chawer des N. A, fundiert sein Berufsethos in seinem jüdischen Streben, in dem Awodath Haschem- Gedanken jeder Arbeit. Hierin unterscheidet er sich von jedem anderen Poel. In der Wahl seiner Forderungen und seiner Mittel unterwirft er sich bedingungslos dem Din Thora. — Der Bachad will einen neuen Menschentyp, den religiös revolutionären jüdischen Menschen (M. Unna), während wir religiös konservativ seien. In Wirklichkeit sind diese beiden Typen nicht jüdisch. Wir wollen lebensgestaltend und lebenserfüllend sein. Wir wollen alle Lebensbe- * zirke mit dem Geist der Thora durchdringen. Nicht ist Bewahrung -Selbstzweck, aber die Teile des gan- . zen religiösen Daseins sind unbedingt. ' Alle Juden zu erfassen, ist unsere Aufgabe.-' ^Der Klall-Gedahke gehört zum Wesen des Juden- "tums. Unsere Chawerim sollen sich verantwortlich, fühlen für den Klall-Jisrael und mit ungeheurer Dynamik versuchen, jeden jüdischen Menschen umzugestalten für das Leben der Thora. Ringen, Kämpfen für die Thora. Dieses Kämpfen und Ringen um jeden jüdischen Menschen, um den Klall Jisrael,, um Erez, Jisrael für die Thora, für das Leben der Thora ist' dynamisch aufgeschlossener Agudismus.. Deswegen fordern wir, Vertrauen und Mitarbeit der Agudas Jisroel. Wir verlangen das Vertrauen ihrer Führer, wir verlangen ihre Jugend. (Schluß folgt.) Korrespondenzen, Deutsches Reich. Sabbatdispens in der Schule. Frankfurt a. M., 25. Okt.. ' Auf der Gesamtvorstandssitzung des 'Jüdischen Frauenbundes in Bad Nauheim am 10. Oktober . wurde folgende Resolution gefaßt: ' Der Jüdische Frauenbund richtet an alle jüdischen Eltern die dringende Aufforderung, die K i nder, am Samstag vom Schulbesuch befreien zu lassen. ' . - Durch den Erlaß des Reichsministers vom 16. März 1934 und die im Zusammenhang mit dem Staatsjugendtag erfolgende Aenderung der Stundenpläne ist die Möglichkeit gegeben, daß unsere Ju- : gend das. Sabbatgebot hält und ihr vor allem durch die Teilnahme am G'ttesdienst, durch Lernstunden, Oneg Schabbos-Veranstaltungen, jüdisches Sein und jüdisches Wissen. vermittelt wird; Der Jüdische Frauenbund wird sich für die allgemeine Durchführung einsetzen und für eine würdige Ausgestaltung des Sabbat in den Gemeinden mit Sorge tragen. Rassenargument als Geschäftspropaganda, .- r '.. . Berlin, 28. Okt. i» Vertreter einer Firma! der;iG ü mmiindustri.e hatten: versucht,'die Erzeugnisse der Konkurrenz dadurch zu verdrängen, daß sie der Kundschaft erklärten, der Inhaber der Konkurrenzfirma sei ein tschechischer Jude und bei seinen Geschäften handele' es sich um „Schmutzgeschäfte jüdischer Schmutzfinken." Wegen dieser in betont abfälliger Wesie gemachten Aeußerungen verklagte der Betroffene die. Firma der Vertreter auf Schadensersatz. Das Reichsgericht hat als letzte Instanz die Schadensersatzpflicht der beklagten Firma jb e, j a h t (wie in diesem Fall die unteren Instanzen entschieden hatten, ist nicht bekannt) und zwar aus folgenden Erwägungen! Nach den Erfahrungen im Wirtschaftsleben sei davon auszugehen, daß die von einem Vertreter der Beklagten zunächst schriftlich .aufgestellten, er-, wähnten Behauptungen ( einen Schaden des Klägers verursacht haben, denn das Vertrauen zu einer Firma müsse durch die Behauptungen, der Inhaber sei tschechischer Jude und die Geschäfte seien Schmutz- ' geschäfte jüdischer Schmutzfinken, selbstverständlich beeinträchtigt werden. Darüber hinaus sei der Beweis erbracht, daß Vertreter der Beklagten die jüdische Rasseeigenschaft des Klägers auch bei mündlichen Angeboten in einem Umfange betont haben, der notwendig eine Schädigung des Klägers im Gefolge haben mußte. Für diese Verfehlungen ihrer Vertreter sei die Beklagte gemäß § 831 BGB. verantwortlich, und zwar deshalb, weil nach der allgemeinen Auffassung in der Wirtschaft jeder Betriebsinhaber verpflichtet sei, die kaufmännischen Angestellten zu leiten, zu überwachen und alle ihre Maßnahmen ständig 2U Überprüfen. Wenn der Beklagten auch zuzugeben sei, daß sie bei der Auswahl ihrer Vertreter die nötige Sorgfalt habe walten lassen, so sei sie aber damit noch nicht entlastet, denn den ihr weiter obliegenden Beweis, daß sie ihre Vertreter, die bei der Kundenwerbung die jüdische Rasseeigenschaft des Klägers erwähnt hätten, mit der notwendigen Sorgfalt überwacht habe, habe sie nicht erbracht. Sie habe nicht beweisen können, daß sie zielbewußt ihre Vertreter, dahin beeinflußt habe, solche Erwähnungen zu vermeiden. Erst während des Prozesses habe sie die Anweisung gegeben, solche Hinweise zu unterlassen. Demzufolge müsse sie für den dem Kläger entstandenen Schaden haften. Auskunft über ärzterechtliche Fragen. Berlin, 26. Okt. Nach § 25 der Verordnung über Zulassung von Aerzten zur Tätigkeit bei den Krankenkassen (Zulassungsordnung) vom 17. Mai 1934 (RGB. I, 399) erteilt Auskunft über die Auslegung und Anwendung der Zulassunßsordnunö die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands (Berlin, SW. 19, Lindenstr. 42). Sie kann sich in Zweifelsfällen unter Darlegung ihrer Auffassung an den Vorsitzenden des Reichsschiedsamtes wenden. Es ist dagegen völlig abwegig, Zentralbehörden (Reichs- oder Landesministerien) wegen Auskunftserteilung in ärzterechtlichen Fragen anzurufen, weil diese Stellen hierfür nicht zuständig sind und die Fragesteller lediglich an die Kassenärztliche Vereinigung Deutschlands verweisen müssen. Die Juristisch-Wirtschaftliche Beratungsstelle des Centraivereins, Berlin, W^ 15, Emserstr. 42, die im Auftrage der Reichsvertretung der Deutschen Juden der jüdischen Gesamtheit zur Verfügung steht, ist gern bereit, jüdischen Aerzten (Mitgliedern' lind Nichtmitgliedern) in Zweifelsfragen Auskunft zu erteilen. „Eine von Juden reine deutsche Wirtschaft". — Rede Julius Streichers vor Nürnberger Wirtschaftsführern. Nürnberg, 25. Okt. Die „Fränkische Tageszeitung" berichtet über eine Rede, die Gauleiter Julius Streicher vor den leitenden Männern von Industrie, Handel, Handwerk und Gewerbe in Nürnberg und Fürth gehalten hat und in der er sich eingehend mit der Judenfrage befaßte. In diesem Zusammenhäng führte Julius Streicher dem Bericht der „Fränkischen Tageszeitung" zufolge u. a. aus: „Der Deutsche nennt einen anständigen, ordentlichen Erwerbsgeist sein eigen, er kennt aber keinen Finanzgeist. Gesundem Erwerbssinn und Erwerbsgeist werden immer jüdischer Finanzsinn und Finanzgeist gegenüberstehen. In den Kirchen wird von*' der Erbsünde gesprochen. Die eigentliche Erbsünde ist die Sünde wider die Rassengesetze, ist die Rassenschande. Jahrhunderte hindurch hat der Jude unser Blut verseucht. Wenn alle Väter und Mütter die Rassenfrage kennen würden, wäre es bald anders in dem deutschen Volk. Wenn wir erst die Rassengesetze geschaffen haben, die wir brauchen, wenn wir verhüten, daß das deutsche Blut geschändet werden kann, dann gehen wir einer schönen Zukunft entgegen, dann mag die ganze Welt gegen uns sein, das deutsche Volk wird seinen Weg zur Höhe wieder finden . . ." Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erklärte der Redner: „Wir haben vor 14 Jahren prophezeit,

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